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Die Stimme · 1933-04-27 · Heft 277 (27.4.1933) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 277 (27.4.1933)
Date
1933-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife 6 DIE STIMME Nr. 277 — 27. Af>rH 1933 den Umstand des Nichterkennens durch die Mutter keine weitere Bedeutung beimaß. Hingegen wird dieses standhafte Nichterkennen durch die eigene Mutter die Hauptstütze des von wildem Judenhaß und ehrgeizigem Machtwillen erfüllten Untersuchungsrichters Bary. Er findet für seine teuflischen Pläne in den Provinz-Sachverständigen, deren Gutachten eher für die «Meggendorfer Blätter» gepaßt hätten, Helfershelfer und stellt als das endgültige Fazit der durch ihn eingeleiteten Obduktionen und Agnoszierungen fest: Die aufgefundene Leiche sei zwar nicht Esther, allein die Kleider, in denen sie gehüllt war, Stammen von ihr. Und weiters: Der Leichenfund sei nichts anderes als der Versuch der der Tötung Esthers verdächtigten Juden durch Unterschiebung einer fremden Leiche, den Verdacht von sich abzulenken und so das Gericht irrezuführen. Und schon hat der famose Untersuchungsrichter «Beweise» dafür, daß die Juden ihrem ersten Verbrechen ein neues, gräßlicheres hinzugefügt, daß sie das Verbrechen des Leichenschmtiggels begangen haben. Die Identifizierung der aus dem Czonkaflusse gezogenen Leiche mit der Esthers hätte natürlich die s o f o r t i g e Einstellung jeglichen Verfahrens und aller Untersuchungen gtgen die Tisza-Eszlaer Tempeldiener und Schächter zur Folge haben müssen. Dies hätte freilich die ganze infame Intrige jener Rädelsführer, die hinter den Kulissen alle Fäden der Voruntersuchung in ihrer blutrünstigen Hand zusammenhielten, bloßgelegt, ja, das Unschuldig der Juden hätte ihr Schuldig be deutet und s i e auf die Anklagebank gesetzt Dies mußte verhindert werden. So wird einfach den angeklagten Juden der wahrhaft infernalische Plan unterschoben, sie hätten sich aus dem Spital eine fremde Leiche verschafft, sie in ein von Frau Solymosy durch einen Trick herausgelocktes Kleid der verschwundenen Esther gehüllt, in die Theiß geworfen und von ruthenischen Flößern bis unterhalb von Tisza Eszlar in den Czonkafluß hineinschwemmen lassen, um dadurch zu beweisen, daß Esther nicht auf die Weise ihres jungen Lebens beraubt wurde, wie es der vierzehnjährige Moritz Scharf behauptet hatte... Und ähnlich wie bei Hilsner, da, noch ehe ihm der erste Mord nachgewiesen, schon die Anklage eines zweiten Verbrechens auf sein Haupt fällt, sind es auf einmal zwei Verbrechen geworden, deren die Tisza-Eszlarer Juden nun beschuldigt werden. Fünfzehn Juden stehen nun unter dem Beil einer grauenhaften Doppelankiage. Der Tisza-Eszlarer Ritualmordprozeß wird zu einem der aufregendsten Fälle in den Annalen der modernen Rechtspflege. Er bildet in der ganzen Welt den allgemeinen Gesprächsstoff. Er beherrscht die getarnte Presse jener Zeit. Es entwickelt sich umr ihn eine eigene Literatur. Dreizehn Monate Untersuchungshaft mußten die Beschuldigten erdulden, bis endlich im Sommer 1883 die Schlußverhandlung begann, die sechs Wochen lang die ganze Welt in atemloser Spannung hielt. (Schluß in der nächsten Nummer der «Stimme») Sondergerichtsurteile BerBn. Der 35 Jahre alte Provisionsvertreter Isaak (Jiintr, ein polnischer Staatsangehöriger, wurde vom Berliner Sondergencht wegen Verbreitung unwahrer Nachrichten zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis veurteilt. Oliver war beschuldigt, am 31. März in einem Laden, wo er als Verkäufer tätig war, im Verlauf eines mit Kunden geführten Gespräches über die Boykottbewegung folgende Aeußertingen getan zu haben: «Wenn Sie wüßten, wie vielen Juden die Augen ausgestochen und die Finger abgehackt worden sind und wie viele