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Die Stimme · 1933-05-05 · Heft 278 (5.5.1933) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 278 (5.5.1933)
Date
1933-05-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sette S DIB STIMME Nt. m ~ « MaMOSI Kampf der Arbeiterorganisation Palästinas um Verstärkung der Mrbeitereinwanderung Jerusalem. Die Exekutive der Histadruth Haowdim (allgemeine jüdische Arbeiterorganisation Palästinas) hat besdiicwtM, gegen die Entscheidung der Palästinaregierung, daß für das nächste Halbjahr anstatt der angeforderten 13.000 nur 5500 Arbeitereinwanderungszertifikate zur Verteilung gelangen sollen, einen scharfen Kampf zu eröffnen. Die Exekutive der Histadruth weist darauf hin, daß die Forderung nach Ausgabe von 13.000 Zertifikaten auf Grund einer von der Histadruth auf allen Arbeitsplätzen .'.es Landes durchgeführten höchst genauen Kontrolle erhoben wurde. Die Histadruth könne auf Grund Ihrer Untersuchungen nachweisen, daß sofortige Arbeitsmöglichkeiten für 13.000 neue Ein* wanderer vorhanden seien. In den nächsten Tagen wird die Histadruth Haowdim in allen von Juden besiedelten Städten und Dörfern des Landes große Versammlungen der palästinensischen Arbeiterschaft abhalten, in denen gegen die ungerechtfertigte willkürliche Beschränkung der jüdischen Alijah nach Palästina Einspruch erhoben werden soll. Oie W. I. Z. O. baut! Feierliche Grundsteinlegung des zweiten Hauses der Landwirtschaftlichen Mädchenschule der Wlzo in Nahalal Ein soeben eingelangtes Telegramm aus Jerusalem berichtet über die feierliche Grundsteinlegung zum zweiten Schulhaus der Landwirtschaftlichen Mädchenschule der W. I. Z. O. in N a h a 1 a 1. In Anwesenheit der beiden Präsidentinnen der Weltorganisation zionistischer Frauen, Frau Dr Vera Weiznnnn und Frau Romana Goodman, sowie einiger anderer hervorragender Persönlichkeiten Palästinas, allen voran der hochverdienten Gründerin und Leiterin dieser Musteranstalt, Frau Hana Maisel-Schochat, wurde dieser festliche Akt begangen, welcher gerade im gegenwärtigen Augenblick, da Palästina von einer außerordentlich großen Anzahl neuer Einwanderinnen erfüllt ist, von besonderer Wichtigkeit erscheint. Bisher bestand in Nahalal ein einziges Schul- und Wohnhaus, welches schon jetzt nicht mehr genügend Obdach für die ständig wachsende Zahl der Schülerinnen bot, so daß diese schlecht und recht in Wirtschaftsgebäuden untergebracht werden mußten. Dieser Zustand wurde infolge des neuen Zustromes von Einwanderinnen gänzlich unhaltbar. Andererseits konnten infolge der Wirtschaftskrise die Mittel für den längst erforderlichen Bau (der schon im ursprünglichen Plan der Architektin Lotte Kohn, Jerusalem, vorgesehen war) nicht aufgebracht werden. Nur dank dem großen Opferwillen einiger Frauen der Londoner Exekutive, vor allem von Frau Henriette Irwell und Frau Rebecca Sieff, die für einen großen Teil der Baukosten garantierten, wurde der Ungunst der Zeit zum Trotz die Krönung des 1926 begonnenen Werkes in diesem Jahre möglich. Die W. I. Z. 0. hat damit einen bedeutsamen Schritt nach vorwärts gemacht und wieder einmal bewiesen, daß sie es versteht, jeder Krise Widerstand zu leisten. Sie hat sich für dieses Jahr die besondere Aufgabe gestellt, für die Einordnung der neuen Einwanderinnen in das Wirtschaftsleben Palästinas, besonders auf landwirtschaftlichem Gebiete, Sorge zu tragen. Die Errichtung des zweiten Hauses in Nahalal ist die Erfüllung eines nicht unbedeutenden Teiles dieser Aufgabe. Weltverband der Allgemeinen Zionisten ln der zweiten Hälfte dieses Monats wird der Präsident