Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 280 (18.5.1933)
- Date
- 1933-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nf. 280 — 18. Mal 1033 DIE STIMME Srffe 7 tHLmn Dt« Huhsttiulantonioitlc Jahrzehntelang wurden Juden an dir Universität billig geschlagen und Polig?) und Akadem&eher Senat waren lieh darüber einig, daß die Hochsehuiautpngmie ein Einschreiten der Polizei unmöglich mache. Vergeblich haben wir Zionisten diesen Standpunkt ah ungesetzlich bekämpft. Plötzlich wird unser Standpunkt vo«? der Regierung anerkannt Der gieherheitiminister Fey hat anerkannt, daß $a Hoehschulautonpmie gesetzlich unbegründet ist und hat Im Palle neuer Unruhen das Einschreiten dar Polizei auf UnJvergitätahoden ln Aussicht gestellt. 5a sehr diese Stellung« nihflw selbstverständlich ist, müssen wir doch dem Sicher« heitsminister Fey dafür Dank wissen, daß er ea gewagt hat, gegen den Popan* der Hochsehulautonomie, gegen einen Klüngel vnn Professoren und Nazistudenten aufzutreten. Wir wollen aber auch hoffen, daß die Regierung ihr? Wort« in die Tat umsetzen wird und daß di« österreichischen Hoch* schulen das sein werden, was sie sein sollten: Stätten der Wissenschaft, die Oesterreichs Ansehen in der Welt vermehren. ZmrtlNader ZwiMheniaii sei einem JiMlsetiea ZeicheaUegrfStgnif Wchnuänner verspotten einen jüdischen Ueiehenzug Wir erhalten folgende Zuschrift: «Am Sonntag, den H. d. M>, gegen 3.1Ö Uhr nach« mittags, fand das Uichenbegängnis der Frau Advokat, Mutter eines langjährigen Gesinnungsgenossen, Herrn Simon Advokat, vom Träuerliaus, I., Franz Josefs-Kai 69, aus statt. Als der Leichenwagen, begleitet von den Hinterbliebenen und einer großen Anzahl von Trauergästen, sich in Bewegung setzte und die Maria-Theresien-Straße gegenüber der Roöauer Kaserne passierte, wurden piötziieh di? Fenster d?f Roßauer Kaserne, soweit sie zur Maria-Theresiem Straße liegen, bis zum Deutsghmeisterplat* von Angehörigen des Bundesheeres besetzt und als dieselben des Trauer« zuges ansichtig wurden, entstand ein fürchterliches Qeläeh» tef ynd Gejohle, das sich von Fenster zu Fenster zog, immer lauter wurde und solange andauerte, bis der Trayerzug zum DfitutscbmeistarplaU e.nbog. Sämtliche Trauergäste waren dureh diesen unerhörten Verfall ungemein empört, die Leidtragenden in ihrer Trauer gestört und gaben ihren Unmut Uber diesen unglaublichen Zwischenfall, der ein? Verspottung einer religiösen Handlung bedeutet, Ausdruek. E$ Ist zu hoffen, daß die Kultusgemeinde, weleher dieser Vorfall zur Kenntnis gebracht wurde, beim Heeresminister di? geeigneten Schritte zur Leistung einer Genugtuung veranlaßt. Aus dem obigen Verhalten der Wehrmänner können wir ersehen, welcher Geist in unserer Wehrmacht herrscht, der nicht davon absteht, die heiligsten Gefühle einer Menschengruppe angesichts des Todes zu varletzen. Zion. Bezirkssektion XX. Montag, 22. Mal, 8 Uhr abend«, im Catt Moser, XX., Dresdnerstraße 51, Dr. Michael Steinberg über «J u ü e n u n d D e u 18 c h e». Zionistisch B8?irHssakton xil. Kill. KP. Donnerstag, den 24. Mal, 8 Uhr abends, spricht im Festsaal, XV, Herklotzgasse 21 or. (Mar arünöauni Oder joaiscnt lagesiraaen Prol. nuain naer jiezionisien ln derwianer nuHososmeinde** Onkel Sidney oder Nathan der Weise im New Yorker Ghetto Im New Yorker Ghetto lebt der jüdische Händler Sidney Cohen, wegen seiner Gutmütigkeit und Klnderfreundllehkeit von den Kindern des Broadway East «Onkel Sidney» genannt. Sidney Cohen ist einer jener nach Amerika eingewanderten osteuropäischen Juden, die es nach schweren entbehrungs- und arbeitsreichen Jahren durch Fleiß zu einigem Wohlstand und einem eigenen Laden gebracht haben. Sein Dasein wird erhellt durch di? Existenz der kleinen