Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 274 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 DIE STIMME Nr. 274 — 7. April 1933 vvZelt unserer Befreiung Von Dr. David Feuchtwang Jödenschlcksal. Wie sollen wir das Fest der Freiheit leiem? In dieser Zeit voll Schmach und Schande, deren Ruhm und Stolz es zu sein scheint, die Erneuerung des staatlichen, nationalen Gedankens, die Erhebung de« Volkes zu Selbstbewußtsein mit Judenknechtung 2U beginnen und zu besiegeln. Wir Juden betraten den Boden der Weltgeschichte mit dem kühnen Wort: «Ich bin Dein Gott, der Dich aus Aegypten, dem Haus der Sklaven befreit hat*. Dieses Befreiungswerk hat Moses vollzogen, den wir als einen Vollstrecker des Willens der Vorsehung betrachten, die in der Weltgeschichte waltet. Wir blieben Träger und Lehrer seiner Oedankenweit. Er wollte ein Volk und eine Religion schaffen, die sich ln national-bewußtem und religiöstreuem Kreise fernhalten sollten von Haß und Unrecht gegen andere Nationen und Religionen, wofern Sie den von ihm aufgestellten, für alle Menschen geltenden Grundsätzen der Sittlichkeit und des ethischen Monotheismus entsprachen. Diese Grundgesetze sind aber universell. Universalität gilt heute als Schwäche und Verbrechen am nationalen Gedanken. Hingegen werden mit kaltem Blute Verbrechen am Menschheitsgedanken verübt und als nationale Heldentaten gepriesen. Wir feiern das Fest der Freiheit und Befreiung. Wir haben es seit dem Auszug aus Aegypten, in der klassischen Zeit eigenen Staatslebens und nach dessen Verlust oft genug in Ketten und Fesseln gefeiert. Wie erklärt sich dieses Rätsel? Wissen die Völker der Weit noch immer nicht, daß mosaisch-prophetische Lehre seit Jahrtausenden Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen fordert? Wissen sie nicht, daß wir bei aller Treue zur alten, heiligen Heimat und zum Glauben der Väter und Mütter, überall in der Welt treueste Bürger sind und bleiben wollen? Wollen sie nicht sehen, daß wir unsere besten Kräfte dem Lande widmen, das uns als gleichberechtigte Bürger anerkennt? Sehen sie nicht mit gehässigem Neid diese Leistungen jüdischer Bürger? Ist etwa das ein Zeichen des Adels nationaler Erhebung, wenn sie tüchtige, fleißige, treue Staatsbürger unter Knechtschafts- und Fremdengesetze stellt? W i r lesen am Feste der Befreiung wohl die geschichtlichen Dokumente der alten Zeit der Sklaverei und singen Freiheitslieder; den Höhepunkt des Festes aber bildet die Verkündung der unsterblichen Vision des Propheten Jesaia vom ewigen Frieden und der Verbrüderung aller Menschen. Von solchen Gefühlen erfüllt, sitzen wir an festlichen Abenden im Familienkreise und gedenken aller Zeiten unserer großen Vergangenheit und Geschichte. Erhaben schöne und furchtbar-grauenhafte Bilder ziehen an uns vorüber. — Wir singen Lieder der Befreiung. — Weil wir an Freiheit glauben, weil wir sie für alle Menschen wünschen. Weil unsere unerschütterliche Liebe zur alten Heimat ein ungeheurer Beweis inniger Treue ist, die wir in gleicher Weise jedem Lande bewahren, dessen Bürgerrechte wir genießen. — Wir singen Freiheitslieder. — Beglückt sehen wir erwecktes Volksleben in Palästina, gesunde, zielbewußte Arbeit, junge Kraft und Blüte. Verlieren wir unsere Haltung und Würde nicht; bleiben wir aufrechte Juden in noch so feindlichem Kreise! Man wird Treue, Festigkeit und Charakter höher einschätzen als Haltlosigkeit, Feigheit und Kleinmut. Unsere Leistung für Staat und Kultur, für Welt der öffentlichen Meinung und von dem Empfinden des englischen Volkes zu unterrichten. Es war mir völlig