Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 281 (25.5.1933)
- Date
- 1933-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Stffe 9 DTE STIMME Nr. 28f — 25. Mal 1033 Das Weltgewissen gegen die deutschen ' ‘ Gegen die Zurücksetzung der deutschen Juden Bin Appell der englischen an die deutsche Jugend — Massenversamm Üung englischer Jugendverbände in der Londoner Queens Hall London. Unter dem Vorsitz von Mrs. Edgar D u gd a! e, der Nichte Lord B a I f o u r s, fand in der Queens Hall zu London eine von englischen Jugendverbänden, unter Ihnen dem Verband der Hörerinnen an den englischen Universitäten, dem Reichsverband der Studenten Englands, der christlichen Studentenbewegung, den «Jungen Freunden» (Quaker), der Young Men’s Christian Association, den jüdischen Jugendorganisationen, dem Verband der Sonntagsschulen und den jugendverbünden der großen englischen Parteien, einberutene Massenversammlung statt, an der über 4000 Jugendliche teiluahmen. Ansprachen hielten Mrs. D u gd a 1 e, Lord M e 1 c h e 11, der Abgeordnete Isaac Foot, die bekannte Pädagogin Margery F r y und Prof. John McMurray. Begrüßungsschreiben waren von Prof. Gilbert Murray, dem Führer der freien Kirchen Dr. Scott Lidgett und Viscount Snowden eingelaufen. Mrs. Du g d a 1 e schilderte ausführlich die Lage der Juden in Deutschland, Lord M e 1 c h e 11 erklärte, der König von Bulgarien habe ihm anläßlich seines letzten Besuches ln Bulgarien unter Hinweis auf die Entwicklung in Rußland nach der Ermordung Stolypins in Kiew gesagt, er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß Zurücksetzung und Verfolgung einer Rasse, deren Jugend in eine geistige Verfassung drängen, die den Keim zu Zersetzungserscheinungen im Staate bilde. Dauernde Zurücksetzung der Juden müsse sich sowohl für Deutschland, wie für die übrigen Länder verhängnisvoll auswirken. Die endgültige Lösung der Frage, erklärte Lord Melchett unter stürmischem Beifall, bestehe in der Wiederaufrichtung des Jüdischen Volkes in seinem historischen Qenf, Auf der Tagesordnung des für den 3. Juni nach Montreux einberuLnen Kongresses der Union der Vöikerbundligcn steht diesmal auch die Frage der Zurücksetzung der Juden in Deutschland. Der Vorschlag, eine Beratung über diese Frage abzuhalten, wurde von der Völkerbundsliga Palästinas, die eine Beschlußfassung des Kongresses über die vom Völkerbund 2um Schutz der R:chtc der Juden in Deutschland zu unternehmenden Schritte herbeiführen will, gemacht. Dem Kongreß liegt ferner eine Resolution der französischen Völkerbundliga vor, in der unter Hinweis auf eine Reihe im 19. und 20. Jahrhundert erfolgter Interventionen auf Grund allgemein menschlicher Erwägungen eine internationale Aktion zugunsten der deutschen Juden verlangt wird. Als Grundlage für ein Einschreiten des Völkerbundes werden die A rti k e 1 2 3 und 1 1 Ferien In der Schweiz Franz. Spracherlernung durch Kurse, Kameradschaft, Sport u. Spiel, Jahresstudien (alle Schultypen) in bestempf. Knabenu. Mädchenmst. Für Jüngere u. Erholungsbedürftige eig. Abt. Ferienaufenthalt mit Reisebegl., Fahrtermäßigung, Zahlung ev. in Landesw. Auskünfte kostenlos durch d e Beratungsstelle für Schweizer Erziehungsinstitute Prof. Dr. W. Stein, Wien, XIX., Hardtgasse 6. Tel. A 13-6-66. Sprechstunden von 2 bis 4 Uhr. New York. Die «National Conference of Jews and Christians», eine zur Förderung von Freundschaft und Zusammenarbeit unter den Bekennern der verschiedenen Religionen in den Vereinigten Staaten gegründete Organisation, hat Gruppen führender Geistlicher der verschiedenen christlichen Bekenntnisse und bekannter Hochschullehrer gebildet, die die Aufgabe übernommen haben, Kundgebungen von Führern aller christlichen Kirchen und Vertretern aller europäischen Universitäten gegen die antisemitische Strömung ln Europa zu veranlassen. In der letzten Zeit haben bereits einige der hervorragendsten Vertreter der christlichen Geistlichkeit Amerikas, unter ihnen Kardinal Hayes und der anglikanische Bschof Manning, ferner der Sekretär des