Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 282 (30.5.1933)
- Date
- 1933-05-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' Seite 4 DIE STIMME Nr. 282 — 30. Mat 1688 Und jetzt fast derselbe Jabotinsky gegen die Souverän nität dtMtfetfi Keu$rtNM’ Wie lange n§eh ^Orftn wir Whig iusehPH? Unser Haus brennt, droht einzusfllrzen und der Dichter Jabotinsky erzählt in dichterisch verklärter Sprache einer gläubigen Gemeinde, wie schön dieses Haus •— im Jahre 1953 sein wird. Schluß mit diesen Phantasmagorien! Wir legen erst die Orundmauern zum Zionismus, wenn wir auch sehen 1933 zählen. Jabotinsky steht auf dem Trümmerhaufen sejner politischen Niederlagen und dje Macht seiner Rede zaubert seinen gläubigen Zuhörern einen prächtigen Palast des Jahres 1053 vpr tfit Augen. Von 1933 schwelgt der Politiker Jabotinsky. Er hat den Boden unter den Füßen verloren. Hier muß ihm ein donnerndes Halt zugerufen werden, das ihn in die Wirklichkeit zurückruft. Die Gloriole des Dichters, des leidenden Menschen verwirrt die Gemüter. Der Politiker Jabotinsky muß Rede und Antwort stehen. Qer kommende Kongreß muß klar die Geister scheiden. Es gibt nur ein klares Ja oder ein klart« Ntin, 3tgt Jabotinsky ja, Weiht er bedingungslos Ml 4«f Qrgmtfsation, dann wollen wir unter die Vergangenheit einen dicken Strich zieht!!. In jedem anderen fall miitStfl wir zwischen uns und ihm das Tischtueh zerschneiden, denn dann ist er eilt Feind dar Nation. Die .Stimme’ berichtet Uber Deutschland Berliner Bilderbogen Einer unserer Leser, der eben aus Berlin zurückgekehrt ist, schreibt uns: Wenn man bei Tag durch die Berliner Straßen geht, fällt einem die große Zahl uniformierter Trupps auf. Da marschieren Knirpse mit Hakenkreuzfähnchen, S. A. und S. S. und seit einigen Tagen auch Hilfspolizisten des Stahlhelms. Geht man in der Nacht durch die Tauentzien- Straße oder über den Kurfürstendamm, dann bemerkt man den großen Unterschied gegen früher. Altes liegt ausgestorben da. Um V£l| Uhr nachts sind alle Lokale leer. In einem halbleercn Kino erlebte ich eine interessante Szene. In (J?f Wochenschau hört| man eine HittefrRede. Das Publikum verhiejt sich ruhig. Im nächsten Bild hörte man den Kronprinzen sprechen. AI? er geendet hatte, applaudierte das Publikumpie Wirtschaft liegt darnieder, aber nicht nur di? Juden leiden darunter- Eine hochgestellte Persönlichkeit der Industrie erzählte mir, daß sein Konzern eben yon der Stornierung eines großen Auslandsauftrages auf 3 Millionen Mark paktureneumme verständigt worden sei. Als Grund des Stornos waren die Judenverfolgungen angegeben, Mein« Versuche, mit Juden Fühlung zu nehmen und von ihnen die Wahrheit zu hören, mißlangen. Die Juden behaupteten, es gehe ihnen gut und die QreueimMagen seien erlogen. Offenbar hielt man mich für einen Krilflinsb beamten von Goerings geheimer Staatspolizei. Als ich aber durch meine geschäftliche Tätigkeit Einblick in verschiedene Betriebe erlangte, war ich entsetzt. Die jüdischen Geschäfte werden nach wie vor boykottiert. Auch die zugeiassenen Anwälte werden verhungern, weil es die Arier nicht wagen, ihren bewährten jüdischen Anwalt aufzußUGhen. Viele Geschäftsläden stehen schon leer. Viele jüdische Geschäfts- Vorläufige Zulassung maischer Rechtsanwälte Berlin. Die genfer Diskussion über die Anwendung des Arierparagraphpn jn Qberschtesten Hat di? Wirkung ge? habt, daß der preußische Justizyninister Kerri anordnete, die Entscheidung über die Nichtzulassung jüdischer Rechtsanwälte im oberschlesischen Abstimmungsgebiet vorläufig auszusetzen. Pie jüdischen Rechtsanwälte körten a!