Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 274 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Stfft 6 DIB STIMME Nf. 274 — 7. April 19*3 Moses Rath’s »SFAT AM EN U« Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht mit Schlüsse! und Wörterverzeichnis mit deutscher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache. Einzige Methode zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift auch ohne Lehrer. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S 3.60 der englischen Ausgabe Dollar 1.—. Buchhändler, Schulen, Organisationen und Lehrer erhalten einen hohen Rabatt. Zu beziehen bei M. Rath, Verlas, Wien, II. Taix). Straße 20 a. reuig vor der Größe des Gedankens* vor der Größe der Tat in Palästina. Juden und Jüdinnen! Macht Euch von allen Fehlern frei! Glaubet fetzt an die Kraft einer geeinten, organisierten Judenscbaft! Jüdischer Wille hat in Palästina Großes geschaffen. Er wird auch in Oesterreich segensreich wirken, wenn Ihr helfen werdet, ihm zum Ausdruck zu bringen! In entscheidender Stunde fordern wir Euch, Juden und Jüdinnen Oesterreichs, auf, der Jüdischen Volkspartei beizutreten. Die Jüdische Volkspartef, düe einzige unabhängige jüdisch-politische Organisation in Oesterreich, umfaßt alle Stände und Klassen, Ale, die sich dem jüdischen Volke zugehörig fühlen. Ihre Aufgabe nach innen: Stärkung des Gefühles der Zusammengehörigkeit Gegenseitige poHtische, rech.llcbe und wirtschaftliche Hilfe. Ihre Aufgabe nach außen: Repräsentanz der bewußten Judenschaft gegenüber der Außenwelt gegenüber Regierungen and Parteien. Kampf für das gleiche Recht der jüdischen Staatsbürger und ihre Sicherheit überall dort wo jüdisches Recht und jüdische Sicherbelt bedroht werden: in den parlamentarischen und sonstigen öffentlichen Vertretungen, vor Verwaltungsbehörden und G er ich ten, in der Presse, auf der Straße. Wo ein Jude bedroht und ln S'.iner Ehre und in seinem Recht gekränkt wird, sollen alle Juden für ihn eintreten. Der Ausdruck dieses Strebens Ist die Jüdische VolksparteL Tretet der Jüdischen Volkspartei bei! Für die Jüdische Volkspartei: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Obmann. Dr. Oskar Grünbaunt, ObmarnisteEvertreter. Zentralausschuß : Ingenieur Eugen Buchbinder, Kultusvorsteher; Kar! Franz Bondy; Dr. David B u k s p a n; Dr. Jakob Ehrlich, Kultusvorstcher; Dr. Desider Friedmann, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien; Hans Kand!; Julius Katz; Ingenieur Otto K r a s n y; Dr. David K r e p p e 1; Dav'd Nebenzahl; Emil Nimhäuser; Prof. Moses Rath, Kultusvorsteher; Fritz Richter; Dr. Dagobert Rybaczewsky, Kultusvorsteher; Max S c h i f f m a n n, Kultusvorsteher; Dr. Abraham Schmerler; Hermann Schwarz; Leopold Sitzmann; I. H. W a 11 u c h, KuItusvorsteheT; Dr. Gottfried Weidenfeld; Peisach Wühl. Mindest-Jahresbeitrag: 1 Schilling. Um allen den Beitritt zu ermöglichen, wurde der Mindestjahresbeitrag so niedrig festgesetzt Aber alle jene, die größere Beiträge zu leisten imstande sind, werden aufgefordert, sich nach Maßgabe ihrer Verhältnisse zu größeren Beiträgen zu verpflichten. Denn jetzt heißt es, der großen Aufgabe große Mitte! zur Verfügung zu stellen. Regelmäßig und einmal g. Beitrittserklärungen (unter Angabe der Höhe des Jahresbeitrages) schriftlich an das Sekretariat der Jüdischen Volkspartei, Wien, II, Untere Augartenstraße 38. Auch telephonisch unter Tel.