Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 275 (14.4.1933)
- Date
- 1933-04-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 2 JME StTMMB Nr, tns ~ 14. April 1933 Hüters Bumerang-Poliiik l)ef AtfSf0ttUHg$Kftftipf der nationaUso/.aJistisdien Regierung Deutschlands gegen die deutschen Juden hat Infolge gezeigt, die sich Hitler nicht träumen ließ. Der Bumerang, den fcr gegen die Juden Deutschlands schleuderte., schnellte nicht in sein« Hand zurück, traf vielmehr mir katastrophaler Wucht Deutschlands Wirtschaft. Die National<*UliäH#ten erkennen heute, auch wenn Sie es nicht eingeSfefien, daß die Wirklichkeit anders atissieht, als sie sich in ihren Köpfen AU§- malle. Nicht einmal entern Negarstaat gegenüber fielen jemäte solche Ausdfüfcke, Wie Sit Deutschland 211 hören bekftfh. «The New Yörk' Times» z. B. schreibt flDeP die Vorgänge in Deutschland: «DAs ist der heilste WahnsinflUnddekläriefteinen komplettengeistigen Zusammenbruch. Deutschland wird das einmal bJtttf bereuen.'> Der englische Abgeordnete George Hicks sprach von den «Gangster-Methoden» der deutschen Regierung. Der Bischof von London und dar französische Erzbischof schließen die Juden in ihre Gebete ein. Degen den Aufschrei der ganten Welt versagen auch die deutsche« Propagahdaküriste. & wird Deutschland ln der Welt nichts nützen, wenn einige StfäHgUliefungsverofdnuhgen, z. B. betreffend die Zulassung jüdischer Rechtsanwälte, gemildert werden. Es nützt Deutschland nichts, wen« felge Ghettoseelen, getaufte und Uflgetauft#, der Welt ein widerliches Schauspiel bieten und den Nationalsozialismus verteidigen, Hierher gehört z. B. der getaufte Violinvirtuose FfitZ Kreisler. Der erbärmliche Mauschel ist erwacht! Er möge 9lfch aft dem mannhaften Auftreten des Ariers Füftwähgler ein Beispiel nehmen, sich schämen und schweigen. Dte Welt wird nicht früher zur Ruhe komme«, der Boykott deutscher Waren nicht aufhörfeft, bevor ln Deutschland nicht der frühere Rechtszustand der Juden htrgeeteot lelfl wird. Numerus clausus tmd numerus nul* fttA; pdmiache Mord«, wie an den Rechtsanwälten Doktor Joachim ln Berlin und Dr. Weiner ln Chemnitz vollenden <hte moralische Einkreisung Deutschlands. Wir Juden werden glücklich sein, Wenn Deutschland wieder gut gemacht haben wird, was den Abscheu der ganzen Welt erregt, nicht nur, well dann die Leiden unserer Brüder beendet sein werden, sondern auch deswegen, weil wir auch ln diesen Tagen noch zwischen dem deutschen Volke eines Ootthe und Kant und de» Fürsprechern eine* wütende« Hakenkreuzes. Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Theaterwesen Einer Meldung des «Völkischen Beobachters* zufolge, Witfde« mehrere jüdische Mitglieder des Nassäuiaehen Uftdeitlteäters, Und iwar der Tenor ThUltftäiiin, der Bassist Uiar, der Chorsänger Goldbefg, der Inspizient Lichten, der öeiger Viktor üftö die Tänzerin Frätriein Sterfl Vorläufig ihres Dienstes enthoben. Sfebsahntausend Juden nach Polen geflüchtet wie die jüdilehe Press# mäklet, beträgt die Zahl der aus Deutschland fläeft Polen geflüchteten Juden D.OÖQ. Ein engfisehee Parlamentskomitee snr Beobachtung der Lage der Juden In Deutschland Mitglied* des Unterhauses halten Mn Komltia ge. bildet, das sich die Aufgabe gestellt hat, die Entwicklung Btr Ligi der Juden ln