Mildred. Mildred ist ein lahmes, christliches Mädchen, dem der gutmütige Sidney Cohen mit väterlicher Liebe zugetan ist. Nach dem Tode Ihrer Mutter, die bei Ihm wohnte, ist es führ ihn selbstverständlich, für das unglückliche, hilflose Kind zu sorgen. Er will es adoptieren. Freilich, so leicht wird dem seelenguten und menschenfreundlichen Onkel Sidney die Sache nicht gemacht. Eine nicht sehr menschenfreundliche Fürsorgerätin erscheint im Hause, um sich nach dem Schicksal des Kindes zu erkundigen. Seit diesem ersten Besuch wickelt sieh ein stiller, aber um so erbitterter Kampf zwischen Sidney Cohen und der nur Statuten und Paragraphen verteidigenden Fürsorgerätin ab. Der Ortspfarrer und jüdische Referent setzen sich für das Verbleiben Mildreds beim Juden Sidney Cohen ein, In der Ueberzeugung, daß das unglückliche Kind nirgends liebevollerer Wartung sicher wäre, wie gerade bei Sidney. Und nun ist Onkel Sidneys Leben von einem einzigen Qedanken und einem einzigen Wunsch erfüllt: Mildred gesund zu machen und sie gleich allen Kindern der Bronx spielen zu sehen. Sidney Cohen hat schon viele Aerzte zur Rettung des Kindes aufgesucht. Doch bis jetzt immer vergeblich. So lebt er mit der kleinen Mildred und nur für sie. In den Dämmerstunden, wenn er den Laden geschlossen, nimmt •r das Lahme Kind vom Rollstuhl, wiegt es in seinen Armen Der Schreiber dieser Zeilen hatte einmal Gelegenheit, in einem Land« weit im Osten, das als Halbasien bezeichnet wird, an einem Jüdischen Lelchenzuge tejjzunehmen, und all derselbe einer Gruppe reitender Kavalleristen begegnete, blieben diese stehen, ließen den Leiehenzug passieren und bewiesen durch Salutieren dem Toten Ihre Ehrenbezeugung, obwohl eie denselben absolut nicht kannten. Wir verlangen nicht, daß die Wehrmacht unseren Toten Ehrenbezeugungen erweist, müssen Jedoch entschieden gegen Aeußerungen der Verachtung und des Hohnes gegenüber einer rituellen Handlung protestieren.» Was sagt dazu das Bundesmfnisterium für Heerwesen? (Anm. d. Red.) Wiederholte Provozierung des jüdischen Publikums im Ufa-Tonkino, Taborstraße Wir erhalten aus unserem Leserkreise die folgende Zuschrift: Als Vorspiel zu dem Sehr selchten Stücke «Brennendes Qeh&imms* läuft im vorgenannten Kino eine Wochenschau, in welcher zuerst der Empfang von Hakenkreuzhäuptlingen durch den italienischen jüdischen Minister Balbe gezeigt Wird, welches Bild noch als Ironie der Geschieht? hingenonimen werden kann. Dann aber wird dem vorwiegend jüdischen Publikum zugemutet, den «Osaf» selbst anläßlich einer Veranstaltung Im Berliner Sportpalast nicht nur zu sehen, sondern sogar seinen Phrasenschwall an die SS, SA etc. anzyhörgo. Es nimmt daher nicht Wunder, wenn das Publikum gegen diese Anmaßung, besonders in jenem Moment, wo Hitler von der «großen Zelt» spricht, durch laute Zwischenrufe und Auspfeifen Stellung nimmt und die Beendigung dieses Tonbildes erzwingt. Unverständlich ist aber, daß dieser Proteststurm bei jeder einzelnen Vorstellung nötig ist bezw. die Kinoleitung noch nicht zur Einsicht gekommen ist, daß es d?r primitivste Anstand erfordert, dieses aufreizende Tonbild vom Programm abzusetzen. Noch unbegreiflicher aber ist, daß das jüdjgehe Publikum noch immer nicht die einzig richtige Konsequenz gezogen Hat. Denn wenn man den Radioapparat bei zufälligem Antreffen eines rednerischen Ergusses aus dem Dritten Reich auf eine Kulturwelle .umschalten kann, dann muß es auch möglich sein, das jüdische Geld für ein« Kinovorstellung rechtzeitig in die richtigen Bahnen zu lepken. v. G. Alt alle jüdischen Studenten der Wiener Hochschulen! Die JUdlsehe Studentenschaft beabsichtigt, authentisches Tataachenmaterial über die ständig wiederkehrenden Ausschreitungen gegen jüdische