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Die Stimme · 1933-05-30 · Heft 282 (30.5.1933) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 282 (30.5.1933)
Date
1933-05-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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c -• DTE STIMME Nr. 382 — 30. Mftf 1ÄS to Kunst und Literatur Rezitationsabend Margarethe Bach Von ihrer erfolgreichen, sechsmonatlichen amerikanischen Tournee nach Wien heimgekehrt, hielt die Vortragskünstlerin Margarete Bach kürzlich im dichtgefüllten Kle inen K^nzerthaussaal einen großangelegten Rezitationsabend, der nebst Teilen aus der Bibel sowohl klassisches als neuens Programm brachte. Das klassische überwog — und mit Recht. Denn Margarete Bachs ausgesprochen edles und getragenes Organ, das die Schule des Burgtheaters in allen Modulationen verrät, ist wie kein anderes zum Vortrage klassischer Stücke geeignet, ln den Jubel- und Wehrufen der Schillerschen Kassandra, in den feierlichen Verkündigungen der Parze an der Wiege des Römerkindes (C. F. Meyer) bot sie künstlerisch reife, ja vollendete Leistungen. Nicht minder köstlich und eindrucksvoll ist ihr Bihelvortrag. Weniger liegen der Künstlerin die modernen Tönungen der Sprache, obgleich sie eine virtuose Sprecherin ist, wie sie an Liliencrons «Festnacht» wieder einmal zu erweisen Gelegenheit hatte. Doch die Biegsamkeit, das SchiU-rnde, Spielerische des naturalistisch-impressionistischen Stils oder gar das Leichte und Frivole liegen dieser Klassizistin der Sprechkunst nun einmal nicht — und vielleicht liegt gerade hierin ihre Einzigartigkeit. Schillemd graziöse Vorträge kann man auch von anderen Rezitatorinnen, sogar dutzendweise, heute hören. Wenige aber, wenn irgendeine, außer Margarete Bach treffen jedoch diesen Adel der Empfindung, diese Plastik der Gestaltung des Wortes, wie sie die Meisterschaft dieser Vortragskünstlerin ausmachen. In der seelischen Durchbildung ihres eigensten Stils wird der weitere Aufstieg von Margarete Bach bestehen, der sie auf sehr steile Höhen führen wird. Es verdient Erwähnung, daß dem Vortragsabend der jüdischen Künstlerin der Kardinalerzbischof Dr. Innitzer beiwohnte und ihr lebhaften Beifall zollte. Dr. Innitzer wurde von dem überwiegend jüdischen Publikum mit dankbarer Sympathie begrüßt Dr. M. H. Ein Vortrag von Professor Oskar Stmad in der Wizo Die Wizo schloß ihre diesjährige Vortragsreihe mit einer Darbietung, die ein überaus zahlreiches Publikum anzuziehen verstand. Der berühmte Architekt Professor Oskar Stmad sprach aus seiner eigenen Werkstatt, indem er das Thema «Theater und Fil m» behandelte. Er verstand es, über den Rahmen dieses Themas hinaus, Einblick in die Werkstatt jedes schaffenden Künstlers zu vermitteln, dessen unaussprechlich schwere Aufgabe es ist, etwas eigentlich Unsagbares, das innerste seelische Erlebnis, in eine auch dem Laien verständliche Sprache — des Wortes, des Tones, der Farbe oder Form — zu übersetzen. In diesem Falle handelte es sich um die Formensprache der Bühnenarchitektur. Prof. Stmad führte au«, daß auf der Bühne alles darauf ankomme, den dramatischen Szenengehalt auch in der Form suggestiv, nicht veristisch, anzudeuten. Das Drama, welches das unmittelbare Erleben und Erleiden eines Menschen vor Augen führt, kann auf die Details der naturgetreuen Szenerie verzichten. Es verlangt das Symbol, die Andeutung der höheren, stilisierten Wahrheit. Anders der Film. Er löst das Dramatische in novellistische Details auf. Das Nichtvorhandensein des lebendigen Künstlers, die bloße mechanische Reproduktion eines verflossenen Erlebens, macht