jüdische Leichen zerstückelt auf Friedhöfen begraben Hegen . . .» und: «Durch die Hitler-Regierung ist schon viel Blut vergossen worden. Wenn Sie für jeden Toten eine Mark bekämen, wären Sie ein reicher Mann!» Das Sondergericht Frankfurt verurteilt den Kaufmann Isaak Leser zu einem Jahr Gefängnis, weil er ln Wiesbaden bei einem Gespräch über den Boykott gegen die Juden behauptet hatte, in Frankfurt lägen Tausende von Juden in den Spitälern. Besondere Badezeiten für Juden Berlin. «Pfälzische Rundschau» meldet aus Speyer: Im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung hat der kommissarische zweite Bürgermeister von Speyer angeordnet, daß im Sommer in den städtischen Bade¬ Die nüchsie 6. Palästina-Gesellschaftsreise geht am 7« Hai1933von Wien ab Landung in Haifa am 12. Mai, morgens. Die Teilnahme an diesu voraussichtlich letzten Gesellschaftsreise in nächster Zeit ist beschränkt. da nur wenige Plätze zur Verfügung stehen und neue behördliche Schwierigkeiten in Palfstina seit kurzem bestehen. Sofort.'!« Anmeldung daher erforderlich (Paß mitbringen) I Diese Reise ist überaus billig: samt Verpflegung und Bett am Schiff (4500 t) von S 280.— aufwärts Anmeldungen irr. Bureau der ..PAG“, Wien, III., Landstraßer Gürtel 9 (Elektrische Stra"enbahnlinien 0. 4. IIS), nur Alontag bis Freitag ton 2 bla I Uhr nachmittags. Während dieser Sprech stunden werden 3. auch in allen andereo Palästina- und „PAQ"-Angelegcnhelten Infoimationen erteilt Telephonische Auskünfte werden nicht gegeben! Alle brieflichen Anfragen sind an die oben angegebene Adresse •— unter Beifügung des Rückportos zu richten. m anstalten besondere Badezeiten für Juden eingerichtet werden. Der Kampf gegen die jüdischen Kinder Durch eine Verordnung wird verfügt, daß jüdischen Kindern keine Lebensmittelaushilfen verabreicht werden dürfen und daß die schulärztliche Untersuchung jüdischer Kinder verboten ist. In Breslau wurde jüdischen Kindern die Teilnahme am Turnunterricht mit der Begründung verboten, daß das Dritte Reich nicht dazu da sei, um jüdische Kinder körperlich zu ertüchtigen. Außerdem könne es arischen Kindern nicht zugemutet werden, entblößte jüdische Körper zu sehen. * Die Nazi haben in der Grenadierstraße in Berlin, dem jüdischen Viertel, ein Bureau eröffnet, um, wie sie angeben, die Juden aus dieser Gegend zu vertreiben. Die evangelische Kirche In der Schweiz zur Lage der Juden ln Deutschland Genf. Die Delegierten der evangelischen Kirchen, Briquet und Wiblö, haben dem Genfer Oberrabbiner Salomon Meyer einen Besuch abgestattet. Sie erklärten namens der evangelischen Kirchen, daß sie die Zurücksetzung der Juden in Deutschland mißbilligen und versicherten die Jüdische Gemeinde ihrer Sympathie. Am folgenden Tage statteten die Mitglieder des Rates der Jüdischen Gemeinde Genf, Henri de Toledo und Albert Meyer, dem evangelischen Konsistorium einen Dankbesuch ab. Nazifeindliehe Demonstrationen in Antwerpen Antwerpen. Vor dem deutschen Generalkonsulat demonstrierten kürzlich einige hundert Personen, die Plakate mit deutschfeindlichen Aufschriften in flämischer und jiddischer Sprache trugen. Vorübergehend gelang es ihnen, die Polizeisperre zu durchbrechen. Die Demonstrationen wiederholten sich dann vor dem Vereinshaus der flämischen Faschisten. ■* Ein Korrespondent der Londoner jüdischen Zeitung «The Jewish Chronicle» fragte im polnischen Ministerium des Aeußeren an, welche Haltung Polen gegenüber den Verfolgungen polnischer Juden in Von der Konzerttournee Palästina-Rumänien zurückgekehrt, singt J. legal — Rosenbach (Tenor) Samstag, den 1H. Mai 198.