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Die Stimme · 1933-04-07 · Heft 274 (7.4.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 274 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 274 — 7. April 1933 DIE STIMME Seife T FesiUommevs iu Ehren Mbt Taube• Zu Ehren Löb! Taubes’, der — wie wir an dieser Stelle berichteten den 70. Geburtstag feierte, fand ein festiu'.her Abend statt, der sieh tu einer feierlichen Kundgebung für den überaus verdienten Führer gestaltete. Unter , den Anwesenden bemerkte man führende Persönlichkeiten jüdischer Organisationen in Wien, Rabbiner, Schriftsteller und erfreulicherweise viel Jugend und Frauen. j Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden, Doktor Leo Goljhammer, feierte eine große Reihe von Rednern Löbel Taubes als Erwecker jüdischer Volksmassen im Osten, ais Schrittmacher der jiddischen Sprache und Literatur und als unentwegter Verfechter des reinen, unverfälschten und jedem Parteihader abholden Zionismus. Es sprachen: der Präs'dent der Kultusgemeinde Doktor Desider Friedmann, im Namen des Zionistischen Landes - Verbundes Dr. Fin ke 1 st ei n und Dr. Grflnbaum, im Namen der Revisionisten Ing. S t r i c k e r, im Namen des Ostverbandes Vizeobmann Hecht und Dr. Kinsbrunner für die Wizo Frau Dr. Kantor, für d:« Poale Zion Doktoi S o k a I, für die Histadruth Herr D o 111 z k i und Professor Rath, für d e Zionistischen Sektionen Dr. A. Schmerle r und Sch warz, für die Alisrachi Rabb. Friedman ri und Kultusvorstand Rosenberg, ferner Rabbiner Doktor Taubes, die Schriftsteller Silberbusch und Fuchs, Reg.-Rat Kreppei, S. Picker und Gottfried. Mit künstlerischen Darbietungen der Schauspielerin Frau . Wetnfraub-Graf und Herrn Herschkowitz schloß I diese überaus gelungene Feier. I Ein« Sensation für in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! werden unter streng orthodoxer Aufsicht - des vsn ciwn omnrt tkm wr> mn hergestellt Pessach 5693 sind Die Mazzoth werden ans feinstem Mehl erzeugt! Seit vielen fahren genießen die «Sehmidi- Mazzoth» das beste Renommee und werden von allen bevorzugt Auf die E.xtraqualität meiner Fabrikate «Marke Schmidl N. B.» auf Mazzoth, Grieß und Farve! wird besonders aufmerksam gemacht ZtM: D. RR8BEIZKT 2., Leopoldsgasse 43 und in allen bessereeinschlägigen Geschäften erhältlich Telephon-Nummern A-^*-'-nri * ' A-41-9-52 Ein Fünffahrptan für Jugenderziehung Bti einer unlängst stattgefundenen Jugendversammlimg wurde seitens der Jugendführer der Vorwurf erhoben, daß die Jugend sich vom Zionismus deshalb abwendet, weil sich die zionistische Organisation zu wenig mit der Jugend befaßt. Ich glaube, nicht dies allem ist der Grund. Die Ursache liegt vielmehr in dem nicht einheitlichen Programm der Jugenderziehung sowie in der Art der Werbung in den einzelnen Jugendbünden und Vereinen. Die verschiedenen Strömungen im Zionismus, die, wie bekannt, die zionistische Idee untergraben und durch parteipolitische Auseinandersetzungen die zionistischen Gruppen aufcinanderhetzen, hat sich auch a/üf die Jugendbünde übertragen. Um den Beweis der Existenzberechtigung 2U erbringen, begnügt sich ein Bund damit, wenn er einen andern herabsetzt. Und es geht die Hetze von Bund zu Bund bis aufs Aeußerste. Und wenn auch die alten Zionisten aus Gründen, die ich hier nicht erörtern will, die Einheit des jüdischen Volkes durch diese Regungen bedrohen, soll doch die Jugend verstehen, daß diij Macht eines Volkes nur in seiner Einigkeit liegt. Am allerwenigsten steht es der Jugend zu, parteipolitisch zu sein und ihre Zöglinge einseitig zu erziehen. Zwar heißt es allgemein in den Werbezuschriften