Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 278 (5.5.1933)
- Date
- 1933-05-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054033--3496-3059017- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fette* DIE STIMME iff. m - t. Mär im Kinder von Ostjoden «ns allen fcdheren Scholen ln Deutschland «osgesehlossen DeHhi. Wie die «B. Z. am Mittag» mitteilt» tollen künftighin im Sinne dei vom Reichskabinett am 28. April beeehlossentn Gesetze* gegen die UeberfOMung und Ueberfremdung der höheren Schulen Kinder von Juden, die nach dem 1. August 1914 aus dem Osten eingewandert sind, von allen höheren Schulen und Hochschulen ausgeschlossen bleiben. Für die Aufnahme von Ausländern gelten weiter die Verpflichtungen, die Deutschland aus internationalen Staat? Verträgen obliegen. Hier dürfte der Gedanke der Gegenseitigkeit allgemein richtunggebend sein. Selbstmord Prof« Hermann Jacobsohns BefHn, Der vor kurzem beurlaubte 53jährige Professor Hermann Jacobsohn, Ordinarius für indogermanische Sprachwissenschaft an der Universität Marburg, hat sich vor einen fahrenden Zug geworfen und wurde auf der Stelle getötet. Englische Gelehrte gegen die Entlassung Bernhard Zondeks London. 20 Professoren der Universitäten Oxford und Cambridge veröffentlichen in den «T i m e s» einen o f f e n e n B r i e f, in welchem sie unter Hinweis auf die in der ganzen Welt anerkannten Arbeiten des Berliner Oynäkologen Professor Dr. Bernhard Z o n d e k, durch die der Ruhm der deutschen Medizin gesteigert worden sei, gegen dieEnt- 1 a s s u n g des Gelehrten wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum Einspruch erheben. Lndendorff verlangt Ausschaltung des Christentums Münohen. Das in München erscheinende Blatt Ludendorffs «Volkswarte» begrüßt die von der Reichsregierung erlassenen Gesetze zur Einschränkung des jüdischen Einflusses im öffentlichen Leben, weist aber gleichzeitig die Reichsregierung darauf hin, daß «der Schlüssel zur Verjudung und Entwurzelung des deutschen Volkes im Alten Testament und dessen Ausfluß und Propagandalehre im Neuen Testament» liege, Die Zertrümmerung des marxistischen Geistes, wie sie vom Reichsminister Goering im Berliner Sportpalast verkündet wurde, genüge nicht, denn auch das Christentum sei dem jüdischen Geist entsprungen. An dieser Tatsache werde die Reichsregierung nicht vorbei können, wenn sie zur Vollendung der nationalen Revolution schreiten werde. Massenpetition amerikanischer Juden an die Regierung New York. In New York fand eine vom American Jewlsh Congress einberufene Konferenz statt, an der 1500 Delegierte von 600 jüdischen Organisationen teilnahmen. Es wurde beschlossen, eine Unterschriftensammlung für «ine der Regierung der Vereinigten Staaten und dem Völkerbund zu überreichende Massenpetition einzuleiten, in der die Regierung der Vereinigten Staaten resp, der Völkerbund aufgefordert werden, ihren Einfluß dahin geltend Die ersten, die den rosigen Schleier, der über Palästina hing, lüfteten, waren Achad-Haam und Brenner; der ein* tat e* in Begriffen, der andere in Bildern. Aber auch die Arbeitersiedlungen blieben seinen offenen Augen nicht verborgen. Der Mensch, der die brutale, rauhe palästinensische Natur zu bezwingen und umzugestalten imstande wäre, war noch nicht gekommen, Es waren bloß Idealisten reinsten Wassers, von unbeugsamem Willen, bestrebt, das eigene Leben umzugestalten. Was Wunder, daß er in ihnen seine Helden von jeher erkannte, die öfter die «innere Bilanz» zogen als den Spaten führten. Unter ihnen erscheint vor Brenners visionärem Blick ihr eigener Antipode. Im Laufe von mehreren Jahrzehnten, inmitten großen Gefahren und eines harten Lebens, begannen die Fluren Galiläas und Sainariens einen neuen, bis dahin unbekannten Typus hervorzubringen. Es war dies der bescheidene, stiUe Mensch, der seine große Aufgabe einfach und selbstverständlich erfüllt. Aeußerlich ist dieser neue Typus unscheinbar. Um so reicher ist er an innerem intensiven Leben. Er verrichtet Heldentaten mit vollster Selbstlosigkeit, ohne den geringsten Anschein von Pose. Er hat das Herz am rechten Fleck, Denn er ist der gute, ganz natürliche Erdenmensch, ein Stück Natur, wie die Biene und Ameise, die ihre Arbeit instinktiv leisten. Die schwersten Lebensprobleme werden beinahe reScktiv beantwortet, Der gepeinigte Josef-Chaim Brenner fühlte steh allezeit, in aä