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Die Stimme · 1933-03-30 · Heft 273 (30.3.1933) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 273 (30.3.1933)
Date
1933-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr. 273 — 30. Min 1933 DTE STIMME Seife 5 ' KUNST UND WISSEN Bullae* du „stimme" 3-v. c4do4fi tfiscMo# (gaito\&4K am Vierzig Jahre «Ind ea her, seit der große Demokrat, der Initiator der Wiener Mörzrevolution, der Kämpfer für Völkerversöhnung, der jüdische Parlamentarier und Politikei Fischhof für immer dahingegangen ist Gerade die heutigen Zeiten scheinen uns geeignet, sic» dieser ragenden Persönlichkeit zu erinnern, die uns als Vorbild in den traurigen Kämpfen der Gegenwart dienen kam». Adolf Fischhof wurde im Jahre 1816 in Ofen geboren Sein Vater entstammte der bekannten jüdischen Gemeinot Eibuschitz. In Wien seit 1836 wohnhaft, war er zu Beginn des Jahres 1848 Sekundararzt im Wiener Allgemeinen Krankenhause. Ohne, daß er früher jemals politisch tätig g» wesen wäre, ging er am 13. März mit der Menschenmenge in das Haus der Niederösterreichischen Stände in der Herrengasse. Als er dort die Unruhe und Ratlosigkeit des Volkes sah, packte ihn plötzlich der Entschluß, zur Menge zu spucken und er hielt jene große und prachtvolle Rede, die den Anstoß zur Volkserhebung gab. «Wer an diesem Tag keinen Mut hat, der gehört in die Kinderstube.» «Eine übelberatene Staatskunst hat die Völker Oesterreichs auseinandergehalten; sie müssen sich jetzt brüderlich zusammenfinden und ihre Kräfte durch Vereinigung erhöhen.» Nachdem er noch die Freiheit der Presse und die Schwurgerichtsbarkeit gefordert hatte, schloß er seine Rede mit den Worten: «Oesterreich und seine glorreiche Zukunft hoch!» «Die verbündeten Völker Oesterreichs, sie leben hoch!» «Die Fro heit hoch!» Diese Rede machte Fischhof in der Wiener Bevölkerung und in ganz Oesterreich bekannt und populär, er wurde im weiteren Verlauf der Revolution Führer der Studenten, Präsident des Sicherheitsausschusses und Abgeordneter des Reichstages. | Als am 7. März 1849 das Kremsierer Parlament aufgelöst wurde, verhaftete man Fischhof. Er wurde gleich seinem Freunde Goldmark des Hochverrates und der Mitschuld an der Ermordung des Kriegsministers Latour beschuldigt. Ebenso wie Goldmark und anderen linken Deputierten, wäre ihm die Möglichkeit zur Flucht offengestanden. Er aber j sagte: «Bleibe ich, dann kann mich das Kriegsgericht viel- I leicht verurteilen, fliehe ich, dann verurteilt mich dieöffentj Dr. N. Al Gelber: Eine mißglückte Judenstaatsgründung im Midjangebiet (Ein Kolonlsationsverstich Pani Fried manns in den Jahren 1891/1893) (Nach unbekannten Archivmaterialien) (Schluß) In der jüdischen und nichtjüdischen Presse häuften Vieh gegen ihn Anschuldigungen, und wenn auch seine engeren Freunde, wie Dr. Landsmann17) ihn zu verteidigen suchten, war es doch klar, daß man es hier mit einem abenteuerlichen Plan zu tun hatte18). Wie in den diplomatischen und politischen Kreisen Aegyptens Friedmanns Unternehmen beurteilt wurde, beweist folgende Charakteristik des österreichisch-ungarischen Generalkonsuls, die er in seinem Berichte an den Außenminister Grafen Kalnoky gibt: «Der ganze Kolonisationsplan Paul Friedmanns hatte im vorhinein für jeden Einsichtigen den Anschein einer humanitären Utopie, bei welcher allerdings das Bedürfnis desselben, ln Evidenz zu kommen, mitgespielt haben kann. Er begegnete denn auch im Anfang von allen Seiten Mißtrauen, welches aber bald der Erkenntnis wich, daß