Deutschland Au beobachte«. Der Sekretär de« Komitees Ist dir rechtsstehende Abgeordnete Commander Oliver LöehOr-Lampson, zu den Mitgliedern ge« hOften LOfd Hartington, Lord Elmley, Major Hüte, Reginald Denn**, Admiral Süeter, Colonel Buohan und Dingte Foot Wie J. T. A. erfährt, Ist es nicht ausgeschlossen, daß im den bekannten Anträgen, betreffend db Lage der Juden in Deutschland nach den Osterferien dite Aitespfäfitte Iffl «reUeehen Untertüw# angesetzt wird. Jttd«fl dürtw nicht schwarz*weiß«röt flaggen «Münchener Zeitung» meidet aus Speyeri Kl SpeyAr wurde jüdischen Geschäftsleute« da# HiltSft rdfl «ehWAf#*we)h-röten Fahne« Uritersagt. Die bei dtm BelUch des kommissarischen bayrischen Mirti§t#fpfä§id#Ht«n General von Epp an jüdische« Hftuiefli gezeigt«« *«l!WäfZ‘W«IÖ-fötefl Fahnen mußte« eingezog#n werden. 9000 JllOeil aus Deutschland ln der Schwelt ölflg«- trotte« Wil amtlieh mitgeteilt Wird, sind bisher 3000 Juden aus Deutschland Über Basel ln die Schweiz gekommen. Die Zähl der In di# Schwel# «(«feilenden deutichen Juden hat seit Einführung des Sichtvermerkszwanges in Deutühiihd wesentliSh abgenommen. Zusammenbftlfth der teatlotlftl» sozialistische» LügenprOfflBandä Die Nationalsozialisten haben rrt;t allen Mitteln versucht, die Wahrheit über Deutschland nicht aufkötflmeti AU htssöfl und däs «Neue Wiener J d U r n a h lind dte f N e u # Freie Pressegebärdeten sich #0, Al# Ob tefe Schon «gleichgeschaltetä wären. Eine rühmlich« Ausnahme machte nur das «Neue Wiener TngbLltt*. Di#§#s Blatt schreibt nun zu den Nachrichten über die Entlassung döf jiidi- «Htert Staatsbeamten ln ttelitMhlAnfi: «Es wird ganz Offöfl erklärt, daß dl# sogeflAhrtten Partölbucltbönmten Ufld Staatsbürger jüdisichon GläU&eft# tfti Öffentlich#« Dienst#, vermutlich Öhn« Pension, VOri Ihrem Posten entfernt werden, öleie Mitteilung, zu der sich fleteh überdies die Nachricht über die Ausschaltung der jüdischen Aerzte au# den Versicherungsanstalten und KmukenkäMen geteilt, steht Im auffallenden Gegensatz zu den beschwichtigenden Nachrichten, mit denen die Wiener Redaktionen von affen möglichen Körperschaften, Privatfirmen und Privatperiörtliehkelten Deutscmand# überschwemmt werden, dis alle, wie auf ein einheitliches Kommando, versichern, daß in Deutschland niemänd, welcher Partei oder Konfession er auch a>ngehöre, apch nur ei« Haar gekrümmt werde. Von dem «Häafekftirtlhten# llt man vielleicht wirklich hbgekommen, aber desto nachdrücklicher werden gen«* Gruppen der Bevölkerung dem wirtschaftlichen Untergang preisgegeben.» Stimmen des Auslandes Amsterdam. Einer in Leiden tagenden fnanzösischdeut#ch«ehgMen Konferenz, dl« vom internaHönai Student Service (Internationale Akademiker-Hilfe) organisiert wurde, gehört al# deutscher Vertreter der nationalsozialistische Sehrtffsteller ßr. von Leer« an. Ihm wurde vom Rektor der Universität bedeutet, daß er nicht mehr auf holländische Gastfreundschaft §u rechnen habe. Leer sist der Verfasser einer mit den bekannten Roheiten Ungefüllten antisemitischen Broschüre. Die deutsche Delegation hat Holland verlassen. * London, Die Propaganda für den Boykott deutscher Ware« nimmt immer größeren Umfang an. Kapitän Webber, der Leiter der zu diesem Zweck gebildeten Organisation, teilt mit, daß er fortwährend Tausende von