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Die Stimme · 1933-04-21 · Heft 276 (21.4.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 276 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIB STIMME Nr» 276 — 21. April 1933 oiusiands&\ie^A c*.du »sStünma« Die Hitler-Bewegung in Rumänien Von unserem Bukarester H. R. Korrespondenten Um von vornherein Mißverständnissen aus dem Wege 2u gehen, wollen wir gleich betonen, daß es sich in diesem Falle nicht um die ant semitische Bewegung handelt, an deren Spitze Prof. Cuza als Führer der «Christlichen Liga» steht und auch nicht um Zelea Codreanu, den Heros der «Eisernen Oarde», vielmehr um die Sachsen und Schwaben, welche als Minderheit in einer Stärke von zirka 700.000 Seelen In Rumänien wohnen und sich gegenwärtig anschicken, sich nach Hitlerischem Rezept zu organisieren und in einen offenen Kampf mit der jüdischen Minderhe't im Lande zu treten. Die Vorarbeiten für die Propagierung des Hitlertums auf rumän'schem Boden wurden schon lange in Angriff genommen. Noch vor mehr als einem Jahre weilte in Rumänien der Privatsekretär Hitlers, Herr Motz, der mit den Siebenbürgen Sachsen und Schwaben in näheren Kontakt trat und auch Verhandlungen mit dem Antisemitenführer Rumäniens, Prof. Cuza, führte. Damals wurde schon der Grundstein für die Hitler-Bewegung m Rumänien gelegt, wenn auch die ganze Organisierung inoffiz'ell erfolgte, nämlich ohne daß die deutschen Führer zu derselben, sei es in positivem oder in negativem Sinne, Steilung nahmen. Es war dies auch schwer möglich, weil der damalige Unterstaatssekretär für Minderheiten ein Deutscher war, welcher gewissermaßen auch die jüdische Minderheit im Ministerrate vertrat. In offiziellen jüdischen Kreisen wußte man es ganz genau, daß die antisemitische Propaganda unter den Deutschen Rumäniens intensiv betrieben werde und kannte bereits den «Spiritus rector», Herrn Fabrizius, der ein treuer Jünger Hitlers ist und die Leitung der Geschäfte der Nazis in Rumänien inne hatte. Die deutsche parlamentarische Qruppe als solche legte sich eine gewisse politische Reserve auf, indem sie zumindest nicht offen für diese neue Strömung unter den Deutschen Rumäniens Stellung nahm. Diese «getarnte» Politik der deutschen Parlamentarier wurde nach der Wahlschlacht am 5. März in Deutschland und nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler fallengelassen. Es begann der Kampf in der Presse gegen die jüdische Minderheit tn Rumänien, der »ich besonders in der Bukowina stark auswirkte. Die offizielle Presst der deutschen Minderheiten erhielt ihre geistige Nahrung aus Deutschland und versuchte womöglich noch den «Völkischen Beobachter» zu übertrumpfen In der Pressekampagne griff man auf die Lehren der «Weisen von Zion» zurück und forderte den Boykott gegen alles, was jüdisch ist. ln der Begründung zu dieser Vorgangsweise führte die Presse der deutschen Minderheit den Umstand an, daß es sich um einen Abwehrkampf handle, weil die Juden Rumäniens im Zusammenhänge mit den Ungeheuern Schikanen gegen die deutschen Juden den Boykott deutscher Waren erklärt haben. Der Kampf hat unangenehme Formen angenommen, weil beide Teile von demselben betroffen wurden. Die jüdische offizielle Presse nahm zu diesem Boykott mehrmals Stellung und forderte die deutsche parlamentarische Vertretung auf, zu erklären, ob sie sich mit der Pressekampagne ihrer offiziellen Zeitungen gegen die Juden Identifiziere. Die erste Antwort erfolgte auch in der Tat vom Deutschen Volksrat in Cernauti als der offziellen Vertretung der deutschen Minderheit der Bukowina, in welcher die vollkommene Solidarität mit ihrer Presse in bezug auf die Kampagne gegen die Juden ausgesprochen wurde. Diese Tatsache hatte für die deutsche Minderheit schwere Folgen, da die Juden Abwehrmaßnahmen ergriffen, was s"ch im Wirtschaftsleben gleich bemerkbar machte. In der Bukowina versucht de deutsche Minderheit, ganz besonders die katholische, zum Rückzug zu blasen, um sich wieder auf irgendeiner Plattform mit den Juden zusammenzufinden. Ganz anders verhält es sich in Siebenbürgen, wo die deutsche Jugend im Geiste Hitlers zu wirken beginnt und bereits in Nazi-Uniformen aufzi-eht. Dies wurde in der rumänischen Presse mit wenig Wohlwollen aufgenommen und an vielen Oiten verboten die Behörden da6 Tragen der Nazi- Uniformen