Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 278 (5.5.1933)
- Date
- 1933-05-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 771 — BL Mi! TWS «MMm ■9m« 018 BüM ysHMto flwir WebdeJidet C\&z-Jj\ac(l da, idtimmt” Dar Außenhandel PalhHim Im Jahre 1932 Von wusereiM Tel-Awfwar Kovrcsaoadaalaa CH. Haller An dem Aufbau und der Entwicklung Palästina« ist in erster Uni« und unmittelbar das jüdische Volk interessiert, von dem heute weite Schichten das Wachstum des Landes, mit dem sie Ihre Hoffnungen und Ihr künftiges Schicksal verknüpfen, mit starkem Interesse verfolgen. Doch gewinnt dieser Aufbau immer mehr das steigende Interesse vieler anderer Nationen durch den sehr rasch wachsenden Handel des Landes und die sfets zunehmenden Warenmengen, die es zur Deckung seines Aufbaubedarfes einführen muß. In dieser Zeit gegenseitiger wirtschaftlicher Abschließung, in der die Einfuhr kontingentiert und jedes Stück durchgelassener Ware auf das Vorhandensein einer Gegenleistung geprüft wird, gewinnt das Weine Palästina trotz der relativen Beschränktheit seiner Aufnahmsfähigkeit für die exportierenden Länder Infolge seiner international festgelegten offenen Handelsgrenzen einen besonderen Wert. Es bietet einen freien, durch keine lästigen Gegenforderungen erschwerten Absatzmarkt, für den alle Kontingentierungsvaluta und Zahlungsformverträge Wegfällen. Und noch ein zweites Moment erhöht heute den Wert der Handelsverbindung mit Palästina, das in dieser Zeit nicht bei vielen Ländern zu finden ist; die relative Sicherheit der abgeschlossenen Geschäfte in dem wirtschaftlich gefestigten Lande, An verschiedenen Symptomen, wie an der Einsetzung von gegenseitigen Handelskommissionen, der Errichtung von internationalen Handelskammern und an der steigenden Beteiligung an Messen und Warenausstellungen, ist die zunehmende Wertung des palästinensischen Absatzmarktes bei vielen Völkern zu erkennen Es gehört zu den Gewohnheiten der palästinensischen Regierung, ihr oft mit Spannung erwartetes statistisches Material mit reichlicher Verspätung zu veröffentlichen. Die soeben bekanntgegebeneil Zusammenstellungen des Außenhandels im Jahre 1932 bieten einen äußerst interessanten Einblick in die Gestaltung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Das Jahr 1932 war ein Jahr des Aufbaues und die veröffentlichten Zahlen stellen Höchstziffern des bisherigen Handels dar. Die Einfuhr erreichte 8,120.797 pal. Pfund, das ist zwei Millionen Pfund mehr als im Jahre 1931. Die Ausfuhr weist die Ziffer von 4,327.426 pal. Pfund aus, was ebenfalls einer, jedoch nur scheinbaren, Steigerung von über zwei Millionen pal, Pfund gegenüber dem Vorjahre gleichkommt. Von dieser Ausfuhrziffer muß, um ein klares Bild des eigentlichen Exportes des Landes zu gewinnen, der außerordentlich hohe Goldexport mit 1,505.952 abgezogen werden. Palästina exportiert kein Gold und die Ooldausfuhr steht mit seiner Wirtschaft in keinem unmittelbaren Zusammenhang. Sie stellt nur einen Durchgangsposten dar mit offenbarem Fluchtcharakter aus Nachbarländern. Auch nach Abzug dieser Goldausfuhr sowie des Reexports und der Transitposten ergibt sich eine reine Warenausfuhr von 2,381.491 pal. Pfund gegen 1,572.061 im Jahre 1931. Ebenso Ist von der Einfuhr die Summe der über die palästinensischen Häfen gehenden und ihren Verkehr steigernden, aber zur palästinensischen Wirtschaft nicht zu zählenden Waren ln Abzug zu bringen, die für den Bau der Pipelinie der Iraq Petroleum Company bestimmt sind. Di« auf Rechnung des wirtschaftlichen Wachstums des Landes zu setzende Mehreinfuhr gegen das Vorjahr bewegt sich somit zwischen 15 und 20 Prozent. In der Einfuhr Palästinas im Jahre 1932 steht England mit 1,552.073, d. I. rund 20 Prozent, an erster Stelle. Im Jahre 1931 betrug die Einfuhr aus England nur 998.462 pal. Pfund. Die übrigen britischen Länder sind mit 277.440 pal. Pfund gegen 158.772 im letzten Jahre beteiligt. Aus diesen Ziffern Ist die rasche Zunahme des pal.