-Nr. A 45-5-34 (in der Zeit von 10 bis 2 Uhr). Dortselbst werden auch Auskünfte Über den «Widerstandsfonds» erteüt und Spenden entgegengenommen. Mitgliedsbeiträge und Beiträge für den politischen Fonds sind auf das Postsparkassenkonto B 152.154 zu überweisen. Einzahlungen nehmen auch die Vertrauensmänner gegen Quittung entgegen. D-r «Glücksbauer» kommt in die Leopoldstadt. Das allbekannte Bankhaus Albert Bauer (Glücksbauer), Wien, JV., Favoriri-nstraße 4. eröffnet am 12. April eine Filiale im 2. Bezirk, Leopoldsgasse 2 5. Ecke Große Pfarrgasse. Millionen Schlinge hat schon der Glücksbauer seinen Kunden ausgezahlt, ln der letzten Lotterie allem Feien auf Glücksbauer!o?e die Haupttreffer von S 100.C00.—, 40.000 und viele Treffer zu 20 (XX), 10 000 u. v. a. Nun wird der Glücksbauer auch den Bewohnern der Leopoldstadt bringen. Erkältungskrankheiten. Altbewährt sind Togal-Tabletten bei Erkältungskrankheiten und als Vorbeugungsmittel gegen Grippe. Zur Verhütung von Erkältungskrankheiten wird Togal mit glänzendem Erfolge angewendet. Die große Beliebtheit des Togal beruht auf vielen ausgezeichneten Erfolgen, die zahlreiche Aerzte und Kliniken damit erzielten. Annahme des zionistischen Budgeivoranschiages pro 4933 durch den Wiener KuUusvorsiand Abschluß dev Generaldebatte - Stimmenverhältnis: 49 (Zionisten) xu 9 (Opposition) - Vlxepvätldent Dr. Löwenherx und Oberbaurat Stricker rechnen mii der Opposition ab Eine kläglichere Rolle hat wohl noch nie eine Opposition in der Seitenstettengasse gespielt, als die gegenwärtige, aus heterogensten Elementen zusammengekieisterte Werktätige Union-Oppostion im Wiener Kultusvorstande. Auch in anderen öffentlichen Körperschaften gibt es Minoritäten, die im stärksten Oppositionskampf zur Majorität stehen; aber keine noch so scharfe Opposition in ideologischer, prinz'pieller, weltanschaulicher Beziehung gab je dieser Minorität, die den Anspruch erhob, als staatsbejahende Partei zu gelten, einen Freibrief zur Ignorierung und bedenkenlosen Sichhinwegsetzung über lebenswichtige Aufgaben, zu deren Erfüllung die Gesamtheit der Mandatare (also auch die der Opposition) von ihren Wählern in die betreffenden Körperschaften entsendet wurden. Aber auch in keiner dieser Körperschafetn hatte man anläßlich einer Budgetberatung von einer Opposition einen solchen Unernst gegenüber brennenden Problemen der Stunde, solche ans Lächerliche grenzende Faseleien und niveaulose Debatten im luftleeren Raum — ohne auch nur den Schein von sachlichen Anregungen zu geben, denen der zionistische Finanzreferent in mehr als konzilianter Form sich jederzeit zugänglich gezeigt hätte — feststellen können, wie dies bei den diesjährigen Budgetberatungen in der Kultusgemeinde der Fall war. Mit Recht bezeichnete in seinem Schlußwort Vizepräsident Dr. Löwenherz die Haltung dieser Opposition nur als Ausfluß ihres tiefen Hasses gegen den neuen Geist, den nun die Zionisten in die Kultusstube hineingebracht haben. Und mit Rech» schleuderte er ihnen die vernichtenden Worte zu, daß sie durch ihre Handlung verwirkt haben, als Vertreter jüdischer Wähler im Vorstandskoticgium zu sitzen. In der Tat, man muß sich an den Kopf greifen, wenn man bedenkt, daß dieselben Männer, die heute mit den haltlosesten und lächerlichsten Argumenten gegen besseres Wissen und Gewissen als Vertreter jüdischer Wähler die Einheit der üemeindebeschiüsse durchkreuzen, das Vertrauen ihrer Wähler verletzen und ihre prinrtivsten Pflichten nicht erfüllen, die sich bedenkenlos einer Verantwortung für das üesamtwohl der Gemeinde entziehen, das Schicksal dieser Gemeinde Jahrzehnte hindurch in ihrer Hand hielten. Und noch etwas: Ihr Kampf gegen das Budget, der als der läppischeste bezeichnet worden kann, der je von einet zahlenmäßig doch nicht von vornherein zur Bedeutungslosigkeit verurteilten Opposition geführt wurde, war .ihi-rdies auch unfair gegenüber jenen heute führenden Männern, die als Oppositionspartei seinerzeit eine ganz .andere, über