Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1933-05-25 · Heft 281 (25.5.1933) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 281 (25.5.1933)
Date
1933-05-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3053752-3054015-3054036--3532-3059056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 281 — 25. Mal 1033 DTE STIMME Seif« f W&id&nd&S Zx&z-J-ShadL |g~| Oie Kaligewinming aus dem Toten Heere Dk* seimerzei'tige Entdeckung nahezu riesenhafter chemische* Rohstoffe im Toten Meere hat Palästina mit einem Schlage in die Weltwirtschaft aufrücken lassen. Denn die einwandfrei festgcstellten Kali- und ürommongen waren derart umfangreich, daß die gesamte Wettproduktion an beiden Chemikalien damit einen solch ernsten Konkurrenten erhielt, daß die bisher vorherrschenden deutschen und französischen Erzeuger zurückgedrängt wurden, ja daß sogar Palästina mit der Zeit die Beherrschung des Weltmarktes zufatlen müßte. Zur Exploitation dieser NaturrcichtUmcr im Toten Meere wurde bekanntlich mit englisch-palästinensischem Kapital die «P a 1 e s t i n e P o t a s h Ltd.» gegründet, die 1929 die Vorarbeiten und schon im darauffolgenden Jahre die Ausbeutung selbst aufnahm. Auf Grund wissenschaftlicher Forschungen wurde errechnet, daß steh aus dem Toten Meer mindestens 1300 Millionen Tonnen Kaliroh salz in Form von Kalichlorid gewinnen lassen würden, die einen Marktwert von 12 bis 15 Mlliarden Pfund (!) haben. Nun liegen die Produktionsziffern für die letzten Jahre vor, die von 1930 bis 1932 eine Vervielfachung erkennen ließen. Während 1930 nämlich rund 5000 Tonnen Kalirohsalz gewonnen wurden, waren es 1931 schon 13.000 und 1932 bereits 19.800 Tonnen. Aehnlich verhält es sich bei Brom. Nach englischen Feststellungen wurde auf Grund wiederholter Untersuchungen der Bromgehalt des Toten Meeres in Form von Magnesiumbromid auf 850 bis 860 Tonnen veranschlagt, die einen Marktwert von über 50 Milliarden Pfund, eine fast unvorstellbare Ziffer, darstellen. Kein Wunder daher, wenn darauf gestützt in englischen und palästinensischen Kreisen mit der Beherrschung des internationalen Brommarktes gerechnet wurde. Daß es dazu indessen noch nicht gekommen ist, muß auf die bisherige Ausbeutungs- und Verarbeitungsart der Bittersalzlaugen zurückgeführt werden, die daher auch schon aufgegeben wurde. Sie bestand darin, daß man das Wasser aus größeren Tiefen des Toten Meeres heraufpumpte, auf ausgedehnten Flächen durch Sonnenstrahlung verdampfen ließ und dann die Salzrückstände verarbeitete. Dieses Verfahren erwies sich als zeitraubend und daher zu kostspielig. Jetzt bringen gewaltige und unerhört leistungsfähige Pumpwerke aus sehr großen Tiefen des Toten Meeres die Bittersalzlaugen zutage und leiten sie über moderne Verdampfungsanlagen, die Tag und Nacht ununterbrochen in Betrieb gehalten werden. Auf diese WeUc ist es zugleich auch möglich geworden, die Kochsalzlösungen mitzufördern, die sich in den Tiefen des Toten Meeres vorfinden und ein hochwertiges und besonders reines Kochsalz ergeben, das einen hohen Marktwert besitzt. Diese Kochsalzmengen wurden von mehreren Sachverständigen übereinstimmend auf weit über eine Milliarde Tonnen zuverlässig geschätzt. Diese neue Ausbeutungsform ist naturgemäß kostspieliger als die bisherige und erfordert größere Investitionsbeträge, die es nun aufzubringen gilt. Die Rentabilität ist zweifellos in hohem Maße gegeben, denn durch die Arbeit m den Tiefen des Toten