es notwendig, daß dieses Unwirkliche durch eine Fülle von Naturwirklichkeit übertüncht wird. Prof. Stmad sprach sich übrigens gegen den Tonfilm au«, der einen Niedergang der künstlerischen Wirkung des Films herbei geführt habe. Auch die Probleme von Raum und Zeit in ihrer Beziehung zu Theater und Film wurden so interessant, künstlerisch, ja philosophisch beleuchtet, daß die überaus zahlreiche Zuhörerschaft, suggestiv von der Ahnung der Kunst berührt, gebannt lauschte. Der Abend bildete einen glanzvollen Abschluß des diesjährigen Wizo-Kulturprogrammes. Dr. M. H. Ein Scholem Alejchem-Abend «Lachen ist gesund — die Aerzte empfehlen das Lachen.» Dieses Motto des unsterblichen jüdischen humoristischen Scholem Alejchem verwirklichte die wackere Schar der Veranstalter die Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt und des Klubs «Erez Israel» an einem Abend, der im Rahmen einer Lag B’omen-Feier Scholem Alejchem gewidmet war. In erster Reihe war es der Einakter «Beim Advokat», der in überaus witziger und geistreicher Weise aus den Dialogen Scholem Alejchems vom Lehrer I. H e r z b e r g zurechtgestutzt und zusammengestellt wurde. Erst jetzt sah man die blendenden Lichter, die Scholem Alejchem seinen Gestalten auf zusetzen verstand. Es war ein Spiel ergötzlicher Art und ein Zusammenspiel, das einer wirklichen Schauspielerschar und nicht blutjungen Dilettanten zur Ehre gereichen würde. Es sprühte und glitzerte von der Bühne, und geradezu zwerchfellerschütternd winkten die Masken und Bewegungen der lustigen Trabanten. In dem Schadchen, der von Wolf Weinbe>rg und dem «Prysyf», der von Herrn Markus Gelband gespielt wurde, steckt ein Schuß echten Komödiantentums, das durch das prachtvolle Ensemble, aus dem Dunek Sch.nid, Bernhard Haspel, Vilma Apelschnit, Anny Ungar, Arthur Läufer und Herr Frischmann hervorzuheben sind, unterstützt wurde. Wir müssen aufrichtig gestehen, daß wir nach unzähligen Aufführungen Scholem Alejchems diese aus dem Stegreif und mit primitiven Mitteln geschaffene als die gelungenste und lebenstreueste bezeichnen können. Erwähnenswert ist auch die treffliche Vorlesung aus den Werken Scholem Alejchems durch den Rezitator S. Schwager und der gefühlsvolle Vortrag jüdischer Lieder durch Herrn M. Lichtmann. Den Abend leitete mit einem Vortrag über Humor und Satire Dr. Z. F. Finkeistein ein. Der Wert des Lebens in der altfiidisehen Literatur Vortrag Dr. Salomo Rappaport. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur brachte unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Rosenmann als letzten Abend dieses Arbeitsjahres einen Vortrag von Doktor Salomo Rappaport über den Wert des Lebens in der altjüdischen Literatur. Die Frage nach' dem Wert des Lebens ist, wie der Vortragende ausführte, uralt und hängt mit dem Leid, das in der Welt herrscht, mit der scheinbaren Ungerechtigkeit in der Veretilung von Glück und Unglück zusammen, Optimismus und Pessimismus bezeichnen die Einstellung zur Welt, die sie bejaht, resp. verneint. Der Pentateuch selbst zeigt durchaus die Weltanschauung des Optimismus. Die pessimistischen Tendenzen machen sich hingegen in dem Buche Hiob, des von Gott schuldlos geschlagenen und gegen Gott aufbegehrenden Mannes, und in dem Buch «Kohefet», dem Prediger, geltend. Die philosophischen Anschauungen des Talmuds in bezug auf Wert und Unwert des Lebens sind geteilt. Besonders charakteristisch ist der diesbezügliche Meinungsstreit der Gelehrtenschulen Schamais und Hilels. In bewußter Ablehnung und Polemik gegen die Gnosis und die christliche Askese, die auch in jüdischen Kreisen Eingang zu