Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 275 (14.4.1933)
- Date
- 1933-04-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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&ffc 4 DTE STIMME Nr. 275 14. Spill 193$ Nacnrlcnlen Zusammentreffen des belgischen Künlgspaares mit Dr. Welzmann ln Palästina Jerusalem. Das belgische Königspaar ist in Jerusalem eingetroffen und hat im Regierungsgebäude Wohnung genommen. Der König und die Königin von Belgien beabsichtigen, 14 Tage in Jerusalem zu bleiben. Zu ihren Ehren fand im Regierungsgebäude ein Diner statt, an dem auch der Präsident der English Zionist Federation und frühere Präsident der Jewish Agency, Dr. Chaim Weiznrann, teilnahm. Zionistische Flagge auf einem amerikanischen Dampfer Jerusalem. Der mit einigen hundert amerikanischen Touristen an Bord in Palästina eingetroffene amerikanische Dampfer «Laconia* führte beim Einlaufen in den Hafen von Haifa die blau-weiße zionistische Flagge. Die arabische Presse Palästinas erblickt hierin einen Bruch internationaler Gepflogenheiten und interpretiert die Führung der zionistischen Flagge durch das amerikanische Schiff dahin, daß der Kapitän des Dampfers < emonstrativ den Anschein erwecken woHte, als sei die zionistische Flagge ein palästinensisches Hoheitszeichen. Der englische Kolonienminister in Palästina« — Telephonverbindung England—Palästina eröänet London. Der englische Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister hat sich im Flugzeug nach Palästina begeben. Sir Philip beabsichtigt, sich drei Wochen in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens aufzuhalten. Vor seiner Abreise aus London eröffnete er die neue Telephonverbindung mit Palästina durch ein Gespräch mit dem High Commissioner Sir ArthtirWauchope und mit dem palästinensischen Generalpostmeister. Direkte telephonische Verbindung ist von London aus nicht nur mit Jerusalem, sondern auch mit Haifa, Tel-Awiw, Jaffa und Gaza möglich. Bürgermeister Dlzeugoff an Professor Einstein Jerusalem. Das achtjährige Bestehen der Hebräischen Jniversität Jerusalem wird gegenwärtig durch Festversammlungen in ganz Palästina gefeiert. Der Bürgermeister von Tel-Awiw Meir Dizengoff hat aus diesem Anlaß an Prof. Albert Einstein ein Telegramm gerichtet, in dem er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß Prof. Einstein eines Tages an der mathematischen Fakultät der Hebräischen Universität wirken werde. Wir hoffen, heißt es in dem Telegramm, daß Ihr Licht einst vom Scoptis-Berg aus der gesamten Menschheit leuchten wird. Ein holländischer Lufthafen ln Palästina Jerusalem. Die holländische Regierung hat in Jerusalem ein Grundstück zur Errichtung eines Flughafens erworben. Holländische Flugzeuge sollen zweimal wöchentlich auf dem Wege von Amsterdam nach Batavia und zurück in Jerusalem landen und einen Personen- und Postverkehr von und nach Palästina vermitteln. Arabischer Bodenauspruch zurück' gewiesen I Jerusalem. Das Distriktsgericht in Nablus hat den arabischen Anspruch auf etwa 30.000 Dunam Boden im Wadi Hawarith, die vorn Keren Kajemeth käuflich erworben worden sind, zurückgewiesen. MacDonald und Herbert Samuel beraten Uber die Lage der Juden in Deutschland London. Der Führer der Liberalen, Sir Herbert Samuel, hat dem Ministerpräsidenten MacDonald am I. April einen Bestich abgestattet, um mit ihm die Lage der Juden ln Deutschland zu erörtern. Die Beratung der beiden Politiker dauerte etwa 20 Minuten. AUSLÄNDISCHE mODEHEUHEITEn In DETAIL Seide Wolle Samte FRANZ «Ml, I.GOHCORDIAPL S Zu Gaste bei indischen