Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 283 (8.6.1933)
- Date
- 1933-06-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DR STIMME Nr. 283 — 8. Juni 1933 Seife 6 Jm in ... .. ii H— .—.— ————— Nationale Solidarität Von cand. theol. et phil Michael Patron Die innere Zersplitterung im Zionismus hat in letzter Zeit Formen angenommen, die nicht nur einem einfachen Verständnis für nationale Interessen widersprechen, sondern auch jede anständige Art der Austragung politischer Gegensätze oder Meinungsunterschiede verleugnen. Es ist klar, daß Meinungsunterschiede innerhalb einer großen Bewegung bestehen und bestehen müssen. Diese Meinungsunterschiede aber müßten einenr höheren nationalen Prinzipe, aus welchem der Ursprung der Bewegung stammt, untergeordnet werden und die Gegensätze politischer oder sonstiger Natur sollten, durch dieses Prinzip gemildert, in vermittelndem Sinne ausgetragen werden. Die Gehässigkeit aber, mit welcher heute in der zionistitchen Welt gegeneinander gekämpft wtrd, das häufige Sichbeschränken auf ganz enge Parteiinteressen raubt der Bewegung jeden großen Schwung und jeden tiefen Inhalt. Es widerspricht dies nicht nur der heutigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lage des Judentums, sondern auch dem Urwesen des Zionismus, indem es sein Wesensmoment, nämlich' die Wiederherstellung des verlorengegängenen Bewußtseins der nationalen Solidarität, verneint. Wenn wir den Lauf der jüdischen Geschichte verfolgen, so finden wir eine Bestätigung dieser Behauptung. Als der zweite Tempel in Trümmern lag und das jüdische Volk in alle Teile des großen römischen Imperiums zerstreut wurde, da hörte die nationalpolitische Selbständigkeit des Volkes auf. Von da an war Thora, oder besser gesagt, die jüdische religiöse Tradition die Macht, die dem bodenlosen Volke das Einheitsgepräge gab, es zusammen hielt und ihm aus dieser Verfassung heraus eine einzigartige nationale Form gab. Diese Umstände führten dazu, daß ein starkes Solidaritätsgefühl unter den Juden in allen Galuthländern erstand. Das, was für die jüdische Galuthgeschichte bezeichnend ist, ist die ins Extreme geführte nationale Solidarität, die sich nicht nur dem Volke als ganzem, sondern auch jedem Individuum soweit einprägte, daß schließlich keine Trennung zwischen den nationalen und individuellen Interessen feststellbar gewesen wäre. Der Begriff des «Reschut-Hajachid»; der Individualinteressen und «Reschut-Harabim», der Gemeininteressen war fast verschwunden, da sich jedes Individuum für die Interessen des ganzen Volkes verantwortlich fühlte und die Schmerzen des Volkes die des Individuums waren. Diesen einzigartigen Zug finden wir in der ganzen Diasporageschichte, angefangen von der Zerstörung des Tempels mit ihrem höchsten Ausdruck bei Jehuda Halevi Bei Kopfschmerzen, rheumafischen und gichtischen Beschwerden wirken Togal-Tabletten rasch und sicher. Wenn Tausende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen, ln allen Apotheken des In- und Auslandes. Preis S 2.40. durch die mystische Literatur bis zum Chassidismus. «Jeder Jude ist für den anderen verantwortlich», lautet fälschlich eines dieser Prinzipien, und dieses Prinzip hat sich auch im tatsächlichen Leben der Juden in der Diaspora bewährt. Eine Aenderung der Verhältnisse brachte erst die französische Revolution. Mit ihr?n großen Losungen, die die Befreiung der Menschheit und auch der Juden brachte, versetzte sie zugleich denr Judentum einen heftigen Schlag. Sie predigte die Freiheit des Individuums und gab auf diese Weise dem jüdischen Individuum den Anstoß, sich aus den Bindungen der jüdischen Solidarität loszulösen, nur seinen eigenen individuellen Interessen nachzugehen und so die Einheit der nationalen Interessen zu brechen. Wir wissen, was die Folge dieses Prozesses war: die Assimilationsbewegung, die allmähliche Entfremdung von jüdischen Interessen und Judentum und nicht zuletzt die Taufe. Erst der Zionismus vermochte