Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 277 (27.4.1933)
- Date
- 1933-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. m — tt. April 1933 , JIB STIMME Mt f ] ^““ I cU> US****? I PaMsNM-Brief WM mseram Spnialhorrnwiiinifn Tel-Awlw, im April. Bi« auf das letzte Plätzchen besetzte Schiffe bringen Ströme von Touristen ins Land. Für uns Palästinenser ist es grotesk, wenn wir sehen, mit welchem Mißtrauen viele Touristen ins Land kommen. Sie sind skeptisch, sie wollen Sich erst davon überzeugen, ob Palästina wirklich Wirtschaft« lieh blüht. Nach einigen Tagen sind sie bekehrt und belehrt. Viele von ihnen bedauern, daß sie sich nicht rechtzeitig Boden in Erez gesichert haben. Die Bodenpreise in Tel-Awlw sind außerordentlich hoch. Die Jewish Agency geht daher daran, eine neue Stadt zu gründen. Nach einem von Dr. Maurice B. Hexter, dem Leiter der Kolonisationsabteilung der Exekutive der Jewish Agency, tusgearbeiteten Plan soll die jüdische Siedlung Naliaial im Emek noch im Laufe dieses Sommers 2u einer modernen Stadt ausgebaut werden, Zunächst sollen 40 Familien, die seit der Gründung der Kolonie in Holzbaracken wohnten, in neu zu errichtenden Einfamilienhäusern untergebracht werden. Die Häuser werden aus Beton in durchaus neuzeitlicher Architektur hergesteltt. Die Kosten der Errichtung eines Hauses betragen 200 Pfund. Die Siedler haben bloß eine Anzahlung von 25 Pfund zti leisten, der Best soll in Jahresraten abgezahlt werden. Auch die landwirtschaftliche Kolonisation macht Fort*- schritte. Der Kolonisationsabteilung der Jewish Agency ist es In diesem Jahre gelungen, die Mehrzahl der Kwuzoth und Moschawoth Im Emek selbsterhattend zu machen, so daß die diesen Siedlungen bisher von der Exekutive gewährten Zuschüsse eingestellt werden können. Die Prosperität der meisten Kwuzoth und damit ihre Unabhängigkeit von jeder Unterstützung durch nationale Fonds ist vor allem auf die mit Hilfe der Kolonisationsabteilung der Jewish ' Agency; durchgeführte Intensivierung der Betriebe, insbesondere durch Ausbau der Milchwirtschaft und Einrichtung von mit Brotmaschinen neuesten Typs aüsgestatteten Geflügelfarmen, zurückzuführen. Gegenwärtig ist fast jede Kwuzah im Emek bereit, neue Siedler im Verhältnis von 30 Prozent zur Zahl der bisherifeeft Mitglieder aufZünehmert 7 UHd ‘ihnen Volle Gleichberechtigung und Beteiligung an allen Einrichtungen der Kwuzah zu gewähren* Aehnlich ist die Lage in den auf dem Grundsatz individueller Kolonisation aufgebauten Mo« Schawoth. Zahlreiche Moschawoth im Emek bestürmen die Kolonisationsabteilung der Agency mit Bitten, neue jüdische Kolonisten in ihre Siedlungen zu senden und versprechen, den Neuankömmlingen jede Unterstützung für die erste Zeit Ihrer Niederlassung und Einrichtung zu gewähren. Der Aufschwung des Emek ist zu einem bedeutenden Teil des ebenfalls unter Dr. Hexter« Leitung stehenden Emergency Fund zu verdanken. Mit Hilfe dieses Fonds wurde durch Schaffung von Straßen- und Telephonverbindungeh zwischen allen Kolonien der gesamte Emek zu einem kompakten jüdischen Gebiet zusammengeschlossen. Auch zahlreiche öffentliche Gebäude wurden aus den Mitteln des Emergency Fund errichtet, insbesondere Schulen und Klubhäuser, die durchwegs mit Radioanlagen ausgestattet sind. Die Wahrheit Uber Transjordanlen Mit großer Spannung sieht der Jischuw der weiteren Entwicklung der transjordanischen