Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 274 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Di« heuflQC Nummer ist 16 Seifen stark V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1 50, Vierteljahr!. S 4 20, gan* jährl. . . . S 16"— Deutschld. viertel jährl.. . . HM V— Tschechoalotfcakei viertelj. . Kc 24 — Jugoslawien vierte! jahrl. . Din 40 - Po en Vierteljahr lieh . . Zloty ft 50 Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengo 4 20 RumSmen viertel fahrt. . . Lei 120 — Uebriges Ausland Vierteljahr!. Schw. Franken 4 50 Jfldlsdit Zettuni Preis 35g Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, U Klrntner •traft« 28 Tel R-27 4-85 Postsparkassen* konti: Oesterr. D 113 546 Polen . Ischecho* Slowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 191.199 6. Jahrgang Wien, Freitag, 7. Apr I 1933 <11. N2san 5693) Nummer 274 EvieichieviePatüsiinaeinwandevung für deutsche Juden? Aussprache im englischen Unterhaus London. In der am 3. April abgehaltenen Sitzung des Unterhauses richtete der Abgeordnete Colonel Josiah Wedgwood, unterstützt durch den der faschistischen Gruppe nahestehenden Konservativen Commander Locker-Lampson und den Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei Maxton an Kolonienminister Sir Philip Cuniiffe-Lister den Appell, im Hinblick auf die gegen die Juden in Deutschland getroffenen Maßnahmen eine Milderung der in Palästina bestehenden Einwanderungsbeschränkungen zugunsten von Juden aus Deutschland durchzuführen. Kolonienmiriister Cunliffe-Lister erwiderte, die Handhabung des palästinensischen Einwanderungsgesetzes stehe dem High Commissioner von Palästina zu.. Es stehe der palästinensischen Exekutive der Jewlsh Agency frei, Vorstellungen in dieser Frage beim High Commissioner zu machen,, der diesebzügliche Vorschläge gewiß in ernsthafte Erwägung, ziehen werde. Besteht eine Aussicht, fragte Colonel Wedgwood, daß wir Juden aus Deutschland in Palästina eine Zufluchtsstätte bieten? Besteht Aussicht auf Einwanderungserlaubnis, fragte Colonel Wedgwood, wenn es sich um Leute handelt, die in ihrem Berufe jede Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verloren haben? Commander Locker-Lampson fugte hinzu: Könnte der Minister für die Kolonien nicht ln Erwägung ziehen, ob nicht im Hinblick auf die außerordentlichen Umstände eine außerordentliche Anstrengung in dieser Hinsicht gemacht werden könnte? Wäre der Minister bereit, die Einberufung e&ies Parlamentskomitees zum Studium dieser Frage zu erwägen? Sir Philip Cuniiffe-Lister: Die Frage der Einwanderung nach Palästina wurde stets in Uebereinstimmung mit der von der Mandatsmacht festgelegten Politik behandelt. Können wir, fragte Abgeordneter Maxton, Palästina als augenblickliches Asyl für Juden aus Deutschland bestimmen, ohne daß die allgemeinen Grundsätze, betreffend die dauernde Einwanderung, berührt werden? Die deutschen Judenverfolgung«» vor dem englisch«» Oberhaus Anfrage Lord Cecils an die Regierung — Lord Reading über die Zurücksetzung der Jüdischen Intellektuellen In Deutschland — Sympathiekundgebungen des Erzbischofs von Canterbury und des Lord Iddesleigb Im Namen der Katholiken London. Im Oberhaus richtete Viscount Cecil of Chelwood an die Regierung die Anfrage, ob sie eine Erklärung, betreffend judenfeindliche Vorfälle in Deutschland, abzugeben in der Lage sei. Er wolle erfahren, ob die Regierung im Besitze von Informationen über diesen Gegenstand sei. Viscount Cecil führte weiter aus, es sei zugegeben worden, daß in Deutschland allgemeine Entlassungen jüdischer Richter, Aerzte und anderer jüdischer Berufsangehöriger erfolgt sind. Diese Maßnahmen