eine Antwort auf diese abnormalen Verhältnisse zu geben, den kranken Organismus des jüdischen Volkskörpers zu heilen und die zerrüttete Einheit wieder herzustellen. Er wollte die Wiederherstellung der jüdischen nationalen Solidarität herbeiführen, wie es Herzl in den Worten: «Wir sind ein Volk! Ein Volk!» prägte. Die Gehässigkeit und die Parteibestrebungen, die wir heute im zionistischen Lager erleben, sind, so weit wir sehen, von diesen ersten Gesichtspunkten des Zionismus entfernt. Die heutige Lage des Judentums erfordert aber, daß der Zionismus nicht nur was die innere Gliederung anbetrifft, sondern auch im Verhältnis zum gesamten Judentum diesen seinen ersten Prinzipien wieder treu wird. Hier aber fängt die Rolle des jüdischen Studenten an. Der jüdische Student war seit Beginn der zionistischen Bewegung in der ersten Reihe derer, die in der Galuth und in Palästina ihre Arbeit und ihr Leben für die Bewegung geopfert haben. Der jüdische Student hat zwar im Laufe der Zeit infolge verschiedener Umstände, die hier nicht zu erörtern sind, diese führende Stellung eingebüßt, aber die heutige Lage des Judentums und des Zionismus bringt e9 mit sich, daß der jüdische Student w;eder diese Stellung einnehme. Darum kann der jüdische Student, der durch innere Reibungen des Parriilebens noch nicht so sehr verdorben ist, das Urwesen des Zionismus erneuern und den Anfang zur Schaffung der zion'stischen und in weiterem Sinne der jüdischen nationalen Solidarität bilden. Es wtrd niemand leugnen. daß die heutige Lage des Judentums eine Solidarität wie nie zuvor erfordert. Das riesenhafte Anschwellen des extremen Antisemitismus, die Schwächung der politischen Stellung des Judentums in Palästina, die Weltkrise und ihre spezielle Wirkung auf d;e Juden, das Zurückdrängen des Unternehmertums durch fortschreitende Bureaukratisierung, die fortschreitenden Verfallserscheinungen durch Taufen und Mischehen, bewußte Verdrängung des jüdischen kulturellen Elementes, durch eine Linksstimmung auch in den niederen Schichten, die bis dahin dem Judentum treu gewesen, das sind die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gefahren, vor denen uns nur eine einheitliche jüdische Die Geschichte hat uns gezeigt, daß das jüdische Volk, gewöhnlich so lebensklug und vorsichtig, allen großen geschichtlichen Ereignissen unvorbereitet und ratlos gegenüberstand. Die Welt steht heute sicher vor großen Ereignissen von weittragender Bedeutung. . Was immer auch kommen wird, es muß ein vorDereitetes, in sich starkes und festes Judentum finden. Die Verantwortung dafür trägt in erster Reihe aer Zionismus als die aktivste Bewegung, die eine neue bessere Zukunft für das jüdische Volk schaffen will. Und die iüdische Jugend, der jüdische Student sind die Berufensten, idle die in ihrer kleinlichen Parteiverkrüppelung das Innerste •nd wahrste Wesen der Bewegung vergessen haben, zu ermahnen und ihnen zuzurufen: «Zurück zur natiolalen Solidarität!» Wie wir bereits in der vorletzten Nummer der «Stimme» mitteilten, hat der Vorsitzende des Weltverbandes der Allgemein en Zionisten, Dr. Schwarzbart (Krakau), in Wien die Gründung eines Vereines Allgemein-zionistischer Hochschüler in die Wege geleitet. Der vorstehende Artikel bringt die grundsätzlichen Anschauungen eines allgemein-zionistischen Studenten wieder. * Im Sinne obiger Ausführungen hat sich der Akademische Verband Allgemeiner Zionisten gegründet, der sich zur Aufgabe stellt, alle allgemein-zionistisch denkenden Akademiker zu erfassen und eine dem Zion. Landesverband für Oesterreich unterstellte Gruppe zu bilden. Mittwoch, den 14. Juni, 20 Uhr abends, im großen Saale der Bezirkssektion, II., Praterstraße 13, findet ein Vortragsabend statt. Es sprechen: Dr. O. Griinbaum, Prof. Dr. S. Horovitz, Koll. M. Patron über «Der Weg des jüdischen Studenten». Wir fordern alle allgemein-zionistisch gesinnten Hochschüler und Hochschülerinnen auf, bei diesem Abend zu erscheinen und sich