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Die Stimme · 1933-04-27 · Heft 277 (27.4.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 277 (27.4.1933)
Date
1933-04-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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feTft* DTE STIMM* Nr. 277 — 27. Amll 1933 Ein Noifonds xuv Ansiedlung deutscher Juden in Patäsiina: An die Juden aller Lander! Die erste Kundgebung der JewisH Agency zur Lage der Juden in Deutschland. - Zusammenarbeit der Agency mH anderen Organt* satlonen und führenden jüdischen Kreisen. — Tausende deutsche Juden sotten angesiedelt werden« — Palästina als Haupteinwande* rungstand für Juden Die Exekutive der Jewish Agency für Palästina hat eine großzügige Ansiediung deutscher Juden, die infolge der Umwälzung in Deutschland ihre Heimat verlassen mußten, in Palästina eingeleitet. In einem Aufruf, der gleichzeitig die erste Kundgebung der Jewish Agency zur Lage der Juden in Deutschland darstellt, wendet sie sich an Zionisten und Nichtzionisten mit der Aufforderung, einträchtig zusammenzuwirken, um binnen kürzester Frist die Mittel zur Durchführung dieses Ansiedlungswerks aufzubringen. Ein besonderer Palästina-Notfonds für deutsche Juden soll in Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Organisationen und führenden jüdischen Kreisen geschaffen und damit die Einwanderung und Ansiedlung Tausender deutscher Juden in Palästina gesichert werden. Die Ereignisse in Deutschland, heißt es in dem Aufruf, bilden einen tragischen Wendepunkt in der Geschichte unseres Volkes. Was heute dort geschieht, betrifft nicht nur unsere Brüder in jenem Lande, sondern zutiefst auch uns alle. Diese Gefülds brüder.icher Solidj.ltät und das Bewußtsein tiefster Schlcksalsverbundenheit müssen so rasch als möglich zur konkreten Tat reifen. Eine großzügige wirtschaftliche Hilfsaktion für die Juden ln Deutschland muß sofort elnsetzen. Schon sind tausende jüdischer Familien brottos, weitere Tausende können ln den nächsten Wochen vor demselben Schicksal stehen. Tausende von Flüchtlingen sammeln sich ln den verschiedenen Ländern Europas. Die jüdischen Gemeinden dieser Länder machet alle Anstrengungen, Ihren heimatlos gewordenen Brüdern die erste Hilfe zu leisten. Aber es wird der planmäßigen gemeinsamen Anstrengung unser aller bedürfen, um auch für die Zukunft zu sorgen. In diesem tragischen Augenblick unserer Geschichte Ist Erez Israel mehr denn je in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und der Hoffnung der Juden aller Länder gerüpkt. Wohl haben die «Nachbarländer Deutschlands einen Teil der Flüchtlinge zunächst aüfgenömmen, aber die zu erwartende Massenauswanderung aus Deutschland steht ebenso wie die gesamte jüdische Emigration vor der Schicksalsfrage: Wohin? Während im 19. Jahrhundert die übe:sesisci:en Länder der jüdischen Einwanderung Ihre Tore offen hielten, stehen wir jetzt einer fast völlig abgeschlossenen Welt gegenüber. Palästina, mit seiner stetig wachsenden Landwirtschaft und Industrie, mit seiner dauernd sich vergrößernden Aufnahmefähigkeit für jüdische Einwanderer, bildet heute unsere größte Hoffnung. Die Führung der zionistischen Bewegung und der Jewish Agency hält es in diesem Augenblick für ihre Pflicht, der gesamten gesitteten Welt im Lichte der letzten Ereignisse erneut die zentrale Bedeutung Palästinas für die grundsätzliche und radikale Lösung der Judenfrage vor Augen zu führen. Sic bemüht sich mit aller Kraft, von der Mandatsregierung jetzt schon das Maximum an Einwanderungserleichterungen zu erlangen und hegt die. feste Hoffnung, daß es ihr möglich sein w.rd, schon im Laufe d:r. nächsten Wochen einigen tausend jüdischen Männern und Frauen ans Deutschland neben dem stetigen Einwandcrungsstrom ans Osteuropa das Betreten des palästinensischen Bodens zu ermöglichen. Die unmittelbare Hilfsaktion wird bedeutende Geldbeträge erfordern und Zion'sten wie Nichtziönlsten müssen mit aller Kraft an der Aufbringung dieser Mittel mitarbelten. Aber die gegenwärtige tragische Situation verlangt weitsichtige und konstruktive Pläne und Im M tteipunkte aütjer konstruktiven Arbeit muß Palästina stehen, Wb* planen