seinem Grübeln und Suchen, zum unmittelbaren, schlichten und unproblematischen Volksmenschen hingezogen. Chaim Heifetz ist einer, der nicht viel grübelt und schürft, Auf alles hat er seine einfache natürliche Antwort, die füns Leben vollkommen ausreicht. Ungleich größer ist sein Sohn Chanoch, der dem Tode mit derselben Selbstverständlichkeit entgegengeht, mit der er wüstes Und urbar macht. Er fällt für einen Streifen Boden, ein ItfidKhfft Natur« an skten vargnchobWE Postaa« D**- zu machen, daß den deutschen Juden Gerechtigkeit widerfahr«. Am 10. Mai, dem Tage, an dem in Deutschland Bücher Jüdischer Autoren verbrannt werden sollen, werden in allen amerikanischen Städten DemonstrationssQfe sh Protest gegen die kl Deutschland gegen die Juden ergriffenen Maßnahmen veranstaltet. Die Kldlaehen Sehaehmelster aua* geschaltet Das erste Sohachmeistertumier, das in Deutschland seit dem Amtsantritt der neuen Regierung durchgeführt wurde, wurde in den Ostertagen in Thum In Sachsen gespielt, Vor Beginn des Turniers wurden der 65jährige, um da* deutsche Schachleben hochverdiente Schachmeister Mieses und der tschechische Schachmeister Fajarowitsch sh Juden ersucht, von der Teilnahme zurückzutreten, mit dem Hinweh darauf, daß sie gefährdet wären, wenn sie ah Juden mitspielten. Damit begann die Ausschaltung der Juden auch aus dem deutschen Schachleben, um das sie sich seit Jahrzehnten die größten Verdienste erworben haben. Man braucht nur die Namen Lasker, Tarrasch, Erich Cohn, Mannheimer und andere mehr zu nennen, um zu erkennen, welchen Rang das deutsche Schachleben heute einnehmen würde, wenn diese Meister fehlten — ganz abgesehen von den zahllosen jüdischen Mitgliedern der Schachvereine, die sowohl in organisatorischer wie spielerischer Hinsicht vielfach den Rückhalt ihrer Organisationen bildeten. Der «Deutsche Schachbund» hat inzwischen folgende Bekanntmachung erlassen: «Wir geben hiedurch bekannt, daß unsere hochverehrten seitherigen Kollegen Im Bundesvorstand, der erste Vorsitzende, Herr Walter Robinow, und der zweite Vorsitzende, Herr Regierungspräsident Dr. Höhnen, mit denen wir so viele Jahre lang in einträchtiger Freundschaft gemeinsam für den deutschen Schachbund wirkten, sich zu unserem größten Bedauern veranlaßt gesehen haben, Ihre Aemter niederzulegen. Die Verdienste, welche sich däe Genannten in so hohem Maße um das deutsche Schachleben erworben haben und die unauslöschlich in den Annalen des deutschen Schachbundes verzeichnet stehen, werden noch an anderer Stelle die gebührende Würdigung finden. Wir bitten ferner unsere Mitglieder nfchtarischer Abstammung, sofern sie sich noch an leitenden Stellen befinden sollten, freiwillig zurückzutreten.» Juden, kaufet Palästina-Produkte bei lamuelHaipero Wien, II., Förstergasse 6, Tel, A-46-4-12 Jaffa-Orangen nur noch kurze Zeit. 1 kg S 1.— Jüdische Yolkspartei Gesterrslehs Dienstag, den 9. Mai, 8 Uhr abends, Cafe H’ctzingcrhof, XIII., Hietzinger Hauptstraße 22, Vortrag der Jüdischen Volkspartei über «Die Lage der Juden in Deutschland und Oesterreich». Referenten Dr. Oskar Grünbaum, Oberbaurat Robert Stricker. selbe Einfachheit, die ihn zeitlebens auszeichnete, verläßt ihn auch bei seinem Ende nicht. Und könnte man das letzte Wort, den letzten Atemzug dieses einfachen, unbekannten Soldaten auffangen, es würde gewiß lauten: «Nichts ist geschehen!» Chanodh Heifetz blieb nicht vergessen, Der Aufbau Palästinas, der früher bloß Sache der idealistisch-asketischen Spitzen der jüdischen Intelligenz gewesen war, wurde nun zur Volksbewegung. Brenner erkannte sofort den lebendigen Odem wahren Schaffens. Kopfüber stürzte er eich in die Bewegung, wandert von Gruppe zu Gruppe, überall tatkräftig eingreifend. Von schriftstellerischer Tätigkeit war keine Rede mehr. Es hieß, daß er den jungen Leuten Hebräischunterricht erteile, die Arbeiterorganisation schaffe. In Wirklichkeit aber war gerade er der Lernende. Er suchte bei den neuen Menschen Wärme und Frieden. Er wollte den Herzschlag der schaffenden Menschheit in ihnen erlauschen, die Akkorde der großen Weltsymphonie auffangen, das nie gesungene Lied des Chanoch Heifetz in ihnen erklingen lassen. Und er teilte auch mit letzterem das Schicksal, Er starb auf dem schmalen Streifen Landes, als er bereits Wurzel geschlagen und fast Knospen getrieben hätte. in der jüdischen Literatur bleibt seine Gestalt für alle Zeiten des wahrheitssuchenden Märtyrers, das ungeschminkt einfache Gewissen der Generation. Seine Gestalten sind zwar in Dunkelheit gehüllt, Jedoch keineswegs von Pessimismus und Verzweiflung beseelt. Schon sein Suchen setzt Glauben voraus. Sein Dunkel ist nicht hoffnungslose Nacht, sondern die Finsternis, unmittelbar vor dem Aufleuchten der Morgenröte. Alle die aus diesem Brunnen trinken, nehmen geläuterte, edelste Menschlichkeit in sich auf. Sein größtes Werk war sein eigene» Leben, geschrieben mit »einem HerabluL ätsche DIQDEIiEÜHEIIEII ISÄ SlIDI Wolle Samte QXOn. 188» TELi 91054 FRMZ nEUMAn. 