Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 280 (18.5.1933)
- Date
- 1933-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m Seite 8 DIE STIMME Nr. 280 — 18. Mal 1938 Vortragskalender des zionistischen Landeskomitees Abschiedsabend für Frau Rebekka Weiner Anläßlich ihrer Uebersledfcing nach Erez Israel Lieber Einladung der zionistischen Bezirkssektion VIIl/lX anden sich am Samstag, den 13. d. M., im Festsaale des Hotels de France zahlreiche Vertreter der zionistischen Bewegung in Oesterreich sowie persönliche Freunde der Frau Rebekka Weiner ein, um von ihr anläßlich ihrer Uebersiedlung nach Erez Israel Abschied zu nehmen. Der Obmann der Sektion V1I1/IX, Herr Apotheker G r o ß, begrüßte die erschienenen Gäste und hob in seiner Ansprache die außerordentlichen Verdienste, die sich Frau Rebekka Weiner um die zionistische Arbeit auf allen Gebieten in der Organisation erworben hat, hervor. Es sprachen der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Dr. Desider Friedmann, Frau Sabine P a ß w e g im Namen der Wizo, Dr. Paul Berger für das Zion. Landeskomitee, Dr. Chaim Tartakower für den Keren Kajemeth und Dr. Simon Horowitz für das Palästinaamt. Alle Redner würdigten die große Hingabe, mit der Frau Rebekka Weiner ihre zionistischen Pflichten und Aufgaben erfüllte. Es gab kein zionistisches Gebiet, dem sie nicht ihre Kraft und ihre ganze Persönlichkeit geschenkt hätte. Und doch galt ihre große zionistische Liebe der Arbeit der Chaluzfürsorge und dem Keren Kajemeth. Die Krönung ihres arbeitsreichen zionistischen Wirkens in der Galuth bedeutet daher ihre jetzige Uebersiedlung nach Erez Israel. Aus allen Reden klang die große Verehrung und Wertschätzung für diese zionistische Pionierin, die sich auch an dem Abend ihres Geehrtwerdens nicht nehmen ließ, persönlich eine Keren Kajemeth-Sammlung ira Saale durchzuführen, die, nebstbei bemerkt, auch einen stattlichen Betrag ergab. In die Lobeshymnen mischte sich auch ein resignierender Ton, daß mit der Uebersiedlung Frau Rebekka Weiners auch eine große Lücke im Wiener zionistischen Kreise entsteht. Gerührt dankte Frau Rebekka Weiner für die zahlreichen Ehrungen und schloß mit der Versicherung, ihre zionistische Arbeit auch im neuen Wirkungskreis in Erez Israel mit demselben Elan und derselben Begeisterung fortzusetzen. Um das Gelingen des Abends, für dessen künstlerisrhen Rahmen die Oberkantoren M a r g u I i e s und P e s t a i o w durch Vortrag hebräischer und jiddischer Lieder sorgten, hat sich in dankenswerter Weise der Obmann der Sektion VIII/IX, Apotheker Groß, besonders verdient gemacht. Die Arbeit des Keren Ka]e* meth Bpdenreserve für jüdische Jugend. Die Ereignisse in Deutschland haben die Labilität der Lage des jüdischen Volkes jedermann gezeigt. Jedem Juden wird es klar, daß die Zukunft unserer Jugend in Erez Israel liegt. Die österreichische Judenheit wird daher in Bälde aufgerufen werden, das ihrige beizutragen, damit für die österreichische jüdische Jugend io Palästina genügend Boden für ihre Ansiedlung erworben werde. Anläßlich dieser Aktion — Bodenreserve für die JjMteche Jugend — wird der Keren Kajemeth die Namen Höhe ihrer Gedenkheft aller Beitragenden samt der Beträge in einem besonderen verewigen. Hain auf den Namen Dr. Desider Friedmann-Dr. Josef Löwenherz. Bisher sind auf diesen Hain insgesamt 580 Bäume eingegangen; zur Komplettierung desselben fehlen somit noch 420 Bäume. Garten des Chajes-Realgymnasiums. Die dritte Rate der Schulgemeinde des Chajes-Realgymnasiums per S 70.— ist eingegangen. Bisher insgesamt S 190.