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Die Stimme · 1933-05-25 · Heft 281 (25.5.1933) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 281 (25.5.1933)
Date
1933-05-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 2* *f — 25. Mal IMS Seile » Aus dem DerwaUungsberichie der Wiener Kutiusgemeinde m AUER KURZE Reuter meldet, daß in den letzten sechs Monaten 400.000 ausländische Arbeiter wegen Arbeitsmangel aus Frankreich ausgewandert seien. Trotzdem sei die französische Regierung bereit, Arbeitsbewiliigungen an Ausländer zu erteilen, wenn es sich um politische Flüchtlinge aus Deutschlande handelt Die jüdische Gemeinde in Oporto (Portugal), die aus Marranen besteht, erläßt einen Protest gegen die Judenverfolgungen in Deutschland. 0 Die ägyptische Regierung erteilte 200 jüdischen Aerzten aus Deutschland das Niederlassungsrccht Die holländische Hechaluz-Organisation wurde durch Spenden in die Lage versetzt, 50 jüdische Burschen durch zwei Jahre m Holland landwirtschaftlich auszubilden. Der vollständige Boykott deutscher Pelzwaren In England hat den Import aus Leipzig vollständig unterbrochen. Das Gleiche gilt für das Zurichten und Färben von Pelzwaren. Die Käufer aus anderen Ländern kaufen nicht mehr in Leipzig, sondern in Paris oder London ein. Die große Pelzauktion fand heuer nicht mehr in Leipzig, sondern in London statt. Durch den Ausfall der Auktion erleiden die deutschen Reichsbahnen einen großen Ausfall an Frachten. * ln London erschien kürzlich ein Abgesandter der Leipziger Pelz-Weltfirma Thorer u. Co. und versuchte, die jüdischen Rauhwarenhändler zu bewegen, wieder in Leipzig «nzukaufen. Die Intervention war resultatlos. * Der Boykott der deutschen Schiffe durch die amerikanischen Juden ist so stark, daß die Schiffe von New York fast ohne Passagiere abgehen. « In Glasgow sprach in der Dreifaltigkeitskirche Rabbiner L. Goodman über die Judenverfolgungen in Deutschland. Die Kirche war überfüllt. Eine Woche vorher hatte in derselben Kirche ein Hitler-Agent, Professor Otto Schlapp, gesprochen. * In Krefeid hat der offizielle Boykott jüdischer Geschäfte wieder begonnen. Vor den jüdischen Läden stehen S. A.- Patrouillen und hindern Kauflustige am Betreten der Ge- Geschäfte. Togal hilft! Bei rheumatischen, gichtischen Beschwerden sowie verwandten Krankheitserscheinungen liegt eine Stoffwechselstörung infolge fehlerhafter Blutbeschaffenheit vor. Zur Ausscheidung der schädlichen Bestandteile im Blut ifit nun Togal in hervorragender Weise geeignet. Togal hemmt die Ansammlung der harnsauren Salze und vermehrt ihre Ausscheidung. Der Berliner Sekretär des Wilnaer jiddischen Instituts, Mfeiselicz, wurde wegen eines Telegrammes an das Jewish Mörning Journal in New York verhaftet, Schließlich wurde er freigelassen, als sich herausstellte, daß er nur deutsche Pressenachrichten wiedergegeben hatte. * Die deutsche Regierung hat zwei Diplomaten wegen ihrer jüdischen Abstammung abberufen, und zwar den Gesandten in Litauen, Zerlin, und den Generalkonsul Seligmann ln Libau. * ln Berlin zirkulieren Schwarze Listen. Die Deutschen werden zum Boykott jüdischer Firmen, Aerzte, Rechtsanwälte und Künstler aufgefordert. Die Listen sind straßenweise geordnet Deutsche erhalten außerdem Listen zugestellt, in welcher alle Juden der betreffenden Straße namentlich angeführt sind. * Der Nazi-Kommissär von Hamburg hat 45 jüdischen Rechtsanwälten die Ausübung der Praxis verboten, obwohl es sich um Rechtsanwälte handelt, die durch das Reichsgesetz kürzlich zugelassen wurden. Die nationalsozialistische Presse verlangt die Schließung der Bene Berith-Logen mit der Begründung, es handle sich um Freimaurer, die gegen die arische Welt einen Kampf führen. 