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Die Stimme · 1933-05-05 · Heft 278 (5.5.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 278 (5.5.1933)
Date
1933-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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SW«f* DTE STIMME Nr. 278 — 5. Maf 1033 deutsche Judentum, sondern auch für die Juden in der Welt außerhalb Deutsehlands. Jeder Mensch — sagt Goethe an irgendeiner Stelle Hl bezug auf Volks- und Glaubensgemeinschaft — jeder muß dort ausharren, wo Hin das Schicksal hingestellt hat, und charaktervolle Juden, die mit ihrem Judentume innerlich aerfallen sind, verschmähen die Flucht aus der Judennot, weil sie es — wie ein deutscher Dichter jüdischen Stammes gesagt hat — für unanständig halten, selber im behaglichen Schatten des Baumes zu ruhen, während die anderen schweißbedeckt die staubige Straße ziehen. III. Es wird aber einer kommen und sagen: Gut. Ich bin als Jude für diese Welt schon verloren. Für mich hat das Kainzeichen nicht die biblische Bedeutung eines göttlichen Schutzzeichens. Ich werde als Jude leiden so lange ich lebe. Ich werde leiden, meine Kinder werden leiden und es werden auch leiden die Kinder meiner Kinder, — meine Enkel. Aber wenn Ich nun die Taufe nehme, werden wenigstens meine Urenkel als Christen der vierten Generation im Sinne der hitleristischen Gesetze des Dritten Reiches von dem auf dem Judentume lastenden Fluche endgültig erlöst sein. Diese zarte Rücksicht auf die Nachkommenschaft war nämlich der bekannte Vorwand jener jüdischen Täuflinge, die die Taufe nahmen, damit ihre Kinder es besser haben. Angesichts der bis auf die Großeltern sich erstreckenden hitlerischen Blutprobe hat sich das Taufmotiv der Liebe zu den Kindern ad absurdum geführt. Prag. In der am 27. April abgehaltenen Sitzung des tschechoslowakischen Abgeordnetenhauses beleuchtete der Abgeordnete der Jüdischen Partei Doktor Angelo Go Id st ein In einer großangelegten Rede die gegenwärtige Lage der Juden in Deutschland. Er wies darauf hin, daß durch die Hlnausdrängung der jüdischen Aerzte, Rechtsanwälte, Beamten und Angestellten aus öffentlichen und privaten Diensten ein neues Reservoir paupcrisierter undproletarlsierter Massen entstehe, die nach Hunderttausenden zählen. An einen Wiederaufstieg dieser deklassierten Elemente in die Reihen der vollberechtigten produzierenden Stände nach Ablauf einer bestimmten Frist sei auf Grund der getroffenen Bestimmungen nicht zu denken, vielmehr toll die Proletarisierung der betroffenen Kreise einen In der <Chemnltzer Allgemeinen Zeitung* lesen wir folgenden Erlaß, der den Jaden verbietet, die Stadt Chemnitz Im Auto zu verlassen: *AUe Kraftwagenbesitzer jüdischen Glaubens werden hiemit aufgefordert, die in ihrem Besitz befindlichen Auslands-Tripticks, Carnets a passages und kleine Grenzpassierscheine unverzüglich, spätestens bis Montag, 18 Uhr, im Dienstzimmer der Oberstaffel, Adolf-Hitler-Platz 4, Etg. 3, abzuliefern. Niehtbefolgen dieser Bestimmungen zieht sofortige Verhaftung sowie Enteignung des Fahrzeuges nach sich. Nach Erscheinen dieser Verfügung sind außerdem für jüdische Personen keinerlei Ausreisen aus Chemnitz mit Kraftwagen mehr gestattet. Bei Zuwiderhandlungen kommen strengste Strafen zur Anwendung.» Viele deutsche Firmen rühmen sich, daß sie tjudenrein» seien, wie die nachfolgende Erklärung der Gleiwitzer Zweigniederlassung der *DEFAKA> zeigt: *Dle seit Wochen angestrebte Lösung der DEFAKA, Deutsches Famillen-Kaufhaus 0. m. b. H., Berlin N 54, Rosenthater Straße 40(41, hat gestern unter Mitwirkung der Pg. Herrn Justizrat Dr. Luetgebrune und Herrn Dr. Max Blunck, Hamburg, zu dem Ziele geführt, daß die DEFAKA, Deutsches Familien-Kaufhaus, ihre seitherigen Beziehungen zur Köster-AG. mit sofortiger Wirkung gelöst und sich dadurch von Jüdischen Einflüssen völlig freigemacht hat. Auch in ihrem rund 4000 Köpfe umfassenden Personalstand ist die DEFAKA judenfrei. Die Häuser der DEFAKA gehören also zu den Betrieben, auf die die seitens der Reichsleitung der NSDAP bekanntgegebenen Boykottmaßnahmen keine Anwendung finden, vielmehr steht jedem Pg.