Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 278 (5.5.1933)
- Date
- 1933-05-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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MB STIMME Nf. 278 — 5. Mal 1933! i; j: i T fcff« 6 X inen. Er wurde abgewehrt. In diesem Kampf um Recht und Gerechtigkeit haben edle Nichtjuden den bedeutendsten Anteil genommen und dies konnte einen tröstlicheren Ausblick ans einer verzweifelten Gegenwart in eine bessere, schönere Zukunft gewähren. Sie standen als Einzelne einer aus Aberglauben und Intoleranz festgefügten Phalanx gegenüber. Aber diese Einzelnen haben für den Fortschritt in der Gesittung der Welt unendlich mehr getan als ganze Bataillone. Der anklagende Zola bei der Dreyfus-, der Philosoph vom Hradschin, Masaryk, bei der Hilsner- und Karl E Ö t v e s bei der Tisza-Eszlar-Affäre, dieses wunderbare Kleeblatt von Männern, die zu einer Zeit, da ihnen noch lange keine Siegespalmen blühten, ihre Popularität aufs Spiel setzten, ja ihr Leben oft gefährdeten, sind in die Geschichte eingegangen, um nie mehr aus ihr herausgerissen zu werden. Sie bilden das leuchtende Dreigestirn im Kampf um Recht und Wahrheit, zu einer Zeit, da eine ganze haßerfüllte Welt glaubte, Menschentum und Gerechtigkeit mit den Füßen treten zu dürfen. Den Wiener Assimi/anten zum nachdenken! Die deutschen Schulgesetze versetzen die deutschen Juden in die Notwendigkeit, ein jüdisches Schulwerk zu schaffen. Die «Jüdische Rundschau» schreibt hierüber u. a.: «Das Bewußtsein des Zusammenhangs mit jüdischer Vergangenheit und jüdischer Zukunftsaufgabe war kein lebendiger Bestandteil des Denkens liberal-jüdischer Bourgeoisie. Und nun steht diese Bourgeoisie mit leeren Händen da. Es hilft nichts, sich die Augen zu reiben. Man muß endlich zu sich selbst kommen. Machen wir uns klar: Wir werden in Zukunft weniger intellektuelle Bildung haben als bisher . . ., Aber von der Fruchtbarkeit dieser revolutionären Stunde hängt es ab, ob wir auch die Gläubigkeit des Herzens wieder finden, die unsere Väter auszeichnete . . . Wir werden jetzt von der Ueberschätzung des Intellektualismus geheilt werden; aber wir werden dennoch nicht auf weltliche höhere Bildung verzichten. Im Ghetto beschränkten wir uns auf jüdische Bildung; nach der Emanzipation schlug das Pendel nach der anderen Seite aus. Jetzt aber, wo eine neue Periode deutsch-]üdisehen Lebens beginnt, geht es darum, beides zu vereinigen, und in moderner Form unserer Jugend das unvergleichliche Erbe jüdischen Geistes ebenso zu vermitteln wie jüdische Gegenwartskunde und Zukunftswillen, zugleich aber sie mit weltlicher Bildung und mit der großen Kultur, in die unser Leben eingeschlossen ist, vertraut zu machen. . . . Niemand kann sich heute mehr der Notwendigkeit der Gründung jüdischer Schulen entziehen.» Noch vor wenigen Wochen hat die Minorität des Wiener Kultusvorstandes gegen das Budget gestimmt und als wichtigen Grund für diese in ihren eigenen Reihen unverständliche Stellungnahme die Erhöhung der Subventionen für das Chajes-Realgymnasium bezeichnet (Anm. d. Red.) V. Kongreß des Verbandes der iüdischen Kultus* gemeinden des Königreiches Jugo* slawien (Von unserem Sonderberichterstatter) Am 2. und 3. April 