0 Juden, die Deutschland verlassen, müssen eine besondere Erlaubnis erhalten, wenn sie ihr Geld mitnehmen wollen. Die Höchstsumme wird 20.000 Mark sein. Die Kölner jüdische Gemeinde mit einem Budget von über 1 Million Mark ist in größter Bedrängnis. Die Angestelltengehalte mußten auf ein Minimum reduziert werden. Die Synagogenchöre wurden entlassen, die Kindergärten geschlossen, ebenso das Jugendheim. Das gleiche Los steht dem Waisenhaus bevor. * . In Sheffield sprachen bei einem Meeting drei ans Deutschland geflüchtete Juden, zwei Rechtsanwälte und ein Arzt. Die schilderten die Hoffnungslosigkeit des deutschen Judentums und die verfehlte Politik der deutschen Juden, die alles für Deutschland und nichts für die Juden Deutschlands getan haben. Heute erkennen die deutschen Juden, daß nur ier Zionismus die Jttdenfrage lösen kann. Anläßlich der Beratung über den Rechnungsabschluß für das Verwaltungsjahr 1932 lagen dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien nebst den Ergebnisziffern des Verwaltungsjahres 1932 die Detailberichte der Rechnungskontrolle und der einzelnen Aemter und Anstalten vor. Im vorliegenden bringen wir auszugsweise eine Reihe von Daten, welche allgemeines Interesse finden dürften. Den auf das Jahr 1932 bezughabenden Ziffern ist jeweils in Klammem die Vergleichsziffer des Jahres 1931 beigefügt. A. Kultus- und rituelle Angelegenheiten. Die Gesamteinnahmen dieses Kapitels haben im Jahre 1932 S 588.527.48 (600 628) betragen Dem standen an Ausgaben gegenüber S 1,066.069.57 (1,022.371). In den Gemeindetempeln wurden insgesamt 690 (626) T rauungen vorgenmmen, darunter 12 4 Gratistrauungen.. Die Einnahmen für Scheidungstaxen haben im Jahre 1932 S 25.771 (27.233) betragen. Subventionen an Bethausvereine. Für Subventionen an Bethausvereine wurden im Jahre 1932 S 145.030 (156.450) verausgabt B. Unterrichts. und BibliotheksangelegenheUeu. Im Jahre 1932 haben die Gesamtausgaben des genannten Kapitels S 541337 (421.995) betragen. Dem standen Gesamteinnahmen von S 24378 (27.137) gegenüber. Für Subventionen für Unterrichszwecke sind S 130393 (139 372) verausgabt worden. Die Zahl der Schüler an Volks-, Haupt- und Mittelschulen hat 18.966 (19377), die der Bibelschulen und hebräischen Kurse der israelitischen Kultusgemeinde 1348 (1184) und die der Privatbibelschulen und privaten hebräischen Kurse 2459 (2391) betragen. Der Jugendgottesdienst findet derzeit in 16 Gemeinde- und Vereinssynagogen statt und war im Schuljahr 1931/32 von 88.698 (73.400) Schülern und Schülerinnen besucht Im Jahre 1932 waren dem Jugendreferat angeschlossen: jugendbünde und Studentenvereine 33 (33), Sport, und Turnvereine 9 (7), Kindergärten 10 (10). Im Sommer 1932 wurden Ferialaktionen für die reifere Jugend mit Beihilfe der Kultusgemeinde veranstaltet. 12 (13) Jugendbünde errichteten an 14 (17) Orten Ferienkolonien mit einer Teilnehmerzahl von 11*0 (1121), 2 .Jugendheime wurden von der Kultusgemein erhalten Und 4 (5) verschiedene Jugendgruppen zur Abhaltung von Kursen überlassen. Spiel-und Turnplatz im Augarten. 95 Zöglinge des Kindergartens erhielten dreimonatigen Sommeraufenthalt mit voller Verpflegung im Augarten. Der Lesesaal der Bibliothek der israelitischen 'Kultusgemeinde würde im Berichtsjahr. 1932 von 8320 ( 9576) Lesern besucht, die 19:787 (22.117) Werke mit 36-065 (34.635) Bänden benützten. C. Friedhof- und Beerdlgurigswesen. Die Gesamteinnahme des Kaptels «Friedhof- und Beerdigungswesen» hat im Jahre 1932 S 1,406.478 (1,291374) und die Gesamtausgaben S 902.108 (1,030,603) betragen. Insgesamt wurden seitens der Kultusgemeinde 2475 (2566) Beerdigungen, 35 (54) Ueberführungen, 19 (9) Exhumierungen und 66 (146) Kremationstransporte durchgeführt. Unentgellich wurden 712 (671) Beerdigungen von Erwachsenen und 22 (56) Beerdigungen von Kindern vorgenommen, in 7 (12) Fällen wurden gebührenfrei Ehrenbegräbnisse