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Die Stimme · 1933-05-25 · Heft 281 (25.5.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 281 (25.5.1933)
Date
1933-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seif« 3 DTE STIMME Nr. 28f — 25 Mal 1933 I f; . I ' i. f: l :i' t; *'>r ■Vf $ i( l € land verlangt hat, gleichzeitig von dem fair play gesprochen, daß das Deutsche Reich den Juden schuldet. Es ist ein Minimum von fair play, denjenigen Juden, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen sich eine Chance außerhalb Deutschlands suchen müssen, das Vermögen zu lassen, das ihnen diese Zukunft sichern kann. Das wäre zum Beispiel durch ein Abkommen möglich, demzufolge die für Palästina-Wanderung freigegebenen Vermögen duren deutsche Warenexporte nach Palästina aufzuwiegen wären. Es wäre wert, unter Außerachtlassung aller Sentimentalitäten ein solches Abkommen mit Deutschland, das heute um die Ankurbelung seiner Wirtschaft bemüht ist, zu treffen. Es könnte auch eine Treuhandgesellschaft geschaffen werden, mit Beteiligung des Reiches und anderer europäischer, vor allem englischer und italienischer Interessen, die bei sofortiger Belehnung ihrer Pfandbriefe bis zu einer gewissen Grenze durch palästinensische und europäische Banken die betreffenden Vermögenswerte langsam zu liquidieren hätte. Ein von öffentlichen jüdischen Institutionen geschaffener Garantiefonds könnte diese Beleihungsgrenze so hoch als möglich treiben. Auf jeden Fall kann ein Ausweg nur in Verhandlun- «FÜr verarmte Bürstenbinder, Für Chinesen, Botokuden — Nur nicht Juden, nur nicht Juden.» (Beda.) Jeder kennt daa pittoreske Völkchen der Zigeuner. Wir in Oesterreich haben nach dem Weltkriege einen bedeutenden Zuwachs an Zigeunern erhalten, ln vielen Gemeinde des Burgi-n.andes gibt es Zlgei nerkolonien. In elenden J-ehm hütten hausen zerlumpte Gestalten, nackte Kinder betteln in zudringlichster Welse oder wälztn sich mit den Schweinen im Morast. Das sind noch die «besseren» Zigeuner, die da in «festen» Hütten wohnen. Die Mehrzahl der Zigeuner führt ein Nomadenleben. Sie ziehen von Dorf zu Dorf als Kesselflicker, inatrumentenhändler und Pferdehändler im Nebenberuf und als — Diebe im Hauptberuf. Sie sind eine Landplage, unter der Oesterreich, die Tschechoslowakei und Ungarn leiden. Nun irnldet «Ob Server», diese Staaten hätten beim Generalsekretariat des Völkerbundes einen Antrag eingebracht, um die Zigeunerfrage zu lösen. £s sollen alle Zigeuner auf einer Insel des atlantischen oder stillen Ozeans angesiedelt werden. Der Völkerbund soll einen Zigeunerstaat schaffen. 500.000 Zigeuner sollen auf diese Weise seßhaft gemacht werden. £s gibt noch ein zweites Volk, das in der Welt umherirrti zwar nicht freiwillig nomadisierend, dafür aber ge-, zwun gen ermaßen. Das sind die Juden. Es wird sicher Juden geben, die über diesen Vergleich die Nase rümpfen werden. Viele, die den «besseren Schichten» angehören, werden diesen Vergleich als eine besondere Niedertracht empfinden, ausgeheckt von diesen «jüdischen Antisemiten», den Zionisten, ln den Chor der Entrüsteten hätte vor einigen Monaten noch der überwiegende Teil der 600.000 deutschen Juden eingestknmt. Heut« hat sich das Blatt gewandt. Heute wären die deutschen Juden glücklich, hätten sie eine Heimstätte. Sie verstehen heute, daß ihr Schicksal dem der Zigeuner gleicht, wenn die deutschen Juden sich auch durch Kultur und Moral turmhoch von den Zigeunern abhtben. Und es muß