«ö in Obersphleamn weiter tätig sein. 6§ handelt sich jetzt um dte Prüfung der Frage, ob der im deytscji-polnjschen Abkommen vorgesehene Schutz der Minderheiten auch auf die nichtarisehen Öberschlesier, die unter das Geset? über die Rechtsanwälte und über des Berufebeamtentum feilen, #nzuwefjden jst. «Drei Monate Hitler-Regime haben Deutschland« Ansehen vernichtet» Das Auslanddeutschtum leidet unter der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten stärker, als man in der Oeffentlichkeit weiß. Ale Beispiel wollen wiF die große Kolonie der Deutschen in Argentinien anführen, die in diesem an erster Stelle in kultureller Beziehung rangieren den Staate Südamerikas eine wichtige Rolle In der Zusammensetzung der Bevölkerung spielen, Dj§ vielen ZeitUH’’ gen, die den Deutschen dort, besonders in Buenos Aires, zur Verfügung in dir Muttersprache stehen* wen* den sich ausnahmslos, oft mit den «chärfaten Worten, gegen die Hitler-Diktatur. Wohl eines dir bedeutendsten deutschsprachigen Blätter Buenos-AiteS und da« ganzen südamerikaniseHen Kontinents ist das «Argentinische Tagblatt», das seit einiger Zelt wegen seiner offenen Sprache und gerechten Kritik in Deutschland, im Mutterland, verboten wurde, So wird, nebenbei bemerkt, von dem neuen Regime der Kontakt mit dem Ausländsdeutschen gewahrt 1 Das «Argentinische Tagblatt» nimmt in der schärfsten Weise Stellung zu den Vorgängen im Reich; wir wollen bloß mit Titelüberschrlften dienen, die über die ganze erste Seite gehen, wie: «Drei Monate Hitler-Regime haben Deutschlands Ansehen in der Wejt vernichtet!» Ganze Seiten mit Bildreportage, die von der Schreckensherrschaft Zeugnis ablegen. Ueber Hitlers Geburtstagsfeiern schreibt die Redaktion mit Balkenlettern: «Neues aus Byzanz!» Fast Uber eine ganze Seite geht es weiter: «Das Argentinische Tageblatt wird noch bestehen, wenn von Hitler nicht mehr die Rede sein wird.» D«r Jöd. sh»4 Jurtetenvereln gratulier! seinem verdienstvoll?:» übmanne und langjährigen Mitpliede HANS BRONNER zur Promotion zum Doktor beider Hechte and wünscht >bm viel Glück auf seinem weiteren Lebensweg inhaber wurden unter unerhörten Drohungen von den eigenen Angestellten gezwungen, einen Nationalsozialisten gegen Zahlung eines lächerlichen Betrages und manchmal auch gratis als Kompagnon mit 51 Prozent Beteiligung aufzu? nehmen. Solche Geschäfte gelten bereits als «arisch» und haben Zulauf. Ich habe den festen Eindruck, daß das ganze deutsche Judentum vor der Vernichtung steht. Aber auch viele deutsche Betriebe reduzieren ihren Betrieb oder schließen ihn. Bie Bevölkerung ist verarmt und der antideutsche Boykott macht sich immer mehr fühlbar, Hotel§ und Restaurants sind fast leer. Bei Remp i n 8 k y §ah ich mehr Kejiner als Gäste. Im Rotel lernte iph einen Engländer kennen, $f§r?r§r miaute, gl§ f* hörte, daß Ich Qteterreteheqr bin, Ir sagt? mir: «Sagen Sie Ihren Landsleuten, sie sollen im Ausland ein Abzeichen tragen, an welcbWH man sje als Oesterreifte? erkennt, ßpnst gönnte men sie für Reichsdeutsche helfen und Reichsdeutschen stehen heute in England tiefer im Ansehen eis Neger ip Amerika vor IQO Jahren». Schließlich möchte ich Ihnen berichten, daß dje Rede des Heeresministers Vaugoin in Berlin ungeheures Aufsehen erregte. Selbst auf den Straßen bildeten sich Gruppen von Nazis, die erregt debattierten und Oesterreich beschimpften. Die wenigen in Berlin anwesenden Ausländer aus den westlichen Staaten, die ich sprechen konnte, waren von Vaugoins Rede begeistert. Ein Amerikaner sagte mir: «Wir wußten gar nicht, daß es ln Oesterreich so starken Lebenswillen gibt» und der oben erwähnte Engländer sagte mir: «Die Oesterreicher sollen es nur weiter so machen, s]e erwerben sich damit ein Verdienst um die Rettupg der Kultur.» Die jüdischen Emigranten in Paris Beit Beginn des HitjerrRegimgs in Deutschland sind In Paris rund sechstausend Juden «US Deutschland gemeldet, Pie französische Regierung beabsichtigt, einen Großteil vpn ihpen ip den französischen Kolonien unter? Zubringen, vorausgesetzt, daß die deutscjirjüdischen Emigranten dazu Lysf haben. Dlä In Paris lebenden deutschen Juden Haben bereits eine deutsche Emigranten?? e j t y n g gegründet- * Auf die Freikarten Kommt f« Der Deutsehe BUhnenverein hat sich von Seinen Mitgliedern mit Ehrenwort Zusagen lassen, daß sie Künftig freie und begünstigte Theaterkarten nur reinen Ariern zugestehen. * Aueh Ausländsdeutsche inszenieren Judenhetzen Unsir Sofioter Berichterstatter teilt mit, daß die deutschen Kolonisten in Rumänien eine immer feindseligere Haltung gegen die Juden einnehmen. Diese luden Aus London wird uns gemeldet: Ein Komitee prominentester jüdischer und nichtjüdisph§r Persönlichkeiten