aller Bünde: «Willst du wandern, willst du spielen, willt du unter Freunden sein, so komme zu uns.» Die Parteipolitik wird mit keiner Silbe erwähnt, in der Praxis aber scheint es ganz anders zu sein, ln den Bünden wird dem heu geworbenen, ahnungslosen und unwissenden Jugendlichen gesagt: «Du sollst bei uns sein, weil die anderen nichts wert sind. Du sollst sozialistisch sein, weil du zum „Haschomer-Hazair4 gehör?!, du sollst revisionistisch sein, weil du im „Betar“ bist* usw. Ich frage, wer hat den Bünden das Recht gegeben, die Seele dieser unwissenden Kinder zu vergewaltigen? Sind diese Kinder zu ihnen aus Ueberzcugung gekommen, weil sie das sozialistische, revisionistische oder allgemeine zionistische Programm für richtig gefunden haben? Haben die einzelnen Bünde das Recht dazu, weil dieser Jugendliche zufällig in diesen und nicht in einen anderen Bund eingetreten jst, ihm ihre Anschauung aufzudrängen? Ist es nicht eine Seclcnhascherei? Ein Bund soll doch die Aufgabe haben, seine Zöglinge vor allem jüdisch zu erziehen und sie dem Judentum und somit dem Zionismus näherzubringen. ihre Aufgabe ist es also, zuerst Judentum zu lehren, und das mittels eines einheitlichen Planes, wie die Erziehung im allgemeinen es oben verlangt. Statt dessen zersplittert sich die Jugend jn Hunderten vor Programmen, verhetzt sich gegeneinander, und daher der Mißerfolg. Ich schlage daher vor, einen einheitlichen Fünf-Jahr- Plan für Jugenderziehung. Nur Jugendliche von 13 Jahren an gehören einem Bunde an. Ich schlage dieses Alter vor, weil ich der Ansicht bin, daß ein Jugendlicher vor diesem Alter ganz und gar <Jty Schule gehören soll. Es Ist nicht ohne Grund, wenn unsere Weisen erst einen 13jährigen als Bar-Mizwa, als volljährig erklärt haben. Die Gefahr, daß die Vor-dreizehn-Jfthrigen vielleicht in ein anderes Lager kommen könnten, ist so zu umgehen, indem diese In Gruppen zusammengefaßt und organisatorisch gehalten werden, um sie für ihre weitere Erziehung vorzuberciten. Die eigentliche Erziehung in den Bünden beginnt erst nach dem 13. Lebensjahr. Vom 13. bis zum 14. Lebensjahr werden die Jugendlichen in Zügen, und zwar nicht mehr als zehn in einem Zuge, aufgenommen. Außer der Jugendbündlerischen Erziehung, die im Wesen fast in allen Bünden die gleiche ist. werden drei Stunden in der Woche für spezifisch-jüdische Erziehung verwendet. Und zwar: Zwei Wochenstunden für den intensiven Hebrüisch-Unterricht, der mit dem Schulbeginn auch zu beginnen hat und unbedingt unter der Leitung eines geschulten Hebräisch-Lehrers gestellt werden soll, und eine Wochenstunde für Volkskenntnis. Darunter verstehe ich Sichot über die Entwic lung des jüdischen Volkes, seine Bedeutung für die Menschheit und die Notwendigkeit der Einheit desselben. Endziel: Liebe zum Volke. Man kann ein Volk nur dann Heben, wenn man es kennt und verehrt Die zwei Hebräiseh-Wochenstunden müßten an bestimmten Tagen und Stunden regelmäßig und strickte nur im Jugendheime abßehalten werden, hingegen kann dbe dritte Stunde auch bei icimabenden und bei der wöchentlichen Wanderung elngefügt werden, jedoch systematsch, worüber ein Tagebuch geführt werden soll. Bis zum 15. Lebensjahr werden die zwei Hebräisch- Stunden fortgesetzt. Die dritte Stunde wird für Kenntnisse jüdischer Persönlichkeiten verwendet. Auch dies« Stunde kann bei Heimabonden und Wanderungen abgehalten Werden, jedoch systematisch in Epochen und Zeitgenossen geordnet. Endziel: Jüdisches Selbstbewußtsein. Bis zum 16. Lebensjahr Fortsetzung der zwei Hebräisch- Stunden. In der dritten Stunde jüdische Geschichte. Beginn mit dem babilonischen Exil. Endziel? Judentum als