Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 279 (11.5.1933)
- Date
- 1933-05-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite * - DIE STIMME Nr. 279 — 11. Mal t933 :,j; f ■i t' :!> T i. :;i v:; ■ i. i ip; <■ c 5* Zur Förderung jüdischer Musik In Wien Anläßlich der Werbeaktion de? «Vereines zur Förderung jüdischer Musik.» Kürzlich fand im Jüdischen Volksheim, H.t Blumauergass 1, ein Konzert jüdischer Musik, vom «Verein zur Förderung jüdischer Musik» veranstaltet, statt. Mit diesem Konzert begann die Werbeaktion, die der «Verein zur Förderung jüdischer Musik» in den jüdischen Organisationen durchzutühren beabsichtigt. Seit einigen Jahren leistet der Verein an seinen Kammermusikabenden im Saale der Bnei- Brith-Vereinigung künstlerisch wertvolle und mühevolle Arbeit. Bedeutende Werke jüdischer Musikliteratur (insofern sie nicht über kammermusikalische Besetzung hinausgehen) erlebten hier ihre Erst- und Uraufführung. Geschätzte und bekannte Künstler stellten sich unentgeltlich oder gegen einen geringen Spesenersatz in den Dienst der Sache. Unter dem Einfluß des Wiener Vereines entstanden in Krakau, Warschau und Zagreb gleichgerichtete jüdische Musikgesellschaften und aus aller Herren Länder gelangten hieher Zuschriften um Auskunft und Rat. Angesichts dieses internationalen Widerhalls, der ja nur begreiflich erscheint, wenn man die exponierte Stellung Wiens auf dem Gebiete der Musik in Betracht zieht, ist es nun sehr zu bedauern, daß die Wiener jüdische Oeffentlichkeit diesem Werke der nationalen Gesundung viel zu wenig Beachtung schenkt und daß die Zunahme der Mitgliederzahl des Vereines nur in unzureichendem Maße vor sich geht. Um der Gefahr eines Windmühlenkampfes zu entgehen, appellierte der Verein bei der von ihm einberufenen Konferenz (April 1932) der Obmänner sämtlicher jüdischer Vereine und Organisationen an ihre Hilfe bei der Mitgliederwerbung und an das Zusammenarbeiten bei der Programmwahl der jeweiligen musikalischen Veranstaltungen mit der Programmkommission des Vereines. Die in diesem Sinne abgefaßte Resolution blieb leider in so mancher Beziehung ein Papierbeschluß. Vor allem ist der Gedanke, daß die Programmkommission des «Vereines zur Förderung jüdischer Musik» i n corpore als die autoritative Instanz bei der Programmwahl der laufenden musikalischen Veranstaltungen zu fungieren hat, noch nicht ganz durchgedrungen und so kann man immer wieder seine Wunder an den Darbietungen pseudojüdischer Musik erleben. Die Bemühungen, die der Verein in dieser Richtung neuerdings unternommen hat, werden hoffentlich den ersehnten Kontakt doch herbeiführen. Die Propaganda für die jüdische Musik darf eben nicht auf einen kleinen, gleichbleibenden Kreis beschränkt sein, sondern muß unbedingt weite Bevölkerungsschichten umfassen, in einzelne Bezirke hinausgetragen werden. Sehr wichtig wären dabei Spezialkonzerte in den Jugendbünden. Die ganze Masse der Jugendlichen müßte aber für das Erfassen der jüdischen Musik erst empfänglich, planmäßig richtig erzogen werden. Dieser ganze Aufgabenkreis könnte wohl mit der schon vorhandenen Künstlerarbeitsgemeinschaft auch praktisch durchgeführt werden, wenn die Organisationen