In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen and führenden Kreisen der Jüdenlieit die Gründung eines großen (Palästina-) Fonds, mit dessen Hilfe die Einwanderung und Seßhaftmachung Tränender von deutschen Juden ln Palästina möglich werden soll. Wir rufen die Juden, denen das tragische Schicksal der Juden Deutschlands und der Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte ln Palästina am Herzen liegt, auf, sich für diese große Arbeit bereit zu halten. Exekutive der Jewish Agency London, April 1933. Nissan 5693. an die Wand malen. Und welches Mittel empfehlen sie dar Abwendung dieser Gefahr? Man höre und staune: Jen Eintritt in eine jüdischnationale Organisation, die 4ßeselben Ziele verfolgt, mit denen die antisemitischen Studenten die Juden in Deutschland beglücken wollen: Loelösung der Juden von der Volksgemeinschaft mit der anderen Bevölkerung durch Anerkennung eines eigenen jüdischen VoScstums mit eigener, hebräischer Sprache.* Ihr meint, liebe Freunde, es sei schade um das Druckpapier, das mit der Wiedergabe dieses schmutzigen Pamphlets verschwendet wird? Weit gefehlt! Das muß angenagelt, muß niedriger gehängt werden. Aber es kommt noch dicker: «Alles, was im Namen des Hakenkreuzes den dortigen Juden nachgesagt wird: daß sie einen fremden Voikskörper im deutschen Lande darstelien und mit andersgeartetem Geiste die deutsche Kultur infizieren, ist nur die antisemitische Variante jüdischnationaler Parteiaxiome.» Es ist die alte Leier. Wir sind die jüdischen Antisemiten, die Wegbereiter Hitlers. Und der Wahrheit- Mausche! hat es auch herausbekommen, warum die «Jüdische Volkspartei* unter den jüdischen Massen agitiert, «zur Erringung bestenfalls eines jüdischen Nationalratsmandats». Außerdem will die «Jüdische Volkspartei» die «ihr nur scheinbar günstige Konjunktur ausnützen*. Das ist so eine kleine Blütenlese aus der letz.en Manifestation von Mauschels schöner Seele. Er schreibt zum tausendatenmal seine Verdrehungen, Lägen und Verleumdungen nieder. Denen aber, die es noch nicht wissen, und ihm selbst wollen wir sagen, daß ein ganz Großer im Judentum, Theodor Herzl, schon im Jahre 1897 Mauschels Konterfei mit treffender Naturtreue gemalt hat. Man höre, was Herzt über Mauschel schrieb: «Mit einer Art von romantischer Zärtlichkeit oder Schwäche nahmen wir uns seiner an, weil er ein Lump war. —► — — Wenn Mauschel uns alle kompromittierte, schämten wir uns — jedoch wir schwiegen. — — — Mau- ' sehe! hatte sich mit dem Antisemitismus schon so gut ‘ •wie abgefunden.-Mauschel zuckt die Achseln: Was heißt Ehre? Wozu braucht man die Ehre? Wenn die Geschäfte gehen und man gesund ist, läßt sich das . übrige ertragen. —-Er erteilt Unterricht im Patriotismus und verdächtigt alle, die nicht wie er sind.- Wenn wir alle die förmlich von uns absondern, die sich gegen unsere Volksgenossenschaft verwahren, wird man eine seltsam gemischte Gesellschaft zu sehen bekommen. -Das sind die zweifelhaften Geschäftsleute, die falschen Ehrbaren, die heuchlerischen Frommen, die verlogenen Biedermänner, die findigen Ausbeuter . . . Mauschel nimm, dich in; Acht!» Wir überlassen unseren Lesern die Feststellung, ob iferzls Mauschel-Porträt gut ist. Aber wir glauben Mauschel nicht besser antworten zu können, als es Th. Herzl getan hat: «Wogegen sträubst du dich Mauschel? Was hast du jemals für deine «Brüder* getan? Entehrt hast du sie, geschadet hast du ihnen, und wenn sie sich nun selbst helfen wollen, fällst du ihnen in den Arm. — --Der Feind soll wie der Feind behandelt werden. Hinaus Mauschel, aus allen Vertretungen des jüdischen Volkes, das du nicht zu kennen behauptest.» So wollen wir es halten. Wir müssen uns befreien von dieser passiven Solidarität mit einer politisch abgewirtschafteten Gesellschaft, deren einzige Kraft in der Verleumdung Hegt, die ihr Mäntelchen immer nach dem Winde hängt, die sich künstlich noch am Leben erhält durch widernatürliche Wahlbündnisse, die mit Fußtritten aus allen politischen Parteien hinausbefördert wurde und bei den letzten Wahlen in die Jüdische Gemeinde ihr Wahlbündnis mit den „Werktätigen* vom Renegaten Danneberg segnen ließ. Freunde, lassen wir Mauschel keifen. Wir Zionisten wollen ruhig unseren Weg weiter