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Die Stimme · 1933-06-08 · Heft 283 (8.6.1933) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 283 (8.6.1933)
Date
1933-06-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seife 8 DTE STIMME Nr. 283 — 8. Juni 193& Ein Ehrentag für Direktor Gerson Wittlin: Feierliche Einweihung eines Sefer-Thora in der zion. Bezirksorganisation Leopoldstadl Es war ein ausgesprochener Ehrentag, dieser erste Schewuothtag, für Direktor Gerson Wittlin! Ein Ehrentag fiir den Menschen und für den Zionisten Wittlin. Auf reiche und schöne Erfolge im beruflichen Leben können trotz der wirtschaftlichen Deroute wohl auch heute manche stolz hinwcisen, eine hohe soziale Stufenleiter aus eigener Kraft erklommen zu haben, vermögen wohl schon nur wen:go, im Zenith der beruflichen Erfolge aber an die Notwendigkeiten der Gemeinschaft, an die Pflichten dem Nächsten gegenüber zu denken, jederzeit bereit sein, Opfer für diese Gemeinschaft zu bringen, das treffen wohl schon nur ganz wenige. Zu diesen Seltenen gehört unser zionistischer Gesinnungsgenosse Direktor Gerson Wittlin, dessen Ehrgeiz es förmlich ist, im zionistischen Parteigetriebe nie nach einer hohen Mandatsfunktion zu streben, dessen um so heißeres Bemühen es aber ist, in der großen Legion der unbekannten Soldaten seine stille Arbeit zu leisten. Eine besondere Herzenssache ist Gerson Wittlin die Schöpfung der nach dem verstorbenen zionistischen Gesinnungsgenossen Salo Hauptmann benannten hebräischen Schule für Kinder, deren Einweihung gemeinsam mit der festlichen und würdigen Einweihung eines von ihm gespendeten Sefer- Thora am ersten Schewuothtage erfolgte. Schon der Anlaß und die Duplizität dieses Aktes sind Symbole für das nationale, religiöse und menschliche Empfinden Wittlins. Den Anlaß der Stiftung des Sefer-Thora gab ihm der historisch bedeutsame Sieg der Zionisten im letzten Wahlkampf um die Wiener Kultusgemeinde. Aus Dankbarkeit für die aufopferungsvolle Arbeit der zionistischen Führer und Mandatare in diesem Wahlkampf hat Direktor Wittlin eine in Pergament gehaltene Urkunde, auf den Namen des Präsidenten der Israel. Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann, gestiftet, die die Namen sämtlicher 21 zionistischen Kiritusvorsteher im neuen Kultusvorstande enthält. Ueberdies soll mit der Stiftung dieses Sefer-Thoras dem Pietätsgefühl des Herrn Wittlin gegenüber seiner verstorbenen Mutter Ausdruck verliehen werden. Die Stiftung eines Sefer-Thora und die gleichzeitig erfolgte Einweihung der hebräischen Schule an dem Tage, an dem einst die Thora auf dem Berge Sinai offenbart wurde, haben einen nationalen und religiösen Akt ergeben, wie er sinnvoller nicht begangen werden konnte. * Den Rahmen für die überaus feierliche und würdevolle Doppeleinweihung gab ein feierlicher Gottesdienst, dessen Funktionen Oberkantor Teig mit ausgezeichneter Stimme versah. Man sah eine Reihe repräsentativer Persönlichkeiten aus dem jüdischen zionistischen Leben Wiens. Es erschienen der Präsident der Wiener Jüdischen Gemeinde Dr. Desider Friedmann mit dem Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz, der Vorstand des Wiener Rabbmats, Großrabbiner B a b a d, der Präsident des Zion. Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum, zahlreiche zionistsche Kultusmandatare und ein zahlreiches zionistisches Auditorium. Großnabbiner B a b a d leitete die zeremonielle Einweihung des Sefer-Thora mit dem stimmungsvollen Vortrag des Ledawid-Mismor und einer mit zahlreichen biblischen Zitaten geschmückten Ansprache, in der er auf die nationale und religiöse Bedeutung des Schewuothfestas hinwies. Dr. Abraham Schmerler überreichte als Vorsitzender der Zion. Bezirkssektion Leopoldstadt die Urkunde mit einer Ansprache, in der er die historische Bedeutung des zionistischen Kultuswahlsieges unterstrich und die hervorragenden Führerqualitäten der zionistischen Präsidenten Dr. Friedmann und Dr. Löwenherz rühmte. Sein« inhaltsreiche und schwungvolle Rede schloß Dr. Schmerler mit der Versicherung der weiteren rückhaltlosen Unterstützung der zionistischen Mandatare durch die zionistische Qeffentlichkeit. Präsident