-1, halb 9 Uhr abends im Konzerisaale des H<>te.a „Post“ I., Fleischmaikt Palästinalieder und Volkslieder (Nenhehrh »che Liedei. ferne! jemenitische, arabische, hebr. Gesänge) Anschließend OstiOdische Lieder und Volkslieder (hebr. und jiddisch) Karten von S —.80 bis 2.60 in der Hächerriabe Ratb. IL, Tabors ralie und im Keren Kajemetb, L Kärntnersfratie 28. — Kin Teil des Keineftrftgnisses fließt dem Keren Kajemetb zu Deutschland einnehme. Die Antwort lautete, die polnische Regierung warte zunächst eine Antwort der deutschen Regierung auf ihre bisher überreichten fünf Protestnoten, in welchen alle Besch werden detailliert angeführt sind, ab. Sollte keine Antwort erfolgen und die angeführten Fälle nicht untersucht werden, dann werde die polnische Regierung die notwencigen Maßnahmen erwägen, um die polnischen Staatsbürger in Deutschland zu schützen. Die Judenfrage - mit ungarischen Angen gesehen Unter diesem Titel schreibt im «Pester Lloyd» der ehemals rassenschützlerische ungarische Reichstagsabgeordnete Andreas Bajcsi-Zsilinszky u. a.: Vor allem habe ich mich vom deutschen Antisemitismus losgesagt. Die christlichnationale Aufwallung der zwanziger Jahre und der damalige Antisemitismus in Ungarn schöpften ihre Ideen und den Maßstab zur Beurteilung der Judenfrage aus deutschen Quellen, diese aber lockten die ungarische rassenschützlerische Bewegung vermöge der germanischen Rassenorthodoxie des deutschen Antisemitismus in eine Richtung, die für uns wesensfremd ist und für alle Ewigkeiten fremd bleiben muß. Dieser deutsche Antisemitismus hat mit seiner Ueberheblichkeit, mit dem demagogischen Märchen von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse, mit seinen ungeheuerlichen Theorien und nicht zuletzt durch das viele deutsche Blut in der ungarischen Mittelklasse die ungarische Judenfrage und den richtigen Maßstab zu ihrer Beurteilung stark entstellt. Die Suggestion des deutschen Antisemitismus hat den klaren Blick des Ungartums in der ersten Nachrevolutionszeit auch sonst schädlich beeinflußt. Das Ungartum ist ein politisches Volk, das Deutschtum ist es nicht; und eben die ausgesprochen apolitische deutsche Weltanschauung brachte die Annahme hervor, daß die Judenfrage, herausgehoben aus ihren politischen, sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhängen, abgesondert von den sonstigen Problemen einer Nation, auch an und für sich gelöst werden kann und sogar so gelöst werden muß. In Wirkl chkeit haben uns die Erfahrungen der Nachkriegszeit gelehrt, daß Detailfragen, vom Gesamtproblem losgelöst, weder richtig beurteilt, noch richtig gelöst werden können. Kunst undLiievaiur Eine neue deutsche Bibel Vortrag von Prof. Dr. Harry Torezyner (Berlin) in der W. I. Z. O. Vor wenigen Tagen fand auf Einladung der W. I. Z. O. im Handelsmuseum vor einem sehr zahlreich erschienenen Publikum ein überaus interessanter Vortrag von Professor Dr. Harry Torezyner (Berlin) statt, welcher zu den eindruckvollsten jüdischen Veranstaltungen der diesjährigen Saison gezählt werden darf. Prof. Tortzyner besprach zuerst in kritischer Weise Wege und M thoden der modernen Bibelübersetzung und beleuchtete an einigen markanten Beispielen die Fehlerquellen und den Weg zum richtigen Verständnis des biblischen Textes. Er berichtete sodann über die Entstehung der von der jüdischen Gemeinde B.rlin inaugurierten neuen Bibelübersetzung, zu welcher Vorarbeiten von 14 Gelehrten gemacht wurden, die Professor Torezyner sodann redigiert, st list:sch bearbeitet und zu einem einheitlichen Ganzen verschmolzen hat Dem Redaktor, ja, richtiger gesagt, dem Schöpfer der nun abgeschlossenen Bibelübersetzung lag es wesentlich am Herzen, das rhythmische und poet sche Element der Bibel, welches so lange Zeit übersehen worden war, herauszuarbeiten, ohne in eine Uebersteigerung des Stils zu verfallen, vielmehr bei Wiedergabe aller Schlichtheit und Natürlichkeit einen so großen Reiz dieses gewaltigsten Buches ausmacht. Professor