-britischen Handels zu erkennen. Allerdings nimmt Großbritannien rund 57 Prozent der gesamten palästinensischen Ausfuhr auf und es ist daher erklärlich, wenn es hier Kreise gibt, die auch in wirtschaftspolitischer Beziehung nach einem engeren Verhältnis zu Großbritannien tendieren. — Außerordentliche Steigerungen ihres Warenverkaufs nach Palästina haben auch viele andere Länder aufzuweisen, ohne daß Ihre Bezüge aus Palästina auch nur annähernd ein Oegengewlcht dafür bieten. Polen brachte das Zweieinhalbfache, ebenso die Türkei, die Vereinigten Staaten das Doppelte, Japan sogar das Fünffache gegenüber dem Vorjahre Ins Land. Es ist in der heutigen handelspolitischen Praxis gewiß ein exzeptioneller Fall, daß der japanischen Einfuhr von 176.000 palästinensischen Pfund gar keine palästinensische Ausfuhr nach Japan gegenüberstehtI Einen beständigen Fortschritt weist ferner der paldeutsche Handelsverkehr auf, wenn sich auch Deutschland in den letzten Jahren von England erheblich überflügeln ließ. Es steht jedoch mit einer Einfuhr von 775.000 pal. Pfund, d. j. rund 10 Prozent der gesamten Einfuhr, neben Syrien noch Immer an dritter Stelle. Es nahm im Jahre 1932 von Palästina Waren für 332.723 pal Pfund, d. I rund 14 Prozent der gesamten Ausfuhr, auf, Dis Entwicklung des pal.-deut- »Chen Handels In den letzten Jahren geht aus folgenden Ziflent bcnvori Ausfuhr nach Deutschland 1929 1*7.356 1930 203-549 193f 201.730 1932 332.723 Einfuhr von Deutschland 743.156 762.075 638.185 775.074 Die Hauptausfuhr nach Deutschland besteht in Orangen und Grapefrüchten. In der letzten Saison wurden in Deutschland 750.000 Kisten gegen 600.000 im Jahre 1931/32 und 510.000 im Jahre 1930/31 abgesetzt. Deutschland tritt auch als Käufer von Durrah auf in Jahren, In denen die Ernte eine Ausfuhr ermöglicht. Die palästinensische Ausfuhr nach Deutschland umfaßt ferner Wein, Bücher, Tiere, Andenkenartikel, besondere von Perlmutter, und letzthin in zunehmendem Grade künstliche Zähne. Deutschland bringt in der Hauptsache nach Palästina Baueisen und andere Baurnstallationswaren, eiserne Röhren, Stahl- und Eisenwaren, Motoren, Pumpen, landwirtschaftliche Maschinen, elektrotechnische und pharmazeutische Artikel, Holz, Papier, Gewebe, Haushaltartikel, Glas und Keramik u. v. a. Es muß beachtet werden, daß die obenangeführten Ziffern die eingeführten deutschen Waren nicht ganz umfassen, da solche außerdem ln nicht unbeträchtlichen Mengen indirekt über Syrien und Aegypten eingeführt werden und von den Behörden auf ihren Ursprung nicht geprüft werden. Es bestehen ferner bedeutende deutsche Interessen auf den Gebieten des Schiffs¬ und Frachtverkehrs, der Touristik, der Versicherung usw. Von der Einfuhr entfallen 1,784.830 pal Pfund auf Lebensmittel, Tabak und Getränke, 556.966 auf Rohstoffe und 3,910.411 auf Fertigfabrikate, und zwar 650.000 pal. Pfund mehr als im Jahre 1931. Außerdem summiert die Behörde unter «Verschiedenes» eine Einfuhr von 1,516.000 pal. Pfund. — Der Posten: Fertigfabrikäte ist derjenige, der die besondere Aufmerksamkeit der anr Aufbau und an der Ausweitung der Fassungskraft des Landes interessierten jüdischen Kreise verdient. Dieser stets wachsende Posten vom Ausland bezogener Waren wartet auf das Interesse des jüdischen Kapitals und jüdischer Fach- und Sachkenntnis, um zu einer