gehen. Wir bauen Palästina und wIt bauen ein starkes Judentum in der Galuth. Mit offenem Visier, als aufrechte Juden, wollen wir um unsere staatsbürgerlichen Rechte kämpfen. Wir dienen nicht fremden Göttern, wir kämpfen für uns und die Zukunft unserer Kinder. Freunde, gebt Mauschel die Antwort: Hinein in die Zionistische Organisation, hinein in die Jüdische Volkspartei! ZumPalästinaAufbau Anerkannter Baufachmann mit langjähriger vielseitiger Erfahrung im Bauwesen und der Baustofferzeugung geht nach Palästina. Fühlungnahme mit Interessenten, Mitarbeitern, Bauwerbern und Lieferanten von Baubedarf, Einrichtungen und Maschinen für Bau und Baustoffe erwünscht. Seriöse Anträge befördert die Administration der Stimme unter «Ingenieurkaufmann». Fviedmanns Glück ist kolossal! Am 16. Mal beginnt die Ziehung erster Klasse der 29. österreichischen Klassenlotterie Bestellen Sie ihre Lose noch heute bei Ludwin Frlcdmann Wien. I.. Salzarles 12 Lospreise per Klasse: V«. 6 S, V 12 S, '/• 24 S, V, 48 S In der letzten Lotterie wurde bei Friedmann der Haupttreffer der 2. Klasse S 6J.UÖ0.— nebst anderen vleen großen Treffern gezogen Bei Jeder Ziehung sieht man es spielt sich gut bei Friedmann! Tod zweier Juden durch Ueberxälle In Wiesbaden Wiesbaden. Zwei Ueberfälle auf jüdische Einwohner mit tödlichem Ausgang wurden am Samstagabend hier verübt. Nach dem amtlichen Polizeibericht wurde der 59jährige Milchhändler Kassel tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Leiche wies eine größere Zahl Revolverschüsse auf. Nach der amtlichen Feststellung sind mehrere Personen durch Einschlagung der Türfüllung in die Wohnung eingedrungen und haben den nach dem Fenster flüchtenden Mann niedergeschossen. Daß ein Raub beabsichtigt war, haben die polizeilichen Feststellungen nicht ergeben. Es dürfte sich um einen Racheakt handeln. Der zweite Ueberfall geschah zwei Stunden vorher auf den 58jährigen Kaufmann Salomon Rosenstrauch. Zwei junge Leute fragten in der Wohnungstür nach Rosenstrauch. Als er erschien, hielten sie ihm einen Revolver entgegen. Er flüchtete ins Zimmer und fiel vor Aufregung nieder. D;e Burschen entfernten sich eiligst, ohne sich der Haushälterin gegenüber über den Grund ihres Erscheinens auszulassen. Die alarmierte Polizei brachte Rosenstrauch ins Krankenhaus. Auf dem Transport ist er einem Herzschlag erlegen. Die Täter sind bis jetzt noch nicht ermittelt Jüdische Studenten bei Mussolini Rom, Durch die Initiative des faschistischen Studentenverbandes in. Bologna wurde eine Reise der. an der dortigen Universität inskribierten ausländischen Studenten nach Rom veranstaltet. Die ausländischen Studenten der Universität Bologna sind zum größten Teil Juden aus Rumänien, Ungarn, Polen und anderen Ländern. Nach ihrem Eintreffen in Rom marschierten die jüdischen Studenten in geschlossenem Zuge unter Vorantragung einer blau-weißen Fahne durch die Hauptstraßen der Stadt. Auf dem .Grabe des Uribekannten Soldaten legten sie einen Kranz nieder. Sie wurden von Ministerpräsident Mussolini empfangen, der sich mit ihnen angelegentlich über studentische und allgemein jüdische Fragen unterhielt. Vor ihrem Abschied vom italienischen Ministerpräsidenten sangen die jüdischen Studenten die «Hatikwah». Einstein fordert Rückgabe seines be* schlagnahmten Berliner Guthabens Antwerpen, Prof. Einstein hat die Schweizer (je* sandtschaft in Brüssel ersucht, die Freigabe seines Jn Berlin beschlagnahmten Bankguthabens zu erwirken, da dieses Depot zur Unterstützung seiner in Deutschland lebenden mittellosen Verwandten bestimmt sei. Sperre für Jüdische Studenten an badischen Hochschulen Berlin. Wie der «Deutschen Allgemeinen Zeitung* berichtet wird, hat der badische Kultusminister angeordnet, daß vom kommenden Sommersemester ab keine weiteren jüdischen Studenten an badischen Hochschulen eingeschrieben werden dürfen. FRAUENARZT Dr. Paul KUNSTART emerit. Operateur der 2. Universitätsfrauenklinik (Prof. W eibel) hat sich etabliert und ordiniert Wie«, II.. Tabenlnt« 17 a Telephon A-42-2-18 TTTT\1? willst Du in Erez Israel angesiedelt werden? Dann SPENDE U UI/JC^ und WERBE für den Keren Kajemeth! ■

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