Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 273 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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flr. 273 — SO. Ml« T933 DIB STIMME Sefl€ T Gewaltsame Schließung Jüdischer Geschäfte S. A. besetzen die Eingänge der Geschäfte — und die Polizei sieht ruhig zul Schwerin, 29. März. In Schwerin (Warthe) sind heute, wie das «Schweriner Kreisblatt» mlttailt, sämtliche jüdischen Geschäfte und die Geschäftsstelle des «Schweriner Kreisbiattes» amtlich geschlossen worden. Nach Meldungen aus dem Ruhrgebiet sind in Durchführung der nationalsozialistischen Maßnahmen In Essen, Duisburg, Bochum und anderen Städten des Niederrheingebietes und Westfalen die Warenhäuser, Einheitspreisgeschäfte und jüdischen Geschäfte geschlossen worden. ln Gleiwitz haben die jüdischen Geschäfte mittags ihre Pforten geschlossen. Da* gleiche wird aus anderen oberschlesischen Städten berichtet. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. In Wittenberge nahmen S. A.-Leute vor den jüdischen Geschäftshäusern Aufstellung und verhinderten das Betreten der Läden. Die Geschäfte wurden daraufhin von den Inhabern geschlossen. Oleiwltz, 28. März. Vor zahlreichen jüdischen Geschäften «tehen S. A.-Poste.n, die die KaufwllHgen vom Betreten der Läden durch Aufklärung «abzuhalten» suchen. Die Polizei nimmt von der Aktion keine Notiz. Ein« Sensation für Poasach 5693 find in Geschmack und Qualität unübertroffen sindl werden unter streng orthodoxer Aufsicht des rnn md ornnn narn *dv> mn hergestellt Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt! Seit vielen Jahren genießen die «Schmidl- Mazzoth» das beste Renommee und werden von allen bevorzugt Aut die Extraqualität meiner Fabrikate «Marke Sclmiidl N. B.» auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht mm: n. mtODEizif 2., Leopoldsgasse 43 und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich Telephon-Nummerti A-tfi-i-PO. A-60-2-63 und A-41-9-52 Das Braune Haus telephonier* an Hmertha Ein amüsanter Dialog Berlin. Nach Telegrammen aus New York bringen die amerikanischen Zeitungen eine Erklärung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen die Greuelmeldungen und die bekannten Aeußerungen der «Frankfurter Zeitung» (s. JTA-Dlenst Nr. 70, S. 5). Der Heafstsche «International News Service» bringt ein Telephoninterview mit dem Pressechef der NSDAP., Dr. Hanfstaengi, der vom Münchner Braunen Hause mit dem Hearst- Bureau in New York sprach. Dr. Hanfstaengt erklärte, die Berichte über die Judenverfolgungen seien «gemeine Lügen». Auf die Frage: «Sind die Berichte Uber angebliche Judenmißhandlungen in Deutschland wahr oder unwahr?» antwortete Dr. Hanfstaengl: «Der Reichskanzler hat mich vor wenigen Minuten, als ich ihn auf dem Münchner Flugplatz nach seiner Ankunft aus Berlin traf, autorisiert, Ihnen tu erklären, daß alle diese Berichte in ihrer Gesamtheit gemeine Lügen sind.» Die nächste Frage lautete: «Macht Ihre Regierung Unterschiede zwischen Juden, die sich dem Gesetz fügen, und solchen, die die politischen Ziele des gegenwärtigen Regimes bekämpfen?» Antwort: «ln keiner Weise machen wir Unterschiede zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung.» Frage: «Hier sind Berichte verbreitet, daß die Regierung alle Juden aus öffentlichen Aemtern entfernt. Sind diese Berichte wahr?» Berlin. Telegraphen-Unlon bringt die folgenden Meldungen aus New York: 20.000 New Yorker jüdische Kriegsteilnehmer Veranstalteten am heutigen Donnerstag einen Protestumzug 2um Rathaus, um dem Oberbürgermeister eine Protestentschließung zu überreichen, die sich gegen die angeblichen deutschen Greuel richtet. Anschließend soll im britischen Generalkonsulat gefordert werden, die aus Deutschland geflüchteten amerikanischen Juden in Palästina aufzunehmen. Die amerikanischen Rabbiner haben für den kommenden Montag einen allgemeinen Fast- und