Bvtidevn Ein Reisebericht der Hakoah-Ringev Von SekUonsleliev Oskar GUnser Ueberall hin wurde unsere brave Ringermannschait ■schon eitvgeiaden. Nur der Norden mit dem .unbestritten* Weltmeister Schweden und den ebenso tüchtigen Nachbarländern Finnland und Dänemark hielt nichts von der Klasse der mitteleuropäischen Ringer. Umso größer war unser Erstaunen, als uns die Kopennagener Hakoah zu einer Tournee nach Dänemark und Schweden einlud. Als wir Mittwoch, den 8. März mit der Mannschaft Roth, Finczus, Schianger, Ochsenhom, Birnbaum, Müller, Hirsch und dem Leitungsmitglied Otto Färber und meiner Wenigkeit auf die Reise gingen, war unsere Stimmung gerade nicht die beste, hieß es doch anzutreten gegen «Hakoaln-Kopenhagen, deren Ringer sich bei den Makkabiwettspielen als würdige Repräsentanten der nordischen Schule erwiesen hatten, ferner gegen den kampfstarken dänischen Meister «Dan» und einen dritten Kampf gegen das Städteteam von Malmö. Während der 27stündigen Reise besserte sich die Stimmung etwas, um einer hellen Begeisterung bei der Ankunft in Kopenhagen Platz zu machen. Hier erwarteten uns, um eine prächtige blau-weiße Fahne geschart, über 500 Juden, und nur mit Mühe konnte uns die Polizei vor den autogrammheischenden Jungens schützen und uns den Weg in de# reservierten Wartesaal freimachen. Eine bildhübsche junge Dame überreichte uns zumr Willkomm einen prächtigen Blumenstrauß, die Herren Schwarzmann und Rudaitzky begrüßten uns in deutscher Sprache und übergaben uns den Quartiergebern, ln diesem Augenblick hatten wir aufgehört, selbständige Menschen zu sein. Es muß hier gesagt werden, unsere Mannschaft ist schon viel gereist, aber nirgends sind wir so gut und so vom Herzen liebenswürdig aufgenommen worden wie bei unseren jüdischen Brüdern in Kopenhagen. Diese dänischen Juden sind ein. ganz eigener prächtiger Menschenschlag. Größtenteils aus Russisch-Polen elngev/andert, sind sie, ohne ausgeprägte Zionisten zu sein, doch fabelhaft volksbewußte Juden. Ihre Umgangssprache Dänisch ist vollkommen akzentfrei, doch zu Hause sprechen sie noch immer jiddisch. Ihr Leben ist von Gott gesegnet In einem Lande, das vorn Krieg nicht berührt wurde, leben sie unbeschwert von Antisemitismus nur ihrer Familie. Sie kennen keine aktive politische Betätigung und demgemäß keine Assimilation. Wenn wir geglaubt haben, daß der Empfang, der uns bereitet wurde, nicht zu überbieten sei, so irrten wir uns gewaltig. Von Tag zu Tag steigerte sich die Liebenswürdigkeit unserer Herbergseltern, die uns mm nicht mehr beim Namen, sondern kurzwegs «Wiener Kinder» nannten. Freitags gings mit beigestellten Privatautos (juer durch Kopenhagen, einer sehr netten und die Masse ihrer Radfahrer besonders auffallenden Stadt. Nachmittags wieder im Auto zur Jause ins Schneeparadies, einem Wildpark, der ungefähr unserem Schönbrunn ähnlich ist. Freitag abends waren wir im Tempel, der übrigens heuer sein hundertjähriges Bestandsjubiläum feiert und mit seinem prächtigen Aussehen ein getreues Sfüegelbild des Wohlstandes der Kopenhagens jüdischen Gemeisde ist. Samstag war ein Rasttag. Hies es doch abends zum Kampf anireten. Die Wiener bemühten sich hier ihr Bestes zu geben und es gelang uns, unsere dänischen Brüder 5:2 zu besiegen. Wozu zu bemerken ist, daß dem Wiener Roth wohl der Sieg gegeben werden mußte, daß aber Michael Kurland, gefühlsmäßig gewertet, besser als der Wiener war. Für Finczus war Bukrinsky, der sich tapfer wehrte, kein Gegner. Nach 11 Minuten stand der Kampf 2:0 für Wien, aber die dänischen Kanonen Abraham Kurland und