kirchlichen Friedensbundes und der Weltvereinigung für internationale Freundschaft Henry A. Atkinson sowie Rev. Theodor A. Greene als Vertreter der Kommission für internationale Beziehungen beim Generalrat der christlichen Kirchen, der 6670 Kirchengemeinden in den Vereinigten Staaten repräsentiert, öffentlich ihre Stimme gegen den Antisemitismus erhoben. Lande Palästinas. — Abg. Foot berichtete über seine in Palästina anläßlich seines Besuches vor zwei Monaten gewonnenen Eindrücke. Die Errichtung dea Jüdischen Nationalheims, erklärte er, sei eine der wunderbarsten Erscheinungen in der Geschichte der Neuzeit. England könne stolz darauf sein, daß es bei der Durchführung dieses großen Werkes eine Rolle spiele. Die Errichtung des Nationalheims sei ein Werk der Sühne für das Unrecht, das einem Volke zugefügt worden sei. —- Worte der Anerkennung für die K u 11 u r 1 e i s t u n g e n der Juden und des Verständnisses für den neuen Lebensgeist in Deutschland fand Prof. John McMurray, der u. a. erklärte, das Schicksal der Juden in Deutschland, die dort unverdient zum Sündenbock gemacht werden, möge eine Warnung an die Welt sein, nunmehr ihrerseits Deutschland zum Sündenbock zu machen. Am Schluß der ungemein eindrucksvoll verlaufenen Versammlung wurde einstimmig eineEntschließung angenommen, in der erklärt wird, diese repräsentative Versammlung der britischen Jugend sei der Meinung, daß politische und gesellschaftliche Diskriminierung aus Gründen det Rassenverschiedenheit den Grundsätzen von Recht und Freiheit widerspreche, und bedauere tief die gegenüber der deutschen judenheit geübte Diskriminierung. Sie richte in freundschaftlichem Geist an das deutsche Volk und insbesondere an die deutsche Jugend den Appell, Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Zurücksetzung ein Ende zu machen. das deutsch-polnische Abkommen betreffend Oberschlesien wird im Zusammenhang mit dieser Frage verwiesen. Schließlich wird noch Jene Stelle des Palästina-Mandats zitiert, in der es heißt, daß die Rechte und die politische Stellung der Juden in ihren verschiedenen Wohnländem nicht verletzt werden dürfen. Entschließungen der britischen and der belgischen Völkerbundliga London. Die Exekutive der englischen Völkerbund 1 i g a hat der Regierung eine Entschließung überreicht, in der Einspruch gegen die Zurücksetzung der Juden ln Deutschland erhoben wird. Die englische Regierung wird gebeten, die deutsche Regierung davon in Kenntnis zu setzen, weiche Empörung und Verbitterung die judenfeindlichen Maßnahmen in der britischen Oeffentlichkeit erzeugt haben. Gleichzeitig wird die Regierung a u f gef or d er t, den aus Deutschland ausgtwanderten Juden die Einwanderung nach Palästina möglichst zu erleichtern. Antwerpen. Die belgische Völkerbundliga hat auf ihrer in Liege abgehaltenen Jahresversammlung eine Entschließung gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland angenommen. Die Liga hat ferner beschlossen, den Völkerbund aufzufordern, geeignete Maßnahmen zur Sicherung der gleichen Behandlung der Bürger ohne Unterschied von Rasse oder Bekenntnis in allen Ländern zu ergreifen. Der englische Fasellistenführer Mos* ley verurteilt den Antisemitismus London. Anläßlich der Gründungsfeier der faschistischen Vereinigung an der Universität Oxford hielt der Führer der englischen Faschisten Sir Oswald M o 81 e y eine Ansprache, in der er sich scharf gegen Antisemitismus und Judenverfolgung wandte. Sir Oswald erklärte, er lehne die Verantwortung für die vor einiger Zeit in London von einzelnen Schwarzhemden verübten Ausschreitungen a b. Das Niveau, auf dem die britische Faschistenunion stehe, gestatte es nicht, daß ihre Mitglieder sich an antisemitischen Grausamkeiten beteiligen. Städtischer Beitrag ftir jüdische Wohlfahrtsinstitute in Saloniki Saloniki. Der Bürget meist« von Saloniki Vamvacas gibt bekannt, daß in das städtische Budget ein Posten von 640.G00 Drachmen für jüdische Wohlfahrtszwecke eingestellt wurde. Die Aufteilung dieser Summe wird durch den Bürgermeister und