zur Mitarbeit zu melden. Schluß mit dem Unfug im Hebräischunterricht! *) Hebräischlernen ist wieder in Mode. Die Zahl der Hebräischlernenden in Wien nimmt von Tag zu Tag zu. Drei Faktoren — Hitler, der ökonomische Aufstieg in Palästina und nicht zuletzt die emsige Aufklärungsarbeit der Histadruth Iwrith — haben dazu Vieles beigetragen. Mit der Feststellung dieser gewiß sehr erfreulichen Tatsache muß aber auch auf einen groben Unfug hingewiesen werden, den wir in unserem heutigen Artikel anprangern wollen. Das jüdische Wien ist auf einmal von Hebräischlehrern förmlich überflutet und das Anbot ist schon bald größer als die Nachfrage. Leute, die das Pech hatten, durch die Krise in ihren Berufen Schiffbruch zu erleiden, nützen jetzt diese günstige Konjunktur aus, satteln blitzschnell um, frischen ihre knappen hebräischen Kenntnisse aus der Kinderzeit auf und werden Hebräischlehrer. Diese Herren, die nicht einmal imstande sind, einen hebräischen Satz fehlerlos at’szusprechen oder niederzuschreiben, haben die Stirn, sich dem jüdischen Publikum durch aufgemachte Reklame als «erprobte, tüchtige Hebräischlehrer» zu präsentieren und es gelingt ihnen sogar, die wirklich geschulten und befugten Hebräischlehrer zu verdrängen. Denn diese Herren «Lehrer» geben es billiger ... 50 oder 80 Groschen per Stunde ... Es konveniert ihnen . . . und unser leichtgläubiges jüdisches Publikum nimmt alles in Kauf und ist dieser frechen marktschreierischen Reklame sehr leicht zugänglich. Diese Zustände im hebräischen Unterrichtswesen wurden bedauerlicherweise noch dadurch verschlechtert, daß ein vor einigen Jahren in Wien gegründeter Lehrerverband, merkwürdigerweise bei der Mitgliederaufnahme nur das professionelle Moment berücksichtigte und jeden Petenten mit einer Lehrerlegitimation ausstattete, ohne dessen wissenschaftliche und pädagogische Eignung zu prüfen. Die Histadruth Iwrith» geht jetzt daran, diesem Uebel ein Ende zu bereiten. Sie gründete zu diesem Zwecke einen neuen Hebräischlehrerverband. Mitglied dieses Verbandes kann nur der werden, der sich vor einer aus hervorragenden jüdischen Gelehrten und Schulfachmännern zusammengestellten Prüfungskommission stellt. Die Prüfungskommission kann Besitzer von entsprechenden Schulzeugnissen von den Prüfungen befreien. Dieser neugegründete Lehrerverband wird sich aber nicht nur mit den rein fachlichen und professionellen Angelegenheiten seiner Mitglieder beschäftigen, sondern wird auch für die weitere fachliche Ausbildung seiner Mitglieder Sorge tragen. Die hebräische Sprache ist jetzt im Stadium der Entwicklung, jeden Tag werden durch den Waad halaschon in Palästina neue Wörter und Termini für den üblichen Gebrauch und für wissenschaftliche Bezeichnungen geschaffen, die der hebräische Lehrer wissen muß. Ebenso dürfen dem hebräischen Lehrer nicht die jüngsten Resultate auf verschiedenen Forschungsgebieten unbekannt bleiben, wie auf dem Gebiete der Bibel, Geschichte, alte und neue Literatur, hebräische Pädagogik etc. Zu diesem Zwecke werden von nun ab für die Mitglieder des neuen Hebräischlehrverbandes jede zweite Woche Zusammenkünfte veranstaltet werden, zwecks Abhaltung gemeinsamer Aussprachen über alle Angelegenheiten, die das Fach und den Beruf des Hebräischen angehen und die geeignet sind, sein Wissen zu vertiefen. So werden auch für die Mitglieder Ergänzungskurse für Hebräisch, Grammatik, Bibelforschung, Talmuth, Literatur, Geschichte, Pädagogik, Methodologie eröffnet werden. Es ergeht daher der Ruf an alle jüdischen Eltern und Hebräischlernende, bei dieser Neuordnung der Dinge auf dem Gebiete des hebräischen Unterrichtswesens in Wien, die Bestrebungen der Histadruth Iwrith zu unterstützen. Lehrer für Einzelunterricht und Kurse mögen daher nur bei der Histadruth Iwrith angefordert werden. Demnächst wird die erste Liste der von der Prüfungskommission der Histadruth Iwrith approbierten Lehrer veröffentlicht. Zuschriften sind zu richten an Histadruth