ein größeres, mittätiges Interesse entgegenbringen würden. fn diesem Zusammenhänge verdient das oben erwähnte erste Konzert im jüdischen Volksheira besondere Beachtung. Sehr zu bedauern ist es, daß den musikalischen Darbietungen keinerlei aufklärende und verbindende Worte vorangingen. Die Wahl der Werke wurde sehr glücklich getroffen. Sowohl die «Variationen über ein jüdisches Thema» von G n e s s i n, wie des «Rebben Niggun» von S c h i t o m i r s k y für Streichquartett sind Werke von künstlerischem Niveau, durch einprägsame Melodik leicht verständlich und für Popularisierungszwecke günstig. Ihre wirklich ausgezeichnete Interpretation durch Israel Brandmann, Jos6 Ernst, Lotte Hammerschlag und E. Friedländer trug das ihre bei. Mit befeuernder Impulsivität leitete das Quartett Israel Brandmann — eine eminente kammermusikalische Führerbegabung. Für den verhinderten Joachim Stutschewski sprang der begabte Cellist E. Friediänder, von seiner Schwester Nelly Friedländer-Reichlin begleitet, mit dem «Fragment mystique» von A c li r o n und dem vielgehörten und vielgerühmten «Mechol Kedem-Tanz» von Stutschewski ein. Die jüdischen Volksliederbearbeitungen, mit denen M. Lichtmann, Besitzer einer schönen, volltönenden Stimme und ungemein klarer Wortverständlichkeit eine heitere Note beitrug, stammen noch aus der ältesten Zeit der Volksliederbearbeitungsversuche und es wäre wohl hier eine rigorosere Auswahl nötig gewesen. Für den lyrischen Gesangsteil, für die Lieder Achrons, Millners und Brandmanns setzte sich Fräulein Luba L e w i t z k a, Diplomträgerin des vorjährigen internationalen Wettbewerbes ein, von dem hochbegabten, in die jüdische Musik sich glänzend einfühlenden Pianisten R. W. Spitz musterhaft begleitet. Es kann nicht genug ausdrücklich auf die Vorzüge dieser jungen Sängerin, ihre ausnehmend schöne, lyrische Stimmfärbung und echte Musikalität hingewiesen werden. Die Lieder von Israel Brandmann, Text von Ch. N. Bialik, erschließen sich dem Zuhörer dank ihrer Konzeptionstiefe erst beim öfteren Anhören. Deshalb gewinnen sie nur bei wiederholten Aufführungen. Beide Lieder «Es fiel eine Träne» und «Birg mich unter deine Schwingen» zeigen die charakteristischen Merkmale der schöpferischen Persönlichkeit Brandmanns: Die wechselseitige Beziehung von lyrischer Innigkeit und starkem, leidenschaftlich drängendem Pathos. Hieraus läßt sich das jüdische Element seiner Tonsprache psychologisch und auch rein musikalisch ableiten. Die Eigenart des melodischen Einfalles (tvie schön wird im zweiten f*ted der tiefe Bratschenton gegen die Gesangsstimme geführt), der feine Sinn für klangliche Zusammenhänge, die Knappheit der formalen Struktur und nicht zuletzt die hohe Gesinnung, das Ethos dieser Lieder, geben ihnen ein einmaliges Gepräge und lassen sie zum Wertvollsten des jüdischen musikalischen Literaturbesitzes einreihen. OJja Silbermann. Kl eine Kunstnaehrichten ,«Heimweh nach Wien“ Ein Roman von Leopold H i c h! e r ist soeben im R. Löwit-Veriag, Wien, erschienen. Ein jüdisches und zugleich wienerisches Buch; ein Roman, der die Freuden und auch die Tragik des bodenständigen Wiener Judentums schildert. Das Werk ist wegen seiner spannenden Handlung und seiner natürlichen Sprache berufen, ein echtes Volksbuch zu werden. Jüdische Künstlerspiele, Wien, II., Praterstraße 34 (Tel. 40-0-94). Die Schauspieler der «Wilnaer» Truppe schließen ihr Cinsfstvpj .