finden drohte, wurde von vielen jüdischen Gelehrten, insbesondere von R. Akiba, der Wert des Lebens mit Absicht und großem Nachdruck bejaht. Der Vortragende zog die Lehren der griechischen Philosophen Platos und Aristoteles’ zum Vergleich heran und ging dann auf die jüdische Philosophie des Mittelalters, vor allem Maimunis, über. Bei Maimuni und früher schon in dein Schriften des Kirchenvaters Augustinus begegnet uns zum erstenmal die wirklich objektive Einstellung zum Leben, die, über den engsten Kreis des Alltags hinausgehend, nicht mehr den Menschen, sein Wohl und Wehe als Maßstab für den Nutzen der Dinge und Erscheinungen ansieht, sondern den ganzen Zusammenhang mit dem Weltall erfaßt und dem Menschen seinen bescheidenen Platz darin zuweist. Interessant ist es, daß Schopenhauer, der Philosoph des Pessimismus, in den Juden das Volk des «verruchten Optimismus» sah, ohne zu ahnen, daß seine pessimistischen Ideen gerade in den Schriften der Juden schon längst vorgebildet waren. Der interessante und wissenschaftlich bedeutungsvolle Vortrag wurde durch gelehrte Bemerkungen Rabbiner Dr. Rosenmanns abgeschlossen. Schach Im Aufträge der Schachsektion Hakoah redigiert von Oskar Schlesinger Nr. 12 30. Mai 1938 Zwei Hakoahner siegen Das am vergangenen Samstag beendete Verbandshauptturnier sah die Hakoahner Hauser und Wein- Btock siegreich. Im toten Rennen landeten sie am ersten Platz. Nachdem wir kürzlich eine Partie Hausers veröffentlicht haben, bringen wir diesmal eine in diesem Turnier gespielte Partie Weinstocks. Weiß: Weinstock, Schwarz: Vranovics 1. d2—d4 Sg8—£6; 2. c2—c4 d7—d8; 3. Sbl—c3 c7—c6; 4. e2—e4 Dd8—c7; 5. £2—f4 e7—e5; 6. £4Xe5 d6Xe5; 7. d4—d5 Lc8—g4; 8. Lfl—e2 Lg4Xe2; 9. DdlXe2 Sb8—d7; 10. Sgl—£3 Lf8—d6; 11. 0—0 0—0; 12. S£3—b4 g7—g6; 13. Lei—g5 S£6—h6; 14. De2—g4 T£8—e8; 15. Tfl—£3 Sh&—g7; 16. Tal—£1 Te8—£8; 17. Lg&—h6 Ta8—e8; 18. Tf3—h3 Ld6—«7; 19. Lh6X£7 h7—hß; 20. Sh4—£5 aufgegeben. Schlußstellung: i i (Auf 19. KXS7 folgt 20. S£5+Kg8; 21. TXh7 KXH7; 22. Dh3-f-Kg8; 23. Dhfl gXf; 24. T£3 nebst undeckbarem Matt.) Nachrichten Hakoah Cafd Rabet, Wien, I., Wallnerstraße 2 Wettkampf gegen Wiener Schachspieiverein. Der vor einiger Zelt gegründete Klub hat Hakoah zu einem Freundsebaftskampf herausgefordert. Derselbe findet nach Pfingsten im Wiener Theater-Cafö statt FuOball Hakoah—Libertas 1:0 (lto) W. A. C.-Platz. 4000 Zuschauer. Schiedsrichter Dr. Kolbe. Die Hakoahner, mit Ersatz für Stroß und Mausner Mitteilungen des Jüdlnchea Hoch* sehulausseliueeee Beim Jüdischen HochschulausschuB üb I. jufll Hebräischkurse tür Anfänger und Vorgeschrittene statt. Ab meldungen beim Jüdischen Hochschulausschuß, IX., Zin*» tnermaunplatz 8. Der Jüdische HochschulausschuB veranstaltet zu Ptinff* sten einen Ausflug nach Eisenstadt. Auskünfte und AnttiA düngen ab 29. Mai im HochschulausschuB, IX., Zimmermannplatz 8. Auskünfte in der Palästina-Reise werden Jeden Montag; Mittwoch und Freitag in der Zeit zwischen 12 bis 2 Uhf mittags Im HochschulausschuB, IX., Ziirnnermannplatz 8, vom Referenten Kollegen Dezsö Wefsz erteilt. * Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, IX., TÜrhm* straße 9 Vortrag Dr. Z. F. Finkeistein Samstag, den 3. Juni, 8 Uhr abends, Im Helm daf «Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler», Wien, UL, Türkenstraße 9, Vortrag Dr. Z. F. F i n k e 181 e i n über «Emanzipation und Autoemanzipation*. Gäste willkommen! Hebräischer Lehrerverbaad der „Histadnith Ivrithu ln der am 17. Mai 1933 stattgefundenen IV. Konferenz der hebräischen Lehrer in Wien wurde einstimmig beschlossen, den alten professionellen