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Die Stimme · 1933-04-14 · Heft 275 (14.4.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 275 (14.4.1933)
Date
1933-04-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b, Preis 35 g BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1'50, vierteljihrl. S 20, gen* jährl. . . . S 16 - Deutschld. viertel jährl.. . . RM V— Tschechoslowakei viertelj. . Kc 24 — Jugoslawien viertel jährl. . Din 40 - Po en vierteijähr lieh . . Zloty ft 50 Ungarn vierteijähr lieh . . Pengö 4 20 Rumänien viertel jihrl. . . Lei 120 — Uebrige# Ausland vierteljährl. Schw. Franken 4‘50 Jüdisdfke Zeitung 6« Jahrgang Wien, Freitag, 14. Apr.I 1933 <18. Nisaa 5693) Erscheint Jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wen, L, KMn»teerstrafte 28 Tel R-27 4-85 Po stsparka s senkonti: Oesterr. D 113-546 Polen . . I9L199 Ischecho* Slowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 Nummer 275 Deutschland und Zion Von Nahom Sokolov «Das nächstejahrinjerusale mU Inbrünstiger werden in diesem Jahre diese Worte ln tausenden jüdischen Häusern beim Seder gesprochen. Mehr denn je erklang aus ihnen Schwermut, Erkenntnis und Wille zur Tat. Wir glauben wieder im Mittelalter zu sein. Die Leiden unserer Brüder in Deutschland, ihre Erniedrigung und Entrechtung sind unbeschreiblich. Sie kämpfen wie unsere Patriarchen mit den Mächten der Finsternis. Sie werden nicht verzichten, sie werden für ihre Rechte im Bewußtsein ihrer gerechten Sache kämpfen. Keine menschliche Gewalt auf Erden kann mittelalterliche Zustände für längere Zeit erneuern und das emanzipierte Judentum zurück ins Ghetto stoßen. Der Freiheitsgedanke des Pessachfestes wirkt stärker und tiefer als der Wahnsinn des Antisemitismus. Unser Programm ist immer gewesen: Die Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina und die sittliche Erneuerung der jüdischen Diaspora. Es kann keine nennenswerte Emanzipation ohne ein starkes und sicheres nationales Heim geben und es kann kein nationales Heim ohne emanzipierte jüdische Diaspora geben. Das jüdische Nastionalheim ist kein Ghetto unüTcämv nicht voir einem Ghettojudentum erbaut werden. Wir, die alte Märtyrernation der Welt, haben kein Vorurteil gegen den deutschen Staat oder die deutsche Nation. Aber nichts ist beklagenswerter als die Unterdrückung einer Minorität durch eine Nation. Das ist Pharaonismus. Gegen diese Tendenz gibt Pessach seine jüdische Antwort. Sie lautet: Einigkeit, Energie, Ausdauer! Schon irren Opfer der deutschen Verfolgung in der Welt umher und halten nach einer Zufluchtsstätte Ausschau. Der deutsche Jude ist eines der besten konstruktiven Elemente für das jüdische nationale Heim. Hätten wir früher in Palästina hundertmal mehr investiert, als wir getan haben -— und das war immer der zionistische Mahnruf an das jüdische Volk — könnten wir jetzt einem beträchtlicheij Teil des unterdrückten deutschen Judentums ein Heim bieten. Wie die Lage jetzt ist, können wir leider nur einem geringen Teil der Verfolgten Zuflucht gewähren. Aber sogar das bedeutet schon eine große Beruhigung und eine ermutigende Perspektive!, Pessach hat unsere Aktivität erneuert. Lasset keine Unentschlossenheit oder Gleichgültigkeit aufkommen. Arbeitet alle mit uns, damit dieses Pessachfest der Ausgangspunkt einer mächtigen zionistischen Arbeit werde, auf daß der symbolische Ruf L’Shanah ha-Baah bi Jeruschalaim in die Wirklichkeit umgesetzt werde für möglichst viele jüdische Dulder! In diesem Sinne ergeht mein Ruf an das Judentum in der ganzen Welt, einig zu sein und Opfer zu bringen zur Verwirklichung der zionistischen Ideale. Ich bin tief davon durchdrungen, daß auch die Kulturnationen uns beistehen werden bei unserem Aufbauwerke, das dem Frieden und der Zivilisation der Menschheit und der Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes dient. An die P. T. Leser der stimme”! Wegen der jüdischen Osterfeiertage erscheint die vor* liegende, am Donnerstag, den 13. April, 12 Uhr mittags, abgeschlossene Nummer der «Stimme» in verkleinertem Um* fange. — Die nächste Nummer der «Stimme» erscheint wegen der Aufeinanderfolge des Pessachfestes und der nichtjüdischen Osterfeiertage ebenfalls am Freitag, «Jen 2t. April. -- Hl KÄI5ER5TR. )23 fit. ÄLSER5TFL 4 S I6 - S18 -S20 - 1000Palästina-Einwanderungszertifikate für Juden aus Deutschland Jerusalem. Die Palästina-Regierung hat der Exekutive der Jewish Agency 1000 Einwanderungszertifikate zur Verfügung gestellt, die an Juden aus Deutschland zwecks Ermöglichung Ihrer Niederlassung ln Palästina