treibende Kraft Bis zum 17. Lebensjahr zwei Stunden Einführung in die neuhebräische Literatur, ln der dritten Stunde Palästina- Geographie und Geschichte des Zionismus. Endziel: Bedeutung Palästinas für das jüdische Volk. In diesem Jahre beginnt für den Jugendlichen auch die praktische zionistische Arbeit, von der er in den früheren drei Jahren gänzlich befreit war. Da der Jugendliche in dieser Zeit die Bedeutung des Judentums erfaßt hat, die Liebe zum Volk in sich aufgenommen und die Notwendigkeit des Zionismus als einzige Lösung der Judenfrage erkannt hat, wird seine Arbeit für die Organisation von Begeisterung begleitet und daher intensiver sein. Bis zum 18. Lebensjahr zwei Stunden Einführung hi die althebräische Literatur, ln der dritten Stunde Kenntn’s der verschiedenen Strömungen im Zionismus. Endziel: Parteibewußtseiu. Erst in diesem jahre soll sich der jugendliche mit den parteipolitischen Problemen befassen dürfen. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres gehört der Jugendliche dem. Volke. Er hat in diesem Alter entweder maturiert oder ist als Arbeiter freigesprochen worden. Er hat dann die Möglichkeit, zu entscheiden, ob er als Jugendführer im Bunde verbleiben will, sein Studium oder seine Arbeit fortsetzen, oder aber auf Hachschara als Vorbereitung für Palästina gehen soll. Wenn er sich deiYi Bunde entwachsen fühlt, g^ht er aus eigener Ueberzeugung und als vollwertiger und mit Judenwissen ausgestatteter Zionist in diese Gruppe, mit der er sich ideologisch und gefühlsmäßig verwandt fühlt. Damit hat die Gruppierung im Zionismus noch lange nicht oufgehört. Allein von der Idee der Einheit des jüdischen Volkes getragen, ist der Stachel des Hasses gebrochen und der Weg zur Einigkeit gebahnt. Und damit muß die Jugend beginnen. Um der Jugend das Bild der Einheit und Einigkeit zu verleihen, dazu soll nicht nur der einheitliche Fünf-Jahr- Plan dienen, sondern auch eine einheitliche Dreß soll für alle Bünde cingeführt werden, und nur ein Abzeichen des Bundes soll die Zugehörigkeit zum Bunde kennzeichnen. So auch ein einheitlicher Gruß, damit wir einmal vom Babel der Begrüßungen befreit werden. Damit ist der Plan in groben Strichen dargelegt. Ich stelle diesen Fünf-Jahr-Plan zur Diskussion als Vorbereitung für eine Jugendt3gnng. Nach Genehmigung dieses Planes soll die Wiener Jugend an die Bünde aller Länder einen Aufruf ergehen lassen, in dem gefordert wird, daß während des demnächst stattfindenden Zionisten-Kongrssses eine Führer-Tagung mit der Tagesordnung «Der Fünf-jahr- Plan für Jugenderz ehung» abgehalten werden soll. Ich weiß, es werden sich viele finden, die der Meinung sein werden, daß damit der Jugend die sogenannte Initiativ« genommen wird, und daß es schwer sein wird, den Plan durchzuführen. Ich bin jedoch überzeugt, daß, wenn di« Jugend de Einheit des jüdischen Volkes wünscht, wrd sie djesen Plan annehmen, und daß seine Durchführung für die Jugendbewegung. wie für die zionistische Organisation von großer Bedeutung sein wird. Die Jugendbünde haben das Wort! 1, Herzberg. Politik der offenen Tiir in Transfordanien Transjordanisches Pariament lehnt Bodenverkaufsverbot ab Amman. Das transjordanische Parlament hat in seiner am 31. März abgehaltenen Sitzung, der letzten in der laufenden Session, mit 13 gegen 3 Stimmen ein von der Opposition elngebrachtes Gesetz, durch das der Verkauf oder die sonstige Ueberlassung von Grund und Boden an Ausländer verboten werden sollte, abgelehnt. Der Vertreter der Regierung hatte beantragt, die Beratung des Gesetzentwurfes auf die nächste Session zu vertagen und so das Problem offen zu lassen. Die Mehrheit bestand jedoch auf sofortiger Abstimmung und gab damit zu erkennen, daß sie eine Politik der offenen Tür gegenüber den Juden wünsche. In jüdischen Kreisen beurteilt man die Ablehnung des Gesetzentwurfes als eine endgültige Niederlage der Opposition ttnd a!