Meeres können auch noch größere Mengen von Magnesiumchioridcn, Kaliumchloriden und chemisch sehr feine Gipse heraufbefördert werden. Dazu ist es allerd'ngs noch notwendig, den Produktionsprozeß entsprechend zu verbilligen oder durch modernste Maschinenanlagen so auszugestalten, daß bis zum Schlamm auf dem Grunde des Toten Meeres vorgestoßen werden könnte; dieser besteht nicht nur nach englischen und amerikanischen, sondern auch nach übereinstimmenden deutschen und französischen Gutachten aus fast chemisch reinen Magnesiumbromiden und Magnesiumchloriden und enthält weiters ganz außergewöhnlich hohe Prozentsätze chemisch reines Kochsalz und KaÜchlorid. Es würde daher sowohl die Kaliwie die Brom- und auch die Kochsalzgewinnung ganz außerordentlich ergiebig sein und Palästina weltbchcrrschend machen. Das «T •' vu*er» ist solcherart das «lebendste» Kapital Palästinas, Dr. Leo Kurzberg. Ein Bade- und Kurort am Toten Meer eröSSnet Am Toten Meer wird gegenwärtig ein Bade- und Kurort angelegt, dessen erste öffentliche Einrichtungen, ein großes Restaurant am Seeuter mit Badeanstalt, soeben in Anwesenheit von Vertretern der Behörden und Interessenten jüdischer und arabischer Gesellscliaiften feierlich eröffnet wurden. Von der Regierung in Jerusalem waren der stellvertretende erste Sekretär Nurok, der Direktor des Departements für öffentliche Arbeiten Pudsey und der Direktor des Einwanderungsdepartements Hyamson erschienen. Der Vorsitzende der Kalüa Seaside and Health Resort Ltd., Major T. G. Tulloch, hielt eine Ansprache, in der er erklärte, mau habe für den neuen Badeort den Namen Kallia, in Anlehnung an die altarabische Bezeichnung für Pottasche (Kali) gewählt, um CHvrei's auf den Kaiireichtum des Toten Meeres hinzuweisen, anderseits an die Blütezeit der arabischen Kultur im 8. und 9. Jahrhundert zu erinnern, eine Zeit, in der sich jüdischer und arabischer Geist vereinigten und durch ihre wissenschaftlichen Einrichtungen und ganz besonders auf dem Gebiete der Experimentalwissenschaft führend für die ganze Weit waren. Major Tulloch und die übrigen Mitglieder des Direktoriums der Gesellschaft, S. A. van Vrlesland, Green und Horowitz, führten die Besucher durch die Anlagen Und erklärten, demnächst werde mit dem Bau eines großen Hotels begonnen werden, in dem Touristen und Kurgäste aus dem ln- und Auslande billige Unterkunftsmöglichkeiten finden sol- Dank der Zusammenarbeit einiger gemeinnütziger Organisationen und unter der offiziellen Mitwirkung des Wirtschaftsdepartements der Jcwish Agency ist kürzlich in Palästina ein Institut geschaffen worden, dessen Hauptaufgabe cs ist, den Siedlungswilligen gegen Ausbeutung durch Spekulationspreise zu schützen. Es ist klar, daß die steigende Nachfrage nach Boden während der letzten Jahre ein Anschnellen der Preise mit sich bringen mußte. Dennoch hat das Dazwischentreten gewissenloser Agenten und die unbegründete Furcht des schlecht intormierten Einwanderers, kein geeignetes Grundstück zu erhalten, die Preise zu einer ungerechtfertigten Höhe anschwelten lassen. Daß eine solche Situation ihre Folgen haben muß, ist nur zu offensichtlich. Nicht nur der Landkauf, sondern auch die Pfianzungsmöglichkeiten müssen in Zukunft unter einer solchen Preisinflation leiden. Es ist daher notwendig, die Nachfrage seitens der Ansiedler für solches Land nach Möglichkeit an einer Stelle zu konzentrieren, die jedes Angebot sorg- ' mrnwmmmrrjmmdääätS Jerusalem. Der Waad