<<>-- nächsten Woche und bis dahin verbleibt «Kiddusch Haschern» auf dem Spielplan. I. Segal-Rosenbach singt jüdische Lieder l. Segal Rosenbach, der bekannte Sänger des jüdischen Liedes, tritt am 13. Mai wieder in einem Konzert vor das Wiener Publikum. Vor einem Jahre ging er nach Palästina, wo er nicht nur mehrere Konzerte absolvierte, sondern auch seinen Aufenthalt dazu benützte, uni neue Gesänge zu suchen und zu finden. Er machte dann eine Konzerttournee durch die größeren Städte Rumäniens, wo er vom Publikum mit großem Interesse aiifgenomrnen wurde. Sein Programm besteht auch diesmal ausschließlich aus hebräischen und jiddischen Liedern, u. a. neuen Liedern von J. Engel, Schklar, Binder usw. Der Künstler, den wir von seinen früheren Konzerten in angenehmer Erinnerung haben, singt im Konzertsaal «Post». Morgen Welturaufführung des «Testament des Dr. Mabuse» Morgen, Freitag, gelangt im Busch-, Haydn-, Stafa-, Kolosseum-, Gartenbau-, Votivpark-, Ufaton- und Kärntner- Kino der neue Fritz-Lang-Film «Das Testament des Dr. Mabuse» im Rahmen einer Festpremiere zur Erstaufführung. Es isr dies zugleich die Welturaufführung dieses an Sensationen so überreichen Werkes Fritz Längs, an dem er über zwei Jahre arbeitete. Den Dr. Mabuse verkörpert der gleiche Darsteller, der im ersten Mabuse-Film mitgewirkt hat: Rudolf Klein-Rogge. In weiteren Rollen: Gustav Dießl, Otto Wernicke, Oskar Beregt, Camilla Spira und ein. Reihe namhafter Darsteller. Das Manuskript schrieb Thea von Harbou, die Autorin aller bisherigen Fritz-Lang-Filme. in alleiTkorze Der Londoner «Times» zufolge hat die ägyptische Regierung beschlossen, zweihundert jüdischen Aerzten und Rechtsanwälten, die Deutschland wegen der letzten Ereignisse verlassen haben, die Ermächtigung zu erteilen, ihren Wohnsitz zu nehmen und ihren Beruf auszuüben. Der weltberühmte Krebsforscher Professor Ferdinand Blumenthal hat den preußischen Kultusminister ersucht, ihn der Leitung des Universitätsinstitutes für Krebsforschung an der Berliner Charite zu entheben. Professor Blumenthal war am Berliner Krebsinstitut seit 1903 tätig. Auf Wunsch des Kommissars für das Gesundheitswesen der Stadt Berlin hat der berühmte Chirurg Geheimer Medizinalrat Dr. Moritz Borchardt die Leitung der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Moabit niedergetegt. Auch der Leiter der nervenärztlichen Abteilung, Professor K. Goldstein, früher Ordinarius in Frankfurt a. M., mußte aus dem Amte scheiden. Prof. Goldstein hat sich insbesondere durch seine Arbeiten über Hirnverletzungen einen Namen gemacht. Im Auftrag der Unversität Jerusalem hat Prof. Martin Buber als deren Vertreter an den soeben stattgefundenien Feierlichkeiten anläßlich des hundertjährigen Jubiläums der Universität Zürich teilgenommen. Zion. Bez.