Ansuchen von Boykottplakaten erhalte. Nach seinen Erkundigungen machen sich die Folgen des Boykotts im deutschen Handel bereits empfindlich bemerkbar. Die Organisation sei entschlösse«, ihn solange durchzufuhrett, bi# in Deutschland dl« Unterschiede iwigfch&n Juden und übrigen Bürgern aülhören, Bärte. Unter dem Vorsitz d«l Abg. Henri Torres findet morgen wieder elfte große Pföfestvefsäihmlung gegen die nationalsozialistische Väffötgungstäktik statt, an der Parlamentarier, darunter der Vizepräsident der Kammer Henry- Pate sowie Vertreter der katholischen und protestantischen Geistlichkeit feltoehfite«. # Kasch««. (TschechoSI, Preßb.) Geifern vormittag# Veranstalteten vor dem deutschen Konsulat die Juden eine Demonstration, Wobei sie «in jüdische# Lied länge« und Iri Pful-Ruf# auf Hitler ««sprachen. Sie pfiffen und schrien und erst di# herbeigefufehfe Polizei konnte die Ordnung wieder Herstellen. AUoh an anderen Stellen der Stadt versuchten die Juden antideutsche Demonstrationen zu veranstalten. Deutschfeindliche Kundgebungen lu Frankreich Die deutschfeindlichen Kundgebungen Hl Frankreich, die im Verlauf# def letzte« Woche in führenden politische« Persönlichkeiten Frankreichs eine Unterstützung gefunden haben, werden fortgesetzt. Nach den drei Massenkundgebungen am Mittwoch abend findet am Samstag erneut eine Reihe von öffentlichen Versammlungen der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus statt, in denen u. ä. der ehemalige Minister Pletri das Wort ergreifen wird. Der ehemalige Ministerpräsident Herriot hielt Sämstäg Abend in Lyon eilte große Rundfunkrede gegen den nationalsozialistischen Antisemitismus. Fd» dl* Kladar |Udi«*h«r Flüchtling« iw D*bttchlMtd Wir erhaHen aus unserem Leserkreise folgende Anregung: «kein Jude wird ohne tiefste Erschütterung an den Leiden unserer jüdischen Brüder und Schwester« in Deutschland vorübergehen. Tausende und tausend# Unschuldiger Menschen sind dem Hungertod preisgegeben. Am furchtbarsten leiden dl# unschuldigen Kinder, denen «i an der notdürftigsten Nahrung fehlt. Es wird in Oesterreich Sicher viele, insbesondere kinderlos# jüdische Ehepaare geben, die bereit sind. Kinder äü# Deutschland bei sich aufzunehrtien. Wir richtet! daher an die Öeffentliehkeit de« Appell, sich der Kinder armer deutscher Juden anzunelimert,» Wir veröffentlichen gerne dies# Zuschrift und sind gerne bereit, im Sinne des Einsenders Anmeldungen entgegenzunehmen und weiterzuleiten. Friedman»* Glück ist kolossal! Am M«1 beginnt die Ziehung erster klas.«c övr 2Ö. österreichischen Klässenldtterie Bestellen Sie ihre Lose rtdch heut« bei ludwki Friedmflitvt Wien, I., Sattavt** 11 Lospnte« per KU«#»: */, 6 s, •/. 12 8, >/4 24 S, '/ s ln der Ietitftn Lotterte wofde Del Friedmann d«f Haupttreffer der 2. Klasse S ÖÖ.ÖÖO.