$ Vereitlung des fetzten Versuches, die Politik Emir Abdullahs, die durch diese Abstimmung einen entscheidenden Sieg errungen hat, zu durchkreuzen. Keine Rücktrittsabsichten des High Commissioner für Palästina Jerusalem. Die arabische Presse hat eine Mitteilung «aus besonders verläßlicher Quelle» veröffentlicht, dcrzufolge der High Commissioner Sir Arthur Wauchope entschlossen sein sollte, seinen Dienstvertrag nicht zu erneuern und Palästina zu verlassen. In Reglerungskrelsen wird die Mitteilung auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agcntur als völlig aus der Luft gegriffen und lächerlich bezeichnet. Die gegenwärtige Dienstperlode des High Commissioner läuft erst im Jahre 1937 ab. Voraussichtlich ruhiger Verlauf des Nebi'Musa'Festes in Palästina Jerusalem. Im Hinblick auf das bevorstehende Nebl-Muaa-Pest hat die Leitung der palästinensischen Polizei alle Urlaube eingestellt und die gesamte Poilzehnacht mobilisiert In der Zeit vom 3. bis zum 23. Aprö bleiben die Polizeileute in ständiger Dienstbereltschaft Turnus weise wurde ein 24stündlger Dauerdienst eingeführt Die Regierung hat umfassende Sicherungsmaßnahmen getroffen. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, ist nicht anzunehmen, daß die Zeit des NeW-Musa- Festes in diesem Jahre weniger ruhig vorübergehen werde als in den vergangenen Jahren. Bleibt MIß Szold in Palästina? Appe2 der jüdischen Organisationen an den Waad Leuml Jerusalem. Mehrere große jüdische Organisationen, unter ihnen Wizo, Hadassah, der Verband der jüdischen Aerzte und der Verband der jüdischen Lehrer, haben dem Waad Leumi eine Petition überreicht, in der er ersucht wird, «alles Menschenmögliche zu tun, um Miß Henrietta Szold davon abzuhalten, aus dem Waad Leumi auszuscheiden und Palästina zu verlassen». In der Petition wird erklärt, daß die Unterzeichneten Organisationen es als einen großen Verlust für den Jischuw und insbesondere für die Abteilung für soziale Arbeit bei der Knesseth Israel, deren Leiterin Miß Szold war, betrachten würden, wenn diese das Land verließe. Me allgemeinen Zionisten treten selbständig in den WahlkampS zum 18« Zionistenkongreß ein Krakau. Am 25. März hielt die Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten in Krakau eine Beratung ab, in der die Frage der Teilnahme der Allgemeinen Zionisten an den Wahlen zum 18. Zionistenkongreß besprochen wurde. Nach Anhörung des von Dr. J. Schwarzbart erstatteten Tätigkeitsberichtes wurden programmatische und aktuelle Fragen der Bewegung behandelt. Es wurde beschlossen, daß di« Allgemeinen Zionisten selbständig in den Wahlkampf zum 18. Zionistenkongreß eintreten sollen mit dem Ziele, sich eine dominierende Stellung auf dem Kongreß zu sichern. Weitere Beschlüsse der Verbandsleitung betreffen die Unterstützung des allgemeinen Hechaluz-Verbandes und eine Aktion zwecks Beeinflussung der zionistischen Instanzen im Sinne stärkerer Förderung der Mittclstajids-Alijah. Ferner hat die Leitung des Weltverbandes beschlossen, Maßnahmen zur Einigung der allgemeinen Hechaluz-Bewegung und der Verbände der allgemeinen zionistischen akademischen Jugend zu treffen. Die Leitung konstatierte ein Anwachsen der allgemeinen zionistischen Bewegung und bedeutende Fortschritte in der Organisation des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, i

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