Dr. Desider Friedmann dankte gerührt dem Spender für die ihm zugedachte Ehrung, d5e er nicht für sich allein, sondern auch für seine Mitarbeiter, insbesondere für den Mitkämpfer Doktor Löwenherz, annehme. Dr. Friedmann dankte ferner dem Sprecher für das Vertrauen in seine zionistische Pflichterfüllung. Die Aufgaben, die der heutigen jüdischen Gemeinschaft harren, seien zu schwere, als daß sie die Schulter eines einzelnen tragen könnten. Er könne daher nur mit Hilfe seiner Mitarbeiter diese erfüllen. Präsident Dr. Friedmann wies auf die religiöse Erziehung der jüdischen Jugend gerade im gegenwärtigen Augenblick hin, erinnerte in diesem Zusammenhang an den symbolisch bedeutsamen Akt des Spenders Gerson Wittlin und schloß seine von religiösem und nationalem Gefühl erfüllte Rede mit dem Appell nach einer durchgreifenden starken religiösen Erziehung unserer Jugend, um ein neues, gesundes, nationales und religöses Geschlecht des jüdischen Volkes heranwachsen zu lassen. VizepräsidentDr. Josef Löwenherz würdigte in seiner Ansprache die zionistischen und menschlichen Qualitäten Gerson Wittlins und hob seine eingangs erwähnten Verdienste hervor. «Die Vorwürfe von der Gegenseite, die immer wieder gegen die Zionisten geschleudert werden», sagte Dr. Löwenherz, «konnten nicht besser widerlegt werden, als durch die Tatsache, daß der zionistische Kultuswahlsieg von Zionisten, die nie die religiösen Bindungen negiert oder verlassen haben, durch Einweihung eines Sefer-Thora am Schewuothfeste gefeiert wird. Nach Verlesung eines Thora-Abschnittes und Verrichtung des Mussaf-Gebetes schloß die würdevolle Feier mit dem Absingen der «Hatikwah». j. r. Kammermusik Im stimmungsvollen kleinen Konzerthaussaal brachte kürzlich das Prof. Lilienthal-Trio ein erlesenes Programm zum Vortrag. An diesem Abend erzielten besonders Brahms und Julius C h a j e s enthusiastischen Beifall des gut besuchten Saales. Vornehmlich verdient das musikalische Können und Verständnis Prof. Lilienthals hervorgehoben zu werden. Mit ausgesprochener Hingabe am Werk und den jungen Meister Chajes wurde dessen Klaviertrio D-Moll gespielt. Es ist dies eine Komposition von bezaubernder Sprache des Herzens. Ja, es ist Musik der jüdischen Seele, an der wir alle teilhaben; Musik, aus welcher lang verhaltene Sehnsucht und Wehmut der Jahrhunderte klingt. Vielleicht die ererbte, hauchzarte Melodie — hinübergeweht aus der Provence des 14. Jahrhunderts — auf der Wanderung des alten Adelsgeschlechtes der Chajes? Es darf mit Best'mmtheit gesagt werden, daß dieses prachtvolle Tongemäkle zu den schönsten unserer Klavierliteratur zählt. Man sah unter den Anwesenden prominente Persönlichkeiten aus der besten Wiener Gesellschaft und aus dem Kunstleben, was Zeugnis vom Kontakt Prof. Lilienthals mit den weiten Kreisen des kunstsinnigen Publikums gibt. Ottilie Gröbl. Palästinareise — Purim 1934 Die zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt und der Klub «Erez-Israel» veranstalten zu Purim 1934 eine Gesellschaftsreise nach Palästina. Zu diesem Zweck hat sich ein Komitee gebildet, welches die Durchführung d:eser Reise übernommen hat. Die Reisespesen sollen im Wege eines Sparsystems (monatliche Teilzahlungen) aufgebracht werden. Nähere Auskünfte und Prospekte im Sekretariat der zionistischen Bezirkssekt:on Leopoldstadt, 1L, Praterstraße 13, Mezzanin (Lloyd-Hof), Telephon R 44-3-45, sowie im Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28. Jüdische Mitglieder der sozlastischen Studentenschaft Wir laden euch alle herzlichst zu dem am Mittwoch, den 14. Juni, um 8 Uhr absnds, in unserem Festsaale, IX., Alserstraße 26, stattfindenden Vortrag des Führers der Jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion, Mendel Singer, ein. Thema: «Jude und Sozialist». Erscheinet zahlreich und bringet eure jüdisch.n Kollegen mit. Hört, was euch ein jüdischer Arbeiterführer zu sagen hat! Mit kollegialen Grüßen — Jüdische Studentenschaft Oesterreichs. Palästina-Auskünfte Herr Bruno Rabinowitz (I., Rotenturmstraße 25) bittet bekanntzugeben, daß er Auskünfte über Palästina nur gegen ein n S p e* s e n b e i t r a g von S 10 — erteilen