Grundlage weiterer tausender jüdischer Existenzen zu wer* den. Als Beispiel sei die Position Textilien und Konfektion angeführt, die einschließlich der erhobenen Zölle mehr ab eineinviertel Million Pfund erreicht. Bemerkenswert ist <He außerordentlich rasche Zunahme aller dem Verkehr dienender Waren: es wurden eingeführt 760 Automobile verschiedener Art im Werte von 165.000 Pfund. Der erhobene Zoll allein erreichte zirka 39.000 Pfund über 20 Millionen Liter Benzin für 183.000 Pfund, wovon die Regierung eine Einnahme von 222.459 pal. Pfund bezog; Gummireifen und Schläuche für 58.000 Pfund. Die Gesamteinnahmen der Regierung aus diesen drei Posten betrug rund 300.000 Pfund. Von der Ausfuhr entfallen 2,025.664 pal. Pfund auf Lebensmittel,, Getränke und Tabak, 312.392 auf industrielle Fabrikate und 42.917 Pfund auf Rohprodukte. Manche Zweige des Industrieexports weisen gegenüber dem Vorjahre einen Rückgang auf, was jedoch keineswegs auf den Stand der entsprechenden Industrie schließen läßt. Die Produkte fanden Aufnahme im verstärkten Inlandsbedarf. Eine Ausnahme bildet die alte arabische Seifenindustrie, die sich in beständigem Rückgang befindet. Stark zurückgegangen ist der arabische Export landwirtschaftlicher Produkte als Folge der schlechten letztjährigen Ernte. Wenn trotzdem das Gesamtbild des palästinensischen Exportes einen günstigen Stand aufweist, so ist da6 fast vollständig auf Rechnung des jüdischen Wirtschaftsfaktors zu setzen. Die bisher abgelaufenen Monate des Jahres 1933 bedeuten eine ununterbrochene Fortsetzung des wirtschaftlichen Fortschrittes. Das Einströmen von Menschen und Kapital, die Investition in neuen Orangengärten und in städtischen Bauten, zu einem kleineren Teile in der Industrie, hält an. Wie schon in früheren aufsteigenden Wirtschafts- und Einwanderungsperoden, gibt es auch jetzt Warnungsstinrmen, die zur Vorsicht mahnen. Sie mögen recht haben, vielleicht auch nicht. Wir haben diese Wamungsstimmen schon vor einem Jahre gehört, die Entwicklung ist über sie hinweggegangen. Int allgemeinen hat unsere Generation gelernt, jeder wirtschaftlichen Prophetie mit Skepsis zu begegnen. In der Dynamik des wirtschaftlichen Werdens dieses Landes wirken manche Faktoren mit, die sich der Abschätzung der Sachverständigen entziehen. Zweifellos unterliegt auch die palästinensische Wirtschaftsentwicklung den Gesetzen des Auf- und Abstieges und eine Parallele mit der Periode 1924/26 liegt nahe. Doch darüber in einem zweiten Artikel. Die augenblicklichen wirtschaftlichen Aussichten in Ere% Jisvaei Einer der zuverlässigsten Kenner der derzeitigen wirtschaftlichen Möglichkeiten im heiligen Lande. Dr, Arthur Ruppin in Jerusalem, veröffentlichte in der «Jüdischen Rundschau» einen längeren Aufsatz über landwirtschaftliche Siedlungsverhältnisse und schickt diesem Aufsatz einige Vorbemerkungen über die wirtschaftlichen Aussichten der verschiedenen Berufe im allgemeinen voraus. Da diese Frage zurzeit viele gesetzestreue Juden beschäftigt, halten wir es für unsere Pflicht, die Bemerkungen Ruppins auch unserem Leserkreise zugänglich zu machen. Doktor Ruppin schreibt: «Palästina kann denjenigen Juden in Deutschland, deren Existenzaussichten durch die neue politische Wendung zerschlagen sind, zur Zuflucht werden, falls sie bereif sind, zur Landwirtschaft überzugehen und die dafür erforderlichen Voraussetzungen zu erfüllen. Zu diesen Voraussetzungen gehört bei Leuten, die infolge ihres Alters oder mangelnder physischer Kraft zu schwerer Arbeit nicht geneigt sind, sondern dafür Lohnarbeiter beschäftigen müssen, bei bescheidener Lebenshaltung ein Kapital von mindestens Lst. 3000.