wohl nicht außerdem betont werden, daß die Juden Deutschlands kein« Landplage waren. Im Gegenteil, — sie waren es, die Deutschland auf allen Gebieten der Wirtschaft und Kultur groß gemacht haben. Nun aber stehen die Juden Deutschlands vor der Notwendigkeit, nach einer Heimstätte Ausschau zu halten. Ein Teil von ihnen zieht bereits nomadisierend durch die Welt; den ln Deutschland Zurückgebliebenen wird «kein Haar gekrümmt». Mit solchen Kleinigkeiten geben sich die Hakenkreuzler nicht ab. Es wird «durchgegriffen». Die Juden werden systematisch aus der gleichgeschalteten Wirtschaft ausgeschaltet, sie werden dem langsamen, aber sicheren Hungertode preisgegeben. Die Folgen für Deutschland liegen auf der Hand, die interessieren uns aber hier nicht. Hier müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, daß Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blut einem schrecklichen MOSES RATH‘S „SFATAMENU” Lsainuch d. hebrliseltn spraeöa für Schul- und Selbstunterricht mit Schlüssel und Wörterverzeichnis mit deutscher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache. Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort and Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S 3.60 der englischen Ausgabe Dollar 1.—. Buchhändler, Schulen, Organisationen und Lehrer erhalten einen hohen Rabatt. Zu beziehen bei M. Rath, Verlag» Wien, II. Taborstraße 20 a. gen mit der Regierung gefunden werden. Dr. Arlosoroff ist überzeugt, daß die öffentliche Meinung der Welt diese VerhandlungeB mit großer Aufmerksamkeit und Sympathie verfolgen und in einer den Interessen aller Beteiligten gerechten Lösung einen wichtigen Fortschritt auf dem Wege zu einer konstruktiven und sachlichen Behandlung der Judenfrage in Deutschland erblicken wird. Was ich hier dargelegt habe, sind Grundzüge für die im easten Jahre durchzuführenden Arbeiten eines auf Palästina eingestellten Vierjahresplans. Was an öffentlichen Mitteln zur Durchführung des Plans notwendig Ist, wird von dem Palästina-Hilf sw e r k aufgebracht werden müssen, date heute unter der Führung von Dr. Welzmann Im Aufträge der Exekutive der Jewish Agency organisiert wird. Die Lebenskraft des jüdischen Palästinas wird eine auch starke Einwanderung aus Deutschland bewältigen. Die deutschen Juden, die heute ln Palästina Mitträger und Mitverantwortliche des jüdischen Lebetns werden sollen, werden dort mit Freude aufgenomme*. Dienst am gemeinsamen nationalen Werk wird ühnen und dem Jischuw die Verschmelzung zu einem Ganzen erleichtern. Untergang gegenübersteht. Hier müssen wir durchgreifen. Nichts wäre gefährlicher, als mit veralteten Methoden zu arbeiten, Wohltätigkeit zu Üben. Denn die« Art Wohltätigkeit erzeugt bestenfalls Schnorrer, sie ist dfeher, obwohl für den Augenblick eine Notwendigkeit, für die Zukunft eine Gefahr. Es ist nicht verwunderlich, wenn jener Teil des Judentums, der bisher Im selchten Wasser der Assimilation plätscherte, keinen konstruktiven Plan hat. Nur wir Zionisten haben einen solchen Plan. Theodor H e r z 1 hat uns gepredigt, daß wir für die Juden, «die sich nicht assimilieren können Oder wollen», eine Heimstätte schaffen müssen. Dtjr Fall ist jetzt gegeben. Wir haben die Frage der deutschen Juden zu lösen, die sich assimilieren wollten, die schon glaubten, sich assimiliert zu haben, aber von Hitler darüber belehrt wurden, daß sie sich nicht assimilieren können. Für Zigeuner mag es gleichgültig sein, wo man sie ansiedelt, und man muß sie