ausgegeben werden sollen. Die jetzt ausgegebenen Zertifikate sollen ln die nächste Einwanderungsschedule mit eingerechnet werden. * Die vorzeitige außerordentliche Ausstellung dieser 1000 Einwanderungszertifikate ist auf die am Dienstag, den 4. April erfolgte Intervention des politischen Leiters der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Ghaim Arlosoroff, beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope zurückzuführen. Dr. Arlosoroff hatte dem High Commissioner folgende Wünsche namens der Jewish Agency unterbreitet: 1. Rascheste Bewilligung einiger hundert Arbeitereinwanderungszertifikate für deutsche Juden, 2. Ermöglichung einer umfangreichen Einwanderung deutscher Juden mit eigenem Kapital und 3. Gewährung von Einwanderungsbegünstigungen an in Deutschland lebende Verwandte palästinensischer Einwohner, vor allem an deren Eltern, Frauen und Kinder. In den Tagen höchster seelischer und physischer Not für die jüdische Gemeinschaft Deutschlands erweist sich der Zionismus wieder einmal als die einzige produktive Abwehrbewegung. (Anm. der Red.) Judenverfolgungen am taufenden Band Alle jüdischen Angestellten der Berliner Kraft- und Licht-A.-6. entlassen Wie der Berliner städtische Nachrichtendienst meldet, hat die Direktion der Berliner Kraft- und Licht A. G. auf Veranlassung der Staatskommissäre Dr. Maretzky und Dr. Lippert auch dem Rest der nach den Entlassungen der letzten Wochen noch vorhandenen jüdischen Angestellten mit einer einzigen Ausnahme gekündigt. Damit sei einem dringenden Wunsch der 6300 Köpfe zählenden Belegschaft entsprochen und diie ruhige und geordnete Fortführung des Unternehmens sichergestellt worden. Jüdische Dozenten In Kiel und Karlsruhe entlassen T. U. meldet aus Kiel, daß ln den letzten Tagen die jüdischen Dozenten und Angestellten der dortigen Universität zur Amtsniederlegung aufgefordert wurden. Aus Karlsruhe meldet die «Frankfurter Zeitung», daß nach einer Anweisung des Kultusministers sämtliche Jüdischen Dozenten und Assistenten der badischen Hochschulen mit sofortiger Wirkung beurlaubt werden sollen. In klinischen Anstalten sind die Beurlaubungen vorläufig zurückzustellen, wenn durch sie Gefährdungen von Patienten eintreten könnten. Ermordung eines jüdischen Rechtsanwalts in Chemnitz Das Chemnitzer Krimmalamt teilt mit: Am Dienstag früh wurde am Südausgang von Wiederau bei Rochlitz an der Böschung einer Sandgrube der jüdische Rechtsanwalt Dr. Weiner erschossen aufgefunden. Von den Tätern fehlt hoch jede Spur. Neuzulassung jüdischer Aerzte zu Krankenkassen gesperrt Ueber die Frage der Zulassung von Aerzten zu den Krankenkassen wird von zuständiger Seite darauf hingewiesen, daß durch eine allgemeine Anordnung des Reichsarbeitsministeriums die Neuzulassung jüdischer Aerzte zur Krankenkassenpraxis bereits gesperrt ist. Pensionierung der nichtarischen Beamten Der Reichsroiroster des Innern Dr. F r i c k hat die erste Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentum« erfassen. Die Durchführungsverordnung enthält eine genaue Definition der nichtarischen Beamten, die nach § 3 des Gesetzes in den Ruhestand zu versetzen sind. Als nichtarisch gilt, wer von nichtarischen, insbesondere jüdischen Eltern oder Großeltern abstammt. Ist die Abstammung zweifelhaft, so ist ein Gutachten des beim Reichsministerium des Innern bestellten Sachverständigen für Rassenforschung einzuholen. Eine jüdische Schule aufgelöst Wie die «Frankfurter Zeitung» meldet, wurde auf Anordnung der Regierung in Kassel, die jüdische Schule in Großkrotzenburg mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Keine Wohliahrtsbeihilfen für jüdische Schüler in Berlin Der Staatskommissär zur Wahrung der Geschäfte des Staditschulrates Dr. Meinshausen hat den Bezirksämtern di« nachstehende Verfügung übermittelt: «So lange der Prozentsatz der jüdischen Schüler an höheren Lehranstalten, Mittelschulen, Aufbauidassen der Volksschulen und Berufs- und Fachschulen den Prozentsatz der Juden an der GesamtbevöÜkerung des Deutschen Reiches übersteigt, sind den jüdischen Schülern Wirtschaftsbethilfen nicht zu gewähren.^ sim-Iiua Lloyd Triestioo Abfahrten Jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: * Wöchentliche ExpreBUntc nach latanbal wöchentliche ItuniseUlinie nach Alexanzweimal monatlich Laxttteillinle nach Bombay; monatliche ExpreBllnle nach Ceylon, Slngapore, Shanghai; Poatflnfen nach der Levante, Schwerin* Meer, Indien, China, Japan luHifk: UiylTrialfM.VfCI I. HSnitnfffill! § T*!.®-17-5 El

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