Leumi hat am 10. Mai eine Sitzung unter Hinzuziehung von Delegierten der Gemeindevorstehungen jüdischer Städte und Ortschaften abgehalten, in der die im Hinblick auf die Lage der deutschen Juden zu ergreifenden Maßnahmen besprochen wurden. In der sehr erlegt verlaufenen Aussprache wurde einmütig festgestellt, daß die bisherigen Einwanderungsmöglichkeiten in Anbetracht des in Europa unter den Juden herrschenden Auswanderungsdranges und der steigenden Aufnahmefähigkeit Palästinas völlig unzureichend seien. Es wurde beschlossen, von der Mandatarmacht nachdrücklich die Gewährung freier Einwanderung für Juden aius Deutschland zu fordern. Die Forderung nach Ermöglichung einer großzügigen Kolonisation soll auch auf dem Kongreß der Völkerbundligen und vor anderen internationalen Körperschaften erwogen werden. Besondere Anstrengungen sollen darauf gerichtet sein, möglichst viele Kinder deutscher Juden nach Palästina zu bringen. Beginn einer organisierten Chaluzeinwanderung aus Amerika nacb Palästina Die erste Pioniergruppe abgereist New York. Mit dem amerikanischen Dampfer «Augustns» ist die erste von der amerikanischen Chaluzorganisation zusammengestellte Pioniergruppe, bestehend aus 28 männlichen und we'biichen Jungarbeitern, nach Palästina abgereist. Die Mehrzahl der Mitglieder dieser Gruppe waren in den von der amerikanischen Chaluzorganisation eingerichteten Schulfa.-men in Baltimore und Minneapolis ausgebildet worden, die Übrigen hatten eine gewerbliche Ausbildung, entsprechend dem vom Hechaiuz aufgestellten Schulungsprogramm, erha’fer. Jüdische Gemeinde Alexandria grün* det eine Palästinakolonie Alexandria. Die Jüdische Gemeinde Alexandria hat beschlossen, im Rahmen einer Hilfsaktion für deutsche Juden einen Fonds zu schaffen, aus disrcn Mitteln eine Kolonie deutscher Juden in Palästina err.ditet werden soll. Wiederherstellung der Patriarchen* graft bei Hebron Jerusalem. Der Oberste moslemitische Rat hat beschlossen, die Patriarchengruft bei Hebron, in der anläßlich eines vor wenigen Wochen verübten Einbruches Beschädigungen angerichtet wurden, wieder herstellen zu lassen. Der Rat hat zunächst 500 Pfund für diesen Zweck bewilligt. Verurteilung wegen illegaler Einwanderung nach Palästina Jerusalem. Das Gericht in Jerusalem hat drei als Touristen nach Palästina gekommene Juden zu je drei und einen vierten zu vier Wochen Gefängnis und Landesverweisung verurteilt, weil sie ohne legale Erlaubnis versucht hatten, sich in Palästina dauernd niederzulassen. Die Verurteilten wurden zur Verbüßung ihrer Strafen in das Gefängnis von Akko übeiführt 0 Die zum Studium eines Planes betreffend Einführung len. Die Gesellschaft habe es sich zum Ziel gesetzt, die gegenwärtige dreimonatige Reisesaison in Palästina auf sechs bis sieben Monate zu verlängern, indem zu dem Besuch der heiligen und historischen Stätten des Landes auch Fahrten durch das Jordantal mit seinen landschaftlichen Schönheiten und die Einführung einer Badesaison am Toten Meer, dessen Wasser heilkräftige Wirkung besitzt, treten sollen. faltig überprüfen kann. Die Zentrale, an der die folgenden Institute beteiligt sind: Farmer-Verband, Allgemeiner Arbeiter-Verband, Amerikanisches Wirtschaftskomitee für Palästina, Verband der Allgemeinen Zionisten, Verband Deutscher Immigranten, Verband Polnischer Immigranten, Verband junger Farmer «Bnei Benjamin», Kibutz Galuyoth, arbeitet zusammen mit einer Reihe verantwortlicher Agenten und