Torezyner las sodann mit tiefempfundenem und dabei durchaus schlichtem Vortrag einige prächtige Kapitel aus Moschehs Lied — Jirmejahu — Der Lieder Sang von Schelomo — Ijob — Kohelet. Vortrag und Reztation fanden stürmischen Beifall bei einem für die Schönheit dts Dargebotenen überaus empfänglichen Publikum. Der Abend gewann der demnächst erscheinenden Bibelübersetzung schon im voraus zahlreich# Freunde. Dr. M. H. „Tag der Musikpflege“ im Chajes- Realgymnasium Anläßlich des Tages der Musikpflege fand im Chajes- Realgymnasium unter der Leitung des Herrn Prof. Lampet ein musikalischer Abend statt. Erst brachte das Quartett (Dr. Lampet, Paula Schwarz, Bernhard Bauer, Robert Volkmann) ein Streichquartett von Haydn, das großen Beifall fand. Dann sang Herr Eliabu K r y b u s aus Palästina Lieder von Schubert und eine Mozart-Arie und riß die jungen Zuhörer so mit, daß er sich zu einer Zugabe entschließen mußte. Besonders aber begeisterte ein I3jähriger Geiger, Ossi Reiß, der mit großer Musikalität und hervorragender Technik eine besonders schöne Darbietung brachte. Der erste Satz aus dem Schumann-Klavierquintett in E-Dur schloß den überaus schönen Abend. Der Verein zur Förderung Jüdischer Musik und der Wiener Jüdische Gesangverein treten am Mittwoch, den 10. Mai, im Kleinen Musikvereinssaal mit einem gemeinsamen K o n z e r t vor die Oeffentlichkeit. Es g.langen moderne Synagogenchöre von Achron, Jacobi und Ssaminsky (für den Emanueltempel in New York komponiert), Violin- und Klavierwerke und Lieder der repräsentativsten modernen jüdischen Komponisten, darunter zahlreiche Ur- und Erstaufführungen, zum Vortrag. Karten zum Preise von S 1.— bis S 4.— sind ander Musikvereinskasse erhältlich. Telephonische Kartenbestellungen werden im Sekretariat (U 21-0-56) entgegengenommen. Jüdische Künstlerspiele — Gastspiel der Wilnaer-Truppe Schalom Asch’ «Kiddusch Haschern» bleibt wegen des großen Publikumserfolges weiter auf dem Spielplan. Palästinensischer Liederabend. Von einer erfolgreichen Konzerttournee Pa 1 ästina—Rumänien zurückgekehrt, sing J. Segal-Rorenbach (Tenor) Samstag, den 13. Mai, halb 9 Uhr abends, Palästina-Lieder und -Volkslieder. Programm: Neuhebr. Lieder, gem.-arab. Gesänge (hebr.), hebräische Lieder von Bialik, Tscherniclorski etc. etc., ostjüdische Lieder und Volkslieder (hebr. und jiddisch). Populäre Preise. Versammlungen der Jüdischen Volkspartei Donnerstag, 27. April, %9 Uhr abends, Cafö Mariahilf u. Donnerstag, den 11. Mai, l/29 Uhr abends im Hotel Continental über «Die Lage derjuden und die Jüdische Volkspartei». Referenten Dr. Oskar GrQnbaum, Oberbaurat Robert Stricker Zweite Studien« und Gesellschaftsreise nach Palästina und Aegypten Wie uns das Reisebureau Compaß Tours mitteilt, laufen für die am 16. Mai stattfindende Reise nach Palästina täglich eine große Anzahl von Anmeldungen sowohl aus ganz Oesterreich als auch aus dem Auslande ein. Die Reisegesellschaft geht, wie schon erwähnt, am 16. Mai von Wien ab und schifft sich am 18. Mai in Neapel auf dem Riesen- Ozeandampfer «Vulcania» ein, der, aus Amerika kommend, von Neapel über Athen nach Haifa weiterfährt. Es wird den Interessenten, die an dieser herrlichen Fahrt auf diesem nur ausnahmsweise nacn Palästina gehenden Schiff teilnehmen wollen, weg?n der beschränkten Anzahl der noch freien Plätze empfohlen, ihre Anmeldungen womöglich bis Ende dieses Monates vorzunehmen. Anmeldungen und Prospekte im Reisebureau Compaß Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3. HOTEL (ENIML CAIRO (Aegypten) Opernplatz Einziges zionistis hes Fes aurant Fließendes Kalt- und Waimwasser in a’Ien Zimmern BP* Bll.lge Preise *p| Zionisten! Juden! SiUrRet die ZloiBlsllscke Organisation und Kaufet den Sctashel!

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