Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 277 (27.4.1933)
- Date
- 1933-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN OMtsrraidi monatlich S 150, vtert«]- jihrl. S 4 20, ganx (Khrl. . . . S 16 — DautachltL WwmI jkhrl.. . . RM V- Tachtehoalowakcl viartalj. . Kc 24 — lutotliwira viert«! iihrl. . Din 40 - Po an vtarioliähr lieh . . Zloty ft SO Ungarn vierteljähr lieh . . Pengö 4 20 Riitnlnten viertel Iihrl.. . Lai 120 — Uahrigaa Ausland vieneljlhrl. Schw. Pranken 4 50 Prela 35* Jfüdisdte Zeitung Ertdiebt jeden Donnerstag Redaktion und Admüiletrarion Wien, I., Kirn wer etrafte 2h Tal R-27 4 85 Postsparkassenkonti: Oeaterr. D 113 546 Polen . 191.199 larhechoalowaket 500.230 Jugoslawien 40.879 (. Jahrgang Wien, Donnerstag, 27. Apr.l 1933 (1. IJJar S693) Nummer 277 M Millionen Dollar-Anleihe zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina New York. In der letzten Sitzung des American Economic Committee for Palestine entwickelte dessen Präsident Israel B. Brodle den Plan, eine große jüdische Anleihe ln der Höhe von etwa 15 Millionen Dollar zur Beschleunigung der landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung Palästinas aufzunehmen. Israel B. Brodle begründete seinen Vorschlag insbesondere mit der Notwendigkeit, sofortige Abhilfe gegen die schwere jüdische Not in Deutschland durch Eingliederung möglichst vieler Juden in die palästinensische Wirtschaft zu schaffen. Mit Hilfe einer solchen Anleihe würde es möglich sein, weite Strecken poch unkultivierten Bodens in Palästina urbar zu Machen und neue Industrien zu schaffen, die nicht nur dlci von Tag zu Tag wachsenden Bedürfnisse Palästinas selbst, sondern auch einen Teil des Bedarfes des ganzen Nahen Ostens decken könnten. Gleichzeitig Würde durch solche Maßnahmen die Aufnahmefähigkeit Palästinas erhöht und damit die Möglichkeit einer Jjttaderung der gegenwärtigen Einwanderuf|g^beschräktftvuigen geschaffen werden. f 1 Die Wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina seien gegenwärtig durchaus befriedigend. Wenn man einen gesunden Plan für die wirtschaftliche Eingliederung breiter Massen jüdischer Einwanderer aufstelle, dann werde die Regiertfng unter den obwaltenden Verhältnissen eine vorübergehende Aufhebung oder Milderung der bestehenden Einwanderungsbeschränkuhgen verantworten können. Damit werde auch für die bedrängten Juden ln Deutschland eine Zufluchtsmöglichkeit entstehen. Auch werde es dann möglich sein, eine wesentlich kleinere Mindestsumme als die heute geforderten 1000 Pfund zwecks Erlangung der Einwanderungserlaubnis als «Einwanderer mit eigenen Mitteln» festzusetzen. Wir verfangen nicht, daß man von diesem Grundsatz abgehe. Wenn das jüdische Volk in allen Ländern der Diaspora für die Unterbringung einer nationalen 15 Millionen Dollar-Anleihe sorgt, dann werden viele große Unternehmungen geschaffen werden können. So z. B. könnten im Jordantal 100.000 Dunam fruchtbaren Bodens der Kultivierung zugeführt werden; man könnte 150.000 Dunam äußerst entwicklungsfähigen Landes im Gebiet des Meromsees erwerben und ameliorleren; ferner kommen in Betracht: beschleunigte Durchführung des Programms der Palestine Potash Ltd. zur Verwertung der Mlneralschätze des Toten Meeres, der Bau einer Eisenbahnlinie durch das Jordantal und die Errichtung von chemischen Werken auch am Südufer des Toten Meeres; Inangriffnahme des Ruthenbergschen Bewässerungsprogramms; Gewährung von Krediten zur Durchführung der bei Masseneinwanderuhg erforderlichen