Silbermann brachten den Stand auf 2:2. Kurland ist ganz große Klasse, gelang es ihm doch in einem harten, energievollen Kampf den österreichischen Meister Schianger knapp nach Punkten zu besiegen. Silbermann, der um nichts schlechter als sein International bekannter Klubkollege ist, besiegte glatt Ochsenhorn in acht Minuten. Einen überlegenen Sieg holte sich Birnbaum über den untergewichtigen Toronzyk in sieben Minuten. Müllers sicherer Punktesieg Uber den bärenstarken Paikin stellte den Sieg der Wiener fest, so daß Hirschls effektvoller Blitzsieg — er legte Wassermann in dreißig Sekunden — nur mehr das Resultat noch verschönte. Der Kampf der durchwegs fair verlief, fand im ausverkauften Odfellow-Palais vor zirka 2000 Zuschauern statt und es war ein erhebender Anblick als beim Erklingen der Tikwah beinahe die Hälfte der Kopenhagener Juden — es wohnen 5000 in Dänemark — den Jüdischen Athleten zujubelten. Nach unserem Kampfe gab es eine gut gelungene Gymnastikvorführung der Hakoahdamen. 20 meistens hübsche und durchwegs fesche Mädels zeigten, daß auch die junge Jüdin Im Sport Großes leisten kann. Sonntag früh ging« in Begleitung von zahlreichen Schlachtenbummlern nach Lund. Hier stellten wir uns im Festsaale der Universität dem Städteteam von Malmö. Was England im Fußball, ist Schweden im Ringen. Und so wie Schweden der Weltmeister im Ringen ist, ist Malmö die stärkste Mannschaft Schwedens, nach Aussprüchen der Nordländer die stärkste Mannschaft der Welt. Vorweg sei gesagt, wir haben gegen diesen prächtigen Gegner über Erwarten gut abgeschnitten. Denn alle schwedischen Zeitungen behaupten, daß unserem Müller schwer Unrecht geschehen sei und der Schiedsrichtersieg seines Gegners unverständlich ist. Gegen die stärkste Mannschaft der Welt auf ihrem eigenen Boden, wo sie noch nie jemand geschlagen hatte, 5:2 oder, wenn man Müllers Pech berücksichtigt 4:3 zu verlieren, ist gewiß mehr als ehrenvoll. Die Kämpfe, die Schianger, Birnbaum, Müller und Hirsch! geliefert haben, werden den Schweden noch lange ln Erinnerung bleiben. Nach einem prächtigen Bankett ln Malmö fuhren wir zurück nach Kopenhagen zum Purimball. Montag und Dienstag fuhren wir mit den Autos durch Kopenhagen, nur uni jeder Einladung Folge zu leisten. Es war daher für die Leitung eine besondere Ueberraschung, daß nach den vorangegangenen kulinarischen Strapazen die Mannschaft gegen das Kopenhagener Team inr prächtigsten Stil 4:2 siegte. Die dänischen Zeitungen sind sich darüber einig, daß von keiner ausländischen Mannschaft solch vorzügliche Kämpfe geliefert wurden. Mittwoch folgte die Mannschaft zuerst tiner Ein- Dle Pessachframmer der „Stimme14 erschien diesmal 16 Selten stark ttad brachte anSer einer Fülle aktneüan Materials ln Utrer Fest-Beilage Bel' trüge von« Dr« David Feuehtwang: Zelt unserer Befreiung F« Flnketstein: Erinnerungen an Schotem Atefchem Rosa Melier: Pessach « . « Johanna Wolf COtmütz): Volk ohne Heimat Dr. Jakob Bosenthal: Fünfzig Jahre Tisza-Esztar'Prozeß Dr. Marek Schertag: Die Juden In Friedens „Kulturgeschichte der Neuzeit“ Israel Mafofis: Sind Chroisses gefährlich? Dr. Karl Bosenfeld: Prof«Boris Schatz Dr. Henny Llchtenstein*Bappaport: Arnold Zweig „De Vrlendt kehrt heim“ Dr. Isidor SehMt: Der Kampf der Kadimah gegen das Asslmllafttentum Dr. Amalle Kantor: David Pinsfcl und die Frauen Trotz doppelter Auflage Ist die Nummer fast zur Gänze vergriffen« Wenige Restexemplare sind noch durch die Administration, I«, Kämt' nerstraße 18, zu beziehen« ladung des Herrn Oberrabbitiers Dr. Friediger, um dann nach einem