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Die Stimme · 1933-04-07 · Heft 274 (7.4.1933) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 274 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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DTE STTMMB Nr. 274 — 7. April 10» ' k«*ch und Ing. Johann Kremeneiky batten «Inen Kolonisatiofliverein «A h a w a t h Zion» gegründet» der dann den Namen «Adraath Jeschurun» annahm. Aber auch hier kamen wir rieht recht vorwärts, au3er den Gründem und Vorstandsmitgliedern hatten wir fast keine Mitglieder. Diese ersten Pioniere, an die ich mich jetat noch erinnere, waren Paul Löbl, Bringer, Torczyner, Rappaport, Hammer Schimmerllng, Rüben Braude und die Kadimahner Rosenthal, Ruß und Ehmann, nebst Schnirer und Kokesch. Wir veranstalteten Versammlungen in der Leopotdstadt, der Brigittenau und In Favoriten, die gut besucht waren. Besonders unsere Makkabäer* iern fanden großen Zulauf. Dann versuchten wir uns in der Prorinz. Einige Alte Herren der «Kadimah» hatten in Galizien zionistische Vereine gegründet, aber in den westlichen Provinzen führte sich nichts. Da wurde ich beauftragt, in Böhmen, Mahren und Schlesien die Agitation einzuleiten. Unterstützt von meinen Bundesbrüdern und von den anderen zionistischen Verbindungen, gelang es mir, In Prag und Brünn zionistische Vereine ins Leben zu rufen. So hatten wir 1894 zwar keine große, aber doch immerhin Bei aller Vielfältigkeit der modernen Weltliteratur ist diese doch in hohem Maße Spiegelbild neuaufleuehtender Ideen, Wortführerin geistiger und sozialer Strömungen, die im Augenblick im Vordergrund des Alltagslebens stehen. Es ist nur selbstverständlich, wenn auch im jüdischen Schrifttum der Gegenwart jene Tendenzen zu hervorragender Geltung kommen, die die heutige Menschheit in so hohem Maße beschäftigen. Das Ringen des Arbeiterstandis nach sozialer Gleichberechtigung, dann aber auch die Emanzipation der Frau sind wohl jene Probleme, denen die meiste Aktualität zuzusprechen ist. Die Arbeiter- und die Frauenfrage sind es, die demgemäß auch in der Jüdischen Literatur einen immer breiteren Raum einzunehmen beginnen. Es sind dies Fragen, die gerade beim Judentum vielfach im engen Zusammenhang mit jener Bewegung stehen, die auch auf die nationale Gleichstellung abzielt. In der Tat haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte nicht wenige Schriftsteller gefunden, die speziell der jüdischen Frau und ihrer Bedeutung in Geschichte und Kultur Ihres Volkes ihr Hauptaugenmerk zugewendet haben. Die rein seelische Seite, das Wirken und Wollen der jüdischen Frau als Persönlichkeit, ihr segensreicher und nachhaltiger Einfluß imferhalb der jüdischen Familie kommt freilich wohl nirgends so zum Ausdruck wie bei David P i n s k i. Dieser Vertreter des neuen Jüdischen Schrifttums hat es sich angelegen sein lassen, mit tiefgründigem Verständnis die zwei großen Probleme der Gegenwart, di« Rolle der Frau und das Werden der jüdischen Arbeiterbewegung, in seinen Werken zur Geltung zu bringen. Im Rahmen dieser Ausführungen wollen wir uns bloß auf das eine dieser beiden Gebiete beschränken. Es ist das die Stellung Pinskis zu den Frauen. Es gibt fast keines unter den Werken Pinskis, Hi welchem nicht eine oder mehrere Frauen eine hervorragende Rolle spielen. Wie so viele Dichter so manches aus eigenem Erleben schöpfen, mag auch Pinski die Gefährtin seines Lebens, die eigene Frau als stets begeisterte und begeisternde Helferin zur Seite gestanden haben. An ihr und mit ihr bildete sich der Dichter eine frauliche Idealgestalt Gottesurteil soll über Mendds Schicksal entscheiden. Mendel springt aus dem Kahn und erreicht schwimmend das Ufe». Denn er ist ein ausgezeichneter Schwimmer und entgeht den Gefahren, die in den giftigen Wassern des Toten Meeres lauern. Irmin läßt ihn frei, «der Geist der Zeit in ihm hatte ihn gerettet.» Das