seien damit gerechtfertigt worden, daß in verschiedenen Ländern eine Art Boykott gegen deutsche Waren organisiert worden sei und daß die Regierungen dieser Länder nichts getan hätten, um diesem Boykott Einhalt zu tun. Es handle sich um eine Angelegenheit von internationalem Belang. Auch in England, wo viele Hunderttausendc von Juden leben, die mit zu den rechtmit dm iwzllfl. Salonsdiiffn dis Llosd Triestiio Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr | i’erner: * Wöchentliche ExpreBlinlc nach Istanbul wöchentliche Lnxusellllnle nach Alexanzwelmal monatlich Lnxusellllnle nach Bombay i mo tätliche ExpreSIInle nach Ceylon, Mngapore, Shanghai» PootlTnfen nach der Levante, Schwarses Meer, Indien, China, Japan schaffensten und friedlichsten Bürgern des Landes gehören, hätten diese Vorfälle tiefe Besorgnis erregt. England als Mandatarmacht Palästinas nehme am Wohl und Wehe der Juden besonderen Anteil. Eine andere Sache sei es, ob von England aus etwas in dieser Angelegenheit geschehen könne. Das Haus wäre der Regierung Seiner Majestät sehr dankbar, wenn sie ihm irgend welche beruhigende Zusicherungen geben könne. Der ehemalige Außenminister und Vizekönig von Indien Lord Reading erklärte, er ergreife das Wort, weil es ihm als . Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und des Oberhauses unmöglich sei, darauf zu verzichten, auch seinerseits an die Regierung den Appell zu richten, alles Menschenmögliche zu tun, um die von der Mehrheit des englischen Volkes gehegten Ansichten darzulegen. Er dankte Lord Cecil dafür, daß dieser den Gegenstand zur Sprache gebracht habe. Sein Eingreifen sei so erfolgt, wie man es von Lord Cecil, der in allen seinen Handlungen, insbesondere wenn er glaubte, daß es sich um religiöse oder Rassenunterdrückung handle, sich stets als großherzig und vornehm erwiesen habe, erwarten durfte. Er wolle insbesondere darauf hinweisen, daß die jetzt in Deutschland geschaffenen Schwierigkeiten vor allem die Intelligenzberufe betreffen. Meistens werden Angriffe gegen die jüdische Gemeinschaft ili schwierigen Zeiten im Zusammenhang mit Spekulation und Tätigkeit auf finanziellem Gebiete geführt. In diesem Augenblick sei der Angriff, der, wie die deutsche Regierung ankündigt, vom 1. April an erfragen soll, gegen die Universitätsprofessoren, die Richter, die Rechtsanwälte und die Aerzte, die zufällig der jüdischen Gemeinschaft angehören, gerichtet und erfolge ausschließlich deshalb, well sie Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft sind. Es handle sich hier nicht um strittige Fragen. Ich bin sorgfältig bemüht, erklärte Lord Reading, nur das wiederzugeben, was die deutsche Regierung formell angekündigt hat. Ich sehe durchaus ein, daß die Regierung Seiner Majestät sich bei der Behandlung dieser Angelegenheit in einer höchst schwierigen Situation befindet. Aber ich glaube, daß sie zumindest die in ihrer Macht liegenden legitimen Möglichkeiten ausnutzen kann — und ich schlage hier respektvoll vor, dies zu tun — um Deutschland von eSHSSMÄH-H-a-H-H—BH-51 Die Pessaehbeilage dev „Stimme" bringt heute: Dr. David Feuchtwang: Zeit unserer Befreiung Z. F. Finhelstein: Erinnerungen an Scholem Aieichem Rosa Meiler: Pessach . . . Johanna Wolf COlmütz): Volk ohne Heimat Dr. Jakob Rosenthai: Fünfzig Jahre Tisza-Eszlar-Prozeß Dr. Marek Schertag: Die Juden fn Friedens „Kulturgeschichte der Neuzeit“ Israel Mafofis: Sind Chrolsses gefährlich? Dr. Karl Rosenfetd: Prof. Boris Schatw Dr. Henny Llchtensteln-Rappaport: Arnold Zweig „De Vriendt kehrt heim“ Dr. Isidor Schallt: Der Kampf der Kadimah gegen das AsslmUantent um Dr. Amalie Kantor: David Pfttsfci und die Frauen