bewilligt. In allem übrigen 560 (517) Fällen wurden Ermäßigungen der nicht einmal die Eigenkosten deckenden Gebühren der IV. Klasse eingeräumt. D. Fürsorgewesen. Die Gesamtausgaben des Kapitels «Fürsorgewesen» haben im Jahre 1932 S 2,494.876 (2,223.844) betragen. Ueberdies wurden aus Sammlungen und an Spenden für Vereine und wohltätige Zwecke durch die israelitische Kultusgemeinde S 108.721 (139.159) ihrer Bestimmung im Fürsorgewesen zugeführt* — Die Gesamteinnahmen dieses Kapitels (Spenden, Stiflungszinsen, Verpflegskostenrückersätze) einschließlich der durchlaufenden Posten, beliefen sich auf S 1,490.801 (1326.511). ln der Versorgungsanstalt der Kultusgemeinde waren 375 (367) Betten belegt, ferner stand dieser Anstalt ein Saal im Spital der Kultusgemeinde mit 24 (23) Betten für chronisch Kranke zur Verfügung. Von den Insassen waren am 31. Dezember 1932 130 (131) Männer und 269 (259) Frauen. 141 (145) Pfleglinge waren ohne jedes Entgelt untergebracht. Die Zahl der Verpflegstage hat 164.762 (156.079) betragen. Die Gesamtkosten der unentgeltlich Verpflegten allein belief sich auf S 180.109 (181337). Insgesamt wurden für die Anstalt im Jahre 1932 S 490.247 (487 635) aufgewendet. Die Einnahmen beliefen sich auf S 318.104 (337*001), so daß der Zuschuß S 172.143 (150.634) betragen hat. Im Spital der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat der durchschnittliche Belag im Jahre 1932 242 (179) Betten betragen. Hievon entfallen auf die I. und II. Klasse 60 (20) Betten. Auf unentgeltlich verpflegte Kranke entfielen im Jahre 1932 18.169 (17.166) Verpflegstage. Die durchschnittlichen Eigenkosten für einen Kranken stellen sich auf S 13.— (13.60). Die Gesamtausgaben haben im Jahre 1932 S 888.235 (898.235), die Gesamteinnahmen einschließlich der Dotierung von S 200 000 aus dem Kapitel «Fürsorgewesen» S 850.490 (624.111) betragen* In der Kinderspitals-Ambulanz der Israelitischen Kultusgemeinde Wien im Augarten wurden im Jahre 1932 an 2613 Patienten insgesamt 9301 (8951) Ordinationen unentgeltlich vorgenommen. Ueberdies wurden in der der Ambulanz angeschlossenen «Sonnentagesheimstätte» 305 (308), darunter 96 vorschul- Uflichtige, tuberkulös disponierte Kinder zu je vierwöchigem Erholungsaufenthalt untergebracht. Der Aufwand der Kultusgemeinde für diese Institution belief sich auf S 34.118 (34.843). Im Unterstützungswesen hat der Aufwand S 671.587 (400.855) betragen. Hievon entfielen auf die «J u g e n df ü r 8 o r g e der israelitischen Kultusgemeinde Wien» S 201.206 (196.112). Die Intervention des Jugendfürsorge-Amtes hat in 24.845 (19.181) Fällen stattgefunden. Für die Verpflegung jüdischer Insassen im Lainzer Versorgungshaus, welche auf Koscherkost reflektieren, wurden S 14356 (12.901) verausgabt. E. Kultussteaer* Zur Zeit der Verfassung des Rechnungsabschlusses füt das Verwaltungsjahr 1932 standen insgesamt 53.962 (53.878) Zensiten mit einem Gesamtbetrag von S 2,696.345 (2,515.940) in Vorschreibung. Im Jahre 1932 hat die Zahl der Kontolöschungen 3738 gegen 5336 im Jahre 1931 betragen, währ rend der Zuwachs durch Neubemessungen sich im Jahre 1932 auf 1653 Fälle und im Jahre 1931 auf 1550 Fälle belaufen hat. Infolge des Austrittes aus dein Judentum ist die faktische Kontolöschung im Jahfe 1932 in 245 ( 247) Fällen erfolgt. Die Zahl der aus dem Judentum ausgetretenen Steuerträger belief sich im Jahre 1932 auf 247, und’ es waren diesen Kontribuenten an Kultussteuern insgesamt S 12.061 vorgeschrieben. Die Kultussteuerquote pro Kopf hat inj Jahre 1932 S 49.99 (47.54) erreicht. Insgesamt hat der Eingang an Kultussteuern im Jahre 1932 61.3 Prozent (65.9) der Summe der Jahressteuer betragen. nerhwflrdlge inferpeiiäfloren Der Kultusvorstand hat in seiner Sitzung vom 22. Mai 1932 den Rechnungsabschluß für das Jahr 