Frage entgegen. DieVer-f handlungen gehen, wie man hört, auf. das Jahr 1932 zurück.!m November 1032 kam oi-ri arabischer Scheich im Auftrag, des Emir Abdallah in Jerusalem zu Farbstein, um ihm mitzuteilen, daß der Emir einen Bodenkomplex von 70.000 Diinam an die Juden zu verpachten wünsche. Er bat ihn, den Politikern davon nichts zu erzählen, sondern den Plan nur von. der wirtschaftlichen Seite her zu betrachten. FarbateJn war zuerst skeptisch. Im Einverständnis des Unterhändlers wurde Neumann, der Vertreter der amerikanischen Zionisten, zugezogen. Der Bodenfachmann Smilansky wurde benachrichtigt, und alle drei fuhren zur Besichtigung des Bodens nach Transjordanien. Smilansky erklärte den Boden als brauchbar. In dieser Zeit traf Sokolow, der Präsident der Zionisten und der Agency, in Jerusalem ein. Im Hotel King David fand hierauf eine Sitzung der Exekutive statt. Arlosoroff und die drei nichtzionistischen Mitglieder der Agency haben sich gegen die weitere Verfolgung des Planes ausgesprochen, der erstere besonders aus politischen Gründen. Sokolow war jedoch dafür, weil er für die Politik verantwortlich sei, und so kam es zu einem ersten Rendezvous mit dem Emir, bei dem auch noch drei jüdische Advokaten anwesend waren. Plc Verhandlungen wurden bis zum 3. Jänner geheim geführt. Uasischkin griff ein, ebenso Novomeisky, der Leiter der. Potash Co. am Toten Meere. Am 5. Jänner wurde der Vertrag im Hause des Emir unterschrieben. Dieser hielt dabei eine herzliche Ansprache und betonte die Wichtigkeit der Freundschaft beider Völker. Die Anzahlung auf die Option wurde teilweise durch den Nationalfonde und teilweise durch die Agency geleistet. Die friedlichen Beziehungen haben sich inzwischen noch verbessert. In Transjordanien wurde das ftattentrsgen verboten! damit bAbcn. fbe palä#tmenMehfn (Araber keine Gelegenheit mehr, sich weiterhin Waffen zu verschaffen. In der letzten Zeit hat das transjordanische Parlament eilt Bodenverkaufsverbot abgelehnt. Der Plan der jüdischen Kolonisation nimmt heute bereits greifbare Formen an. Ist einmal eine ruhige Atmosphäre geschaffen und dis Besetzung des Bodens erfolgt, dann werden auch die hohen Bodenpreise in Palästina zurückgehen und genügend Boden zur Verfügung stehen, um chaluzische und privatwirtschaftliche Siedlungen anzulegen. Dazu gehören aber neben Plänen, Debatten und Resolution auch materielle Leistungen der Oaluth. Den Fontb wird eine ungeheure Aufgabe bevorstehen. Interessante VolkszähJangsstatistik Der Bericht Uber di« im Jahre 1931 durchgeführte amtliche Volkszählung in Palästina sagt auf Grund der bisherigen Bevölkerungsentwicklung die Schaffung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina im Verlauf von Das Interesse für Erez Israel und die Nachfrage nach Informationen jeder Art sind In ungewöhnlicher Weise angewachsen. Wir halten es für richtig, einige Grw.dbestimmungen der Osffentlichkeit zu übermitteln. Bestimmung«! für die Erteilung der Einreise-Erlaubnis nach Palästina Kat A. Personen mit eigenem Vermögen. 