und zogen die Führer zur Verantwortung, Dies empfanden die deutschen Parlamentarier als eine Repressalie, erschienen, begleitet vom berüchtigten Naziführer in Rumänien, Herrn Fabrizius, in Audienz beim Ministerpräsidenten Vaida Voevod und verlangten freie Betätigung und Entwicklung des Hitlertums. Angeblich soll ihnen der Ministerpräsident dies zugesagt haben. Die Sache selbst wurde offiziell weder bestätigt noch dementiert. Aber ein Sturm ging in der rumänischen Presse darüber los, daß der Ministerpräsident diese Delegation empfangen und mit ihr konferiert hat. Es gehe doch nicht An, daß Rumänien eine Hitler-Bewegung Im Lande dulde, die auf eine Revision der Friedensverträge hinziele, was für Rumänien eine nationale Katastrophe bedeuten würde. Unter dem Drucke dieser öffentlichen Meinung scheinen die offiziellen Behörden nicht geneigt zu sein, die Hitler-Bewegung in Rumänien stark werden zu lassen. Den Kampf von dieser Seite haben die Juden Rumäniens am wenigsten erwartet, da sie viele völkischen Interessen mit der deutschen Minderheit verbanden. Führende Deutsche trafen sich mit der jüdischen Repräsentanz auf den europäischen Nationalitätenkongressen und hatten im Lande selbst Vitia gemeinsame Interessen zu vertreten. Es war ein friedliches Zusammenarbeiten für die gemeinsamen Interessen der Minderheiten. Die Deutschen Rumäniens wußten es auch zu schätzen und zu würdigen, daß ein Großteil der jüdischen Minderheitspressc in deutscher Sprache erscheint und daß jüdische Buchhändler für die Verbreitung des deutschen Buches in ganz Rumänien Sorge trugen. Nicht nur einmal hatten die jüdischen Führer Vorwürfe von seiten der rumänischen Regierung zu hören bekommen, daß sie vielfach die Träger der deutschen Kultur in Rumänien sind und sich noch nicht ganz entsprechend den staatlichen Verhältnissen umorientiert haben. Das alles wußten die Deutschen Rumäniens und hatten oft Gelegenheit, in den kommunalen Verwaltungen der Munizipien die Unterstützung der Juden festzustellen. Und an all das haben die Deutschen Rumäniens seit dem Aufstieg Adolf Hitlers vergessen. Sie wurden von einem Taumel erfaßt, der soweit ging, daß sie ihre völkischen Interessen als Minderheit in Rumänien, welche vielfach von der AUSLÄNDISCHE NIODENEIIHEITEN EN DETAIL I Seide Wolle Samte FRflHZ MAN. I. COnCORDIAPL 5 Zusammenarbeit mit der jüdischen Minderheit abhängen, Preisgaben. Die deutsche Minderheit in Rumänien hat sich in dieser kritischen Zeit nicht bewährt und die Sympathie der jüdischen Minderheit verwirkt. Diese Vorgangsweise hat die Juden Rumäniens noch mehr darin bestärkt, den Boykott gegen Hitler-Deutschland restlos durchzuführen und so lange die deutschen Waren zu boykottieren, als nicht eine völlige Aenderung der Haltung Hitlers gegenüber den deutschen Juden eintritt. Es haben sich in ganz Rumänien Boykottkomitees aus allen Berufsklassen und Berufsschichten gebildet, welche sich bemühen, den Boykott deutscher Waren restlos durchzuführen. Inzwischen werden die Jüdischen Kaufleute und Industriellen Rumäniens mit Flugschriften aus Deutschland überschwemmt, welche gegen die «Greuelpropaganda» Stellung nehmen. Diese Flugschriften verfehlen Ihre Wirkung vollkommen. Die Numerus clausus für jüdische Viehhändler und Metzger in Köln Köln. Die «Kölnische Zeitung» veröffentlicht folgende Notiz: Der Wirtschaftsderzerncnt der Stadt Köln, Beigeordneter Dr. Schmidt, hat Johann Olbermann als Kommissar beim Schlacht- und Viehliof eingesetzt mit der Aufgabe, den Numerus clausus für die jüdischen Viehhändler und Metzger beim Schlacht- und Viehhof durchzuführen. Das Wirtschaftsdezernat meldet: Am Sonnabend Vormittag gegen 530 Uhr wurde in der Markthalle beim Oeffnen Bei Kopfschmerzen, rheumatischen und gichtischen Beschwerden wirkt Togal rasch und sicher. Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 6000 Aerzte, darunter viele bedeutende Professoren, die hervorragende Wirkung des Togal. In allen Aputhelcen. Preis S 2 40, der Kühlanlage festgestellt, daß in der Zelle des Metzgers Issi Salornon das Fleisch mit Petroleum begossen war. Die Umgebung der Zelle wurde von dem ausfließenden Petroleum gereinigt. Von der Halleninspektion wurden die üesundheitspolizei, der Tierarzt Dr. Bchnke, sowie die Kriminalpolizei benachrichtigt, die sofort zur Stelle waren. Die Untersuchung ergab, daß das Petroleum nicht von außerhalb der Zelle, sondern von innen gegossen worden ist! Als Täter kam deshalb nur der Besatzer der Zelle, Issi Salornon oder einer seiner Angestellten in Frage. Issi Salornon wurde darauf festgenommen und der Kriminalpolizei zugeführt! Völliger Ausschluß der Juden aus deu freien Berufen Neue Forderungen nationalsozialistischer Aerzte Berlin. «V. B.» veröffentlicht aus einem Aufruf des nationalsozialistischen deutschen Acrztebundcs folgende Steilen« rumänische Judenschaft läßt sich durch solche Methoden über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß die Juden Deutschlands eine Zeit durchmachen, die vielleicht schrecklicher ist als die Epoche der Vertreibung der Juden aus Spanien. Als Kuriosuni soll noch erwähnt werden, daß Hitler in Berlin eine «Hochschule» zur Propagierung des Antisemitismus errichtet hat, wo fremde Staatsangehörige erzogen und ausgebildet werden. Als erster Zögling wurde in diesem Institute der Sohn des Antisemitenführers von Rumänien, der Deputierte George Cuza aufgenommen, der nach Absolvierung dieses «Institutes» berufen sein wird, die Lehren Hitlers auf rumänischen Boden zu verpflanzen. Es ist fraglich, ob diese Sumpfpflanze auf den sonst fruchtbaren Gefilden Rumäniens wachsen wird. Sicher aber ist, daß unter dem Regime der national-zaranlstischen Regierung das Hitlertim* in Rumänien keine Aussichten auf Erfolg hat. Ein Dokument der Zelt: Ein jüdischer Parlamentarier für die Erhaltung der deutschen Schulen Im Zusammenhänge mit der Hitler-Bewegung in Rumänien und mit den Judenverfolgungen in Deutschland ist es von besonderem Interesse, ein Dokument zu veröffentlichen, das die offizielle Vertretung des Bukowina« Deutschtums an den Abgeordneten Dr. Manfred Reifer für seine Intervention im rumänischen Parlamente zugunsten der deutschen Schulen gerichtet hat. (Anm. d. Red.) I Deutscher Voiksrat in der Bukowina. Zahl 766/31 Cernauti, den 21. Dezember 1931. Hochwohlgeboren Herrn Abgeordneten Dr. Manfred Reifer in Czernowltz. Wir erfuhren durch die Presse und durch unseren par lamentarischen Vertreter Herrn Dr. Lebouton, daß sich Euei Hochwohlgeboren im Budgetausschuß unseres deutschen Gymnasiums von Czernowltz angenommen haben und für das weitere Fortbestehen desselben eingetreten sind. Wir erlauben uns, aus obigem Anlasse Euer Hochwohlgeboren im Natnen der am 20. Dezember 1. J. im Deutschen Hause in Czernowitz stattgefundenen Versammlung und im Namen des Deutschen Volkrates für die Bukowina den wärmsten Dank auszusprechen. Mit vorzüglichster Hochachtung der Vorsitzende des Deutschen Volksrates: Dr. Alfred K o h I r u ß m. p. «Die nationalsozialistischen Aerzte und Rechtsanwälte fordern die völlige Entfernung der Juden aus den akademischen Berufen (freien Berufen). Dia freien akademischen Berufe sind es, die mit weitesten Kreisen der Bevölkerung in persönliche Berührung kommen und ihren Klienten gegenüber eine gewisse Vertrauensstellung einnehmen, durch die sie Einflüsse auf die Denkweise weitester Kreise gewinnen. Daß es in einem völkischen Staat aus diesen Gründen undenkbar ist, daß auch nur ein Jude noch in der Lage ist, daß Gift jüdischer Denkart auf diese Weise auszustreuen, erscheint uns selbstverständlich. Dazu kommt noch, daß durch die bestehende Ueberjudung die frühere ideale Berufsauffassung in weiten Kreisen der freien Berufe bereits dem jüdischen Geschäftsgeist gewichen ist. Dieser Geist muß aus unseren Ständen hinaus und Jede Möglichkeit, daß er wie- Uerkehrt, genommen werden.» Ausschluß von illdlschen und marxistischen Sportfunktionären In einer Vorstandssitzung In Berlin faßten der Fußballbund und der Leichtnthletikverband folgenden Beschluß: «Der Vorstand des Deutschen Fußballbundes und der Vorstand der Deutschen SportbehÖrdö für Leichtathletik hatten Angehörige der jüdischen Rasse ebenso wie auch Personen, die sich in der marxistischen Bewegung hei ausgestellt haben, In führender Stellung der Landesverbände und Vereine nicht für tragbar. Die Landesverbände und Vereine werden aufgefordert, die entsprechenden Maßnahmen, soweit diese nicht bereits getroffen sind, zu veranlassen.» (jtüia 2üntii J&koi. tdaiitain. empfehlen sich als Verlobte Wien, im April 1933 Wirtschaftliche Vernichtung der Juden im Dritten Reich

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