Hebräischlehrerverband aufzulösen und einen neuen Hebräischlehrerverband zu bilden, der der H i s t a d r u t h Iwrith unterstellt ist. In den Ausschuß dieses neuen Verbandes wurden gewählt: Prof. J. Gelernter (Präsident), Dr. C. Weinstein (Sekretär) und D. C. Weinstein, M. Rosen und J. Herzberg als Ausschußmitglieder. Ferner wurde u. a. beschlossen, daß sich jedes Mitglied dieses neuen Verbandes vor eine Prüfungskommission zu stellen habe, ln dl« Prüfungskommission wurden gewählt: der Präsident der Histadruth Iwrith (Dr. David Rothblum), der Vorsitzende der Unterrichtskommission der Kultusgemeinde (Prof. M. Rath), der Vorsitzende des Lehrerverbandes (Prof. Gelernter), Prof. Dr. Sonne, Prof. M. Wiesen, Prof. M. Chartinef und ein noch zu ernennender Fachmann auf dem Oebiete der Pädagogik und Psychologie. Es wird hiemit darauf aufmerksam gemacht, daß nur Lehrer, die mit einef Lehrerlegitimation vom neuen Lehrerverband ausgestattet sind, befugt sind, hebräischen Unterricht zu erteilen. Adresse des neuen Lehrerverbandes: Histadruth fwrith, Lehrerverban<f* I., Bräunerstraße 7/10. spielend, boten speziell in der ersten Halbzeit eine glän. sende Leistung. Angriff auf Angriff rollte, gut angelegt und sauber durchgeführt, gegen das gegnerische Tor, das oft nur durch Glück vor weiteren Trefferverlusten be-.vahrt blieb. Nach Halbzeit kam Libertas aut und konnte da« Spiel offen gestalten, da Placzek, nach anfangs großartiger Leistung, ermüdet zurückfiel. Die letzte Viertelstunde brachte eine wüste Hackerei, die von den Liberten Förster, Artes und Jellinek begonnen wurde. Da die Hakoahner nichts schuldig bieben, endete das anfangs schöne, faire Spiel mit einem Mißton. Die Hakoahner hatten ihre besten Leute in Löwy, Feldmann, Liebermann, zeitweise Placzek, Stern und Hefl. Reich Bpielte zu egoistisch und Ehrlich I zu ängstlich. Der einzige Treffer fiel um Mitte der ersten Halbzeit. Ehrlich I hatte eine weite Flanke vors Tor gegeben. Reich fing den Ball in vollem Laufe an der Toroutlinie ab, köpfte zurück und Stern schoß volley so vehement ein, daß da« Leder im rückwärtigen Toreck stecken blieb. Hakoah: Löwy; Feldmann, Amster; Liebermann, Placzek, Donnenfeld: Reich, Heß, Stern, Ehrlich TI, Ehrlich I. Handball Hakoah I—Neubau I 9 :3 (3 :0) Die Hakoah konnte auch ihr letztes Meisterschaftsspiel überlegen gewinnen. Feri im Tore erhielt ein haltbare« Tor, war aber sonst brav. Erstklassig wie immer Backs und Halves. Der Angriff arbeitete nur zeitweise mit Volldampf, wobei durch Fritz Weiniger (6), Kraus (2), Klein und R. Blau neun herrliche Tore fielen. Tennis S. C. Hakoah Tennissektion Der Sportklub Makkabi, Brünn, begeht heuer das Fest seines 25jälirigen Bestandes. Aus diesem Anlässe veranstaltet er zu Pfingsten in Brünn ein großes internationales Vereinsturnier. Zu diesem wurden die jüdischen Vereine Mitteleuropas eingeladen. Die Zusagen folgender Vereine, mit ihren stärksten Mannschaften tellzunehmen, liegen vor: Hakoah Wien, Hagibor Prag, Makkabea Preßburg und Makkabi Proßnitz. Die Tennissektlon des S. C. Hakoah nimmt an diesem Turniere mit nachfolgender Mannschaft teli: Damen: Balaban, Schladnich. Herren: Balaban, Breuer, Elsner, Fuchs, Kirschtier, Ing. Poliok, Rudinger, Ing. Schwarz. Ueberdles nehmen an dieser Sportreise, die mit Rücksicht auf die vorgesehenen Jubiläumsfelerllcbkeiten äußerst glanzvoll zu werden verspricht, noch eine Anzahl Hakoahner als Schlachtenbummler teil. Die Abreise der Teilnehmer erfolgt am Samstag, den 3. Juni. Jüdischer Sport Die Zen drängt! Schloß der Sdiekelükllon 20. Juni!

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