Studierende an den. Wiener Hochschulen zu sammeln. Es ergeht daher an alle, die bei derartigen Anlässen Verletzungen erleiden, Kenntnis von Verletzungen anderer erlangen öder überhaupt Zeugen von Exzessen sind, die dringende Aufforderung, unverzüglich nach den jeweiligen Ereignissen-ihre Wahrnehmungen Tnv Sakrefariat der Jüdischen Studentenschaft, Wien, IX., Zimmermannpjatz 8, zu Protokoll zu geben oder daselbst andere Zeugen namhaft zu machen. Für die Jüdische Studentenschaft: Der Jüdische Hochschulausschuß. Palästina* Vortrag mit Kurzfilm Frau Dr. Qrete K e r n e g g, die kürzlich aus Palästina rurtjekgekehrt ist, spricht im Saale des Hotels «Post», Wien, I., Fleischmarkt 24, heu t e Donnerstag, um 8 Uhr abends, über «Wirtschaftliche Möglichkeiten Palästinas». Bel diesem Vortrage gelangen letzte Aufnahmen aus Palästina zur Vorführung. — Karten zum Einheitspreis von S 1.— im Keren-Hajessod-Bttreau, I., Kärntnerstralk 28, Telephon R 27-4-20 (9 bis 1 und 3 bis 7 Uhr). und singt ihm das ihm von seiner Heimat vertraute jiddische. Volkslied «Rosinkes und Mandeln» vor. Sonntag vormittags aber trägt er Mildred bis an die Pforte der Kirche, wo er sie einer Gebetschwester zum Gottesdienst anvertraut, während er selbst sich die Zeit mit der Lektüre einer jüdischen Zeitung vertreibt. Und er träumt davon, daß eines Tages das Wunder geschehen, sein Lebenstraum in Erfüllung gehen werde: die Heilung Mildreds. Und eines Tages scheint er dieser Erfüllung seines Lebenswunsches ganz nahe. Er liest in seiner Zeitung die Nachricht von der Ankunft eines berühmten Arztes und eilt schnurrstracks zu dem Vortrag dieses großen Gastes. Hier erfährt er von der Möglichkeit einer Heilung durch Operation. Allein diese soll die Summe von 3000 Dollar kosten. Am nächsten Tag ist sein Entschluß gefaßt: Er verkauft sein gutgehendes Geschäft für den Betrag von 3000 Dollar und bringt Mildred zu dem berühmten Orthopäden. Sidney Cohen träumt weiter. .Tag und Nacht. Von der endlichen Genesung seines Schützlings. Es ist ein schwerer Falt. Der berühmte Chirurg hat wohl seine ganze Kunst aufgeboten. Aber es half nichts. Sidney Cohen hat längst wieder mit einem kleinen Wagen seinen alten Standplatz im East Broadway wie vor zwanzig Jahren eingenommen und Mildred ist wieder im Rollstuhl bei Sidney Cohen zu Hause. Und Sidney Cohen singt wieder in den Dämmerstunden von «Rosinkes und Mandeln». Doch wie ein böser Schatten hatte eich zwischen ihn und das Kind die amerikanische Fürsorgemaschinerie gestellt. Und zur selben Zeit, da Sidney allerlei Spielzeug für MHdred besorgt, wird das Kind durch List von der Fürsorgerin entführt. Dem gebrochenen und verzweifelten Onkel Sidney wird brutal die Entscheidung zur Kenntnis gebracht, daß das von ihm so gehegte und geliebte Kind in einer Anstalt bleiben müsse, und ihm nicht weiter überantwortet bleiben werde. Sidney Cohen Ist gebrochen. Doch er rafft sich wieder auf, als er die Möglichkeit hat, Mitdred in der allgemeinen Besuchszeit am Sonntag zu sehen. Aber mit brutalen DIE „PAG“ TEILT MIT 1. Alle Teilnehmer der 6. PAOr-PalästinS^Heiee find wieder glücklich und voll befriedigt in Erez Israel gelandet. 2. Die 7. Palästina-Gesellschaftsreise der «Pag» wird am 18. Juni 1933 von Wien abgehen und am 23. Juni, morgens, in Haifa landen. Preise von 250 Schilling aufwärts, inklusive bester KabJnenpfätze, Verpflegung, Bootsgebühren und Transitvisa. (Rückreise aufgelöst.) Anmel* dupgen nur bei der «PAG,», 3. Sehr günstige Möglichkeit zur Neuaa^ase von Pardenim bei Tel-Awiw durch ersten palästinensischen Fachmann mit und ohne Mitarbeit des Kätners, zahlbar in 5 Jahresraten. 