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Die Stimme · 1933-05-11 · Heft 279 (11.5.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 279 (11.5.1933)
Date
1933-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 279—11. Mal 1933 DIE STIMM? Seite 3 Df. Chaim Arlosoroff sagt* Sinwanderungsschedute im schroffen Gegensatz zur gegenwärtigen Absorbtionsmögtichheit des Sandes‘ Aus einem Gespräch Wie wir bereits ln der letzten Nummer der «Stimme» kurz berichteten, hielt sich vorige Woche der Leiter des Außenpolitischen Departements und Vorsitzende der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Chaim* Arlosoroff, zwei Tage in Wien auf. Dr. Arlosoroff, dessen Europa-Reise mit den für die nächste Zeit vorgesehenen großzügigen Kolonisationsplänen der Jewish Agency zusammenhängt, und dessen diesmaliger kurzer Wiener Aufenthalt ihm keine Möglichkeit gab, vor einem größeren zionistischen Forum zu sprechen, hatte die Freundlichkeit, in einer Unterredung mit unserem Redakteur zu einigen aktuellen Fragen der Palästina-Politik, insbesondere zu der Frage der letzten beschränkenden Einwanderungsmaßnahmen durch die Palästina-Regierung seine Stellungnahme zu äußern: «Die letzte Entscheidung der Palästinaregierung» — führte Dr. A r 1 o s o r o f f aus —, «daß für das nächste Halbjahr anstatt der von der Exekutive angeforderten 13.000 nur 5500 Arbeitereinwanderungszertifikate zur Verteilung gelangen, von denen noch die kürzlich an die deutschen Juden bewilligten 1000 Zertifikate in Abzug gebracht werden sollen, bildet für mich eine große Enttäuschung. Wir waren und sind in der Lage, auf Grund dieser Untersuchungen nachzuweisen, daß sofortige Arbeitsmöglichkeiten für 13.000 neue Einwanderer vorhanden seien. Die Einwanderungspolitik des High Commissioner Wauchope, dessen Loyalität von Arabern und Juden anerkannt wird, war bis nun ausschließlich auf dem Grundsatz der Absorbtionsmöglichkeit des Landes aufgebaut. Trotzdem scheint es, daß der High Commissioner in seiner letzten Entscheidung zum ersten Male die von ihm festgehaltene Linie verlassen habe, daß für die Zahl der Zertifikate die wirtschaftliche Absorptionsmöglichkeit maßgebend sein soll. Wohl wird seine einschränkende Maßnahme von Regierungsseite mit dem Ueberhandnehmen der sogenannten illegalen jüdischen Einwanderung zu motivieren versucht. Aber selbst wenfl dies richtig sein sollte, so findet diese sogenannte illegale Einwanderung letzten Endes in der immer tragischer sich gestaltenden Situation großer jüdischer Teile in der Gallith ihre Begründ u n g. Die illegale Einwanderung kann also noch lange nicht als ausreichendes Motiv ffir die einschränkende Arbeiterschedule herangezogen werden. Die Tatsache der illegalen Ein- ' Wanderung beweist vielmehr die besondere Notwendigkeit und Berechtigung unserer Forderung nach formaler Arbeitereinwanderung. Keinesfalls aber darf die erstarkte Touristeneinwanderung, die aus diesen oder jenen Gründen der Regierung als illegal erscheint, zum Anlaß genommen werden, die erwähnte Entscheidung der beschränkten Arbeitereinwanderung rechtfertigen zu wollen. Weite jüdische Kreise argwöhnen jedoch, daß die Motive hiefür in anderer Sphäre liegen als in der der Aufnahmsfähigkeit des Landes. Und das gibt dieser letzten Entscheidung in der Arbeiterschedulefrage für das Halbjahr 1933 das Gepräge. Es ist das Gepräge der Politik, einer Politik, die den arabischen Wünschen näherkommen solL Denn es ist kein Geheimnis, daß die palästinensischen Araber trotz ihrer Bemühungen seit 1929 und nach all ihren Enttäuschungen, die sie bis nun in ihrer