erläßt einen Aufruf zur Schaffung eineg Weithilfsfonda für deutsehejuden zum Zwecke der Überführung deutscher Juden nach Palästina. Eg wird eine großzügige Aktion eingeleitet, welche sich über alle Länder erstrecken soll. In dem Aufrufe wird darauf hingewiesen, daß Palästina mit seiner dauernd steigenden Aufnahmsfähigkeit deutsche Juden in immer wachsender Zahl aufnehmen und ihnen und ihren Kindern dauernde Heimat werden kann. Komitees in den einzelnen Ländern müssen sich konstituieren und unverzüglich in Aktion treten. Aus den Mitteln dieses Fonds soll im Zusammenwirken mit den bestehenden Finanzinstitutionen der zionistischen Organisation und der J e w i s h Agency Boden in Palästina erworben und durch deutsche Juden besiedelt werden, sollen handwerkliche und industrielle Unternehmungen gefördert, es soll überhaupt alles unternommen werden, was deutschen Juden in Palästina den Ueber^ gang iu neuen Berufen ermöglicht und ihnen den Aufbau eines neuen Lebens in Freiheit und Ehre sichert, sind vielfach gezwungen, ihre unbewegliche Habe um jeden Preis jpszuschlagen und auszuwandern. Die angrenzenden bulgarischen Gemeinden hätten nun eine gemeinsame Aktlpn eingeleitet, um den Flüchtlingen zu helfen. Sie stellen ihnen Grynd und Boden kostenlos zur Verfügung, befreien §le für 10 Jahre von aljen Abgaben und befördern ihnen unentgeltlich das Baumaterial, das zuf Aufrichtung der Häuser nötig ist, von der nächsten Bahnstation zu dem ifinep zugewiesenen Terrain. * Keine Untersuchung der Judenverfolgungen Wie aus London beriehtet wird, hat die deutsch* Regierung den Vqrschlag dgr «§unday Referee», eine U ntersuchung def Judenverfolgungen durch eine unparteiische Kpmmjssion in Deutschland an Grt und Stelle vornehmen zu lassen, als indiskutabel abgelehnt. Das ßlatt bemerkt dazu, jdaß die Nazis offenbar die Enthüllun* gen, die eine sojehe Untersuchung ergeben könnte, fürchten. * Ein bezeichnendes Inserat Pie «Frankfurter Zeitung» vom 17. denthält nach» stehendes Inserat;. «jüdischer Rechtsanwalt, 32 Jahre, Mig* zäher Arbeiter, französische und englische ßprnchkenntnisse, sucht aus bekannten Gründen neuen Wirkungs* kreis im ln- oder Ausland bei beschnittenen Ansprüchen, Pfferten unter H- R- 70645 an die Expedition der „Frankfurter Zeitung”.» I *. Antideutscher Boykott In England ab 15. Juni Wie uns aus London berichtet wird, findet dort am 1. Juni ein großes Protestmeeting gegen die fert- (lauernden Judenverfolgungen in Deutschland statt, un*. Zwar in der Albert-Hall. Bei dieser Gelegenheit sollen auvh. die definitiven Beschlüsse über den von der jüdischen Kaufmannschaft Englands vorfalereiteteh Boykott deutscher Waren gefaßt werden, der am 15. Juni beginnen dürfte. * ' Per Boykott gegen dte efeptesten Häfen . Wjr wir erfahren, hat sich di? Boykottbewegung gegen, die deutsch?!! H»f?n wesentlich zugespitzt, pa gleichzeitig Italien seine Frachtsätze reduziert hat, so daß trotz wei» teFen Strecken der Getreidetransport über di? i ta* jieniscjien Häfen erheblich billiger i§t, bewegt sich jetzt eip Q r p ß t § j 1 dar Getreidesendungen, die bisher vm deutschen Unternehmungen m deutschen Häten bewertete!* ligt wurden, nwnmehF auf d§n italienischen Routen, besw. Häf@n. r -i.T.'TT,.ay . i—i—iv—-..1.»- v .—;.i'.."i■■-.'.!» 'in';n ui'. wwjjiI CRADO ^chuldirektorg^Güttin fäk»t öb«r den ^qmmer (Juli» August) nach Bern eebgde Qradg und nimmt Kinde? im Alter vqn ß big L4 Jahren zum Sommerauteuth lt§ mü (Streng riuwiU Auskunft erteilt Frau Tmg Neuwirth, Wien, ij., Zm ggewo B/H. Tel. A?4g-3-8B Den Aufruf haben bisher von nichtjüdiecher Seitf Lord Robert Cecil, D. Lloyd George un4 General Smuts unterzeichnet. Er soll ferner dio Unteriehriften von 8ir Herbert Samuel, Prof* Weiimann, CyrusAdUr, NahumSokolow und Felix Warburg tragen. * Wir wir erfahren, sind Aktionen für diesen Fonds in allen Ländern in Vorbereitung, DU Aktion in Oesterreich wird in den nächsten Tagen eingeleitet werden. Juden, kaufet Palästina-Produkte bei lamuelHalpem Wim. H„ Ferstergasse 6, Tel. A-46-4-12 Jaffa-Orangen nur nogh kurze Zeit. 1 kg § l.-**? ■.■—rr .. . j1. v.» ir Ein Welthilfslond für die deutschen j.