Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 281 (25.5.1933)
- Date
- 1933-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b Preis 35 g BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 150, Vierteljahr!. S 4*20, ganz iOhrl. . . . S 16 - Deutachld. vierte) «hrl.. . . RM I- Tschecho Slowakei vierteij. . Kc 24 — Jugoslawien viertel jahrl. . Din 40 - Po'en Vierteljahr lieh . . Zloty 6 50 Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengö 4 20 Rumänien viertel Chrl. . . Lei 120 — ehriges Ausland Vierteljahr!. Schw. Franken 4*50 ■■KSSnHHBHBi Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, 1., Kärntner- Straße 28 Tel. R-27 4-85 Postsparkassenkonti: Oesterr. D 113.546 Polen . . 19U99 Ischecho* Slowakei .500.230 Jugoslawien 40*879 6. Jahrgang Wien, Donnerstag, 25. Mai 1933 (29. Ijjar 5693) Nummer 281 Palästina als Lösung dev deutschen Judenfrage Ein Honsivukiiver Plan Dr. Arlosorojfs Schulsiedlungen ~ Verlegung der Umschichtungsarbeit nach Palästina — Viertahresplan landwirtschaft* Hoher und städtischer Kolonisation - Das Finanzierungsproblem Wien, 24. Mai. Dr. Ch. Arlosoroff, der Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, hielt sich einige Tage in Berlin auf, wo er in ständiger Fühlung mit führenden Zionisten und Freunden der Palästinabewegung die jüdische Situation in Deutschland im Hinblick auf Möglichkeiten einer teilweisen Lösung durch Einbeziehung Palästinas als eines wesentlichen Faktors in den Rahmen einer allgemeinen umfassenden Hilfsaktion konstruktiven Charakters.; studierte. Schlußfolgerungen auf Grund seiner durch Beobachtungen und aus Gesprächen mit Freunden gewonnenen Eindrücke verdichteten sich zu einem großzügigen Plan, dessen Grundzüge im folgenden festgehalten seien: Der Plan Dr. Arlosoroffs umfaßt drei für die Juden Deutschlands heute besonders brennenden Probleme: Erziehungsfrage, Umschichtung, Existenzgründung. Im Anschluß an die Besprechung dieser Fragen erörterte Dr. Arlosoroff Fragen der Kapitalbeschaffung, beziehungsweise -Überführung, die er im Einvernehmen mit der deutschen Reichsregierung gelöst sehen möchte. Ein Schulwerk für 4000 Kinder Mit Rücksicht auf die Beschränkung der Zulassung jüdischer Kinder zu den höheren Schulen in Deutschland, die Ungewißheit bezüglich der Möglichkeit, ein wahrhaft jüdisches Schulwerk auf deutschem Boden zu schaffen und zu erhalten, und auf die schwierige seelische Situation, in die jene jüdischen Kinder, die zum Besuch staatlicher Schulen zugelassen werden, geraten könnten, kommt nach Dr. Arlosoroffs Ueberzeugung Palästina als Stätte der Erziehung jüdischer Kinder aus Deutschland überragende Bedeutung zu. Es könnten, erklärte Dr. Arlosoroff, in den Schulen der Siedlungen etwa 600 bis 700 Kinder gegen geringes Entgelt untergebracht werden. Wenn die Eltern der Kinder, die in landwirtschaftlichen Siedlungen geringe Verpflegskosten und ein bestimmtes Schulgeld bezahlen, könnten die Schulen in Ain Charod, Beth Alpha oder Nahalal sofort erweitert und die zur angemessenen Unterbringung der Kinder erforderlichen Gebäude so rasch errichtet werden, daß keine Verzögerung in der Ueberführung einzutreten brauchte. Andererseits können — wozu freilich größere Geldmittel und eine kompliziertere Organisation erforderlich sind — etwa zehn neue Schulsiedlungen nach dem Muster des Kinderdorfes Ben Schern en geschaffen werden, In denen die Jugend in eigener Gemeinschaft, dem Boden und der Arbeit nahe, aufwächst. Dr. Arlosoroff m KAlSERSTR. 123 K. ÄLSERSTR.. 6 S16-S18-S20.