antijüdischen Politik erfahren haben, den Versuch machen, zu einer vielleicht letzten Offensive gegen die jüdische Aufbauarbeit auszuholen. In dieser Linie liegt die Proklamierung ihrer Non-Cooporation- Politik. Es ist interessant, festzustellen, daß an die Durchführung dieser Parole von keinem ernsten Politiker geglaubt wird. Allein der Gedanke einer Stotterer! Dr. S. L ö w, der bekannte Sprachp.ldaBosc und Psychologe, W ich, V., Mittersteig 4, verlaut demnächst Wien, um einer Berutung ins Ausland Folge zu leisten. Cr veranstaltet daher seine Kiirse. um Ihnen noch einmal die Gelegenheit zu geben, sich von der bisher unheilbar gewesenen Sprachstörung binnen wenigen Tagen va”ständlg zu befreien. einzig dastehende nachweisbare Erfolge. Anmeldungen zu diesen Kursen sowie kostenlose Auskünfte: Nur hoch die nächsten Tag« zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags. solchen Möglichkeit ist es, der die englische Politik den Arabern gegenüber zu beeinflussen imstande zu sein scheint. Die Araber sehen letzten Endes doch allmählich ein, daß ihre Politik Schiffbruch erlitten hat. Aus dem ganzen sozialen Tiefdruckgebiet der orientalischen Ländereinheit von Turkestan bis Marokko bildet Palästina mit seinen durch die jüdische Kolonisation bedingten sozialen Einrichtungen eine rühmenswerte Ausnahme. Das Märchen und die böswillige Verleumdung von der Verdrängung der Araber durch die Juden ist trotz vielfacher Berichte und Expertenkommissionen von der Oeffentlichkeit längst als das erkannt worden, was es ist. Die wirtschaftliche Wahrheit Palästinas ist vielmehr die: Die jüdische Immigration brachte jenes Wunder zustande, daß die A u s w a n d erung der Araber in diesem Zeitraum auf die H ä 1 f t e von der vor dem Kriege g e 8 u nken ist, wohingegen in jenen arabischen Ländern, ln die sich keine jüdische Einwanderung ergoß, die Auswanderungsbewegung und Verelendung der eingeborenen Araber die einzige Folge waren. Mit Neid blickt daher auch Transjordanien auf das blühende Palästina. Die Stimmung für eine jüdische Kolonisation in Transjordanien kam am deutlichsten In der Zusammenkunft arabischer und zionistischer Führer zu Ostern in Jerusalem zum Ausdruck. Ein Ereignis von ganz besonderer Bedeutung, wenn man insbesondere bedenkt, daß sich unter den arabischen Führern Transjordaniens auch fünf Mitglieder des Gesetzgebenden Rate8, des transjordanischen Parlaments, befanden. Diese Bewegung in Transjordanien, diese Verbrüderungskundgebung zwischen jüdischen und arabischen Führern Transjordaniens, wie sie kürzlich im Hotel «K i n g David» zu Jerusalem anläßlich des Aufenthaltes Dr. Wei«z m a n n s vor. sich ging, bedeutet für die palästinensischen Araber den g r ö fite «Schlag. Die Exekutive der Jewish Agency hat bekanntlich gegen diese beschränkende Einwanderungsmaßnahme des High Commissioners schärfstens protestiert, insbesondere, da sie in einem Augenblick ver- FRITZ LÄNGS GRÖSSTES MEISTERWERK HEUTE: A D GARTENBAU KINOI KÄRNTNERKINO BUSCHKINO II UFA-TONKINO HAVDN-KINO-VI STA FA KINO VII KOLOSSEUM-KINO fügt wurde, wo große jüdische Gemeinschaften in der Galuth Palästina als die einzige Rettung erblicken. Ueber die Aussichten, in dieser Entscheidung der Palästinaregierung eine günstige Aenderung herbeizuführen, äußerte sich Herr Dr. Arlosoroff folgendermaßen: «Außer der bereits angeführten Begründung einer verstärkten jüdischen Einwanderung durch die vorhandene Absorptionsmöglichkeit des Landes ist noch ein gewichtiges Moment, das unsere Situation im Augenblick günstig beeinflußt. Das ist die Haltung Englands zu den Judenverfolgungen