Iwrith, Unterrichtsabteilung, Wien, I., Bräunerstraße 7/10. M. U, *) Von der Histadruth Iwrith erhalten wir folgenden Artikel mit der Bitte um Veröffentlichung. Zur Weltwirtschaftskonferenz New York. Als Berater und Experten in der amerikanischen Delegation zur Weltwirtschaftskonferenz, wurden von Präsident Roosevelt u. a. folgende jüdische Persönlichkeiten bestimmt: Prof. Herbert Feis, James Paul War* bürg und Charles William T a u s s i g. Dl« „PAG" teil« mit 5 1. D<e 7. Palftstlnarelse-Gesellschafft der «PAG.» ist unter Führung von Herrn Dr. M. Pals, Mitglied des Zionistischen Landeskomitees und der «PAG.», am 4. Juni von Wien abgereist. 2. Die 8. Palästlnarelsa geht am 2. Juli 1. J. von Wien ab und trifft am 7. Juli morgens in Haifa ein. Preis von S 250-— aufwärts, inklusive Bett und Verpflegung am Schiff, Transitvisa usw. Die Rückreisekarte hat 90 Tage Gültigkeit. 3. Der Informationsdienst der „PAH11 wird mit 15. Juni 1. J. über die Sommermonate eingestellt Persönliche Auskünfte nur an Mitglieder der «PAG.» Dienstag und Freitag von 2 bis 3 Uhr nachmittags; Nichtmitglieder erhalten nur schriftlich Bescheid bei Einsendung eines internationalen Postantwortscheines. 4. Die «PAG.»-Mitteilungen vom Juni 1933 enthalten u. a. genaue Palästinareiseprogramme für das ganze Jahr 1933 samt Preisangaben und derzeit geltende Teilnahmsbedingungen. Nichtmitglieder erhalten diese Nummer Lei Einsendung eines internationalen Postantwortscheines. 5. Telephonische Anhagen können ausnahmslos nicht beantwortet werden. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, Club „Erez-Israel", gratulieren ihrem Mitglied Hans Sperling anläßlich seiner Vermählung mit Fräulein Oral* Sctiwarz-Qoldblatt herzlichst Wien, Juni 1933 Die Arbeitsgemeinschaft zionistischer Kultusgemeindeangestellter, Wien, gratuliert herzlichst ihren Alitgliede, Herrn Hans Sperling, anläßlich seim-i Vermählung mit Fräulein Grete Schwarz. Ferien in der Schweiz Franz. Spracherlernung durch Kurse, Kameradschaft, Sport u. Spiel, Jahresstudien (alle Schultypen) in bestempf. Knabenu. Mädchem'nst. Für Jüngere u. Erholungsbedürftige eig. Abfc Ferienaufenthalt mit Reisebegl., Fahrtermäßigung, Zahlung ev. in Landesw. Auskünfte kostenlos durch die Beratungsstelle für Schweizer Erziehungsinstitute Prof. Dr. W. Stein, Wien, XIX., Hardtgasse 6. Tel. A 13-6-66. Sprechstunden von 2 bis 4 Uhr. Die zionistische Sektion Prater, entbietet seinem V orstandsmitgiiede Sigmund Gitter anläßlich der Vetmählung seines Sohnes herzlleb „Masel TowM E ERKLÄRUNG Während meines heurigen Urlaubes wurde, ebenso wie im Vorjahr, nicht nur im 2. Bezirk, den ich als Vertreter der Schuhcremefirma Karl Schmoll bearbeitet, sondern auch in mehreren anderen Wiener Gemeindebezirken, das Gerücht verbreitet, daß ich von der Firma Schmoll entlassen worden sei. Ich erkläre hiemit, daß dieses Gerücht auch heuer wieder vollkommen unwahr ist, da von der Firma Karl Schmoll niemand, also auch ich nicht, entlassen wurde. Der Urheber und Verbreiter des Gerüchtes ist daher ein Lügner und Verleumder. Diese Gehässigkeit gegen meinen Arbeitgeber, die Firma Karl Schmoll, und mich ist um so bedauerlicher, da der von mir infolge schwerer Erkrankung meines Kindes erbetene vorzeitige Urlaubsantnitt sofort bewilligt wurde. Dieser unvorhergesehene, plötzliche Urlaubsantritt verhinderte mich, meine geschätzten Kunden von meiner dreiwöchigen Abwesenheit im Monate Mai vorher noch in Kenntnis zu setzen. Für zweckdienliche Mitteilugnen zur Ermittlung des Urhebers, beziehungsweise Verbreiters des m e i n e E x i s t e n a bedrohenden Gerüchtes würde ich mich dankbar und erkenntlich zeigen. Rudolf L ö w y, Vertreter der Firma Karl Schmoll, VI., Mollardgasse 70. „Heinttti&fle.* »—«• ßatt-' 7&C&-, J£ücfohwaSC&& au Wiener Haushalte Prospekte oder Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich durch die «Helmhilfe» der Ersten Wiener Dampfwäscherei A. Weiner, XX., Dammstraße 27—31, Telephon A 42-0-14.