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Die Stimme · 1933-04-21 · Heft 276 (21.4.1933) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 276 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 276 — 21. April 193» OIE STIMME Sen« 5 Numeros clausus tiir Patentanwälte Berlin. «V. B.» meldet: Der Bund natioiv! ../ialisFscher Juristen, dem die nationalsozialistischen IW walte an*- gehören, teilt mit, daß von ihm im Einvernehmen mit dem Reichspatentamt Schritte in die Wege geleitet worden sind, um die Zulassung der jüdischen Patentanwälte in ähnlicher Weise 2u regeln, wie dies bei den Rechtsanwälten geschehen ist. Nur Deutschstämisiige Mitglieder de* Tourlngklubs Oer Nationalsozialist Wilfried Baade ist 2um Ständigen Kommissar beim Deutschen Tourlngklub bestimmt worden. Er hat angeorduet, daß künftig nur noch Deutschstämmige» Mitglieder des Tourlngklubs werden können. Raadenkunde im Berliner Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht Berlin. Auf Anregung des Reichskommissafs Rust soll im Berliner Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht eine Sonderabteilimg für Erblehre und Rassenkunde eingerichtet werden. Die Eröffnung wird im Mai stattfinden. Arierparagraph im Reichsverb and der deutschen Presse Berlin. Wie «D. A. Z.» berichtet, hat der Landesverband Berlin des ReichSveibandes der deutschen Presse einstimmig den Arvrparagraph angenommen und wird auch auf der Delegiertenversammlung des Reichsverbandstages die Einführung des Arierparagrnplien für das ganze Reich fordern. Das Echo auf die deutschen Judenvervoluunuen Ein scharfer Artikel der ««Times44 gegen Deutschland Von den großen englischen Zeitungen beschäftigen sich nur die «Times» und der «Daily Herald» mit der Donnerstagdebatte. Die Donnerstagdebatte berechtigt, nach Auffassung der «Times», zu dem Schluß, daß Deutschland während der letzten Wochen einen guten Teil der Sympathien, die es jm Laufe der letzten zehn oder zwölf Jahre zurückgewinnen konnte, wieder verloren hat. Dieses sei besonders innerhalb der Arbeiterpartei auffällig.Die Rede Sir Austen Chamberlains! scheine aber der Stimmung im Hause sehr nahe gekommen zu sein. «Die Engländer hassen Verfolgungen in irgendeiner Form, und das nationalsozialistische Regime hat seine politischen Gegner und die Juden mit einer Rücksichtslosigkeit unterdrückt, die allen denen, die persönliche Freiheit für den höchsten konstitutionellen Wert halten, ins Gesicht schlägt. Diese Unterdrückung hat noch nicht aufgehört Ein enger Nationalsozialismus kennt nur seinen eigenen Standpunkt.» Macdonald habe vor einem Monat in Genf darauf verwiesen, daß die Nation einen Beitrag zur Abrüstung leisten könne, wenn Bie Sicherheit, gegenseitiges Verständnis und den internationalen Glauben jeder Nation an die andere schaffen würde. Die Nationalsozialisten aber machten das Gegenteil. Auf sie träfe eine andere Aeußerung Macdonalds, die er am Donnerstag getan habe: «Es sei einige Erfahrung notwendig, um seinem Verhandlungspartner Vertrauen schenken zu können. Wenn die Donnerstagdebatte gezeigt habe, daß dieses Vertrauen in England eher unterminiert als gestärkt worden sei, so sei dieser Prozeß in anderen Ländern noch viel deutlicher erkennbar.» Protestkundgebungen ln der Tschechoslowakei In Prag, Brünn, Olmütz, Mährisch-Ostrau und anderen Städten fanden große Massenversammlungen statt, in welchen Resolutionen gegen die antisemitischen Verfolgungen in Deutschland angenommen wurden. In einer Protestversamm- Iting unter dem Vorsitz des Oberrabbiners Dr. Levy in Brünn waren mehr als 2000 Juden anwesend. Die ausländische Presse berichtet, daß Papst Pius XI. dem deutschen Vizekanzler Papen bekanntgegeben habe, die judenfeindliche Kampagne tti mit dem katholischen Geiste unvereinbar. Der Papst soll besonderen Nachdruck auf den Umstand gelegt haben, daß gerade im Heiligen Jahr 1933 eine derartige Politik gegen die deutschen Juden unmöglich erscheint. Claude Farrere, der bekannte französische Schriftsteller, hat dem Hilfskomitee für deutsche Juden in Paris seine Mitarbeit angeboten. Edmond Taylor, Berichterstatter der «Chicago Daily Tribüne», berichtet über ttinen Besuch im deutschen Konzentrationslager Heuberg bei Stuttgart. In diesem ehemaligen Kriegsgefangenenlager wurden 1800 Kommunisten, Sozialisten, Demokraten und Juden Interniert. Der Journalist hatte Gelegenheit, mit den Häftlingen