- p zweifelt nicht, daß die Jewish Agency, in deren Schulen ja auch bisher etwa 25.000 Kinder erzogen worden sind, bei Organisierung eines solchen Schulwerks für 3000 bis 4000 Kinder aus Deutschland Verständnis und Unterstützung seitens der Regierung finden wird. „Irgune Hachscharah“, eine Organisation 9ir Arbeitstraining und Um* Schichtung in Palästina Die nächste Frage, ist'die, die Altersklassen von 12 bis 22 Jahren berührende Umschichtungsfrage. Für ältere Gymnasiasten und junge Studenten, die die Aussichtslosigkeit einer akademischen Laufbahn erkannt haben, ■'für die arbeitslos gewordenen jungen Angestellten ist sie dringendes Lebensproblem. Die Hachscharah, der Anpassungsübergang zu manueller Arbeit müsse zum großen Teil nach Palästina selbst verlegt werden. In besondere Abteilungen zusammengefaßt, würden die jungen Menschen im ersten Jahre bei Straßenbau-, Aufforstungs¬ und Meliorationsarbeiten beschäftigt werden, gleichzeitig dte hebräische Sprache erlernen und sich den Lebensbadingungen des Arbeiters anpassen, um nach Ablauf dieses Jahres in die eigentliche landwirtschaftliche oder gewerbliche Berufsarbeit übergeleitet zu werden. Die Kosten dieser, volkswirtschaftlich zwar produktiven, nicht aber unmittelbar rentablen «Irgune Hachscharah» würden sich bei jährlicher Rekrutierung von etwa 3000 Menschen auf etwa 60.000 Pfund belaufen. 90.000 Dunam für viertausend Klelnsiedler Was die eigentliche Kolonisation betrifft, so könnten, nach Ansicht Dr. Arlosoroffs, von großen, langwierigen Vorbereitungen erfordernden Projekten abgesehen — sofort 85.000 bis 90.000 Dunam bewässerbaren Bodens, den wir bereits zum Teil besitzen, zum Teil jetzt erwerben könnten, zur Ansiedlung von 4000 selbstarbeitenden Kleinsiedlern zur Verfügung gestellt werden. Die besten Aussichten haben diejenigen, die zur Mitarbeit willige und geeignete Kinder mitbringen. Um die Ansiedlung junger Arbeiter, die sich im Laufe einiger Jahre Arbeitserfahrungen erworben haben, auch in Zukunft zu ermöglichen, sollte der Plan Ing. Ruthenbergs, der die Schaffung einer Paflestine Development Corporation mit einigen Millionen Pfund Kapital als Siedlungsgesellschaft vorsieht, in den Rahmen des gesamten Programms eingegliedert werden. — Bei der Ausnutzung industrieller Möglichkeiten wird keine zentrale Planstelle das erfinderische Wegen des Sch’wuoth* Festes erscheint die nächste Nummer der «»Stimme“ bereits am Dienstag« d e n 30. M a I« und gelangt so einen Tag früher zur Versendung an die P. T. Abonnenten. Talent des einzelnen jemals ersetzen können. Die kleinen und mittleren Industrien haben schon bisher eine erstaunliche Absorptionskraft für Arbeitskräfte gezeigt. Es gibt in den Plantagen-Kolonien heute etwa 15.000, in Tel-Awiw etwa 12.000 jüdische Arbeiter, Unbedingt erforderlich wäre eine spezielle Steile, die praktisch vor der Ausführung stehende Industrieprojekte zu registrieren und Projektanten mit gleichgerichteten Plänen zwecks Koordinierung und Vermeidung von nutzlosem Neben- und Gegeneinander miteinander in Verbindung zu bringen. Kapitalien mehrerer Personen zu größeren Investitionen zu kombinieren und Menschen mit aussichtsreichen Plänen mit solchen, die Anlagemöglichkeiten suchen, zusammenzuführen hätte. Deutsche Warenexporte für freigegebene Vermögen Zum Schluß sei noch Dr. Arlosoroffs Ansicht über die Frage, wie die Ueberführung der notwendigen Anlagekapitalien nach Palästina bewerkstelligt werden könnte, festgehalten. Es ist unsinnig, erklärt er, über die Schärfe des Wanderungsproblems hinwegzusehen oder anzunehmen, daß es ohne ein Abkommen mit der deutschen Regierung gelöst werden kann. Lloyd George hat in der Rede, in der er fair play für Deutschnaefi Roman von leonold Hichler Brosch. S 4.80 Ganzleinen S 7.— Mit gleicher Liebe tuid Anschaulichkeit wie in seinem früheren Roman «Moses Mautner und sein Sohn» schildert Hichler hier die Freuden und d e Tragik einer Wiener jüdischen Familie. So ist auch dieses Werk berufen wie der «Moses Mautner», ein echtes Volksbuch zu werden. R. LSwifVerlaa, Wien Durch jede gute Buchhandlung