Besuch der Brauerei erst ganz ihrer Freude über den großen sportlichen Erfolg der Reise Ausdruck zu geben. Als wir Donnerstag Kopenhagen verließen, waren wir überzeugt, daß die Wiener Hakoah wieder einmal große Propaganda für den jüdischen Sport und das jüdische Volk geleistet hat Der Abschied, zu dem sich ungefähr hundert Mitglieder der Hakoah Kopenhagen eingefunden hatten, war gleich liebenswürdig wie der Empfang, und wenn uns eines das Herz schwer macht, so ist es das Gefühl, ob wir imstande sein werden unsere jüdischen Brüder mit derselben Liebenswürdigkeit in Wien zu empfangen, um ihnen so die Dankbarkeit zu beweisen für die schönste Reise, die die Hakoah* ringer je gemacht haben. Ein Wiener Klub In Tel'Awiw Aua Tel-Awiw wird uns geschrieben: In Tel-Awiw hat sich in den letzten Tagen ein Komitee gebildet, mit der Absicht, die Gründung eines Wiener Klubs ln die Wege zu leiten. Die gesellschaftlichen Zusammenkünfte werden jeden Dienstag abends um 9 Uhr Im Ungarischen Cafe, Nachlath Benjamin 40, stattfinden. Den Initiatoren dieses Klubs handelt es sich darum, daß Freunde, die aus dem Auslande kommen, wissen, wo sie ihre Landsleute finden können. Ebenso wird der Klub stets bereit sein, den Neuankommenden durch Informationen jeder Art behilflich zu sein, sich unter den neuen Verhältnissen einzuordnen. Ueberdiea soll diese Informative Hilfe nicht nur auf Wiener allein, sondern auoh auf alle Palästina-Interessenten, die aus dem alten Oesterreich kommen, erstrecken. Die „PAG" teilt mit: l. Vom iS- April 1933;iu vwid uiu ui weitcnci Palästina-Informationsdienst der jedermann frei zugänglich Ist, eiuguriclUel Pcrsouen, welche verläßliche Auskünfte Uber u) Palästlna.Rcisen und Uebersiedlunguu, Einreisebedingungen, Reisekosten «ul den verschiedenen Unten. Vlaabeacbaffung, Qruupeureisen, b) Ex- und Iraportfragen, Zollsätze, Warentransnortkoatcn, c) Inveatlonsmögllchkelteu In Landwirtschaft, städtischem Besitz, Industrie. Handel und Gewerbe. d) Exlstenzausslchtcn in den verschiedenen geistigen und manuellen Berufen, e) Einrichtung von Betrieben ln Palästina uud Liquidationen in Europa, I) Ztisammenlührung von Fachleuten mit Kapitalist«« und von Interessent!«« für Kollektiv-Unternehmungen aowl« alt« aaderao Palästina-Fragen zu erhalten wünschen — Auskünfte, die von erprobten Fachleuten und unter Heranziehung eines reichen Quellenmatertala erteilt werden —. wenden sich persönlich an daa Infornation*- hurenu der ..PAG", Wie*, VI., Caplstrangass« Nr« 3 (lul der MariahllferstraOe, vls*ä-vts der Stiftskirche) nur Montag bla Freiiag von 9.30 bis 1L30 Uhr eigener Eingang Ins Bureau, neben dem Haustor) Die nächste 8« Paiäsüna-Ocscllschaftsrcl«* B«ht am 7« Hai 1933 von Wlan ab Landung in Haifa am 12. Mal, morgens. Die Teilnahme au <Ji . voraussichtlich letzten Gesellschaftsreise in nächster Zeit ist b schränkt, da nur wenige Plätze rur Verfügung stehen und nebehördliche Schwierigkeiten in Palästina eelt kurzem bestell' - Sofortig* Anmeldung daher erforderlich (Pad roitbringen)! Diese Reise Ist überaus billig! sHmt Verpflegung und Bett Schiff (4500 t) von S 210.- aufwSrls Anmeldungen In. Bureau der ..PAO“. Wleu, 11!., Laudstraüar Gürtel 0 (Elektrische Straßenbahnlinien O, 4, US), nur Montag bla Freitag von 3 bis 3 Ubr nachmittags. Während dieser Sprech stunden werden 3. auch in allen anderen Palästina und „PAQ‘‘-Angelegen heiten Informationell er tollt Telephonische Auskünfte werden nicht gegeben! Alle brieflichen Anfragen sind an die unter 3. angegebene Adresse - mit*r Beiiligum des Rückportos - zu richten.