-Sektion Leopoldstadt II., Praterstraße 13, Mezz. (Lloydhof) Telephon R 44-3-45, errichtet einen Vortragszyklus für neue Mitglieder zwecks Einführung in den Zionismus. Anmeldungen im Sekretariat ab 5 Uhr nachmittags Die wirklich billige Schuhquelle finden Sie hei »DA-HO« (Inh Dauid Horowitz) 'Wien li. Tahor^traße Nr IIb Ecke Gredler&traße 31 QuolidVNworo su äußerst billigen Preisen, Bei Berufung auf die »Sämme*» S Prosen! Rabatt WIEDEREROEFFNUNG "ffiÖ Restaurant- Hotel Stefanie II. Taborstraße 12 unter Mitwirkung des bestbekannfen Restaurateur-Fachmannes W. Spritzer Den modernsten Verhältnissen vollständig entsprechend umgebaut. Volkstümliche Preise Mittags- und Abendmenü, bestehend aus: 4 Gängen S 1*60 5 Gängen S 2*— 5 Gängen mit Geflügel S 2*50 i 1 LEB € HÄFT8 R OS D11 zu Pfingsten, 28. Mai bis 6 duni 1933, veranstaltet von der Landsmannschaft „Buchenland“ in Wien in Gemeinschaft mit dem „Czernowitzer Morgenbiatt“ nach Czernowliz und relour mit den Zvvischenstationen Lemberg, Sianistau eic. Teilnehmerpreis einschließlich Paß- und Sichtvermerk* gebühren: III. Klasse Schnellzug Wien— Czernpwitz—Wien S 104.—, für kürzere Strecken entsprechend ahgestutt. Anmeldungen und Platzreservierungen durch „Buchenland“ I., Singerstraße 27. Telephon Nr. R 25-7-02 und „Universal“, I.. Kärntnerring Nr. 12. Telephon U 40-4-42 Doktor der Chemie sucht kapifalskräftiaen Kompattnoit zur Errichtung einer Fabrik pharmazeutischer Artikel oder einer Apotheke in Palästina. Unter: Beste Referenzen Palästina Zur Errichtung einer Konfektion für H^rren- und Damenwäsche, Blusen, eventuell Kleider, wird von einer dortigen Fabrik erstklassige, selbständige Konfektionärin gesucht Mit etwas Kapital bevorzugt. Unter „Sofortiges Offert“ an die Adm. des Blattes. Don der Konzerttournee Patäsiina-Bumänten »urUekgekehrti Konzertsaal „Post“ I., Kleischmarkt 24. Samstag, den 13. Mai, halb 9 Uhr abends EINZIGES KONZERT LSemlRosenbach Tenor »Mlsimroi Haarei*•» (Palästina Liedei), anschließend üstjUdische Lieder und Volkslieder (hebr. u. liddisch). Am Flügel Rudolf BECK Karten von 8 — *«0 bis 8 2‘50 bol Rath li* Taborstraßo 20a, Keren Kajernetb l’jisrael I., Kürntnerstrnßo 2K. hin <011 des Reinerträiicnisöos zu Gunsten des Keren Kajemelli l’jisraoi Gesellschaftsreise der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung" zu Pfingsten (28. Mal bis 12. Juni 1333) nach Krakau, Lemberg, Czernowitz und den Zwischenstatlonen mit SammelpaB Der Teilnehmerpreis umfuüt die Fahrt von VVicii bis Wien im Sonder- D-Zug II. und III, Klasse mit Schlaf- und Speisewagen, ferner die Platzkarte, die Oebühren für SammelpuG und Visa, bewährte Führung usw« und beträgt: III. Klasse II. Klasse Schilling Wlen-Krakau— Wien ...... . . 75.— 95.— Wien—Lemberg—Wien ..... . . 94.— 120.— Wien—Stanlslau—Wien ..... . . 99.— 130.— Wien—Czernowitz—Wien .... . . 104.— 139.— Preise für ZwischenStatioucn im Prospekt. Bel dar Anmeldung, die im eigenen Interesse ehestens irfrlgen soll, lit eine beliebige Anzahlung zu erlegen, ferner alter oder neuer Refsepafl oder Heimatschein und sonstige die Identität usw. nnchweisende Dokumente und zwei Paßbilder nliiubringen. Staatenlose bringen de« Identitlltsuni K’cisc.ius'vois. Auskünfte. Prospekt« und Anmeldungen bei der Rcisclcltung der „Czcnto* witzer Allgemeine» Zeitung“, Hotel Alctropol, Wien, I., Morzluplatz 4, Telcpüou U 37-5-30