vielleicht auf einer Insel ansiedeln, daniit sie nicht wieder davonlaufen. Für die deutschen Juden braucht man keine Insel. Jene Juden, die Deutschland verlassen wollen, haben keine Sehnsucht, in die deutsche Hölle Zurückzukehren. Sie wollen i«:dit alte Heimat zurttckkehren, nach Erez Israel. Hier erwächst für den Zionismus eine Aufgabe von historischer Größe. Jeder Zionist und jeder Antizionist erkennt heute den Wert der Existenz der Zionistischen Weltorganisation. Auch dem blödesten Auge und dem assimiliertesten Hirn muß es jetzt klar werden, daß. de Zionisten Ungeheures geleistet haben. Wie sähen wir heute aus, wenn wir nicht die BflJfour-Deklaration und das Palästiva-Mandat hätten? Was könnten wir heute für die deutschen Juden tun? Heute (st die Erkenntn.s Gemeingut geworden, daß! der Zionismus den Schlüssel zur Lösung der Judenfr&gje in der Hand hat und daß nur wir Zionisten in der Lage sind, den deutschen Auswanderern di« einzige Pforte, die in die Freiheit führt, zu öffnen, den Weg nach Erez Israel. Die große historische Stunde erfordert aber von ans ganze AbelL Diese Arbeit kann heute nicht darauf abgestellt sein, sich mH der Mandatarmacht um 1000 Zertifikate mehr hemm zubalgen. Das ganze Palästina- Problem muß aus seinen Niederungen herausgehoben werden. Das Problem Palästina wurde von uns seit Jeher zur Diskussion gestellt, von Berlin aus aber wurde es erst zur brennendsten internationalen Frage emporgohoben. Unsere Exekutive wül ganze Arbeit machen. Dazu ist es aber notwendig, daß sich das ganze Judentum hinter die Zionistische Exekutive stellt Die Welt muß erkennen, daß jetzt der historische Augenblick gekommen ist, Palästina zur Heimstätte für das jüdische Volk zu machen, ohne daß dadurch die Rechte der Juden in den anderen Ländern beeinträchtigt werden dürfen. Soll Palästina wirklich die Heimstätte für das jüdiepche Volk werden, dann muß es rein jüdisch sein. Dabei ist es klar, daß die heiligen Stätten der Christen und Mohammedaner unangetastet bleiben müssen. Es wird sich also daaum handeln, die Araberfrage zu lösen. Palästina Ist kein Integrierender Bestandteil der arabischen Welt. Ungeheure leere Landstriche stehen den Arabern außerhalb Palästinas in arabischen Ländern zur Verfügung. Die arabischen Fellachen, ausgebeutet von Ihren Effendls, können in Mesopotamien glücklicher leben als in Palästina. Es muß daher unsere Forderung sein, die Araber Palästinas umzusiedeln. Diese Arbeit kann nur der Völkerbund leistet* Wir müssen uns daran erinnern, daß der Völkerbund dem Austausch der griechischen bevöikerung Kleinasiens gegen die türkische Bevölkerung Griechenlands mit Erfolg durchgeführt hat. Was ln diesen dicht besiedelten Gebieten möglich war, wird in Palästina mit seinem menschenarmen, großen arabischen Hinterland leichter sein. Die Bereitschaft der Geister im Judentum ist vorhanden. Die Stimmung in der Welt ist günstig. Die Fellachen müssen aufgeklärt werden. Sie werden glücklich sein, wenn sie aus den Krallen Ihrer wuchernden Effendls entrinnen können. Die Effendis selbst werden entsprechend abgefunden werden. Die Zukunft des Palästina-Mandats, lokale Selbstverwaltung, gesetzgehender Rat, das werden alles Fragen sein, die das Jüdische Volk allein zu regeln haben wird. Jetzt können wir ln Wahrheit Subjekt unserer Politik werden. Wenn wir nur wollen! Niemand wird uns, wfe einer schmollenden Primadonna das jüdische Palästina za Füßen legen. Wir müssen es uns erkämpfen. Jetzt müssen wir