1. COnGORDIAPL 9 Die Leistungen jüdischer Aerzte Der 45. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin fand dieser Tage in Wiesbaden statt. Der Vorsitzende Prof. Schittenheim (Kiel) wies darauf hin, daß vor dem Forum der Gesellschaft das Rassen- und erbbiologisch* Problem in Zukunft besondere Berücksichtigung erfahren müssen. Daher sollen auf der nächsten Tagung Referats über Eugenik und Vererbung steh mit diesen Fragen befassen. Bei aller Schärfe der Maßregeln zur Erhaltung der deutschen Rasse und Kultur müßten aber die Verdienste und Leistungen von Persönlichkeiten wie Ehrlich, Reißer, v. Wassermann, Minkowski und anderer stets unangetastet bleiben und volle Anerkennung finden. Es müsse dabei betont werden, daß für die Entwicklung dieser Männer das stete Zusammenleben mit der deutschen Rasse und die Einflüsse deutscher Lebens- und Denkungsart von erheblicher Bedeutung gewesen sein. Hohe wissenschaftliche Anszelch* mmg für Prof« Wlllstädter New York. Die Chikagoer Abteilung der American Chemical Society hat die Willard Gibbe-Medaille, eine der höchsten amerikanischen Auszeichnungen für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Chemie, für das Jahr 1933 dem Münchener Universitfltsprofessor Dr. Richard W i 11 s t ä d t e r, einem der jüdischen Nobelpreisträger Deutschlands, verliehen. Die Auszeichnung wird Prof. Willstädter am 13. September dieses Jahres anläßlich der gleichzeitig mit der großem Chikagoer Ausstellung stattfindenden 86. Jahresversammlung der American Chemical Society bei einem Festakt überreicht werden, dem hervorragende Wissenschaftler aus Europa und Amerika beiwohnen werden. Hilfsaktionen Hilfsaktion für Jüdische Studenten aus Deutschland in Belgien Antwerpen. Der Antwerpener jüdische Studentenverein «Heathid» hat eine Spezialkommission mit der Aufgabe eingesetzt, jüdischen Studenten aus Deutschland, die in Belgien ihre Studien fortsetzen wollen, bei den Einschreibungen an belgischen Hochschulen behilflich zu sein. Englisch-Jüdisches Komitee für wirtschaftliche und soziale Wohlfahrt der deutschen Juden London, ln London wurde ein Zentralkomitee geschaffen, dem die Leitung aller Maßnahmen im Interesse der wirtschaftlichen und sozialen Wohlfahrt der deutschen Juden obliegen soll. Dem Komitee gehören Oberrabbiner Dr. J. H, Hertz, Rechtsanwalt Lionel Cohen, Sir Robert Waley-Cohen, 0. E. d’Avigdor G o I d s m i d, Neville L a s k i, Simon Marks, Otto Schiff und Dr. Chaim W e i z m a n n an. Der Eintritt der Herren Anthony und Lionel de Rotschild in das Komitee erfolgte auf das an sie durch den Präsidenten des Board of Deputies Neville Laski und den Präsidenten der Anglo-Jewish Association Leonard Montefiore gerichtete schriftliche Ersuchen hin. Das Komitee hat einen vom Präsidenten der United Synagogue Lionel de Rotschild, vom Präsidenten des Jewlsh Board of Deputies Neville Laski und vom Präsidenten der Anglo-Jewish Association Leonard G. Montefiore Unterzeichneten Aufruf erlassen, in dem darauf hingewiesen wird, daß die großen Aufgaben des Augenblicks ein Zusammenwirken aller Kräfte des englischen Judentums erfordern. Ein Jude amerikanischer Gesandter ln Schweden New York. Präsident Roosevelt hat den hervorragenden New-Yorker Rechtsanwalt Laurence Steinhart, einen Juden, als Gesandten der Vereinigten Staaten In Schweden nominiert und diese Nominierung dem Senat zur Bestätigung unterbreitet. Sabbathruhegesetz ln New York New York. Der Senat von New York hat ein G esetz beschlossen, demzufolge denjenigen, die die Sabbathruhe beobachten, die Ausübung ihrer Beschäftigung an Sonntagen gestattet wird. Dasselbe Gesetz wurde auch vom Stadtrat von Aibany angenommen. Zimitttimäiäv arbeitet vorzüglich und spottbillig in i,d.mmiirner. huil lesseio.»