unmöglich, schloß Lord Readlng unter lebhaftem Beifall, als Mitglied dieses Hauses hier zu sitzen ln voller Kenntnis dessen, was in Deutschland geschieht, und wissend, daß jüdische Männer und Frauen zurückgesetzt werden, nur weQ sie Juden sind, ohne meiner Meinung als Mitglied der jüdischen Gemeinschaft Ausdruck zu geben« Der Erzbischof von Canterbury, das geistliche Oberhaupt der englischen Hochkirche, erklärte, er schließe sich den herzergreifenden Ausführungen Lord Readlngs an. Er vertraue darauf, daß die Regierung erklären werde, daß sie alles Mögliche tun werde, um tite Sorge der Bevölkerung dieses Landes und insbesondere derjenigen, die aufrichtige Freundschaft für Deutschland hegen, um die deutsche Judenhelt zum Ausdruck zu bringen. Als Angehöriger der römisch-katholischen Kirche erklärte Earl of Iddesleigh, er schließe sich den Bemerkungen Lord Readlngs an. Die Katholiken aller Länder empfänden tiefe Sympathie für die Opfer der Bewegung ln Deutschland, die allgemein verurteilt werde. rU.KAl5ER5TR.ie3 tt. AlSERSTR. 6 Slfr-SlS-S»- ■ ■■ ■ M ■ ■ 1 Id der Leopoldstadl! iyii&eKt ßauaK, das alte Bankhaus mit den berühmten eröffnet 10. April in der Leopoidstraße 25 (Ecke Große Pfarrgasse) eine Filiale. Das Glück kommt Ihnen entgegen. Wählen Sie jetzt persönlich ihr oiocRshauerios und Menschheit ist unleugbar. Man kann sie zu verkleinern suchen, sie verschweigen, mißachten; kann uns entrechten — ein Unglück für uns, eine Schmach für die Urheber solcher Taten. Es war stets ein Irrtum, an endgültigen Sieg der Freiheit zu glauben; eine Verirrung, durch Leugnung seines Selbst, Achtung gewinnen zu können. Das Urteil über das Schicksal eines Volkes wie des jüdischen wird schließlich doch nur von der ganzen, sittlichen Welt gefällt. Zu viel des unsterblichen Geistes der vom Boden Palästinas ausgegangenen Lehre — auch der christlichen — ist in die Menschheit eingedrungen, zu tief darin gewurzelt, als daß für die Dauer dessen Spuren ausgelöscht werden könnten. Wir bleiben. — Wir feiern mit tiefem Ernst und hoher Würde das Fest der Befreiung. Wir singen das Lied der Freiheit, auch wenn man uns knechtet. Englische Kritik am deutsche« Antisemitismus London, 3. April. Die englische Presse nimmt heute kritisch zur antisemitischen Politik in Deutschland Si lTung. Die «Times» sagen: Unter den gegebenen Umständen brauchen die Führer der Nationalsozialisten sich nicht darüber wundern, wenn Juden in ander.n Ländern deren Drohungen und Programm ernst nehmen. Auch können die Führer der Nationalsozialisten nicht erwarten, daß die öffentliche Meinung in England durch Ströme von Pro-Hitler-Telegrammen beeindruckt xverckn könne. Man scheint in Deutschland das Wort Moltkes vergessen zu haben: «Erst wägen, dann wagen.» Aehnlich wie beim siegreichen Vormarsch der deutschen Armee 1914 besteht jetzt bei den taktischen Erfolgen der deutschen Innenpolitik das Risiko, daß der Plan der neuen politischen Offensive auf die Dauer die Schwierigkeiten des neuen Regimes erhöhen muß. Sicherlich hat die antijüdische Politik der Hitler-Anhänger ihr Prestige in England nicht erhöht. Der konservative «Daily Telegraph» sagt, es werde der Tag kommen, an dem das deutsche Volk wünschen werde, daß diese Dinge aus seiner Geschichte verschwänd.n. Nichts Großes und Heroisches sei in der Verfolgung der Juden. Der Feldzug gegen die Juden sei abgebrochen worden, we l die deutsche Regierung eingesehen habe, daß er Deutschland ruinieren würde, wenn er fortgesetzt würde. Der liberale «News Chronicle» sagt: Die Fortsetzung der Politik der Verfolgung einer kleinen und hilflosen