- n«b«t änderet) , vteien groden Treffeth gezogen | Bei jeder Ziehung sieht ittAI! *| es spielt sich gut bei Priedfflänn! Von der «Jüdischen Volkspavt i eili.Uten wir nachstehende Zuschrift: Jüdische Volkspartei Oesterreichs Aufruf aft dl« Juden 0##t«rre)chBl Wollt Ihr untätig uhd unvörbereltet werten, bl# euct? das gleiche Schicksal trifft, Wie die Juden Deutschlands1? A et aus den erschütternd#!) Vörgärtg#« ln Deutschland die ei Die d«utsuh#n Juden dienten fremden politischen P. i n, aber kein# dieser Parteien hat auch nur «inen Fin.ae' gerührt. um den unglücklichen Juden zu helfen. Nur der Jude kann und wird den Juden helfen. Herein ln das jüdische La gar 1 Nehmet den Schutz eurer Rechte ifl eure Hand! Schließt euch zusammen, um der wüsten antisemitischen Hetze entg#g#hzutreten! Wir Juden Oesterreich# haben dem Staate gegenüber imntfer unsere Pflicht getan. Wir verlangen aber, daß auch dar Staat uns gegenüber seine Pflicht erfüllt. Wir verlangen die Wahrung unserer Rechte, die uns verfassungsmäßig zustehen. Wehrt euch dagegen, daß eure bürgerlichen Rechte geschmälert Werden, wahrt euch dagegen, daß eure Menschenwürde in den Kot gezogen wird, wehrt euch gegen alle Versuche, eure wirtschaftliche Existenz zu untergraben! Wenn wir einig sind, sind wir stark. Was geeinter Voikswilie vermag, lehrt euch das jüdische Aulbauwerk ln Palästina, de# «len die Achtung älter Kulturnationen errungen hat. Euer Zusammenschluß m einer starken, geeinten Organisation ist das Gebot der Stunde, Ei gilt eure Gleichberechtigung, eure Ehre und eure Eklsteftz zu verteidigen. Werdet nicht kleinmütig, einigt euch, kommt zu uns, tretet der Jüdischen Volksparte! Oesterreichs bd! Sie Ist die einzig# unabhängige politische Organisation Oesterreich#, Sie umfaßt alle Stände und Klassen. Sie kämpft um Jüdisches Recht, Sie lehnt den Kultur- und KläsSefiknmpr ab. Sie will für die Juden Und mit allen jenen, die bereit Whd, für die Erhaltung von Ruhe und Ordnung in Oesterreich zu wirken, Zusammenarbeiten. Für die Jüdische Völkspartm Oesterreichs; Dr. Fried mann. Dr. Grün bäum, Ing. Stricker. nDliä find untere Waste»44 Berlin. «Isr, Familtertbiatt» erzählt' Am Tage der ftelfchstägswahl erschienen vormittag# vier Kriminalbeämt# im Synagogengebäude zu Lübeck, wahrend das Grundstück vön iehüpobeamten abgesperrt wurde, und erklärten, daß sie beauftragt seien, die Synagoge nach Waffen tu durchsuchen. Nachdem man ihnen die Synagoge und alle Nöbenräume geöffnet hatte, fand die Durchsuchung statt Ate man auch den Öfäün Häkaudesch, den ThöraSChfartk, aufschloß, zeigte ihnen Rabbiner Df. Winter die darin befindlichen Thöräröllen mit deh Worten; «Dies sind unsere Waffe«.* Acht Tage später, beim Ausgang des Purimfeste#, erschien plötzlich erneut ein großes Aufgebot uniformierter Leute und durchsuchte die Syrtagöge. Aüch diese Haussuchung verlief genau so ergebnislos wie die Crate. Verlautbarung des handesHomüees Da# Chäjes*tt#ä]gymnasiUft) befindet sieh in großer Not* Dl« Sektion«« werden autgefordert, di« Sammlungen energisch au betreiben und di# gesammelten Gelder spätestens bis End# nächster Woche an da# Landeskomitee äbzatührem Todesfall Dä# Mitglied des LandeskOfiiltees, Herr Joief S e h u r, hat durch den Tod seines Väter#, des Herrn Moritz Schur, Großindustriellen, einen schweren Verlust erlitten. Das Landeskotiiitee drückt auch auf diesem Wege der Fäfftille des VerätöN* berien Ihr aufrichtigstes Beileid du#. Dia Aiiskunfts- und Beratung*- stelle für Durchreisende eus Deutschland befindet sich in der Fürsorgezentrale der Kultusgomaftid«, U i«it«netett«!iga«#c 2, 1. stock, Tßr 17 (Sprechstunden täglich, mit Ausnahme von Samstag und jüdiSChfen Feiertagen, VOn 13 bi# 15 Uhr). BBttntel üfllm Thoraauf ruf am Penadi fles Keren Kaiemetti