des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Herr Doktor J. Schwarzbart -Krakau, in Wien einen Vortrag halten. Für diese Zeit wird auch eine Konferenz der Allgemeinen Zionisten Oesterreichs, der Tschechoslowakei, Ungarns und Jugoslawiens über Probleme des bevorstehenden 18. Kongresses und Angelegenheiten der inneren Organisation des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten vorbereitet. Jüdischer Kongreß In Polen Aus Warschau wird uns berichtet: Hier wurde am 23. April ein Kongreß der jüdischen Gemeinden und Organisationen Polens eröffnet, der einberufen worden war, um zur Lage der Juden in Deutschland Stellung zu nehmen. An dem Kongreß nahmen 852 Delegierte, und zwar 724 Delegierte von 364 jüdischen Gemeinden und 128 Vertreter verschiedener jüdischer Organisationen, sowie Tausende von Gästen teil Der Kongreß wurde durch eine Ansprache Dr. J. Gottüebs im Namen des Komitees der jüdischen Gemeinden und Organisationen, an das sich unmittelbar vor dem Kongreß auch der Klub der jüdischen Abgeordneten rm polnischen Sejm angeschlossen hatte, und das nunmehr aus zwei Mitgliedern des jüdischen Parlamentsklubs, zwei Vertretern der Agudah und je einem Vertreter der jüdischen Wirtschaftsorganisationen, des Misrachi und der jüdischen Presse besteht, eröffnet. Die Juden, sagte Dr. Gottlieb u. a., hegen keinerlei Haß gegen irgendein Volk, auch nicht gegen das deutsche. Sie kämpfen gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland, aber sie kämpfen nicht gegen das deutsche Volk. Auch zur deutschen Minderheit in Polen stünden die Juden in keinerlei Gegensatz. Die Juden haben sich an den zwischen Polen und Deutschen in letzter Zeit stattgefundenen Zusammenstößen nicht beteiligt und sie tragen keinerlei Verantwortung für diese Vorkommnisse. Auch in ihrem jetzigen ihnen aufgezwungenen Kampfe dürften die Juden, die stets als Vorkämpfer des Friedens auftraten, die gebotenen Grenzen nicht überschreiten. Dr. Gottlieb gab seiner Befriedigung über die auf diesem Kongreß zustande gekommene Einigung sämtlicher Richtungen des polnischen JudeniüiiLmeiHiMnrtiäioii zu Pfingsten, 28. Mai bis 6 .luni 1933, ver* anstaltet von der Landsmannschaft „Buchenland“ in Wien in Gemeinschaft mit dem „Czernowitzer Morgenhlatt“ nachCxernowitz und refour mit den Zwischenstationen Lemberg, StanMau eie. * Teilnehmer- Preis einschließlich Paß- und Sichtvermeikgebühren: lil. Klasse Schnellzug Wien— Gzernowitz—Wien S 104.—, für kürzere Strecken entsprechend abgestult. * Anmeldungen und Platzreservierungen durch „Buchenland“ I., Singerstraße 27. Telephon Nr. R 25-7-02 und Buchhandlung Kubasta & Voigt VI., Mariahilferstr. 25, Tel. B 20-8-60 tums Ausdruck und umriß in großen Linien die Aufgaben des Kongresses. Diese bestünden u. a. darin, die Lage der deutschen Juden zu studieren, eine Hilfsaktion zugunsten aus Deutschland ausgewanderter Juden zu organisieren und Maßnahmen zur Regelung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland zu treffen. Ein großer Teil des Auswandererstromes müsse nach Palästina gelenkt werden. Gerade die deutschen Juden mit ihrer hohen Kultur, ihrem reichen Wissen und ihren mannigfaltigen Fachkenntnissen könnten für den Aufbau des jüdischen Landes ein Segen werden. Deshalb müsse die Forderung nach freier Einwanderung nach Palästina an die Mandatarmacht gerichtet werden. Nach eingehender Aussprache wurde eine Reihe von Entschließungen angenommen, die der Sympathie mit dem deutschen Judentum Ausdruck gaben und praktische Hilfsmaßnahmen für deutsche Juden, u. a. Ansiedlung in Palästina, vorschlagen. Der Warschauer Korrespondent der Londoner «Times» stellt