Minderheit kann das Ende vield Dinge sein, so auch das Ende jeden Ansehens, das die nationalsozialistische Regierung im Auslande besitze. »Die deutschen Juden müssen ihren Platz an dev Sonne finden« Erklärung Dr. Stephen Wises vor der amerikanischen Eimvumde* rungskomniisston -New York. Der Ehrenpräsident 4e$ amerikanisch-jüdischen Kongresses Dr. Stephen S. Wise, und dar Präsident Bernhard Deutsch hatten am 30. März eine Untetvcdung rr.tt dom Vorsitzen Jen der ScnatskommLsbn für ausliindiocha Beziehungen, Senator Pittman, und dem friilaa/eri Vorsitzenden dieser Kommission, Senator Bor ah. Am selben Tage sprachen die Führer des ams.T.unlsrii-jildbclien Kongresses auch Im State Department, dJ;n amerikanischen Außenministerium, vor. Dr. Stephen S. Wise hielt auch eine Ansprache vor der Einwanderungskommluion. Er erklärte, er sei von dem vom Mitglied des Repräsentantenhaus;» Dickstehl gc*nachton Vorschlag, alle aus Deutschland fliehenden Juden, dis Verwandte amerikanischer Burger sind, ohne Rücksicht auf die Quotsnbeschränkungen frei zur Einwanderung nach Amerika zuzulassen, nicht einverstanden. Er tolle zwar den Wunsch des Kommisslonsvorsik&etv deft Dlcksteän, den Juden aus Deutschland Zuflnchtsmöglichkeiten zu sichern. Die deutsche JurJanfrage aber müsse in Deutschland gelöst worden. Durch die deutsche Regierung, durch das deutsche Volk müsse K echt getan werden. So gastfreundlich auch Amerika, England, Frankreich und die Schweiz sein mögen, die G03.093 Juden in Deutschland müssen ihren Platz an der deutschen Sonne Unden, die Aufrechterhaltung ihrer politischen und bürgerlichen Rechte müsso gesichert werden. Ich glaube, erklärte Dr. Wiie, daß cs uns als Freunden Deutschlands möglich ist, bei der deutschen Regierung Verstä tdnls dafür zu erwecken, daß sic unter den houte in der Welt herrschenden Ve/hült:iis3«i in einem freiheitsliebenden Kulturland nicht plötzlich zu mlttdoiterUchen Methoden zurückkehron kann. Zionistische Exekutive und Waad Leumi an Reichskanzler Hitler Jerusalem. Die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi haben m Reichskanzler Hitler ein Telegramm gerichtet, ln dem erklärt wird, es handle sich bei dem anti-deutschen Boykott um spontane individuelle Aktionen, die aufhören würden, wenn die deutschen Behörden Ihre gegen die Juden gerichtete Aktion nicht fortsetzen. Eine Kopie des Telegramms wurde dem deutschen Konsul in Jerusalem überreicht Dieser richtete nach Besprechung der Lage mit einer Delegation des Waad Leumi ebenfalls ein Telegramm nach Berlin, ln dem erklärt wird, daß der bisher auf individuelle Aktionen beschränkte Boykott abflauen werde, wenn die palästinensischen Juden nicht durch eine judenfeindliche Aktion rrnmsm '.i'i'Jii, ■aiii;ii!i, i"».1 as 1 "m Weixmann in PaWaiina Begegnung mit der Exekutive des Waad Leumi ln Ludd Jerusalem, 28. März. Die gesamte Exekutive des Waad Leumi hat sich nach Ludd begeben, wo eine Zusammenkunft mit dem Präsidenten der English Zionist Federation und ehemaligen Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, stattfand. Dr. Weizmann begab sich von Ludd aus, ohne Jerusalem zu berühren, nach Haifa, wo er die Pessach-Feiertage verbringen wird. Am 5. April veranstaltet die Exekutive der Jewish Agency einen Empfang zu Ehren Weizmanns in Jerusalem. in Deutschland Ui eine deutschfeindliche Haltung gedrängt werden. WEINIINKAUF ist Vertrauenssache Verlangen Sie ausdrücklich: PflttiSf INR-WEINE PROPR fMRÖlsi ROTHSCHILD Zusendung von Preislisten über Wunsch durch den autor. Vertreter: GUSTAV WIEDER Wien, IV.,Rainergasse 31, Telephon U 42-4-84 95^209