alle ideologischen und weltanschaulichen Prinzipien hinweg als gemeinde- STRENG RITUELL OSTERKAFFEE nos iv im Franz-Josefs- (Max Raapaport) erhaltende, das üesamtwohl der Gemeinde stets bejahende Steilung in ähnlichen Situationen einnahmen. Doppelt unfair das Wort «kein Vertrauen* gegenüber jenem Manne, der heute als Finanzrefercnt der Gemeinde das Budget verteidigte, der aber in aufreibender Tätigkeit acht Jahre hindurch gemeinsam mit dem scinerzeitigen Finanzreterenten tfe Mitverantwortung für das Wohl und Wehe dieser Gemeinde getragen hat. Die jüdische Wählerschaft hat mit ihrem Feingefühl die Grenzen zu unterscheiden gewußt zwischen Verteidigung grundsätzlicher weltanschaulicher Prinzipien und der ehrlichen Wahrung der Gesamtinteressen der jüdischen Gemeinde, und ihr Votum am 4. Dezember 1932 deutlich abgegeben. Die jüdische Bevölkerung wird auch in Zukunft über die gefährlichen Eskapaden einer Anzahl von Mandataren ihr Urteil fällen. Doppelt und dreifach ist diese Haltung zu verurteilen angesichts der heutigen Verhältnisse, unter denen wir leben. Psychologisch ist diese Haltung der gegenwärtigen Opposition — die keine Haltung, sondern eher eine Haltlosigkeit ist — nur so zu verstehen, daß die Herren sich noch immer nicht vom Schock erholt haben, den ihnen der zionistische Kultuswahlsieg am 4. Dezember bereitet hat, der das Gespenst der Assimilation nun hoffentlich für immer aus der Seitenstettengasse verjagt hat. Den Herren der Opposition, deren Haltung in der Budgetberatung ihr wahres Gesicht enthüllte, wurde von den Sprechern der zionistischen Mehrheit mit einer Einmütigkeit, die von der Linken der sozialistischen Zionisten bis zur Rechten der Religiösen Misrachi reichte, die gebührende Antwort sofort erteilt. Kai 1X01 JM81S-.8M5 Die gebührendste Antwort war woh! die Annahme des Budgetvoranschlages mit mehr als einer Zweldnttel-Majorität Darüber hinaus aber rechnete mit ihnen Vizepräsident Doktor Löwenherz in einer eindrucksvollen Rede ab, deren von sach* lichem Ernst getragene Argumente wie Keulenh ebe auf die Opposition niedersausten. Dem mächtigen Eindrücke dieser im übrigen von zionistischen Bekenntnissen erfüllten Rede Dr. Löwenherz“ konnte sich keiner im Saale entziehen. Im folgenden der Bericht über den Verlauf der Generaldebatte. Als erster in der Generaldebatte sprach Montag abends der Obmann der Union, Herr Dr. Joseph T i c h o. der im Namen der Opposition für die Ablehnung u*r Budgetvorlage die längst stumpf gewordenen Waffen aus dem Arsenal der auf unglücklichem Posten kämpfenden Union hervorholte. Unter der Wucht der tragischen Erscheinungen unserer Zeit wirkten die Ausführungen dieses unio. stischen Führers anachronist'scn. Seine Analyse und Definition über den Begriff Jude lösten nur noch Heiterkeit aus. Den Ausführungen Dr. Tichos trat Kultusvorsteher Mendel Singel (Poale Zion-Hitachduth) entgegen, der in längerer Rede zu den einzelnen Fragen jüdischer Genieindepolitik Stellung nahm. Der Redner widmete einen Großteil seiner Ausführungen der gegenwärtig schweren Lage der Juden in Deutschland ohne zu unterlassen, auf diese Gefahr auch in Oesterreich hinzuweisen. Den heutigen Verhältnissen entsprechend müsse auch der Aufgahenkrcis einer großen Judengemcinde, wie es die Wiener sind, angepaßt sein. Es sei lächerlich, sich hinter Paragraphen und Statuten zu verbergen, wie es Herr Dr. Ticho tut, der sich immer wieder aut das Gemeindestatut beruft. Das Leben selbst ist über die Patagraphen und Statuten hinweggestürmt und die Gemeinde als lebendige Körperschaft hat längst den nach Statut und Paragraph von vor Jahrzehnten zugestandenen Aufgabenkreis eben durch die Wucht des Lebens sprengen