in französischer und englischer Sprache zu sprechen, da die SA-Wächter diese nicht verstanden. Alle klagten, daß sie Hunger leiden müssen, viele wurden geschlagen, Den traurigsten Eindruck machte der Landesgerichtsrat Dr. Fritz Bauer (Stuttgart), ein Judenstämmling, der erklärte, daß er beim fingeren Verweilen hn Lager Irrsinnig werden müsse. Vor den Kirchen in Paris Stid in der Provinz werden Flugzettel verteilt mit der Aufforderung an die Gläubigen, für die verfolgten Juden zu beten. Dm KirabtabUtt erklärt: «Das alte und neu« Testament müssen sich vereinigen im Kampfe mit diesen Verbrechen, welche unwürdig sind der heutigen Zivilisat'on.» Kardinal-Erzbischof Verdier hat an den Großrabbiner Israel Levi ein Schreiben gerichtet, in dem er ihn der Gefühle der katholischen Franzosen versichert. Der Kardinal hat einen Hirtenbrief veröffentlicht, in dem es h:ißt: «Der Geis 1 clikeit und al'en Gläubigen Frankreichs wird aufgetragen, im Namen der christlichen Nächstenliebe zu beten, damit das Unglück, weiches jetzt die Juden betroffen hat, aufhört. Diese Gebete fiir unsere unglücklichen Brüder werden einen wahrhaft menschlichen Protest gegen die barbarischen Ausschreitungen und gegen die religiösen Kämpfe, welche die verfolgte Menschheit vernichten, bilden.» Die ganze französische Presse, u. a. «Journal des Debats*, «Volontd», «L’Avenir», «L’Erc Nouvelle* «Populaire», «Temps», «Peuple», nehmen eine scharfe Stellung gegen die deutschen Verhältnisse. Der römisch-katholische Erzbischof und anglikanische Erzbischof in Melbourne (Australien) haben schriftliche Proteste gegen die Judenverfolgungen ln Deutschland veröffentlicht und den Juden ihre Sympathie ausgesprochen. achric Kolonlenmlnister Cunliffe-Lister in Palästina Regelung der Einwanderung aus Deutschland! Jerusalem. Der englische Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister ist mit Flugzeug aus London In Jerusalem eingetroffen. Es verlautet, daß Sir Philip anläßlich seines Aufenthaltes in Palästina insbesondere auch die Frage der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes im Hinblick auf den starken Zustrom von Juden aus Deutschland prüfen wird. Die Landsmannschaft der deutschen Juden hat eine außerordentliche Versammlung abgehalten, um Maßnahmen zur Versorgung der neuen Einwanderer aus Deutschland zu treffen. Es wurde beschlossen, daß jeder aus Deutschland stammende jüdische Einwohner Palästinas zumindest einem Neueinwanderer Unterkunft und Verpflegung gewähren solle, bis der Betreffende eine Erwerbsmöglichkeit gefunden habe. An die palästinensische Judenheit wurde der Appell gerichtet, sofort 20.000 Pfund zur ersten Hilfeleistung an die neu Eintreffenden aufzubringen. Mit jedem Schiff kommen Juden aus Deutschland ln stetig wachsender Zahl an. Viele von ihnen sind mittellos. Universität Jerusalem als Zentrum iü&isehen Studiums Auf dem Scopus-Berg soll ein jüdisches Studentenheim errichtet werden Jerusalem. Die Vereinigung der Hörer der Hebräischen Universität zu Jerusalem hat einen Aufruf zur Errichtung eines Studentenheimes auf dom Scopus-Berg erlassen. Dieses Studentenheim soll einen integrierenden Teil der Hebräischen Universität bilden und ist zur Aufnahme einer großen Zahl jüdischer Studenten, die im Auslande Verfolgungen ausgesetzt sind und ihre Studien an der Universität Jerusalem fortsetzen wollen, bestimmt. Grundsteinlegung zum Weizmanit- Laboratorium für chemische Bakteriologie in Bechohoth Jerusalem. In Reclioboth fand die feierliche Grundsteinlegung zum Weizmann-Laboratorium für chemische Bakteriologie, das aus den Mitteln der von Herrn und Frau Sieff zum Andenken an ihren vor einigen Wochen verstorbenen Sohn gemachten Stiftung errichtet werden soll, statt. Ansprachen hielten Dr. Chaim Weizmann und Dr. Arlosoroff. High Commissioner Sir Arthur Wauchope kündigte in einem Begrüßungstelegramm die Besichtigung des Bauplatzes für das Laboratorium durch ihn und Kolonienminister Cunliffe-Lister an. Jüdische und arabische Forderungen an Kolonienminister Cunliffe-Lister Jerusalem. Der Bürgermeister von Tel-Awlw Meir Dizengoff überreichte dem Kolonienminister Sir Philip Cumliffe-Lister anläßlich seines Besuches in Tel-Awiw ein Memorandum, in dem verschiedene Forderungen der Stadt, u. a. die nach dem Bau eines Hafens für Tel-Awiw, niedergelegt waren. Sir Philip erklärte, er glaube, es müsse zunächst der Hafen von Jaffa ausgebaut werden. Die Oberrabbiner von Tel-Awiw forderten in einem Memorandum die baldige Einführung eines Sabbath-Ruhe-Gesetzes für Tel-Awiw. In Jaffa verlangte der Bürgermeister Im Namen der palästinensischen Araber die Einsetzung eines l.'