—. Silbernes Buch des Keren Kajemeth. Brautpaar Luft- Löb durch die Hochzeitsgäste (Nr. 152); Moses Kerzner durch Vereinigung der zion. revis. Jugend (Nr. 153); Doktor Theodor Tartakower anläßlich seiner Promotion (Nr. 154); Erna Chajes-Dr. Max Tennenbaum anläßlich ihrer Vermählung durch die Hochzeitsgäste (Nr. 155). Die Sammlung beim Abschiedsabend der Frau Rebekka Weiner, welche durch Frau Weiner selbst zusammen mit Frau Leser durchgeführt wurde, ergab S 210.50. Sammlungen bei Versammlungen. Jugendgruppen, die bei Veranstaltungen der Verbände, denen sie angehören (z. B. Allgemeine Zionisten, Revisionisten, Ichud u. dgl.), Sammlungen durchführen wollen, haben dies dem Keren Kajemeth zu melden, widrigenfalls müßte der Keren Kajemeth von sich aus Sammelgruppen zu diesen Veranstaltungen delegieren. Diese Anmeldung ist deswegen notwendig, um Kollisionen zwischen den sammelnden Gruppen zu verhüten. «Lanoar.» Das neueste Heft, u. zw. Ewer Hajarden, 11. Teil, von Dr. Nahum Sluszcz ist erschienen. Preis S 1.50. Richtigstellung, ln unserer Halbjahrsstatistik ist uns ein Fehler unterlaufen, u. zw. hat die Zion. Bez.-Sektion 111 nicht wie irrtümlich angegeben 3V2* sondern 36 Prozent aufgebracht. Bisher hat diese Sektion inzwischen 44 Prozent ihres übernommenen Kontingentes aufgebracht. Zionisten besorgen ihre Fahrkarten für ln« und Ausland im Reisebüro, Wien, 1., Seilergasse 3, unter Berufung auf den Keren Kajemeth. Rechel Advokat s. A. Samstag, den 13. d. M., ist Frau Rechel Advokat, die Mutter unserer Gesinnungsgenossen Simon Advokat, Israel David Advokat, Frau Anny und Dr. Isidor Koffler, verschieden. Die Verstorbene war eine echte jüdische Frau von überragender Klugheit und außerordentlicher Güte. Sie war als stille Wohltäterin bekannt Oft begegnete man ihr in den Straßen des Leopoldstädter Elends, umgeben von Armen, die sie nach Hause mitnahm, um sie zu bewirten und zu beschenken. Jahrzehntelang erhielten von ihr verschiedene Familien und Personen allmonatliche Zuwendungen. Sie sorgte für Bedürftige wie für ihre eigenen Familienangehörigen. Fremdes Leid wirkte auf sie wie ihr eigenes. Rechel Advokat schuf in ihrem Hause eine wahrhaft jüdische Atmosphäre und erzog ihre Kinder in jüdischem Geiste. Schon im frühesten Alter machte, sie sie mit den Problemen des Judentums bekannt und bewirkte so, daß sie sich schon als ganz junge Mittelschüler unserer Bewegung anschlossen und in der Folge am Aufbau des Zionismus in Oesterreich regen Anteil nahmen. Die Verstorbene war von heißer Zionsliebe erfüllt. Da sie nicht in Palästina ruhen konnte, wünschte sie sich von ihrem ältesten Sohne, der erst vor kurzer Zeit von einer Palästinareise heimkehrte, als Geschenk ein Säckchen Palästinaerde für ihr Grab. Mit Erde aus unserem heiligen Lande bestreut liegt sie nun am Wiener Zentralfriedhof. Ehre dem Andenken dieser hervorragenden jüdischen Frau! Ta* Lokal Redner Thema Donnerstag, IS. Mai Caf6 „Altes Rathaus", I., Wipplingerstraße 24 Dr. Kurt Offenberger „Vorbereitung für die Palästina-Auswanderung" Donnerstag. IS. Mal Caf< „Patrla“, VI., Marlahllferstraße 127 Dr. Sanel Beer, Saul Dullzky „Palästina — die geistige und physische Erneuerung des Judentums“ „Der Sinn des Lag-Ba’omer“ Donnerstag, IS. Mal Heim der Sektion 11, II., Praterstraße IS Dr. Ignatz 8ehwarzbart (Krakau), Vorsitzender des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten „Die Jugend und der Allgemeine Zionismus" Donnerstag, 18. Mai Beginn halb 8 Uhr Caf6 „Hletztngerhof“, XHI., Hauptstraße 22 Rabbiner Dr. Cb. H. Taubes Lag-Ba’omer-Feier Donnerstag, 18. Mal Heim der Sektion XX, XX., Jägerstraße 20 Dr. Simon Horowitz, Leiter des Palästina-Amtes „Elnwanderungs- und Ansted- Iungsmögiichkelten ln Palästina“ Montag, 22. Mai Gasthaus Bruckmüller, X., Quellenstraße 105 Redakteur Theodor Monteser „Das heilige Land" (Vortrag mit Lichtbildern Dienstag. 