Werk schließt friedlich und hoffnungsfroh mit der Schilderung des ersten herbstlichen Regens nach langer sommerlicher Dürre, Um die Hauptgestalten, deren Schicksal hier kurz gezeichnet wurde, fügt sich eine große Reihe von Persönlichkeiten und Gruppen, arabischen Notabein, englischen Beamten und Offizieren, Juden aller Altersstufen und Parteien, zu einem Bild Palästinas, seiner Bewohner, Interessen, Probleme. Zweig will die Atmosphäre des Landes wiedergeben, dieses gärenden, schwelenden, immer zu Ausbrüchen bereiten Bodens, der im Mittelpunkt des Weltinteresses stehend, die gegensätzlichsten Strömungen und ihre immer wachen Konfliktstoffe umfaßt Alle diese Gegensätze, Parteien, Bekenntnisse schildert Zweig ohne Jede Parteinahme für die eine oder andere Seite, er steht immer über den Parteien, er beurteilt alle Erscheinungen und Menschen objektiv. In dieser allzu großen, allzu bewußten Objektivität scheint mir ein Mangel des Werkes zu liegen. Es fehlt ihm das Pathos der Leidenschaft, der UeberzeugtheiL der Ueber- Zeugungskraft Jene Ergriffenheit, die sich etwa bei der Lektüre des «Sergeanten Grischa» oder auch der «Jungen Frau 1914» einstellt, bleibt diesmal aus. Was ln Zweigs jüngstem Werk, wie in den früheren zum Ausdruck kommt, Ist die Ablehnung der Rache, die Abkehr vom Haß; was ihm aber fehlt ist Liebe, begeistertes Sicheinsetzen für etwas, nicht nur gegen etwas. Das Streben nach Objektivität kann manchmal auch zu weit gehen. Und vor allem: man kann nicht objektiv bleiben, wenn man im Innersten aufgewühlt Ist. Vielleicht lat Zweigs Objektivität nur Mangel au ftalgcwflfcltlMit . eine erkleckliche Anzahl von zionistischen Vereinen in Oesterreich und wir vereinigten dann alle diese Vereine in einer einheitlichen Organisation zum Verbände «Zion, Verband österreichischer Vereine zur Kolonisation Palästinas und Syriens». Dieser Verband war nach Bezirken und Distrikten gegliedert. Er war später für Theodor H e r z I von großer Bedeutung, denn er war die einzige Organisation, über die Herz! vor dem Baseler Kongreß verfügte. Aber er war für Herzl schon vorher vielleicht von entscheidender Bedeutung gewesen. Wir hatten uns eines Tages aus Rischon le Zion ein Fäßchen Palästinawein kommen lassen, den Wein in Flaschen abgezogen und unter uns verteilt. Paul Löbl, der zu dieser Zeit Präsident des Wiener Zinonistenvereines war, schickte eine Flasche seinem Vetter Theodor Herz! nach Paris. Dort stand sie längere Zeit in einem Winkel unbeachtet, bis Herzl, von der Degradation des Majors Dreyfus aufs tiefste erschüttert und aufgewühlt, nach Hause kam. An jenem Abend trank er zum ersten Male den köstlichen Wein und in jener Nacht träumte er seinen Königstrau m. heran, die uns immer und immer wieder in seinen Werken entgegentritt. Es ist dies die milde, die verstehende und verzeihende Frau, der Pinski in seinen Schriften so eifrig und hingebungsvoll huldigt Wie sehr gerade bei Pinski die Wirklichkeit des Daseins auf die Formung seines Frauenidols von Einfluß gewesen war, mag der ermessen können, der unmittelbar beobachten konnte, mit welch verständnisvoller Begeisterung die Frau des Dichters seinen Worten lauschte, als er nach seiner Palästinareise das dort geschaffene neue Werk vor seinen Wiener Freunden persönlich vorias, wer mit ansah, wie sie förmlich jeden Satz aus dem Munde Pinskis in sich aufsaugte. Mit kolossalem Verständnis, mit tiefem Empfinden läßt uns Pinski in einer Reihe reizender Erzählungen und Dramen die Schicksale jüdischer Frauen miterleben. Er läßt uns Einblick tun in die verschiedensten Seiten menschlichen Daseins, in das Alltagsleben des kleinen jüdischen Handwerkers, wie etwa Jakob des Schmiedes, aber auch in den Prunk und Glanz des Salomonischen Könighofes. Ueberall aber weiß Pinski auf den schönen Saiten fraulicher Milde, verstehenden Verzeihet« und aufopfernder Herzensgüte der Heldinnen seiner