in Deutschland- England, das Mutterland des Liberalismus, hat immer seine Stimme gegen Judenverfolgungen erhoben. Es ist Tatsache, daß England seit der Bälfour-Deklaration in seiner Haltung jüdischen Fragen gegenüber eifie auffallende Reserve an den Tag legte, die' darin ihre Begründung fand, daß jede energische positive Stellungnahme der Judenfrage gegenüber durch England gleichzeitig eine ebensolche Haltung als Mandatar in Palästina involviert hätte. Nun hat England im Gegensatz zu seiner Hältungirt jüdiscTren Fragen der letzten fünfzehn Jahre an seine alte Tradition im Schutze der Juden Anschluß gefunden. Diese günstige Situation ist von uns politisch ins Kalkül zu ziehen.» Dr. Jakob Rosenthal. Pvotesivevsammtungen in Paiäsiina gegen die Beschränkung dev Avbeiieveinwandevung Jerusalem. In ganz Palästina haben öffentliche und Vereinsversammlungen stattgefunden, in denen gegen die Verkleinerung der Arbeiterschedule durch die Palästina-Regierung Protest erhoben wurde. Eine in Jerusalem abgehaltene Massenversammlung, die vom Jerusalemer jüdischen Arbeiterrat einberufen worden war, faßte eine Entschließung, in der gesagt wird, die Versammlung protestiere gegen die Ungerechtigkeit der Regierung gegenüber der jüdischen Arbeitereinwanderung. Das Land im allgemeinen und die jüdischen Unternehmungen Im besonderen benötigen dringend einen großen Arbeiterzustrom. Massen von Juden in der Diaspora, die unter wirtschaftlicher Not und antisemitischer Bedrückung leiden, dringen auf ihr Recht, hach Palästina einzuwandern, und gerade ln dieser Zeit habe die Regierung die Einwanderung beschränkt, sie halte so deutschen Juden eine Zufluchtsstätte vor, lege der jüdischen Entwicklung in Palästina ein schweres Hindernis in den Weg und gefährde die Stellung der jüdischen Arbeit Die Versammlung richte an die jüdischen Massen die Aufforderuhg, sich in einem mächtigen Ruf nach Oeffnung der Tore des Landes zu vereinigen. In der Laemel-Sohule zu Jerusalem fand ein großes revisionistisches Protestmeeting statt. Eine Versammlung der Allgemeinen Zionisten wurde in Tel- Awiw abgehalten, Ansprachen hielten Dr. M o s s i nsohn und Suprasky. In Haifa wurde eine Massenversammlung im Amphitheater abgehalten. Die hebräische Presse weist darauf hin, daß sogar das als sehr rigoros bekannte Cinwanderungsamt derRegierung diesmal die Erteilung, von s ic.be ntausend Zertifikaten vo.rge sch lagen hat. Die Blätter geben auch ihrem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die Regierung die Herabsetzung der Zahl angeforderter Zertifikate gerade zu einer Zeit, vorgenommen hat, da der Minister für die Kolonien, der als Freund des jüdischen Aufbauwerkes gilt, und Dr. Chaim Weizmann in Palästina weilten. 7SOO Patästinazertifikate? Weitere 2000 für deutsche Juden Einer Meldung des Pariser «Hajnt» zufolge, soll es der Exekutive der Jewish Agency gelungen sein, die Palästinaregierung zur Ausgabe von weiteren 2000 Arbeitereinwanderungszertiflkaten außer den bereits bewilligten 5500 für das kommende Halbjahr zu bewegen. Von den demnach zur Ausgabe gelangenden 7500 Zertifikaten sollen 2000 für Juden aus Deutschland reserviert bleiben. Wie die Londoner Exekutive der Jewish Telegraphen*Agentur mitteilt, ist Ihr von einer derartigen Verfügung der Palästinaregierung vorläufig noch nichts bekannt IN UND AUSLÄNDISCHE mODEKEUHEITEII EN 0R0S EN DETAIL Seide-Wolle-Sa mte 12.-20. Mai Reklameverkaüf FRMIZ IIEUniAII, I.GOKGÖRDIAPL. 5 GEGR. 1669 TEL. I 8105-t Siel anWh des MUTTERTAGES Baume durch den Heren Kaiemeih!

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