23. Mal Cai6 „Lovrana", HL, Löwengasse 25 Dr. Paul Berger, Dr. Z. F. Finkei stein „Jüdische Gegenwart — Jüdische Zukunft" „Die Tragik der Assimilation“ Dienstag, 33. Mai Caf6 „City“, IX., Porzellangasse 1 Dr. Alfred Löwy, Frau Dr. Henny Llchtcnstein- Rappaport „Neues aus Palästina“ „Die Judenfrage und die Möglichkeiten ihrer Lösung“ Dienstag, 23. Mai Cafd „Döblingerhof“, XIX., Billrothstraße 49 Dr. Josef Löwenherz. Adolf Böhm „Palästina — die Lösung der Judenfrage“ Mittwoch, 24. Mai Zirenu-Heim, V„ Wiedner Hauptstraße 120 Dr. Leopold Sofer, Frau Dr. Henny Lichtenstein- Rappaport „Was ich in Palästina sah“ „Die Jüdische Frau und die Gegenwart“ Wo nichts anderes vermerkt, Beginn 8 Uhr abends Die Jugetidkonferettz der Histadruth Iwrith Samstag, den 24. v. M., vormittags, fand die von Doktor Ch. Tartakower geleitete Jugendkonferenz der Histadruth Iwrith statt, zu der Delegierte aller jüdischen Jugendverbände Wiens erschienen sind. An die Referate der Herren J. Metten und Prof. Dr. L Menczer schlossen sich Diskussionen, feA denen sich fast alle Delegierten beteiligten. Die Konferenz wählte sodann einen ständigen jugendrat der Histadrath Iwrith, bestehend aus den Führern und Jugendreferenten aller 17 Jugendbünde in Wien. Der Jugendrat tritt jeden dritten Montag zusammen. Zum Schluß wurde ein Redaktion«* kollegium, bestehend aus den Herren Dr. Ch. Tartakower, Prof. Dr. St. Horowitz und M. Ungerfeld, gewählt zweck« Herausgabe einer hektographischen hebräischen Zeitung für Fortgeschrittene. Alfred May 60 Jahre alt Die Ortsgruppe 11 des «Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs» nahm den 60. Geburtstag ihres verdienstvollen Bezirksführers zum Anlaß, um ihm eine besondere Ehrung zu bereiten. Zu diesem Zwecke veranstaltete sie am- 13 April abends in ihrem neuen Heime eine Festversammlung. Einige hundert Festgäste waren Zeugen dieses schönen Festaktes. Der Vorsitzende der Versammlung, Ausschußmitglied Ludwig Eisner, begrüßte unter den Erschienenen die gesamte Bundesleitung mit Herrn General Emil Sommer an der Spitze und die Deputationen sämtlicher Ortsgruppen, ferner Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann, die Kultusvorst.her Ing. Errifl Buchbinder, Dr. Oskar Grünbaum, Dr. Isidor Klaber und Bezirksrat Dr. Josef Löwy. Sodann verlas er einige eingeengte Gratulationsschreiben, besonders den vom Präsidium und dem Amtsdirektor gefertigten Brief der Wiener Kultusgemeinde, die Schreiben des Altpräsidenten Generaloberstabsarzt Univ.-Prof. Dr. Alois Pick und des Herrn Univ.- Prof. Dr. Ludwig Braun u. a. Hierauf gratulierte Herr General Sommer als Bundesführer im Namen des Bundes in markanten Sätzen dem treuen Bezirksführer Hauptmann May aufs herzlichste. Ausschußmitglied Max Brandt hielt inr Namen der Leitung der Ortsgruppe II die groß an gelegte Festrede, in der er, wie alle folgenden Redner, der leidvollen jüdischen Gegenwart gedachte und. die großen Verdienste des Jubilars um die Gruppe ganz besonders würdigte. Als sichtbares Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit seiner engeren Kameraden überreichte er ihm ein sinnvoll s Ehrengeschenk. Kultusvorsteher Dr. Oskar Grünbaum sprach als Präsident des zionistischen Landeskomitees, BundesfiihrerstdlVertreter Dipl-Kaufmann Ernst Stiaßny feierte in eindrucksvollen Worten den Kameraden May und Rabbiner Dr. M. Rosenmann ehrte als Vizepräsident