—; bei jungen, kräftigen Leuten im Alter bis zu 30 Jahren, die sich noch .auf die Landwirtschaft und auf ein hartes und entbehrungsreiches, aber friedliches und mit der Natur verbundenes Leben umstellen können, ein Kapital von Lst. 1000 bis Lst. 1200; bei jungen, kräftigen Leuten von 16 bis 20 Jahren, die mindestens während eines Jahrzehnts als Lohnarbeiter und in der eigenen Wirtschaft weit über das durchschnittliche Maß hinaus arbeiten und sich in dieser Zeit mit dem baren Existenzminimum begütigen müssen, ein Kapital von Lst. 400.—, Die beiden letzten Kategorien sollen erat dann zur Begründung einer eigenen Wirtschaft schreiten, wenn sie während einer Probezeit von ein bis drei Jahren ihre Eignung für die landwirtschaftliche Arbeit bewiesen haben. Außer der Landwirtschaft kann die Industrie eine Existenzquelle für diejenigen werden, die gründliche Fachkenntnisse und wenigstens einen erheblichen Teil des erforderlichen Kapitals für einen Industriezweig haben, der in Palästina günstige Produktions- und Marktbedingungen hat, Ob dies zutrifft, kann nur von Fall zu Fall festgestellt werden, Die Aussichten für Akademiker (Aerzte, Zahnärzte, Ingenieure, Rechtsanwälte) sind schlecht, da diese Berufe in Palästina bereits überfüllt sind. Rechtsanwälte werden außerdem nur nach einer Prüfung, die in englischer oder hebräischer Sprache abgehalten wird und eine längere Vorbereitung erfordert, zur Praxis zugelassen. Sehr geringe Aussichten bestehen auch für Detaiikaufleute und kaufmännische Angestellten, da alle Handelszweige stark besetzt sind und Neuankömmlinge gegenüber den schon im Lande befindlichen^ Orts- und sprachenkundigen Handelstätigen einen schweren Stand haben, Handwerker, die in ihrem Fache tüchtig sind, und mindestens Lst. 250.— besitzen, finden in vielen Fällen noch ein Unterkommen, Ungelernte Arbeiter ohne Kapital werden nur im Rahmen der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit Palästinas auf Grund von Zertifikaten zur Einwanderung zugelassen. Kapitalisten, die ihr Geld in Palästina in sicheren Hypotheken langfristig anlegen wollen, können auf eine Verzinsung von 7 bis 8 Prozent rechnen. Die Kosten des Lebensunterhaltes einschließlich Wohnung, Kleidung, Steuern usw. betragen in einer Stadt int Durchschnitt für Familien von drei bis vier Seelen bei Arbeitern Lst. 10.— monatlich, bei Famüien von Handwerkern, kleinen Kaufleuten, Bureauangestellten Lst. 15.— bi» 20.—, bei leitenden Angestellten, Aerzten, Rechtsanwälten Lst. 25.— bis 50.—. In den landwirtschaftlichen Siedlungen sind die Kosten etwa 25 Prozent niedriger.» Die Bautätigkeit in Palästina Die Bautätigkeit hat sich auch in der letzten Zeit gut weiterentwickelt. Die Anzahl der dabei beschäftigten jüdischen Arbeiter hat sich in den letzten Monaten in Jerusalem von 800 auf 1100, in Tel-Awiw von 700 anfangs 1932 und 900 in Oktober auf 1000 heute erhöht. Auch in Haifa hat die Bautätigkeit erheblich zugenommen. Fühlbar ist der Mangel an qualifizierten Arbeitern. Die Baufläche in Tel-Awlw Im November war 13.476 qm, im Dezember 28.735 qm. — dagegen im Vorjahre im November — 7229 qm und im Dezember — 12,291 qm. Ueberhaupt ist diese Zahl von keinen der vorangegangenen Jahren — mit Ausnahme des Jahres 1925 — auch nur annähernd erreicht worden. Während man im Jahre 1925 aber zum größten Teil mit Leihgeldern baute, ist diesmal die Ausrüstung mit Eigenkapital eine befriedigende. Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten bekämpft man rasch und sicher mit Togaltabütten. Ueber 6000 Aerzte bestätigen die hervorragende schmerzstillende und hellende Wirkung von Togal. Es ist in jeder Apotheke zu haben.