kann. Weit über 6000 Aerzte bestätigen die hervorrag nde schmerzstillende und heilende Wirkung des Togal bei rheumatischen und gichtischen Beschwerden aller Art. Auch bei Erkältungskrankheiten sind Togaltabletten altbewährt Die Wirkung tritt unmittelbar ein. Togal ist in jeder Apotheke zu haben. Jüdische Jugendliche! Der 18. Juni 1933 ist euer Tag, der «Tag der jüdischen Jugend — Tag des jüdischen Sports!» An diesem Tage wollen wir der breiten Oeffentlichkeit vor Augen führen, daß alles, was unsere Gegner über die «körperliche Untüchtigkeit der Juden» sagen, Märchen sind. An Hand von Beispielen wollen wir das beweisen! Am 18. Juni wird auf dem Hakoah-Platz alles aufmarschieren, was in der jüdischen Sportbewegung Oesterreichs Rang und Namen hat. Von unserem Olympioniken Hirsch] angefangen, über die gerade in letzter Zeit so erfolgreichen Hakoah-Leichtathleten, die Handballer, Fechter, Ringer, Hockey- und Tennisspieler des gleichen Vereine» bis zu den Turnern des «Makkabi» und den ausgezeichnet ausgebildeten Wehrsportlern der «Haga-nah» und des «Bundes jüdischer Frontsoldaten» werden wir euch fast alle Jüdische Sportler! Variationen über das Thema «Körperliche Leistungsfähigkeit der Juden» vorführen. Die Teilnahme einer Mannschaft der hervorragenden Leichtathleten des Hagibor (Prag) mit dem Marathonolympioniken Heka an der Spitze, gibt dem Fest ein besonderes Gepräge. Jüdische Jugendlichei Jüdische Sportlerl Helft uns durch eure aktive und passive Teilnahme an unserem Fest, dasselbe zu einer machtvollen Kundgebung zu machen, zu einer Kundgebung der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend, zu einer Kundgebung gegen Haß und Ungeist unserer Oegnerl Kreis Oesterreich im Makkabi-Weltverband S. C. Hakoah, Wien «Haganah» J. T. V. «Makkabi* «Bund Jüdischer Frontsoldaten». Jüdische Volkspartei Oesterreichs Die Organisierung der einzelnen Bezirk» gruppen Ist ln Angriff genommen worden und erfordert regste Mitarbeit! Die Mitglieder der einzelnen Bezirke wer« den ersucht, sich zu dieser Arbeit unverzüglich zur Verfügung zu stellen und dies dem Sekretariat der «Jüdischen Volkspartei», Wien, II., Untere Augartenstraße 38» TeL A 45-6-34, bekanntzugeben. Parteienverkehr, Auskünfte nsw. täglich von 10 bis 2 Uhr. Leiste Nachrichten Wo wird der XVIiI. Zionisten kongreß tagen? Genf, 6. Juni. (Telephonischer Bericht der «Stimme») Wie wir hören, ist es noch keineswegs sicher, daß der XVIIL Zionistenkongreß ln Karlsbad stattfindet. In den letzten Tagen wird in erster Linie Brüssel, 1q zweiter Linie Paris als Kongreßort genannt. 25*000 deutsche Juden In Frankreich Paris. Das französische Kabinett befaßte sich in seiner Sitzung vom 24. Mai mit der Frage der nach Frankreich gekommenen deutschen Juden, deren Zahl amtlich auf 25.000 geschätzt wird. Es wurde beschlossen, in Zusammenarbeit, mit den sich mit jüdischer Flüchtlingsfürsorge befassenden Organisationen geeignete Maßnahmen zu treffen, um Existenzmöglichkeiten für die jüdischen Einwanderer zu schaffen. 50.000 deutsche Juden sollen ln Angola ansiedeln Lissabon. In Lissabon traf dieser Tage eine Abordnung deutscher Juden mit dem Financier Michaelis an der Spitze ein, welche mit der Regierung wegen der Ansiedlung deutscher Juden in Angola verhandelt. Es handelt sich um die Erlangung einer Konzession von der portugiesischen Regierung mit dem Rechte freier Einwanderung und Kolonisierung von Angola gegen Bezahlung von 12.000 Pfund für die Erlangung dieser Konzession. Nach dem aufgestellten Plan sollen in Angola 50.000 deutsche Juden angesiedelt werden. Die öffentliche Meinung ist dem Projekt günstig gestimmt, die führenden Blätter Portugals befürworten den Plan in freundlichen Artikeln. MOSES RATH'S „SFATAMENU” Lehrhucn ö. hebräischen spräche für Schul- und Selbstunterricht mit Schlüssel und Würierverzeichnis mit deutscher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache. Einzige Methode, zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S 3.60 der englischen Ausgabe Dollar 1.—. Buchhändler, Schulen, Organisationen und Lehrer erhalten einen hohen Rabatt. Zu beziehen bei M. 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