fest, daß dies der größte jüdische Kongreß war, der je in Polen stattgefunden hat. IN ALLER KURZE hn Londoner Stadthaus fand eine von 300 jüdischen Aerzten und Zahnärzten besuchte Versammlung statt, in der eine Vereinigung jüdischer Aerzte mit der besonderen Aufgabe geschaffen wurde, Mittel und Wege zu suchen, um das Los ihrer jüdischen Kollegen in Deutschland zu erleichtern. * Unter dem Vorsitz des Amsterdamer Pharmakologen Prof. Dr. P. van der Wielen hat sich ein Komitee jüdischer und nichtjüdischer Professoren aller holländischen Universitäten gebildet, das die Aufgabe auf sich genommen hat, jüdische Studenten, die in Holland ihre Studien fortsetzen wollen, und jüdische Gelehrte, die in Deutschland ihre wissenschaftliche Tätigkeit nicht fortsetzen können, bei ihrer Niederlassung in Holland zu beraten und zu unterstützen. * Der Pharmakologe der Universität Leyden, Prof. Doktor L. van Italie, hat im Hinblick auf die Lage der deutschen Juden die Ehrenmitgliedschaft des deutschen Apothekervereines und der deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft niedergelegt * Wie die Zeitungen berichten, hat der preußische Justizminister Kerrl die Oberlandesgerichtspräsidenten aufgefordert, Vorschläge für die Ernennung eines deiitschstämmigen Notars an Orten, wo nur ein jüdischer Notar ansässig ist, einzureichen. Ferner hat der Justizminister die allgemeine Verfügung vorn 16. Oktober 1930, derzufolge Richter bloß aus dem Grunde, weil sie Juden sind, nicht ohne weiteres wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden dürften, außer Kraft gesetzt Rücktritte zum Judentum in Berlin. Die Jüdische Gemeinde Berlin veriautbart; Im Gemeindebureau gehen täglich Briefe von Personen ein, die in früheren Jahren aus der Gemeinde oder aus derr Judentum ausgeschieden sind, und die jetzt ihren Wiedereintritt in die Gemeinde erklären. Unter diesen Briefen befinden sich auch solche sehr bekannter Persönlichkeiten, die sich für ehrenamtliche Mitarbeit zur Verfügung stellen. Kunst undLiteraiur »Die Wahrheit“ über den Anti* •emltfutmt Eine tapfere Arierin, Frati Hauptmannsgattin Iren« H a r a n d, hat einen bemerkenswerten Versuch gemacht, in einer Broschüre unter dem Titel «Die Wahrheit über den Antisemitismus» die Hohlheit der antisemitischen Schlag» worte festzunageln. Schon die Einleitung der Verfasserin zeigt von einem wahrhaft ethischen Empfinden, das von der trüben Flut angeblicher christlicher Nächstenliebe geradezu unzeitgemäß absticht. So schreibt Frau Harand: Eine Welle des Hasses durchflutet unser Land. Die Politiker wetteifern in ihrem Haßgesang gegen die Juden. Es herrscht jetzt Hochkonjunktur im Antisemitismus. Als Christin und Arierin schäme ich mich dieses Treibens. Ich würde mich mitverantwortlich für die Schmach und für die Folgen der Verhetzung fühlen, wenn ich schweigen würde, denn ich bin überzeugt, daß der Kampf gegen die Juden eine Versündigung gegen unseren Heiland bedeutet, der, sofern er sich uns als Mensch zeigte, Jude war. Das, was wir heute mit den Juden aufführen, hat man in den Anfängen des Christentums mit den Christen aufgeführt Das, was wir den Juden als Volksgemeinschaft vorwerfen, hat man den Deutschen während des Krieges vorgeworfen. Diese Broschüre habe ich nach gewissenhaftem Studium und reiflicher Ueberlegung geschrieben, ich bin stolz darauf, als Angehörige einer Gruppe, die seit Jahren für die Wahrheit und Gerechtigkeit ein tritt, auch gegen den Rassenhaß, die Schmach unseres Jahrhunderts, kämpfen zu dürfen. Wer ein Gewissen hat und wer sich die Mühe nimmt, ernstlich nachzudenken, der wird finden, daß ich — indem