den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde vorgenommen werden. SeriOse? Kaufmann gew. Direktor eines führenden Konzerns, mit erstklassigen Referenzen, Ubersiedelt demnächst nach Palästina. Genannter übernimmt Vertretungen leistungsfähiger Häuser, unterhält Bureaus mit Musterlager und Warenauslieferung in Tel-Avviw und Haifa. Es werden bereist die Gebiete Syrien, Irak, Aegypten, Algier. Zuschriften erbeten unter «Chaim 18» an dir Administration des Blattes. Hilfskomitee polnischer Juden hilft deutschen Bauern in Sow]etrußland Warschau. Bei dem in Warschau seit längerer Z it bestehenden Hilfskomitee für hungernde Juden in Sowjetrußland, das sich damit befaßt, Juden in der Sowjetunion, die durch die Maßnahmen und Wirtschaftsexperimente der Regierung in schwerste Not geraten sind, Lebensmittelpakete zuzusenden, ist ein Brief :'nes deutschen Bauern, des in eine Kollektivwirtschaft eingereihten Kolonisten Gerhard Georgewitsch Epf aus dem Dorfe Mar awol im Rayon Moratschensk, eingelaufen. In dem Briefe, der ein charakteristisches Licht, auf die in Sowjetrußland herrschenden Verhältnisse wirft, bittet der Bauer das Jüdische Komitee in rührender Weise, doch auch ihm zu helfen, obwohl er nicht Jude, sondern Deutscher sei. Aber sind wir nicht alle gleich? — Der ergreifende Brief des deutschen Kolonisten hat auf das Jüdische Hilfskomitee tiefen Eindruck gemacht. Es wurde beschlossen, an den Bittsteller sofort ein Lebensmittetoafei abzusemi n und gi undsätzlich in ähi Lehen Fällen Hilfe zu gewähren. Zahlreiche deutsche Juden in Pali* stina eingetroffen Jaffa. ln Jaffa ist der Dampfer des Lloyd Triestino «Martha Washington» mit 1200 Passagieren, darunter sehr vielen Einwanderern und Touristen aus Deutsch- 1 a n d, eingetroffen. Unter den Einwanderern befinden sich viele Aerzte, Ingenieure und andere Intellektuelle. Mit demselben Dampfer sind auch das ehemalige Mitglied der Zionistischen Exekutive Lazarus Barth mit seiner Familie und der Leiter der zionistischen landwirtschaftlichen Versuchsstation Prof. Otto Warburg eingetroffen. Landwirtschaftliche Ausbildung deutscher Juden in Dänemark Kopenhagen. Durch die kgl. dänische Landhausgesellschaff werden, wie Kopenhagener Zeitungen melden, augenblicklich Verhandlungen mit einer Reihe von dänischen Landwirten im nördlichen Teil der Insel Seeland geführt mit dem Ziel, junge Juden aus Deutschland bei «ich aifzunehmen, um ihnen die Anfangsgründe der Landwirtschaft beizubringen. Wie es in den Meldungen heißt, wollen die jungen Juden nach beendeter Ausbildung nach Palästin a auswandem. Oesterreichischer Sckriftstellerver* band zur Bücherverbrennung In Deutschland Der Verband der österreichischen Schriftsteller hat an die österreichische Regierung das Ersuchen gerichtet, auf d.plomatischem Wege Einspruch gegen die Veibrennung von Werken österreichischer Autoren in Deutschland zu erheben. Der österreichische Schriftstellerverband weist darauf hin, daß der Verbrennung Werke österreichischer Gelehrter und Dichter von Weltruf zum Opfer fielen; insbesondere werden die Schäften von Sigmund Freud und die Werke von Arthur Schnitzler, Stefan Zweig und Jakob Wassermann genannt. Es besteht die Möglichkeit, daß die österreichische Regierung den Wunsch des Schriftstellerverbandes erfüllen wird. Firmen, die die Erzeugung von: Dentalartikeln, pharmazeutischen und kosmei. sehen Präparaten, Artikel für Elektrizität um Mechanik, Knöpfe, Kleinmetallware, Htographi* sehe Kunstdruck- und Prägeanstalten für Blech und Papier nach Palästina zu verlegen beabsichtigen, werden von einem Konsortium, dem nebst reicher Erfahrung auf diesem Gebiete, auch etwas Kapital zur Verfügung steht, um Mitteilung erdicht. Eilangebote unter «Scott 1000» an die Administration des Blattes» Die deutsche Judenfrage auf der Tagesordnung des internationalen Kongresses der Völkerbundligen desVölkerbundvertragesangeführt. Auch auf Verivetev aller christlichen Kirchen Amerikas und Professoren alter amerikanischen Universitäten gegen den Antisemitismus 7528364895