Dichtungen aufs meisterhafteste zu spielen. Frauengestalten, wie sie uns in dem Einakter «die vom Glück vergessen» entgegentreten, sind Heroinnen, wie sie der Dichter nicht schöner und lebensnaher idealisieren konnte. Es ist bezeichnend, welcher Größe an Opfermut Pinski eine Frau wie Fanni Segal in diesem Stück fäh.g hält. Nicht minder groß ist die Kraft verzeihender Liebe und Selbstüberwindung einer Gaü in «Gabri und die Frauen», die es über sich bringt, zu ihrem Mann zurückzukebren, dessen Leidenschaft ihn eine Zeit hindurch an eine andere Frau gefesselt hatte. Ein Musterbeispiel fraulicher Seelengröße und Zuneigung zu dem geliebten Mann schildert uns Pinski in der Novelle «Berurla». Wie die Heldin in der bekannten jüdischen Legende, nimmt auch Berurla den plötzlichen Tod ihrer beiden Kinder als Fügung Gottes unter Aufbietung ihrer äußersten Seelenkraft hin, und sie ist es, die ihrem über alles geliebten Gatten den Schmerz über den so tragischen Verlust zu lindem und zu stillen vermag. Die Scefengröße dieser Frau offenbart sich uns noch stärker In der Tragik Ihres Todes. Gehörte doch auch sie zur Kategorie jener verstehenden und verzeihenden Frauen, wie sie une Pinski in so vielen seiner Werke Idealisiert. Auch sie war jederzeit bereit, für den von ihr vergötterten Mann die schwersten Opfer, die größten Entsagungen auf sich zu nehmen. Um so härter mußte daher gerade sie aäes treffen, was auch nur den leisesten Zweifel an ihrer unbedingten Treue, an der Reinheit ihrer Hingebung und Gattenliebe bedeuten konnte.!m Augenblick, wo sie erkennt, daß ihr Mann auch nur den entferntesten Gedanken Ihrer Untreue hegen konnte, begeht sie Selbstmord. Mit dem Sinnspruch «Willst du den Apfel prüfen, so mußt du ihn zerschneiden und vernichten» gibt sie die Antwort auf die ihr angetane Schmach durch die Prüfung ihrer Treue. Ueber allen diesen fraulichen Heldengestalten vergißt Pinsld jedoch nicht an das liebende Weib. Selten hat ein jüdischer Dichter so stürmische und leidenschaftliche Formen der Frauenliebe dargestellt wie Pinski ln der Novelle «Der Erdgeist». Hier ist es ein ganz junges, sechzehnjähriges Mädchen, das neben einem schüchternen Jüngling als der handelnde energischere Teil auftritt. Die herzliche, aufrichtige Liebe Ghaneles berührt trotzdem, schon ob ihrer Offenheit, Überaus sympathisch. Eine besondere Steilung nimmt die Frau in den Arbeitererzählungen Pinskis ein. Mit richtigem Verständnis für die gegebenen Tatsachen sieht der Dichter m der Arbeiterfrau jenen Teil, der die Last des Daseins weit stärker empfindet als der Mann. Sie ist es, die sich gegen jede Zurücksetzung jedes soziale Unrecht aufbäumt. Die jüdische Arbeiterfrau ist es, die als geknechteter, entrechteter Men~>dh uni nicht als Angehörige eines Standes ihre Stimme zum Protest erhebt Nicht nur in der Arbeiterfrau allein läßt Pinski menschlichst Empfinden so ungemein stark zur Geltung kommen. Sieht er in der Frau doch jenes Element, welches imstande ist, dem Seelenleben ihres Volkes Richtung, seinen Idealen eine festgeprägte Form zu geben. Und wenn es auch nicht gerade eine missionäre Aufgabe ist, die Pinski in seines Schriften der Frau zuweist, so macht er sie doch mit Vorliebe zur Trägerin einer geistigen Bewegung, zur Vor* kämpfenn ideeller Motive. Dies gilt genau so gut für die historischen Frauengestalten, die wir bei Pinski finden, wie für die Frauen der Gegenwart und für jene künftiger Generationen. Ebenso wie die Heldinnen aus dem erwähnten Werk «Salomo und die tausend Frauen» vorwiegend eine bestimmte Aufgabe zu vollführen hatten, so widmet Pinsld auch in seinem neuen in Palästina entstandenen Werk «Die Hora» der Rolle der jüdischen Frau und ihrer Mitarbeit am Aufbau Erez Israels tiefempfundene, verständnisvolle Worte. Als Dichter der Wirklichkeit kehrt Pinski allerdings immer wieder in den natürlichen Kreislauf des Lebens zurück und führt uns