1933 fand in B e o g r a d der V. Kongreß des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden statt. Die Beteiligung war eine noch nie dagewesene. Sämtliche Kultusgemeinden waren durch insgesamt über 200 Delegaten vertreten. Auch die Rabbiner fast aller Gemeinden waren erschienen. Se. Majestät, der König, hatte seinen Personaladjutanten entsendet Auch die Ministerien und die Stadt Beograd waren vertreten. Der Präsident der Beograder askenasischen Kultusgemeinde, Dr. Friedrich Pops, ergriff als geschäftsführender Vizepräsident das Wort und führte bezüglich der gegenwärtigen judenfeindlichen Bewegung in Deutschland u. a. aus: «Wir sind weit davon entfernt, uns in die internen Angelegenheiten Deutschlands einmengen zu wollen. Aber wir können nicht umhin, unserem Entsetzen darüber Ausdruck zu verleihen, daß in einem Kulturstaate derlei geschehen, derlei geduldet werden kann. Deshalb schlage ich im Namen aller in unserem Verbände der jüdischen Kultusgemeinden vertretenen Juden dieses Königreiches folgende Resolution zur Annahme vor: ,Die auf dem Kongreß ihrer Gemeinden versammelten Juden Jugoslawiens begleiten mit großer Erregung die unerhörten Vorfälle in Deutschland, welche die fundamentalen Menschenrechte und die bürgerliche Freiheit der deutschen Juden gefährden, sie des gesetzlichen Schutzes verlustig zu machen und wirtschaftlich zu vernichten drohen. Der Kongreß der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens übermittelt in diesen schicksalsschweren Stunden seinen jüdischen Brüdern in Deutschland den Ausdruck seiner dauernden Sympathie und versichert sie seines unerschütterlichen WHIens, sie in jeder Weise zu unterstützen. Die Juden Jugoslawiens betrachten jetzt und künftig die All den deutschen Juden verübten Gewalttaten als Eingriff in b eigene* Fleisch und Blut und sie werden sich dagegen gemeinsam mit den Juden der ganzen Welt mit aller Kraft widersetzen, indem sie alles zur Verteidigung der Ehre und der Würde des jüdischen Volkes und zur Rettung der deutschen Juden unternehmen werden’.» Diese Resolution wurde einhellig unter stürmischer Zustimmung angenommen. Landesoberrabbiner Dr. Isak Alkalay begrüßte nun namens des Rabbinersynodes den Kongreß. Erfreulich war die große Beteiligung der jüdischen Jugend. Die Vertreter der Jugend erklärten, daß die Jugend auf jiidischnationaler und zionistischer Basis stehe, daß sie aber auch an der Führung des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden mitwirken wolle. Sie fordere die Pflege der Jugendarbeit, die Umschichtung der Berufe, die Kolonisierung in Palästina, die Förderung der Auswanderung, zunächst jene der Gärtner in Südserbien, speziell in Bitolj. Der Präsident der Beograder sephardischen Gemeinde, Dr. Jakob Celebonovic, sagte in seiner Rede, seit der Balbour-Deklaration müsse jeder Jude Zionist sein. Jeder einzelne von uns, wie auch die Gemeinde als solche, müßten im Rahmen der Gesetze die zionistische Tätigkeit in jeder Weise unterstützen. Drago Steiner trat für die Gleichberechtigung der jüdischen Frau ein. Auf seinen Antrag wurde den Gemeinden empfohlen, das aktive und passive Frauen-Wahlr^cht einzuführen. Der bisherige langjährige Präsident