1932 gen.hmtgt Vor Erledigung der Tagesordnung richtete Kultusvorsieher Dr. Plaschkesan den Präsidenten zwei Interpellationen. Die erste Interpellation beschäftigte sich mit der Frage des allgemeinen Wahlrechtes. Es geht Herrn Dr. Platchkes zu langsam. Er weiß offenbar nicht, daß die letzten Monate mit Beratungen und Kommissionssitzungen über das Budget ausgefüllt waren, gewiß also mit wichtigen, unaufschiebbaren Angelegenheiten. Herr Dr. Plaschkes allerdings glänzte bei der Budgetberatung des Plenums durch Abwesenheit Plötzlich aber hat er es eilig. Damit hat er zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen: Er hat sich wieder in Erinnerung gebracht und figuriert als Schützer angeblich gefährdeter zionistischer Prinzipien. Herr Dr. Plaschkes erhielt vom Präsidenten die richtige Antwort. Aber noch nicht genug. Die Wähler müssen doch wissen, warum sie Herrn Dr. Plaschkes gewählt haben. Daher Interpellation Nr. 2. Sehr wichtig, wieder sind zionistische Prinzipien in Gefahr! Die bürgerlichen Zionisten mit Ausnahme der Radikalen haben sich in der «Jüdischen Volkspartei» zusammengeschlossen. Sie waren der Meinung, daß innerzionistische Differenzen die Landespolitik im Rahmen der Landesorganisation lahmlegen müßten und daher arbeiten Allgemeine Zionisten und ReVision i s t e n in der «Jüdischen Volkspartei» einträchtig zusammen. Natürlich ist Herr Dr. Plaschkes dagegen. Und weif bewiesen werden muß, warum er dagegen ist, behauptet er frisch von der Leber weg, daß die «Volksgemeinde» in Ges: fahr ist, weil der Präsident der Kultusgemeinde, der Zionist' Dr. Friedmann, Leitungsmitglied der «Jüdischen VolksparieJ» ist und sich in dieser Partei betätigt. Herr Dr. Plaschkes fragt daher: 1. Ist der Herr Präsident bereit, die Erklärung abzugeben, daß er in Zukunft alle notwendigen jüdischpolitischen Aktionen nur als Präsident der jüdischen Gemeinde und in deren Namen unternehmen wi rd, um auf diese Weise den Weg zur jüdischen Volksgemeinde vorzuberciten. 2. Ist der Herr Präsident nicht auch der Ueberzeugung, daß er durch private Teilnahme an der Leitung eines jüdisch politischen Vereines und dessen Aktionen seiner Stellung als zionistischer Präsident der einzigen legitimierten, öffentlich-rechtlichen Vertretung der Wiener Judenschaft Abbruch tut. Derr Herr Präsident erklärte daraufhin, er werde von. dem ihm als Privatmann zustehenden Rechte der politischen Betätigung auch weiter so Gebrauch machen, daß zwischen seiner Person als Privatmann und als Präsident ein Unterschied bestehe, was er auch bisher getan habe. Im übrigen werde er die Interpellation schriftlich beantworten. Eine weitere Interpellation brachten die Poalc Zionisten ein. Wir werden darauf noch zurückkommen. Einstweilen wollen wir nur festhalten, daß der Zionist Dr. Plaschkes dem Präsidenten Dr. Friedmann gram ist, weil sich dieser als Zionist landespolitisch betätigt. Herr Dr. Plaschkes, d r Hüter des integralen Zionismus, verlangt, daß der Präsident der Gemeinde,' «alle notwendigen politischen Aktionen» nur im Namen der «jüdischen Gemeinde» einleitet, jener Gemeinde, die noch lange keine Volksgemeinde ist und In der die Assimilanten der Union und der Werktätigen sitzen. Hat Herr Dr. Plaschkes seine Interpellation nicht ernst gemeint, dann kann sie nur als überflüssige Demonstration bezeichnet werden. War sie aber ernst gemeint, dann muß sie tiefer gehängt werden als trauriges Produkt einer schädlichen Justamentpolitik, die der Assimilation in die Hände arbeitet und die heutige schwierige Situation der Judenschaft nicht beachtet. Bad Aussee stra« Pension Goldbern Schöne Zimmer, großer Garten, 5 Minuten vom Kurhaus und Strandbad entfernt. Pension inklusive allem S 9.— aniwärts. Voranmeldung erbeten

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