-Beamten frei, seinen Bedarf nach wie vor bei der DEFAKA einzudecken. Stampiglie. Preuß.Ministerium des Innern ges. Dr. Luetgebrune Sonnenfeld Oberregierungsrat. Pressestimmen über Deutschland In *N ew s Chronik» schreibt Sir Walter Lay ton: eWcnn die antijüdischen grausamen Maßnahmen fortdauern, wird eine tiefgehende Indignation nicht nur im Auslände, sondern auch in Deutschland selbst unvermeidlich sein. Während meines Besuches in Deutschland fand ich Taufe meinen Urenkeln zuliebe, so ist das schlecht oder dumm oder gar beides. Denn entweder ist diese Begründung nur ein Vorwand, um die Bereitschaft zur Fahnenflucht irgendwie ethisch zu motivieren oder aber ist sie so töricht, daß man an dem gesunden Verstände des Fahnenflüchtigen zweifeln muß. Familienliebe erstreckt sich im allgemeinen auf die Eltern und Großeltern und schon gar nicht auf jene Urgroßeltern, die man überhaupt nicht oder nur in der Kindheitserinnerung behalten hat. Eltern lieben ihre Kinder und auch die Kinder der Kinder, aber für Urenkel und schon gar für solche, die noch gar nicht geboren sind, hat man wenig Übrig und — die Taufe zu nehmen, damit der noch nicht geborene Urenkel es als Christ in der vierten Generation besser habe, und sich am Ende gar des Urgroßvaters schäme, weil dieser ein Jude gewesen ist, — also die Taufe zu nehmen, einem Nachkommen zuliebe, der seine Urväter verleugnet und von ihnen nichts wissen will, ist der Gipfel der Dummheit. *** Der Jude aber, der ein Gefühl für Würde hat, empfindet tief in seiner Seele seine Verbundenheit mit dem Schicksal des jüdischen Volkes, und der Jude, der die außerordentliche Geschichte und den Ideengehalt des Judentums kennt, wird sein Jude-Sein keineswegs als eine Last und ein Unglück empfinden, mögen auch alle Mächte der Hölle gegen ihn losgelassen werden. In diesen Zelten jüdischer Not wollen wir unsere Seelen aufrichten an dem, was uns die Kraft gab, die Leiden von Jahrtausenden zu überdauern. Dr. Mayer-Ebner. «character indelebilis» tragen, der aus diesen Menschen Parias für die Ewigkeit macht. Niemand könne Voraussagen, wohin diese Entwicklung führen werde. Die Weltmüsse sich die Fragevorlegen, was mit den Hunderttausenden dieser Menschen geschehen solle. Eine Lösung wäre vielleicht Im Rahmen desVölkerbundes zu versuchen, etwa in der Weise, wje der Völkerbund die Repatriierung der griechischen Flüchtlinge aus. Kleinaslen mit H i 1 f e e 1 n e r A n | e 1 h e sowie seine Aktion zugunsten der armenischen Deportierten durchgeführt habe. Es wäre ferner zu erwägen, ob diese Frage nicht auch Gegenstand der Verhandlungen auf der in Vorbereitung befindlichen Weltwlrtschaftskbnfer e n z sein könnte. außer bei den Nationalsozialisten niemanden, der mit der wirtschaftlichen Vernichtung der Juden einverstanden gewesen wäre. Die Arbeiterklasse in Deutschland ist nicht antisemitisch. Der Boykott war'nicht populär.» In cSunäay Referee» schreibt Bertrand Russell: <Deutschland richtet sich zugrunde, sowohl kulturell als finanziell. Die Nazi denken nicht daran, daß die Männer von großem Ruf, die heute Deutschland verlassen und ihr Staatsbürger recht auf geben müssen, die übrige Welt durch Ihr Wissen bereichern werden. So war es auch nach dem Fall Konstantinopels im 15. Jahrhundert. Der allein verlierende Teil wird Deutschland sein.» *The Manchester Guardian» schreibt: «Die Juden in Deutschland sind schuldlose Sündenböcke, Die einzige wirksame Maßnahme kann nur die sein, daß die ganze Welt sich zusammenschließt, um dem Antisemitismus der Nazi den tiefsten Abscheu zu bekunden. Dann wird auch die deutsche Regierung gewahr werden, was sie wird büßen müssen.» Lloyd George Uber die deutsche Judeupolitlk Eine Rede ln der Bibelgesellschaft In einer Versammlung der Bibelgesellschaft in Godal* ming hielt Lloyd George, der den Vorsitz führte, eine Rede über die Judenfrage in Deutschland. «Die Bibel», führte er aus, «enthält all das, was nötig ist, um die Menschheit zu retten und zu hellen. Ich fühle tiefe Dankbarkeit für die begabte Rasse, die der Vermittler dieses Buches für die Welt geworden ist. Im gegenwärtigen Augenblick erleidet sie eine niedrige Verfolgung in einem der größten Länder der Christenheit. Diese Verfolgung hat ihre Wurzeln in einem erniedrigenden Neid. Wie in jedem Lande, haben auch ip Deutschland Juden hohe Stellungen erreicht, nicht weil sie Juden waren, sondern weil sie Männer waren von großen geistigen Fähigkeiten und viele von ihnen als Männer von glänzendem Genie. Fvicdmaitits Glück Ist kolossal! Am 16. Mal beginnt die Ziehung enter Klasse der 29. österreichischen Klassenlotterie Bestellen Sie ihre Lose noch heute bei ludwio Friedmann Wien. L. Salzaries 12 Losprehe pw Klasse: ’/. 