des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden Jugoslawiens, Dr. Hugo Spitzer, der sich seines hohen Alters wegen von der aktiven Tätigkeit zurückgezogen hat, wurde einstimmig zum Ehrenpräsidenten des Verbandes gewählt. Das Schlußwort nahm unter großer Begeisterung der 1. Vizepräsident der Zagreber Kultusgemeinde Dr. L a v os I a v Sik. Er betonte den großen Erfolg des Kongresses: Die Einheit des Judentums, ohne Unterschied ob Aschkenasi oder Sephardim, ohne Rücksicht auf die verschiedenen religiösen und jüdisch-nationalen Färbungen, habe sich eben jetzt in den Zeiten einer neuen Gcserah in Deutschland glänzend manifestiert. Das Judentum habe seine Solidarität gezeigt Redner schilderte sodann die Tätigkeit Dr. Hugo Spitzers für die jüdische Sache, insbesondere seine Bemühungen um die Schaffung des Gemeindeverbandes und seine Tätigkeit als Präsident des Aktionsausschusses der zionistischen Organisation Jugoslawiens, sowie als Mitglied des großen Aktionskomitees. Es wurde einstimmig beschlossen, einen Fonds zu gründen, der den Namen Dr. Hugo Spitzers verewigen wird. Aus den Mitteln des Verbandes selbst seien, berichtete Doktor Sik, jährlich 50.000 Dinar, vorläufig auf drei Jahre, votiert worden. Außerdem hätten die Gemeinden für diesen Fonds teils aus eigenen Mitteln beizutragen, teils in geeigneter Welse Spenden einzelner Personen anzuregen. Die erlaufenden Beträge würden nicht im Fonds angelegt, sondern gleich dem Zwecke der Auswanderung, in erster Linie der Repatriierung der jüdischen Gärtner in Bitolj, zugeführt werden. Schließlich gedachte Dr. Sik der großen Verdienste der verstorbenen Zionisten Dr. Salomon Alkalay, Dr. David Alkalay und Semajo Demajo. Redner schloß mit der hoffnungsfreudigen Betrachtung, daß der Geist, der unsere Jugend beseelt, die beste Gewähr für die Zukunft biete. Sie werde heute, morgen würdig, im jüdisch-nationalen Sinne das Werk fortsetzen, das wir einst begannen. * Bei der Konstituierung des neuen Ausschusses wurden Dr. Friedrich S. Pops zum Präsidenten des Gemeindeverbandes, Dr. David Albala, Beograd, Dr. Hugo Kon, Zagreb, und Dr. Eiemer Kalmar, Subotica, zu Vizepräsidenten gewählt. Palästinavisa für Jüdische Hand* werker Jerusalem. High Commlssioner Sir Arthur Wauchope hat die mit der Prüfung der Gesuche um Erteilung von Einreisevisen für Palästina beauftragten Stellen dahin ln* strolert, daß Gesuche von Handwerkern und Gewerbetreibenden mit einem Eigenkapital von mindestens 250 Pfund weitgehend berücksichtigt werden mögen. Dagegen hat der High Commlssioner einen Vorschlag der Jerwlsh Agency, eine neue Kategorie von Einwanderern mit einem Eigenkapital von 190 Pfund zu schaffen, abgefeimt. Einwanderungsskandal in Palästina Die Nachrichten über Landungsverbot für jüdische Touristen mehren sich. Vor zirka vier Wochen wurden 23 Juden, darunter 7 Mädeln, bei der Landung verhaftet, die ihre Visa nicht in Warschau, sondern vom polnischen Konsulat in Konstantinopel erhalten hatten. Das was ihr einziges Verbrechen. Ungeheuer war die Erregung im Jischuw, als die 16 unglücklichen Touristen paarweise gefesselt dem Gericht in Jerusalem überstellt wurden. Schließlich wurden alle 23 in Akko durch drei Wochen eingesperrt. Die jüdischen Anwälte Elias