Wohnbauarbeiten; schließlich Errichtung einer Anzahl neuer Industrien, für deren Produkte in päiä* stina und im Nahen Osten aufnahmsfähige Märkte bestehen. Rund ,um <jße Durchführung dieser großen Arbeiten würden zahlreiche größere und kleinere Nebenindustrien und Handelsunternehmungen in Palästina entstehen. Alle diese Neugründungen würden die Aufnahmsfähigkeit des Landes außerordentlich erhöhen. Präsident Brodie schlug die Einsetzung einer Kommission hervorragender Fachleute zwecks Ausarbeitung eines Planes für die Aufbringung einer derartigen Anleihe und die Leitung der zu Ihrer Verwirklichung notwendigen finanziellen Operationen vor. Regievungsboden in Palästina für ehemalige jüdische Legionäre Ein Versprechen Marschall Allenbys - Enthusiastischer Empfang Allenbys in Tel-Awlw Jerusalem. Anläßlich seines Besuches fti den jüdischen Kolonien Rechoboth und Beer Tuvia erklärte der Eroberer Palästinas Feldmarschall Lord A11 e n b y den zu seinem Empfang erschienenen ehemaligen Mitgliedern der jüdischen Legion, er werde sich bei den maßgebenden Stellen nachdrücklich für die Forderung der jüdischen Legionäre, Grundstücke aus den Bodenreserven der Palästinaregieruhg zu Siedlungszwecken zugeteilt zu bekommen, einsetzen. Am 21. April traf Lord Allenby ln Tel-Awlw ein, wo ihm von der Bevölkerung ein enthusiastischer Empfang bereitet wurde. In Gegenwart einer unübersehbaren Menschenmenge hielt der Bürgermeister von Tel-Awlw Meir Dizengoff an Lord Allenby eine Begrüßungsansprache und teilte ihm mit, daß die Stadt Tel-Awiw ihn zu Ihrem Ehrenbürger ernannt habe. Lord Allenby gab seiner Freude über die ihm bereitete herzliche Aufnahme Ausdruck und sprach seine Bewunderung über die von den Juden in Palästina entwickelten schöpferischen Fähigkeiten, die u. a. zu dem raschem Aufblühen Tel- Awlws geführt haben, aus. Lord Allenby über die Obstruktionspolitik der Araber ln Palästina Warschau. Wie der Warschauer Tageszeitung «Der Moment* aus Jerusalem berichtet wird, fand dort am vergangenen Freitag anläßlich der Eröffnung des Klubs der Young Mens Christian Association (YMCA)) durch Feldmarschall Lord Allenby eine von der arabischen Exekutive inszenierte feindliche Demonstration arabischer Frauen gegen diesen und den gleichzeitig in Jerusalem weilenden englischen Kolonienminister Sir Philip C u n 11 f f e - L1 s t e r statt. Die Kundgebungen machten auf Lord Allenby einen höchst peinlichen Eindruck. Nach Beendigung der Eröffnungsfeierlichkeit äußerte er sich folgendermaßen zu seiner Umgebung: Das Land befindet sich in blühendem Zustand. Palästinas Prosperity ist den Anstrengungen der Juden zu verdanken. Sie kommt den Arabern ebenso wie den Juden zugute. Weiche Forderungen können unter solchen Umständen die arabischen Politiker erheben? Es ist offensichtlich, daß sie in ihrem blinden Haß so weit gehen, jede günstige Gelegenheit, an der Entwicklung des Landes mitzuarbeiten, vorübergehen zu lassen. Bisher 500 deutsche Juden ln Palästina eingetroffen Jerusalem. Bis zum 19. April waren in Palästina etwa 500 Juden, die infolge der jüngsten Entwicklungen in Deutschland zur Auswanderung genötigt waren, eingetroffen. Eine große Zahl deutscher Juden ist noch nach Palästina unterwegs. Fast mit jedem Schiff treffen in den palästinensischen Häfen neue Gruppen jüdischer Einwanderer aus Deutschland ein. Heute: Fortsetzung unserer Ar• tiheiserie „50 Jahre Tisza-Eszlar- Prozeß** von Dr. Jahob Bosenthal — auf Seite 5« JtUcju&dkdL *Man wird uns wieder achten lernen, wenn wir auch ein Ideal haben wie andere Völker. Manche glauben wohl, das sei eine uralte Schratte, die auch wir jetzt mitmachen. Das ist aber ganz etwas Modernes, wie unsere Leiden und Schicksale vom Tage* (Th. Herzt in der cOesterr. Isr. Union* in Wien am 7. November 1896.) <Kein wahrer Jude kann Antizionist sein. Nur Manschet ist es.