4. Existenzgründung in Palästina. Zur Errichtung folgender Unternehmungen ln Palästina werden Kapital sfen von Fachleuten gesucht: 1. Damenmodensalon; 2. Elektrotechnisches Unternehmen; 3, ßchuhchemikalien-Fabrik (in Palästina bereits eingeführt« Marke); 4. Schokoladen- und Waffel-Erzeugung; 5. Optikerwerkstätte und Photoartikelvertrieb; 6. Zeitungsunternehmen; 7. Tischlerei. 5. Alle Auskünfte über Palästina und Palästinarefsen werden fachkundig erledigt im Informationsdienst der „PAG“, a) Montag bis Freitag von halb 10 bis halb 12 Uhr vorm,, Wien, VI., Capistrangasse 2 (vis-ä-vis der Stiftskirche, Mariah/lferstraße), für Nichtmitglieder (Regiebeitrag). b) Montag bis Freitag, 2 bis 3 Uhr nach., Wiflw, IIL, Landstraßer Gürtel 9, nur für Mitglieder (kostenlos). Telephonische Auskünfte werden nicht erteilt Palästina-Beratung für Frauen und Mädchen Die «Organisation zionistischer Frauen Oesterrejchs» und die Z. M. V, «Mirjam» eröffnet«. am 5. Mai jn den Räumen des zionistischen Landeskamitees, Wien, I., Kärtnerstraße 28, eine Beratungs- und Auskunftsstelle für Frauen und Mädchen, die nach Palästina auswandern wollen. Das Bureau steht unter der Leitung Frau Dr. Kantor (Wiso) und Frau Dr. Lichtenstein (Kontinentalbund der Zion. Mädchenvereinigung «Mirjam»). Sprechstunden Dienstag und Donnerstag zwischen 5 und 7 ‘Uhr abends. ' mommmmommmmmmmmmmmm. Ferien in der Schweiz Franz. Spracheriernung durch Kurse, Kameradschaft, Sport u, Spiel, Jahresstudien (alle Schultypen) in bestätnpf. Krtabeftu. Mädchemnst. Für Jüngere u. Erholungsbedürftige eig. Abt Ferienaufenthalt mit Reisebegl., Fahrtermäßigmig, Zahlung ev. in Landesw. Auskünfte kostenlos durch di« Beratungsstelle für Schweizer Erziehungsinstitute Prof. Dr. W. Stein, Wien, XIX., Hardtgasse 6. Tel. A 13-6-66. Sprechstunden von 2 bis 4 Uhr. Kniffen wird ihm, der inzwischen vor Kummer ergraut, zu verstehen gegeben, daß seine Besuche dem Kinde nicht zuträglich seien und an seine Liebe appelliert, von diesem Besuchen in Zukunft abzusehen. Ein letzter Besuch wird ihm erlaubt. Es ist der tragischest« Moment in Sldnay Cohens Leben. Mit dem Blick nach seitwärts, um dl« Tränen vor dem Kinde zu verbergen, mit halberstickter Stimm« teilt ihm Onkel Sidney mit, daß er von ihm nichts mehr wissen wolle. Der gellende Schrei, den die nichtverstehend«, hilflose Mildred ausstößt, verfolgt Sidney und läßt ihn nicht mehr los, Im stürmenden Regen irrt Sidney Cohen durch die Gassen New Yorks, bis er ohnmächtig zusammenfällt und liegen bleibt. In hoffnungslosem Zustand sehen wir Sidney im Spital wieder, von den Ärzten aufgegeben, umgeben von Pfarrer und Rabbiner. Und während dieser das «Sch’mah Jisroel» zu sagen beginnt, läuft der Pfarrer in die Fürsorgeanstalt, um den letzten nichtausgesprochenen Wunsch Sidney’s, das geliebte Kind wiederzusehen, zu erfüllen. Es gelingt ihm, das Kind der Fürsorgestelle zu entreißen und er trägt es ins Krankenzimmer. Doch siehe: Das Kind verlangt naoh Boden unter den lahmen Füßen und das Wunder geschieht: Mlldred geht, nein eilt auf Ihren gesunden Beinen ans Krankenbett von Onkel Sidney und wirft sich schluchzend an seine Brust. Und das zweite Wunder geschieht: Onkel Sidney wird gesund und kann das Glück seines erreichten Lebenszieles noch ungetrübt genießen. Was das Ganze ist? Das ist die Geschichte von Onkel Sidney, dessen Schicksal ein gleichnamiger Tonfilm schildert. Wie in diesem Film gespielt wird, mit welcher Gestaltungskraft der amerikanische Schauspieler Alexander C a r r den Onkel Sidney darstellt, wie sehr der amerikanische Regisseur Levis Seiler in einer Zeit, in der das Jubiläum von Lesslngs «Nathan» mit Scheiterhaufen und Autodafö? zusammenfällt, «ine rein# menschliche Beziehung zwischen Jud und Christ in diesem Filnr festhält, das sei hier nicht vorweggenorwnen. Jakob RoscothaL i