ich die Schande des Antisemitismus von uns abwenden will —, nicht nur als gute 0esterreich e r i n, sondern auch als gute Christin handle, ln den einzelnen Kapiteln weist die Verfasserin in sachgemäßer Weise die Grundlosigkeit der gegen die Juden gerichteten Pauschalverdächtigungen zurück, insbesondere das Märchen von den Weisen von Zion, vom jüdischen Großkapital und Bolschewismus, Wucher und dergleichen. Beherzigenswert ist auch der Vorwurf, der auch Juden gemacht wird, die viel zu wenig im positiven Kampfe gegen die verheerende Seuche des Antisemitismus hervortreten. Daß den Zionisten von einer Arierin gesagt werden muß, daß sie sich derart in Parteiungen spalten, daß sich die Welt bei den Zionisten nicht mehr auskennt, ist leider traurig aber wahr. Die mutige und tapfere Art, wie sich die Verfasserin mit dem Antisemitismus auseinandersetzt, ohne nach gewohnter Art die Judenfrage von oben herab mit- oder wehleidig zu beurteilen, muß mit besonderer Anerkennung hervorgehoben werden. Diese Broschüre verdient weiteste Verbreitung. Abend moderner jüdischer Musik Mittwoch, den 10. Mai, % 8 Uhr abends, veranstaltet der Verein zur Förderung jüdischer Musik und der W iener Jüdische Gesangsvereio im Kleinen Musikvereinssaal ein Konzert moderner jüdischer Musik. Zur Aufführung gelangen moderne Synagogengesänge von Achrom, Ssaminsky und Jacobi. Diese Gesänge wurden kürzlich von dem Emanu-El-Tempel, einem der größten Tempel in New York, bei den obgenannten Komponisten für den Gottesdienst am Freitag abends bestellt. Ferner gelangen zur Uraufführung zwei Klavierwerke «He b r ä i s c n e Melodie» und «Badchen» von Miln er sowie auch Variationen über ein Volkslied (Sog mir du schön Medele . , .) für Klarinette und Klavier von Brandmann zum Vortrag. Unter den Liedern, die zur Erstaufführung gelangen, ist das Lied «Mohne» von Aohron besonders hervörzuheben. Das Programm enthält noch eine Reihe sehr interessanter Nummern, und die künstlerisch hervorragenden Mitwirkenden, Emmy Hauser, Gesang Schoulamith Silber, Violine, Robert Spitz, Klavier und Dr. H. Lewitus, Klarinette und der jüdische Gesangsverein unter Leitung I. Brandmanns bieten Gewähr für ein hohes Niveau des Konzertes. Vortrag Dr. Z. J. Finkeisteins im Bund jütischer Frontsoldaten, Sektion IX Montag, 8. d., 8 Uhr abends, spricht über Einladung des Bundes jüdischer Frontsoldaten Dr. Z. J. F1 nkeist e i n über «Jakob Wassermanns Tragik als Deutscher und Jude». Vortragsabend Margarethe Bach Die Wiener Rezitatorin Margarete Bach, welche von ihrer überaus erfolgreichen Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika zurückgekehrt ist, gibt Mittwoch, 10. Mai 1933, im kkdneu KonzerthauSsaal, halb 8 Uhr abends, einen Vortragsabend. Zum Vortrag gelangen besonders: Bibel, Goethe, Schiller, Liliencron und Verhaeren. Mitwirkend: Kurt Fuchsgelb (Geige). Karten bei Gronner, I., Graben 28. Ein interessanter Koozertabend Donnerstag, den 11. d. M., um V28 Uhr abends, findet im Großen Konzerthaussaal ein von der Konzertdirektion Dr. Hohenberg veranstaltetes Konzert des weltberühmten Warschauer Oberkantors Gerson Sirota statt. In der ersten Abteilung bringt der Künstler liturgische und jüdische, in der zweiten Abteilung weltliche Kompositionen zum Vortrag. In der gleichen Weise hat der mitwirkende Violinvirtuose Kurt Fuchsgelb sein Programm gewählt Die Konzertveranstaltung begegnet in jüdischen Kreisen wärmstem Interesse. Ein Teil des Kartenerlöses kommt wohltätigen Zwecken zugute. Dame sucht «ule Tennispartnerln eventuell Trainerin unter »Nur UL Beziik"

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