6 S, ’/ 12 S, •/, 24 S, </. « S In der letzten Lotterie wurde bei Friedmann der Haupttreffer der 2. Klasse S 60.000.-* nebst anderen vielen großen Treffern gezogen Be! jeder Ziehung sieht man es spielt sich gut bei Friedmann! Eine katholische Stimme zur Juden* frage Pfarrer Alois Eckert stellt in einem Aufsatz in der «Sächsischen Zeitung» Nr. 81 eine, wie er betont, unpolitische Betrachtung zu den Grundlagen des neuen politischen Lebens an. Vom Standpunkte der christlichen Ethik aua und «um des Wohles unseres Volkes willen» äußert er sich folgendermaßen zur Judenfrage» «... Die Lösung der Judenfrage, wie sie heute versucht wird, halten wir vor unserem christlichen Wissen nicht für richtig und nicht für gerecht, weder in ihrer Methode, noch in ihrer sittlichen Haltung. Die Lösung der deutschen Judenfrage kann nicht von der Rasse' her gesucht und gefunden werden. Kein Mensch darf einfach wegen seine* Rasse minderen Rechtes sein und wegen seiner Zugehörigkeit zu einer Rasse diffamiert werden. ' Nach der Lehre des Christentums ist diese Zugehörigkeit zu einer Rasse eine göttliche Gegebenheit, die der betreffende Menscli gehorsam und dankbar anzunehmen und die der Mensch der anderen Rasse gehorsam und ehrfurchtsvoll zu respektieren hat. Auch für den menschlichen, nicht nur christlichen Wert eines Menschen gilt das Wort des Paulus: «Da heißt es nicht mehr Heide. oder Jude, Beschnittener oder Unbesqhnittener, Barbar und Szythe», Das Ist christliche Ethik. Eine nur von der Rasse her begründete menschliche Wertdiffirenz kennt sie nicht. Darum lehnt sie es ab, in unchristlicber und ungerechter Vereinfachung des deutschen Judenproblems zu sagen: Sie sind Juden, also sind sic Schädlinge am deutschen Volkskörper, also müssen.sie eliminiert oder , in Judenghetto zurückgedrängt werden. Jude ist nicht gleich Jude, so wenig wie Deutscher, gleich. Deutscher und Slawe gleich Slawe ist,. Eß .gibt ln jeder Rasse Gute und Schlechte. Wenn: die Verantwortlichen für die Kulturschäden unseres Volkes gesucht werden sollen, - dann muß das mit anderen Methoden geschehen. Im Namen der christlichen Gerechtigkeit.. > Ein Aufruf schwedischer Promi* nenter Die schwedische Presse veröffentlicht einen Aufruf gegen den Antisemitismus, der von mehr als fünfzig hervorragenden schwedischen Persönlichkeiten, darunter besonders von zahlreichen protestantischen Geistlichen unterzeichnet Ist Unter den Unterzeichnern befinden sich der Pastor Primarius Nils W i d n e r sowie die Witwe des Erzbischofs Soederblom. Dr« Luther und die amerikanische Akademie der politischen Wissen* schäften Washington. (E. D.) Der neue deutsche Botschafter Dr. Luther hat an die amerikanische Akademie der politischen Wissenschaften eine Zuschrift über Deutschlands Bereitschaft zur internationalen Mitarbeit gerichtet. Bei der Verlesung der Zuschrift in der Akademie wurde die Bemerkung, daß Deutschland sich durch die nationalsozialistische Bewegung um die Rettung der Welt von dem Kommunismus verdient gemacht habe, mit lauten Kundgebungen des Mißfallens aufgenommen, ein in den Sitzungen der Akademie beispielloser Vorgang. Ein Bischof verteidigt die Jaden Am gleichen Tage, als Minister Göring in Rom vom Papst empfangen wurde, rief eine Pariser Zeitung ln« Gedächtnis zurück, daß ea auch schon in Frankreich eine antisemitische Bewegung zur Zeit des Dreyfus-Prozeases gegeben habe. Aber dieser Kampf wäre in Frankreich nicht mit einer solchen Heftigkeit wie ui Deutschland entfesselt worden. Die Drohungen richteten sich damals auch gegen die in Lothringen wohnhaften Israeliten. Dabei verkündete Bischof Turlnaz von Nancy: «Wer irgendeinen Israeliten meiner Diözese am Leben oder am Vermögen bedroht, gibt die Ehre des Bischofs von Nancy preis, der bischöfliche Krummstab in meiner Hand wird sidbi für ihre Verteidigung erheben«. Wenn nun ein Jude käme und sagte: Ich nehme die Die Pauperislerung der JQdischen Massen In Deutschland Rede des Abgeordneten Goldstein im tschechischen Parlement KutiuvdoUumenie ausDeuischiand Hel amiicn des JiUTEHTABES ’Bamiie durch den Heren Haiemeirn

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