des «Vereines für jüdische Geschichte und Literatur» seinen Vorstandskoflegen in einer großen Btifall auslösenden Ansprache. Hierauf stattete, mit großem Applaus begrüßt, der Jubilar bewegten Herzens und sichtlich tief ergriffen allen Korporationen, Kameraden, Rednern und Anwesenden, unter denen seb seine Familie mit ihrem S nior Herrn Josef May befand, seinen tiefsten Dank für die ihm gewordene Ehrung ab, gedachte in pietätvoller Weise seines seligen Vaters, seiner Lehrer, des Rabbiners Salomon Spitzer und Lektors M. Friedmann, skizzierte in schlichter Weise seine Arbeit als Jude und hob die kultureller Ruhmestaten und Verdienste der jüdischen Gemeinschaft, zu der er sich stolz bekannte, in Vergangenheit und Gegenwart für die Menschheit hervor. Von der Sängerfahrt des Wiener Jüdischen Gesangvereines nach Graz Der Grazer Jüdische Gesangverein feierte im vorigen Monat sein 10. Bestandsjahr und hatte aus diesem Anlaß den Wiener Jüdischen Gesangverein nach Graz eingeladen. Die Wi.ner, welche diesem Rufe gerne gefolgt sind, begeisterten das Grazer jüdische Publikum mit dem Vortrage jüdischer und hebräischer Volkslieder. Unter Leitung von Israel Brandmann hörten die Grazer, welche bis nun fast zur Gänze nur Kompositionen nichtjüdischcr Musiker gehört hatten, echte jüdische Volksmusik und begeisterten sich an diesen Heimatsklängen unseres Volkes. Beide Vereine sangen dann gemeinsam mit Orchesterbegleitung Mendelssohns Psalm Nr. 42 (Sopransolo Gisa Blüh-Smetana) und Goldmarks «Frühlingshymne - (Altsolo Frl. Schwarz, Graz). Das Konzert war eine glänzende Demonstration jüdischer Kunstbegeisterung und hat unseren Grazer Freunden sicherlich wertvolle Anregungen gebracht. Dur Grazer Jüdische Gesangverein, welcher unter Leitung des Chormeisters Dussek steht, ist eine gutgescbulte Chorvereinigung und wir hoffen, diese Körperschaft in Bälde bei uns in Wien begrüßen zu können. An das Konzert schloß sich eine Festakademie an. bei welcher der Ehrenobmann des Grazer Vereines Univ-Prof. Oberrabbiner Dr. Herzog, der Präsident der Grazer Kultusgqmeinde Dr. Sonnewald und die Obmänner beider Vereine, Blüh und Engel, tiefempfundene Ansprachen hielten. Allen Mitwirkenden, besonders den Wienern, werden die schönen Grazer Tage in bleibender Erinnerung sein. Jlus der Provinz Die Zionistische Ortsgruppe Graz veianstaitcte gemeinschaftlich mit der Jüdisch-akademischen Verbindung «Charitas» und dem Sportklub «H a k o a h» vor kurzem im großen Sitzungssaal der Kultusgemeinde eine Versammlung nii't dem Thema «Die wirtschaftliche Situat on der Juden in Gegenwart und Zukunft». Der erste Referent, Herr Karl Schwarz, referierte über die gegenwärtige politische Lage mit besonderer Rücksicht auf die aktuellen Ereignisse. Er befürwortete strengste Neutralität der Juden in dem politischen Kampfe der Parteien, lehnte insbesondere ab, daß das jüdische Volk für die Handlungen einzelner Juden in den einzelnen Parteien verantwortlich gemacht werde, da diese Handlungen von den Juden weder beeinflußt noch verhindert werden können. Er beantragte schließlich folgende Resolution: «Die versammelten Mitglieder stehen auf dem Standpunkt strengster Neutralität in dem politischen Kampf der Parteien, sind an demselben nicht interessiert und wollen lediglich die Pflichten der Staatsbürger getreulich erfüllen.» Hierauf sprachen die Herren Dr. Otto Spiegel, der Präsident der Gemeinde Herr Dr. Robert Sonn e n \v a 1 d, der Präsident des Sportklubs «Hakoah» Herr Milan l' reiberger, die ebenfalls auf die Gefahren des politischen Kampfes hinwiesen und für strengste Neutralität eintr«tea.