* (Th. Herzt in *Die Welt* 1897.) Ja, liebe Freunde, Mauschel lebt noch. Sein Lebenslicht verflackert zwar, aber noch immer ist er gemein. Sterbend will er noch wie ein störrischer Esel dem mächtig aufstrebenden Zionismus einen Fußtritt versetzen. Kein Wunderl Er hat nicht in Schönheit gelebt und nun, da er stirbt, verpestet er mit seinem Giftatem noch die jüdische Atmosphäre. Und er hätte es doch so notwendig, sein Leben Revue passieren zu lassen und Reue za bekunden. Er müßte erkennen, wie er das Judentum, das er nur als religiöse Gemeinschaft gelten lassen wollte, in Wirklichkeit als eine Angelegenheit für die hohen Feiertage und bestenfalls für die Kultusstube, von Niederlage zu: Niederlage geführt hat; wie dieses Judentum unter seiner glorreichen Führung verdorrte; wie ihn die Jugend verließ und soweit sie nicht dem Judentum den Rücken lu$rte,; sich um die zionistische Fahne scharte; wie es ihm nichts nützte, den Zionismus zu verdächtigen und zdverleumden; wie er es dazu brachte, daß weite Kreise, des Juden Uhus heute ratlos dem Antisemitismus gegenüberstehen, der doch, wie er immer predigte, eine sterbende, hi die hohe Kultur des 20. Jahrhunderts nicht mehr passende, anachronistische Erscheinung sei; wie er ratlos den Ereignissen in Deutschland gegenübersteht; wie ihn tausende Juden. heute verfluchen. . Aber — Mauschel fürchtet sich zu denken. Er bleibt Antizionist und geifert und verleumdet wie immer. Er dankt z. B. biasphemisch Gott dafür, daß es den Juden schlecht geht und daß daher die Zionisten ihr Gemeindeprogramm nicht rasch durchführen können, oder er beschimpft nach wie vor die Zionisten als jüdische Antisemiten oder als Vaterlandsverräter. Und so schreibt er in seinem Organ «Die Wahrheit» — nie wurde mit einem Namen ärger Schindluder getrieben — anläßlich des in den Straßen Wiens plakatierten Aufrufes der «Jüdischen Volkspartei», um nur einige Beispiele zu geben: «Zu dem wirtschaftlichen Vernichtungskrieg, den Hitler gegen sie (die Juden, Anm. d. Red.) führt, geseHt sich in den Herzen der Juden, denen die kulturelle Zugehörigkeit zum Deutschtum die Grundlage ihres geistigen und seelischen Lebens bedeutet, die schwere moralische Erschütterung, die das feindliche Rühren an dieser Basis hervorrufen mußte. Den Jüdischnationalen bleibt wenigstens dieser moralisohe Schock erspart. Ja noch . mehr: Wenn , in dem jüngst verlautbarten Studentenatrfruf «gegen den deutschen Ungeist» betont wird, daß den Juden der Anspruch auf ein eigenes Volkstum in allen Ehren gewahrt bleibt und daß jüdische Literaten auch weiterhin das publizistische Wirken gestattet sein soll, wenn sie nur ihre Werke in hebräischer Sprache abfassen, so bedeutet das geradezu den Triumph der jiidischnationalen Idee, die Erreichung dessen, was die Jüdisohnationalen seit jeher als ihr Ziel im Galuth ausposaunt haben. , Und nun erleben wir das merkwürdigste Schauspiel, daß die Jüdischnationalen, weit davon entfernt, über die restlose Erfüllung ihrer kühnsten Wunschträume in Deutschland entzückt zu sein, den Juden in Oesterreich das gleiche Schicksal als — Schreckbüd und Warnung m KAtSBRSTR. m K. Alserbtr.. f S16 - S18 - S