1. Personen, die über ein Kapital von nicht weniger ’ als iOOO Pf. verfügen. Wenn eie beabsichtigen, sich in der Landwirtschaft zu betätigen, so kann dieser Betrag den Wert des Bodens, Geräte und Invehtar oder ein Vorschuß für eine bestimmte Zeit Zur Verfügung gestellt werden. Wenn der betreffende Immigrant sich in der Industrie betätigen wiil, so kann das nachzuweisende Kapital den Wert des Grundstückes für ein industrielles Unternehmen und den. Wert der Maschinen ainschließen. Das Gleiche; gilt, wenn solche Werte und Vorschüsse für eine bestimmte Zeit von einer Gesellschaft zur Verfügung gestellt wurden, die von der Regierung als Institution zur Unterstützung industrieller Unternehmungen anerkannt wird. Der Betrag Von 1000 Pf. kann auf 500 Pf. ermäßigt werden, wenn das Immigrations-Departement der Palästina-Regierung sich davon überzeugt hat, daß der Antragsteller mit dem ihm zur Verfügung stehenden Kapital •ich eine Existenz in Palästina ln einem für das Land nötigen und erwünschten Berufe errichten kann. 2. Angehörige freier Berufe, die frei und ohne zeitliche Einschränkung Uber ein Kapital von nicht weniger als 500 Pf. verfügen können, vorausgesetzt, daß das Immigrations- Departement der Palästina-Regierung davon überzeugt ist, daß in Palästina Bedarf für weitere Vertreter dieses Faches vorhanden ist. .. 3. Personen, die in bestimmten Oewerbezweigen oder einem Handwerk ausgebildet sind und frei und ohne zeitliche Beschränkung Uber ein Kapital von nicht weniger als 250 Pf. verfügen, vorausgesetzt, daß die ökonomische Aufnahmefähigkeit des Landes die Aufnahme soloher Einwanderer Innerhalb, ihres Berufes gestattet. In allen vorstehenden Fällen ist der Nachweis zu erbringen, daß das ln Frage kommende Kapital In Palästina dem Antragsteller frei zur. Verfügung steht. «. Personen, die ein gesichertes Einkommen von nicht weniger als 4 Pf. monatlich außer ihrem Arbeitseinkommen beziehen. Der Nachweis kann durch geeignete Garantie- Dokumente erbracht werden. Kat. B. Personen, deren Unterhalt in Palästina durch Außenstehende gesichert ist, insbesondere Waisenkinder, die in öffentlichen Instituten erzogen werden, religiöse Funktionäre, Studenten, usw. Kat, C. Personen, die eine definitive Aussicht auf Beschäftigung in Palästina haben. Hierzu gehören vor allem die Einwanderungszertifikate für Chaluzim ZlODl8lUCH8B0ZlrH888HllODl0OPOlÜ8taÜi,CIUD„EröM6P3er‘ Wien, II., Praterstr. 13, Mezz. (Lloyd-Hof), Tel. R 44-3-45 errichtet in ihren Räumen einen Abend-Schnellkurs für Hebräischsprechen (auch für Anfäpger) Kursdauer; von Mai bis Ende Juni 1933 Unterrichtszeit: jeden Donnerstag 9 bis 10 Uhr abends und jeden Samat.ag7bi»9Uhrabends Beginn: Donnerstag, 4. Mai 1933, 9 Uhr abends Kursleiter: Lehrer J. Herzberg - Anmeldungen im Sekretariat 25 Jahren voraus. In dem Bericht wird festgestellt, daß sich die Zahl der jüdiscehn Bevölkerung Palästinas im Verlaufe von je 9, die der arabischen Bevölkerung Im Verlauf« von je 28 Jahren verdoppelt. Demnach sei zu erwarten, daß die im Jahre 1931 175.000 Seelen umfassende jüdische Bevölkerung im Jahre 1940 auf 350.000, 1§49 auf 700.000 und 1958 auf 1,400.000 Seelen angewachsen sein wird, während die arabische Bevölkerung in demselben Jahre nicht ganz 1,200.000 Seelen ausmachen wird. Die Tabellen sind auf der natürlichen Bevölkerungsvermehrung und der gegenwärtigen Einwanderungsquote aufgebaut. Das Ergebnis der Volkszählung stellt weiter fest, daß gegenwärtig 37 verschiedene Arten von Juden in Palästina wohnen. Im Monat Februar sind allein 1581 Juden zum ständigen Aufenthalt in Palästina eingetroffen. In den letzten Tagen kamen zahlreiche Juden aus Deutschland. Die Exekutive hat, wie gerüchtweise verlautet, von der Regierung 15.000 Zertifikate verlangt. und