beweisen, daß wir kein Volk von Schacherern sind, sondern daß wir uns Idealismus und Opferwillen bewahrt habe«. Der Jade Henry Morgenthau war es, der den griechisch-türkischen Bevölkerungsaastauseil durchführte. Der Jude Julius Rosenwaid war es, der 1,000.000 Dollar zur Errichtung einer Schulzahnklinik für die — Berliner Schulkinder spendete. Zwei lehrreiche Beispiele! Unerhörte Reserven an Energie ruhen im jüdischen Volk und noch gibt es einzelne reiche Juden und Opferwilligkelt gerade bei den armen Juden. Alle diese Kräfte «fl Energie, Geist und Geld müssen za einem mächtigen jüdischen Strome anschwellen. Die Juden müssen von uns Zionisten darüber belehrt werden, daß es jetzt gilt, die jüdische Festung zu bauen, deren Tore immer offen stehen werden für alle, die sich nicht assimilieren wollen oder können. Wir vergeben uns nichts an unserem Menschentum, wenn wir zuerst für uns und erst dann für andere, oder wie man früher sagte, «ohne Unterschied der Konfession» sorgen. In Amerika setzten Juden ihren Stolz darein, ihr Vermögen nichtjüdischen Zwecken zuzuwenden. Millionen flössen Negerspitälern zu und Bildungsstätten, die zum Dank dafür den Numerus clausus für Juden einführten. Vielleicht wird es auch Juden geben, die ihr Ideal darin sehen werden, sich und ihr Geld für den Zigeunerstaat aufzuopfern; bis sie dann plötzlich erkennen werden, daß sie selbst heimatlos sind. Wer wird Ihnen dann helfen? Die Zigeuner so wenig wie Deutschland, das jüdischer Energie und jüdischer Geistesarbeit so viel zu verdanken hätte. Daher muß die Losung des ganzen jüdischen Volke« Seins Erez Israel! Dr. Oskar Ofünbaam. Z Millionen Brivedes Joint zugunsten deutscher Juden New. Vork. Das American Joint Distribution Committee hat soeben einen auf das Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten sich erstreckenden Drive proklamiert» Es soll ein Betrag von 2 Millionen Dollar für die Aktion Zur Rettung deutscher juden aufgebracht werden.' Her Ministerpräsident von Neu*Süd* Wales gegen die Zurücksetzung der Juden In Deutschland SIdney. In der Stadthalle von Stdney fand ein durch den Bürgermeister einberufenes Meeting statt, zu dem über 4000 christliche und jüdische Bürger erschienen waren, um Einspruch gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland zu erheben. Führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hielten Ansprachen. Der Ministerpräsident von Neu-Süd-Wales Stevens legte eine Resolution vor, ln der die gegen die Juden getroffenen Maßnahmenmißbilligt werden. Die Resolution des Ministerpräsidenten wurde von der Versammlung einstimmig angenommen, Bin rumänischer Unlversltätsprofes* sor stellt seine Vorlesungen zum Protest gegen antisemitische Ueber* griffe ein Czemowitz. Der Professor an der jüdischen Fakultät der Czernowitzer Universität Dr. R a d u 1 e s c u hat seine Vorlesungen zum Protest dagegen eingestellt, daß die cuzlstischen Studenten beschlossen haben* jüdische Hörer nicht mehr zu den Vorlesungen zuzulassen. Professor Radulescil hat erklärt, daß er seine Vorlesungensolange nicht wieder aufnehmen werde, solange jüdischen Studenten der freie Zutritt zu den Vorlesungen verwehrt bleiben würde. Juden, kaufet Palästina-Produkte bei lamuelHalpern Wien, II., Förstergasse 6, Tel. A-46-4-12 Jaffa-Orangen nur noch kurze Zelt. 1 kg S 1.— Nur für Zigeuner? Keren Kajemeth* Boden die sicherste Grundlage für jüdische LawdWirtschaft und Industrie l

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