und Aschan hatten bei Gericht lediglich den Erfolge, daß die Verhafteten aus dem Gefängnis von Akko in die Quarantänestation von Haifa überführt wurden. Das Gericht entschied aber, daß die Touristen das Land verlassen müssen. Der Jischuw verlangt einmütig die Entfernung des Chefs der Einwanderungsbehörde Hyamson, der sich ehemals Chaimsohn schrieb. Vielleicht erkennen nun aber auch unsere Ueberpolitiker die Notwendigkeit einer mächtigen Zionistischen Weltorganisation. Hinter dieser Forderung müssen alle Parteifragen zurticktreten. Alle Parteien müssen dahin wirken, daß der Zionistischen Organisation allein di« Entscheidung in Einwanderungsfragen zukommt. Palästina-Beratung für Frauen und Mädchen Die «Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs» und die Z. M. V. «Mir j am» eröffnen am 5. Mai in den Räumen des zionistischen Landeskomitees, Wien, I., Kärntnerstraße 28, eine Beratung s- und Auskunftsstelle für Frauen und Mädchen, die nach Palästina auswandern wollen. Das Bureau steht unter der Leitung Frau Dr. Kantor (Wizo) und Frau Dr. Lichtenstein (Mirjam). Sprechstunden Dienstag und Donnerstag zwischen 5 und 7 Uhr abends. Zionistische BezlrHssehtion Leopoldstadt, Club „EreMsrael“ Wien. II., Praterstr. 13, Mezz. (Lloyd-Hof), Tel R 44-3-45 errichtet in ihren Räumen einen Abend-Schnellkurs für Hebräischsprechen (auch für Anfänger) Kursdauer: von Mai bis Ende Juni 1933 Unterrichtszeit: jeden Donnerstag 9 bis 10 Uhr abends und jeden S a m s t a g 7 b i s 9Uhrabends Beginn: Donnerstag, 4. Mai 1933, 9 Uhr abends Kursleiter: Lehrer J Herzberg - Anmeldungen im Sekretariat Beatrijcbad Linl<e Bahnpasse 9 Russisches Steirischwitzbad mit Besenbehandlung, neu errichtet. Dampf-, Wannen-, Schwimm- und Heilbäder. Die Leser der «Stimme» erhalten an der Badekasse gegen Ueberrelchung dieses Kupons (ausschneidenl), um nur S 1.30 ein russisches Schwitzbad mit Wäsche, Gültig bis Ende Mai 1933. Von dev Ronxeviiouvnee Palästina-Rumänien xuviickgeUehri I Konzertsaal „Post“ I., Fleischmarkt 24. Samsiair. den 13. Mai, halb 9 Uhr abends EINZIGES KONZERT LSegalRoienbiseh Tenor »Misiataral Hoareix« (Palästina Liedei), anschließend Ostjüdische Lieder und Volkslieder (bebr. u. jiddisoh). Am Flügel Rudolf BECK Karten von 8 -*80 bfa 8 860 bei Ratb II„ Taborstraße 80a, Keren Kajemetb l’jIsrael I., Klirntnerstraße 2H. Ein teil des ReinerlrÄfcnisses zu Gunsten des Keren Knjemoth l’Jisrael HOTEL CENTRAL CAIRO (Aegypten) Opernplatz Einziges zionistisches Restaurant Fließendes Kalt- und Warmwasser in allen Zimmern MT* Billige Preise Verein xur Förderung indischer Musik — Wiener Jüdischer Gesangverein KonzertJiidisiherMusik Mittwoch, den 10. Mai 1933, halb 8 Uhr abends im kleinen Musikvereinssaal Uraufführungen, Erstaufführungen u. a. Ausführende: Emmy Hauser, Schoulamit Silber. Robert Spitz, Doktor Lewitus, Lichtmann, Scherf und der Wiener jüdische Gesangverein unter Leitung seines Chormeisters J. Brandmann ETZlBfeUBI taubstummer ORterrlChl Kinder bei bester isr. Familie durch langjährig erfahrene Speziallehrkraft Anfragen an H. Mosor, Wien, XVIII., Witthauergasse Nr. 33 Traaelimd propagiert das gemeinsame zionistische Efkemrangszeicnen dl« Mail-weis« Stafcudd (Vertrieb: Keiea Kajemelh) i