müssen. Im Namen seiner Gruppe gibt er die Erklärung ab, für dieses Budget zu stimmen und begrüßt es, daß der neue Geist der zionistischen Mehrheit sich darin dokumentiert, daß Palästina, über dessen Bedeutung für das Gesamtjudentum heute sien keine jüdische Gemeinde hinwegsetzen darf, nunmehr offen und in ordentlicher Weise im Budget vertreten ist. Zum Schluß der Montagssitzung sprach für die «Werktätigen» Kultusvorsteher l*eo Rath, der des Langen und Breiten das arme Wien gegen das reiche Palästina in Schutz nahm und zur Illustration seiner Ausführungen Berichte und Artikel aus unserem Organ «Die Stimme» vorlas. Schließlich sprach er sich gegen die Subvention an Chaluzim und für Emigrantenfürsorge aus. Mittwoch, den 29. März fand die Generaldebatte der diesjährigen Budgetberatung ihre Fortsetzung. Präsident Dr. Friedmann stellte gleich nach Eröffnung der Sitzung an Hand des Protokolls fest, daß sämtliche Budgetvorlagen seit dem Jahre 1924 einstimmig (also mit den Stimmen der zionistischen Opposition) zur Annahme gelangt sind. Den Reigen der Debattenredner eröffnete diesmal Kultusvorsteher Dr. Stieglitz (Union), der gegen die Ideologie des Zion'smus loszog und die jüdischnationale Bewegung als Negativ der deutscnnationalen Bewegung hinstellte, was für ihn Grund genug ist, gegen das von Zionisten vertretene Budget zu stimmen. Kultusvorsteher Dr. Löwy (Werktätige) befaßte sich gleich seinen Kollegen von der Union wenig mit der Budgetvorlage, weinte vielmehr den von der Kultusgemcinde seinerzeit veranstalteten Religionsvorträgcn in der Eschenbachgasse eine Träne nach. Ueberdies enthüllte er seine Kunstmäzenatenseelc, indem er an der Budgetpost für jüdische Kunst Kritik übte. Er mußte sich von Dr. Löwenherz dahin aufklären lassen, daß Subvention für jüdische Kunst gleichbedeutend ist mit Subvention jüdischer Künstler, die in der Budgetvorlage immerhin in der respektablen Höhe von S 15.000 vorgesehen ist. Auch die Frage des Oberrabbiners lag diesem Vertreter der Werktätigen Juden besonders am Herzen. Diesen Ausführungen der oppositionellen Redner trat Kultusvorsteher Saul Weinreb (Poale Zion-Hitaclidutb) entgegen. Er weist auf die innere Unlogik und die Widersprüche in der Haltung und in den Ausführungen der oppositionellen Redner hin. Wenn von dieser Seite der Aufschwung Palästinas ins Treffen geführt wird, und daher kerne Notwendigkeit bestehe, daß österreichische Juden dieses Werk unterstützen, so sei demgegenüber darauf verwiesen, daß gerade die Tatsache, daß es in Palästina Arbeitsmöglichkeiten im Gegensatz zur trostlosen Situation ln Oesterreich gibt, es Pflicht einer jüdischen Gemeinde sei, armen Chaluzim und Arbeitern, die hier keine Arbeitsmöglichkeit bekommen, die UntcrstiH’ung zu gewähren, m jenes Land zu gelangen, wo sie eben diese Arbeitsmöglichkeit haben. Wenn von der üegensrte der Vorwurf erhoben wird, daß, während man in allen Städten und Ländern das Budget für Schulzwccke reduziert und Schulen zusammenlegt, hingegen die zionistische Budgetvorlage eine Steigerung dieser Budgetpost vors:eht, muß demgegenüber daran erinnert werden, daß man auch hier das Judentum nicht mit anderen Völkern vergleichen dürfe. Die Zusammenlegung christlicher Schulen kann nur den Abbau des Bildungsgrades der betreffenden Schüler zur Folge haben, die Gefahr, daß diese christlichen Schüler zu Juden werden, ist keinesfalls vorhanden. Die Auflassung jüdischer Schulen aber riskiert nicht allein das Niveau des Bildungsgrades der Zöglinge, sondern eine viel größere Gefahr, daß Juden zu Nichtjuden werden. Wegen Raummangel bringen wir den Schluß des Berichtes in der nächsten Nummer. (Anm. d. Red.) Herbei Abonnenten für Die Stimme« i