in alle seine tiefsten Winkel, wohl wissend, wie die ehernen Gesetze menschlichen Lebens ewig dieselben bleiben. So darf es uns nicht Überraschen, wenn er mit voHem Verständnis für das Tatsächliche bei seiner Schüftrung des palästinensischen Aufbauwerkes gerade dem Liebesieben in den Kwuzoth warme und anerkennende Worte widmet. Liebe und Geistigkeit sind also bei Pinski die Komponente, welche seine Frauengestalten auszeichnen. Sotcherart Ist die Bedeutung, die der Dichter der Jüdischen Frau nicht nur im Alltagsdasein, sondern vor allem auch Im geistigen Leben ihres Volkes beimißt, eine ganz hervorragende. Der Jüdischen Frau schreibt Pinski die entscheidende Rolle in der kulturellen Aufwärtsentwiklung des Judentums zu, kt ihr sieht er die treibende Kraft, die aus dem Juden des Ghettos einen freien, schaffenden Menschen macht. Setmas Schwanengesang Als Judenmädel aus einer östlichen Keliille hatte sie ihm künstlerische Laufbahn begonnen. Als gottbegnadete Koloratursängerin erklomm sie den Gipfel des Ruhmes. Sie wurde oft genannt, stark bewundert, viel gepriesen. Bis eines Tages zusammen mit ihrer gottvollen Stimme auch ihr Ruhm dahin war. Ihr Name geriet in Versenkung, in völlige Vergessenheit Nun taucht er plötzlich wieder auf. Diesmal allerdings bloß in den Jüdischen Zeitungen. Dazu nicht einmal ln deren bescheidenen Kunstrubrik. Auch nicht als Famfliennachricht, etwa aus Anlaß des nahenden 60. Geburtstages der ehemaligen Künstlerin. Im Schlußteil des Blattes, in der «Austritts*-Rubrik Ist ihr Name zu lesen, ln der «Leichenkammer der jüdischen Religionsgemeinschaft» ist er zwischen den gleichfalls abtrünnigen Oeschlechtsgenossinnen Marianne und Ilse eingebettet. Der Austritt Selmas dürfte niemanden überraschen. Allgemein galt sie, die Gattin eines Täuflings, schon längst als eine Abtrünnige. Daß dieser Austritt aus dem Judentum gerade jetzt erfolgte, ist immerhin symptomatisch. Künstlerseelen zeichnen sich nicht immer durch Charakterstärke aus. Die über die deutschen Lande jetzt niedergehende Sturmflut des brutalsten Antisemitismus dürfte so manchen bestimmen, das scheinbar sinkende Judenschiff fluchtartig zu verlassen, ln gefahrvoller Stunde rettet sich Jedermann oben nach seiner Art: Die Mutigen und Charaktervollen dadurch, daß sie sich zu den Schwachen und Angegriffenen schlagen und dem Feinde dfe Stirn bieten, die Angstmeier durch Winseln und würdeloses Sich-Anbiedern und die Charakterlosen — durch Ueberlaufen ins feindliche Lager . . . Freilich nützt auch dieses letzte Rezept nicht mehr viel. Religion ist Nebensache — lautet die nationalsozialistische Maxime. Der Kampf wütet gegen die jüdische Rasse, gleichgültig ob mosaisch, katholisch, protestantisch oder konfessionslos. Aber nicht bloß im Dritten Reiche Hitlers, auch ln der demokratisch-österreichischen Republik wird Immer weniger nach der Religion gefrngt und immer mehr auf die Rasse gesehen. Auch hier wird ein allgemein anerkannter Gelehrter zur Leitung einer Klinik nicht zugclassen, trotzdem er schon längst getauft ist. . . Oder ist es vielleicht nicht die Angst vor dem wütenden Hitlerismus, die Selma zu diesem Schritt veranlaßte? Ist es vielleicht gar das nahende Alter und das damit verbundene Bedürfnis nach Entscheidung? Immerhin: Dieser «Austritt» der einstmals beatmten Sängerin ist ihr Schwanengesang, dazu ein schriller, häßlicher Mißton ... m. h. HOTEL CENTRAL CAIRO (Aegypten) Opemplatz Einzig«» zlonistiar Hob Fes aurant Fließendes Kalt- und Warmwasser in a'len Zimmern MT» iililfl« Prent alpi Zuverlässiger Fachmann mit tangjähr. Lokatkenntnissen im Oraigtngtüt Palästinas übernimmt Anlage neuer und Pflege vorhandener Pflanzungen, macht und überprüft Voranschläge, gibt sachgemäße Auskünfte. Unter „Erste Wiener Referenzen'* an das Ank -Büro David Pinski und die Frauen Von Dr. Amalie Kantor i

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