Sachverständigen und ist somit in der Lage, die Interessenten der Siedlungswilligen wahrzunehmen. Immigranten und Siedlungsinteressenten in Palästina und auswärts mögen sich daher in allen Fragen über Ankauf von Land und Pflanzungen wenden an: The Central Information Bureau for Land and Agricuiture, c/o American Economic Committee for Palestine, P. O. B. 52, Tcl-Awiw (118 Allenby Rd). einer Touristensteuer eingesetzte Regierungskommission hat den Vertreter des Waad Leumi Ben Zwi um Abgabe eines Gutachtens über diesen Plan ersucht. Wie verlautet, hat sich Ben 7wi scliärfstens gegen die Einführung einer Touristensteuer ausgesprochen. Verteilung von Einwanderungs- Zertifikaten durch die Jewish Agency Jerusalem. Die Jewish Agency hat 1850 Einwanderungszertifikate für C h a I u z i m, 800 Zertifikate für Mittelstandsangehörige und 1000 Zertifikate für Angehörige in Palästina ansässiger Juden verteilt. Appell des Waad Leumi an den Völ* kerbunds Jerusalem. Der Waad L e u m i, die offizielle Vertretung der Judenheit Palästinas, hat einen Aufruf an alle Völker erlassen, in dem diese unter Hinweis auf die Lage der deutschen Juden aufgefördert werden, mitzuhelfen, daß die Errichtung des jüdischen Nationalheims verwirklicht werde« An den Völkerbund wird appelliert, eine internationale Anleihe zwecks Durchführung einer großzügigen Kolonisation deutscher Juden aufzulegen. Die „PAG" feilt milt 1. Die 7. Palästina-Gesellschaftsreise der «Pag» vv.rd am 2. Juli 1 93 3 von Wien abgehen und am 7. Juli morgens in Haifa landen. Preise von 250 SdiHllne aufwärts, inklusive bester Kabinenplätze, Verpflegung Bootsgebühren und Transitvisa. (Rückreise aufgelöst.) Anmeldungen nur bei der «PAG». 2. Existenzgründung in Palästina. Zur Errichtung folgender Unternehmungen in Palästina werden Kapitalisten von Fachleuten gesucht: a) Damenmodensalon; b) Elektrotechnisches Unternehmen; c) Möbelfabrik (in Palästina bereits eingeführte Marke); d) Schokoladen- und Waffelerzeugung; e) Optikerwerkstätte und Photoartikelvertrieb; f) Zeitungsunternehmen; g) Tischlerei. 3. Alle Auskünfte über Palästina und Pal&stlnarelsen werden fachkundig erledigt im Informationsdienst der ..PAG“ a) Montag bis Freitag von halb 10 bis halb 12 Uhr vormittags: Wien, VI., Capistrangasse 2 (vis-ä-vis der Stiftskirche, Mariahiiferstraße), für Nichtmitglieder (Regiebeitrag). b) Montag bis Freitag, von 2 bis 3 Uhr nachmittags: Wien, HI., Landstraßer Gürtel 9, nur für Mitglieder (kostenlos). Telephonische Auskünfte werden nicht erteilt. An alte absolvieren zionisösciien Akademiker 1 Donnerstag, den 1. Juli 1933, %9 Uhr abends, findet im Saale des Cafü Arkaden, L, Universitätsstraße 3, ein großer Vortrag mit Diskussion statt. Tagesordnung: Die Maßnahmen zur Abwehr der die Judenschaft bedrohenden Gefahren. Referenten: Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Rechtsanwalt Dr. Oskar Grünbaum. Der Ring der Alt- Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen verstaltet diesen Vortrag und lädt alle seine Mitglieder sowif alle anderen zionistischen absolvierten Akademiker höflichst und dringendst ein zu erscheinen und zu dieser brennend gewordenen Frage Stellung zu nehmen. Für die Exekutive des Alt-Herren-Ringes: Obrt. Ing. ft Stricker, Dr. 0. Grünbaum, Ak. M. La. Robitschek» Waad leumi fordert freie Einwanderung deutscher Juden nach Palästina Informaäonsxentrate für Land- und Pftanxenküufe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.