Bettag angeordnet. Am Montag nachmittags soll ein Protestumzug stattfinden mit anschließender Versammlung im Madison Square Garden, einem der größten Plätze New Yorks, wo Äußer jüdischen Vertretern auch der katholische frühere Gouverneur von New York, Smith, der evangelische Bischof Mannlng, der Gewerkschaftsführer Green, der jüdische New Yorker Gouverneur Lehmann sowie Senator Borah und der Präsident der Columbia-Universität und Direktor der Carnegie- Friedensstiftung Murray Butler sprechen werden. Auskünfte Uber Palästina und Palästlnaralsen an Wochentagen, nur von 2 bis 3 Uhr ttaohm., bei der JWJM.i.UMMNrlMII (Straßenbahnlinien 0, 4, 118) Telephonische Auskünfte werden nicht erteilt; kostenlose Auskünfte erhalten nur Personen, welche Mitglieder der «Pag» sind oder werden. Die nächste Palästina-Oruppenreäse wird bei genügender Beteiligung Ende April oder anfangs Mai von Wien abgehen. Weitere diesbezügliche Mitteilungen werden in der nächsten Nummer der «Stimme» verlautbart. U.—... .. „ Antwort: «Der beste Beweis für die Falschheit dieser Berichte ist die Tatsache, daß noch heute viele hohe amtliche Stellen von Juden besetzt sind.» Frage: «Könnten in der gegenwärtigen Lage Männer wie Lion Feuchtwanger und Einstein nach Deutschland zurückkehren, ohne belästigt zu werden?» Antwort: «Diese Frage kann ich nicht beantworten. Darüber haben die Gerichte zu entscheiden. Es ist sehr bedauerlich, daß diese beiden Männer im Auslande sich so abfällig über Deutschland äußerten.» Frage: «Es sind hier Berichte verbreitet, nach denen es den in der Pfalz lebenden Juden Verböten Worden ist, ihre Depositen von den Banken abzuheben. Auch sollen sie mit Ausweisung bedroht worden sein. Sind diese Berichte wahr?» Antwort: «Ich weiß wirklich nicht, woher alle diese lächerlichen Berichte kommen.» Auf Einzelfragen über Verfolgung von Juden entgegneie Hanfstaengl: «Die Untersuchungen der schwedischen wie der holländischen Berliner Gesandtschaft haben ergeben, daß nicht ein einziger Jude getötet oder verletzt worden ist... Zum Schlüsse möchte ich dann ganz allgemein sagen, daß viele Juden und jüdische Organisationen unsere Regierung unterstützen, weil sie eingesehen haben, daß die einzige Alternative zur Regierung der nationalen Revolution kommunistische Terrorherrschaft wäre.» —»—!■■■ II I -' Die christlichen Kirchenverbände haben eine Protestentschließung an das Staatsdepartement entworfen. Die jüdischen Geschäfte werden am Montag geschlossen halten. Der von zahlreichen, meistens jüdischen Einfuhrhändlern befürwortete Boykott deutscher Waren hat sich als nicht ohne weiteres durchführbar erwiesen, weil die amerikanische Ausfuhr von Fertigwaren nach Deutschland größer Ist als umgekehrt. Die deutschen Schiffahrtsgesellschaften verzeichnen zahlreiche Passageabgaben und Frachtstreichungen. Der amerikanische Rundfunk wird den ganzen kommenden Montag Völlig der jüdischen Propaganda gewidmet Sein. Das Staatsdepartement in Washington hat die amerikanische Botschaft in Berlin aufgefordert, einen Bericht über die angeblichen Judenverfolgungen in Deutschland tu kabeln. — Ein Protest gegen die behaupteten Verfolgungen wurde u. a. von folgenden bekannten Persönlichkeiten unterzeichnet i Newton D. Baker (Kriegsminister in Präsidenten Wilsons Kabinett), Eimer E. Brown (Kanzler der New York Utiiversity), Samuel Parkes Cadman (Präsident der Federal Council of Churches of Christ in America), Bainbridge Colby (ehemaliger Staatssekretär), Royal S. Copeland (Senator), John Davis (Präsident der Bar Association of the City of New York), James W. Gerard (früherer Botschafter in Berlin), William Green (Präsident der American Federation öf Labour), Alfred E. Smith (früherer Gouverneur von New York, demokratischer Präsidentschaftskandidat 1928), Robert P. Wagner (Senator), G. W. Wiekersham (früherer Generalstaataanwalt). Die Firma S. Rablnowitsch, Wien, II., Zirkusgasse 