.'gVlative Council. Besprechung des englischen Ministers für die Kolonien mit Br« Arlosoroff Jerusalem. Der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, hatte am 12. April eine Untreredung mit dem Leiter der Executive der Jewish Agence in Palästina, Dr. Ch. Arlosoroff Am 13. April besuchte Sir Philip Tel- Awlw und Rischon Le Zion. Am Nachmittag fand zu seinen Ehren im Hause des Bürgermeisters von Tel-Awiw Meir Dizengoff ein Tee statt. Der von der arabischen Executive ausgegebenen Non-Cooperation-Losung folgend, haben es die arabischen Führer abgelehnt, mit dem englischen Kolonienminister zusamnienzukommen. Weizmann und die hebräische Universität Professor Chaim Weizmann besuchte in Gesellschaft des Rektors Dr. Magnes, Dr. Levin und seines Bruders Doktor Moses Weizmann die landwirtschaftliche Versuchsstation in Rechoboth. In seiner Antwort auf die Begrüßung erklärte Professor Weizmann: «Ich beginne einen neuen Abschnitt meines Lebens und will anknüpfen an meine Jugendjahre. Ich komme zu euch mit dem Gefühle der Bescheidenheit als ein Kamerad, der sein Opfer für das große in Palästina entstehende Werk bringen will. Ich hoffe, daß es mir gelingen wird, den berühmten Chemiker Professor Willstädter für das landwirtschaftlich-chemische Institut an der Hebräischen Universität tu gewinnen. Glücklich werde ich, wenn Ihr mich als Chemiker, als Kollegen aufnehmt und vergesset, daß ich einmal ein gekrönter Führer war, obwohl in der Krone auch Dornen waren.» ♦ Professor Willstädter ist ein bekannter Chemiker, der im Jahre 1915 den Nobelpreis erhielt, jedoch im Jahre 1925 seinen Lehrstuhl an der Universität München wegen antisemitischer Verfolgungen niedergelegt hat. Ibn Saud und Emir Abdullah schließen Frieden Jerusalem. König Ibn Saud vom Hedscha» und Emit Abdullah von Transjordanien haben ein Friedensabkommen getroffen, dem außerordentliche politische Bedeutung für die weitere Entwicklung der arabischen Länder beigelegt wird. Generationenlang herrschte zwischen der Familie des jetzigen Königs vom Irak und des Emirs von Transjordanien einerseits und den wahabitischen Sultanen andererseits blutige Feindschaft. Noch vor kurzem hat Ibn Saud das von Emir Abdullah jüdischen Interessenten gemachte Angebot, ihnen Boden in Transjordanien zu verkaufen, zu einer Agitation gegen den Emir unter den diesem bis dahin freundlich gesinnten Araberstämmen benutzt. Einschränkung des französischen Syrienmandats auf das Libanon« gebiet Jerusalem. Nach langen Verhandlungen wurde diesei Tage ein Abkommen zwischen der französischen Regierung und der Regierung von Syrien unterzeichnet, demzufolge Frankreich das Mandat über Syrien aufgeben wird. Nur das Libanon-Gebiet soll weiter unter französischem Mandat bleiben. Nach der Unabhängigkeitserklärung des Irak und Syriens wird Palästina das einzige Mandatsland im Nahen Osten sein. Die blau-weiße zionistische Flagge führte der mit mehreren hundert amerikanischen Touristen eingetroffene amerikanische Dampfer «Laconia». Die arabische Presse Palästinas erblickt hierin einen Bruch internationaler Gepflogenheiten und erklärt, der Kapitän des Dampfers wollte demonstrativ den Anschein erwecken, als sei die blauweiße Flagge ein palästinensisches Hoheitszeichen. Mit dem Dampfer «Tschltscherin» sind in Jaffa mehrere jüdische Familien aus Sowjetrußland unter ihnen vier aus Biro Bidschan, wohin sie vor einiger Zeit aus Palästina ausgewandert waren, eingetroffen. Von tiefstem Schmerze gebeugt, geben wir hlemit die traurige Nachricht vom Hinscheiden unseres geliebten Gatten, Vaters, Bruders und Onkels, des Herrn Isak Braitiin Schriftsteller und Bildhauer welcher am 15. April d. J. nach kurzem Leiden im 00. Lebensjahre verschieden ist. Die Beerdigung fand Sonntag, den 16. d., auf dem Zentralfriedhofe, IV. Tor, statt. Melanie Brainin als Gattin Ing. Max u. Fritz Brainin als Söhne Reuben Brainin. New York Marie Loubetzky, Wien Salman Brainin, New York Ida Springer, New York Sigmund Brainin, Wien Dr. Lisa Ortenberg als Brüder Montreal — als Schwestern sowie sämtliche Schwäger, Schwägerinnen, Neffen und Nichten

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