C h a 1 u z o th, die die Exekutive der Jewish Agency zur Verfügung erhält. Im allgemeinen versteht manunter einem Chaluz einen jungen, gesunden Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren, der sowohl eine zionistische, wie auch eine gewerbliche, praktische Fachausbildung (Hachscharah) erfahren hat und der auch bereit ist, jede andere Arbeit in Palästina nach Notwendigkeit vorübergehend anzunehmen. Kat. D. Angehörige von Ständig in Palästina lebenden Einwohnern, Verwandte von Einwohnern der oben genannten Kategorien, insbesondere Eltern und Ehefrauen. ExistenzmöglicJdtelten ln Palästina A. Freie Berufe Die Berufe der Aerzte, Anwälte,-Apotheker, Chemiker, Ingenieure, Lehrer usw. sind im allgemeinen überfüllt. Nur Spezialisten mit ungewöhnlichen Qualitäten haben noch größere Chancen, insbesondere, wenn sfe über genügend Kapital verfügen, um Privat-Kltoiken, Laboratorien usw. einzurichten. Von Nutzen sind die persönlichen Beziehungen, die die Akademie hersteilen, bevor sie in« Land gehen. Hieraus geht hervor, daß Angehörige der akademischen Berufe damit rechnen müssen, in andere Berufe, gegebenenfalls zur körperlichen Arbeit, Überzugehen, oder daß sie Über wenigstens 1000 Pf. verfügen müssen, um ein wandern und sich niederlassen zu können. B. Kapitalisten Personen mit einem Kapital von mindesten« 100fr Pf. haben schöne Aussichten sowohl ln der Stadt (Häusert?au, Industrie), wie auch auf dem flachen Lande (speziell Orangenbau). Zur Beratung von Interessenten kann u. a. ein Gutachten des bekannten palästinischen Sachverständigen Mosche Smilansky Uber Orangenbau und die deutsche Uebersetzung des palästinensischen Zolltarifs (gegen Voreinsendung von Fr. 1.—) zur Verfügung gestellt werden. Ferner sind alle weiteren Informationen, — speziell auch die Beschaffung von Material für Wirtschaftsauskünfte, —.beim C. C. des Zionistenverbandes einzuholen. Rückporto erwünscht. C. Arbeiter und Handwerker . in Erez Israel, wo die Wirtschaft im Aufbau begriffen Ist, bestehen besonders große Möglichkeiten für Arbeiter aus allen Zweigen des Baugewerbes, der Landwirtschaft und der Industrie, Maurer, Maler, Gipser, Spengler, Tapezierer, Schlosser, Steinhauer, Maschinisten, Eisenbetonarbeiten, Drucker, Schneider, Schuhmacher, Bäcker, Qlaser, Tischler finden sofort Beschäftigung. Dagegen besteht heute fast gar keine Möglichkeit, als Kaufmann ohne Mittel oder als kaufmännischer Angestellter unterzukommen. Die großen Möglichkeiten Palästinas liegen nicht im Zwischenhandel, sondern in der manuellen Facharbeit. Wir empfehlen dringend, jedem jungen Menschen, der ein Zertifikat ata Chaluz bekommen will, eine berufliche Vorbereitung durchzumachen, sowie die hebräische Sprache zu erlernen. Die Lebenshaltungskosten in Erez-Israd 1. Man kann damit rechnen, daß eine einzelne Person mit einem Existenz-Minimum von 8 Pf. monatlich auskommt, eine Familie von zwei Personen braucht rund 15 Pf. monatlich, eine Familie von Yier Personen braucht rund 20 Pf. monatlich. 2. Die Mietpreise betragen im Durchschnitt 3 Pt. pro Leerzimmer, in Tel-Awiw steigen die Mietne, obwohl dort viel gebaut wird. 3. Möbel sind ln Palästina einfacher und billiger als in der Schweiz- Im allgemeinen kann man jedoch für Qtbrauchsgegenstände mit denselben Preisen wie ln Europa rechnen* mmmummiWMWMmamwmmmmmmmi ■ ■■ i.ii Einreisebestimmungen und Existenzmöglichkelten in Irez-Israel