10, Tel. R 47-0-50, ist Generalrepräsentant und AUeinverkäufer aller Produkte der Palestine Oil Industry Shemen Ltd., Haifa. Die Shemen Works, Haifa, unterhalten in Oesterreich ständig dn reichhaltiges Lager aller Produkte, die allmonatlich frisch anlangen und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Die Pessachware wird mit speziellen Hechscher- Zetteln vexseheu. Boykottbewegung in Frankreich Am 5. April Protestmeethig in Paris Parts, 27. März. In Paris hat sich ein Komitee französischer Juden zur Organisierung eines Boykotts gegen deutsche Waren gebildet. An der Spitze dieser Boykottbewegung stehen hervorragende Persönlichkeiten aus Handel und Industrie. Bereits dieser Tage wurden zahlreiche Bestellungen der Großindustrie in Deutschland storniert. Außerdem werden mehrere Manifestationen gegen die Judenverfolgungen in Deutschland angekündigt. Am 5- April findet im Saale Wagram ein großes Protestmeet.ing statt, dessen Vorsitz der frühere Minister Senator Godart übernommen hat. Boykottbewegung In Palästina Jerusalem, 29. März. In ganz Palästina haben die Juden eine scharfe Boykottbewegung gegen deutsche Waren und deutsche Filme eingeleitet* um so gegen den Antisemitismus in Deutschland zu protestieren. Außerdem finden am Dienstag Protestversammlungen der Juden statt. „Boykottiert deutsche Waren14 «Manchester Guardian» schreibt: Um die allgemeine Entrüstung der Welt zu mildem, bedarf es anderer Beweise als die, welche Dr. Göbbels und Göeriirtg anführten. Die Erklärungen der beiden Reichsmltiister sind unzureichend. Die Protestbewegung gegen di* Judenverfolgungen in Deutschland nimmt in London keineswegs ab, im Gegenteil, sie äußert sich bereits in einer Boykottbewegung. In den meisten jüdischen Geschäften Londons sieht man Aufschriften: «Boykottiert deutsche Waren!» Selbst auf den Londoner Bürgersteigen sind ähnliche Aufforderungen zu lesen. Protestversammlungen In Polen Warschau, 27. März. Heute fanden in Warschau und in den Provinzstädten jüdische Protestversammlungen gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland statt, ln Warschau wurden nachmittags alle jüdischen Geschäfte ZU in Zeichen des Protestes geschlossen. Kundgebungen in Tunis Tunis, 27» März. Alle jüdischen Geschäfte sind zum Zeichen des Protestes gegen den Antisemitismus in Deutsch» land geschlossen Worden. Die Juden veranstalten Straßen» kundgebungen. Die antisemitischen Organisationen in Polen aufgelöst Warschau, 27. März. Der Minister des Innern hat alle Orgonisationen des «Lagers des Großen Polen» auf dem ganzen Gebiete der polnischen Republik wegen gesetzwidriger Propaganda aufgelöst Die unmittelbare Ursache dieses Schrittes waren die antisemitischen Ausschreitungen ln den Wojwödschaftcn Lemberg, Krakau und Blälystok. Sympathiekundgebung der rumänischen Bne Briss für das dentsehe Judentum Bukarest. Die anläßlich der Installierung des neugewählteh Präsidiums anberaumte Festsitzung der Bukarester Bne BflSS-Löge «Lumina» fand diesmal in erweitertem Rahmen Statt Uhd gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Sympathiekundgebung für das in seinem wirtschaftlichen und kulturellen Bestand bedrohte Judentum Deutschlands. Den Vorsitz führte der wiedergewählte Logenpräsident AL Seltzer, Palästina-Weine billiger! Karmelweine aus Rtehon le Zion haben in diesem Jahre eine wesentliche Preisreduktion zu verzeichnen. Der österreichische Vertreter der Großkelfereien in Richon le Zion, Herr Gustav Wilder, gibt uns nachstehende Detailpreise für OriginalflaiChen bekannt: Rechöboth S 2.40, Emek S 2 70, Karmel S 3.10, Perle Saron $ 3 30, Muscat Karmel S 4.—% Die Weine sind ln allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Um »ich vor den vielen, mb Handel befindlichen Nachahmungen zu schützen, wirrt dem konsumierenden Publikum empfohlen, die Bezeichnung Riehon le Zion zu beachten. Jüdische Protestwelle ln aller Welt