man es mit einem persönlich anständigen, im übrigen unschädlichen Schwärmer zu tun habe. Obwohl niemand an einen Erfolg glaubte, räumte man doch verschiedene Hindernisse aus seinem Wege und Engländer und Aegypter ließen ihn gewähren, in 1T) ln einem Briefe an einen Wiener Freund schreibt er: «Unsere Juden sind meiner Meinung nach durchaus nicht das richtige Material für unser Unternehmen und ganz besonders nicht unter dieser Führung» (gemeint ist hier Friedmann) Abgedruckt in der «N. Fr. Presse» vom 2. März 1892, Nr. 9883. **) Io diesem Zusammenhänge Ist auch interessant, zu erwähnen, daß der damalige bekannte Orientalist an der Wiener Universität Prof. David Heinrich Müller, an den sich Friedmann vor Antreten seiner Expedition mit dem Ersuchen wendete, ihm die auf Inschriften in Nordarabien vor* kommenden Abhabete zu übermitteln, da er die Absicht habe, in Mvdiam und sonst in Arabien Inschriften zu kopieren und der Wissenschaft zugänglich zu machen, nach dem Scheitern des Friedmannschen Kolonisationsversuches öffentlich Friedmann den Vorwurf machte, daß er nur in Archiven, Salons und ähnlicher Umgebung groß geworden Ist, um io hohen Jahren eine Expedition in einem so unwirtgehen Lande leiten und bewaffnete Leute kommandieren uollte, Ohne hiezu #4 nötige Eignung zu besitzen. 33 1893) liehe Meinung gewiß. Die Wahl ist nicht schwer: ich bleibe.» Dreiviertel Jahre mußte dieser edle Mann in Untersuchungshaft sitzen, bis seine Unschuld auch von der Justiz des Jahres 1849 festgestellt wurde. Immerhin spricht der Umstand, daß Fisclihof dem Gefängnis entkam, für die Objektivität der altösterrcichischen Richter. Außer der wichtigen Rolle, die Fischhof in der Revolution des Jahres 1848 spielte, ist seine Stellungnahme zum österreichischen Nationalitätenproblem von Bedeutung. Fischhof war ein Vorkämpfer der nationalen Autonomie, ln seiner politischen Studie «Oesterreich und die Bürgschaften seines Bestandes», Wien, 1869, bricht er eine Lanze für den Nationalitätenstaat, und will aus Oesterreich eine «monarchistische Schweiz», also einen Staatenbund der Völker machen. Erst im Oktober 1918, kurz vor dem Zusammenbruch, tritt die Regierung in seine Fußtapfen. Zu spät — vielleicht wäre es anders gekommen, wenn man ihm früher gefolgt hätte. Fischhof -— dem Juden 1 Es wäre vollkommen unrichtig, Fischhof zum Nationaljuden zu stempeln. Seine ganze Erziehung, seine Zeit hätten dieser Gesinnung widersprochen. Aber, er verleugnete nicht nur keinesfalls seine jüdische Abstammung, er steht uns auch durch ein Projekt nahe, mit welchem er — allerdings vergeblich — die Berufsumschichtung der jüdischen Bevölkerung in Galizien in die Wege zu leiten versuchte. Fischhof propagierte im Jahre 1851 die Gründung eines «israelitischen Ackerbauvereines in Galizien», um die galizischen Juden der gesunden und nützlichen Beschäftigung des Ackerbaues zuzuführen. Wir allerdings haben inzwischen aus der Erfahrung gelernt, daß die richtige Berufsumschichtung nur im eigenen Lande, in Palästina vor sich gehen I kann Noch ein kleines Versehen Fischhofs, welches auch für die heutige Zeit und gerade für diese paßt j Die scharfe Tonart. Die scharfe Tonart wird Euch wenig nützen. Vor Mißerfolg wird sie Euch schwerlich schützen. I Mit scharfem Verstand nur und scharfem Blick BewaJirt Ihr die Völker vor Mißgeschick. I Chajes hat Fischhof in einem 1910 in der «Settimama» der Ueberzeugung, daß schlimmsten Falles nichts anderes herauskommen könne als der Beweis, daß eine jüdische ackerbauende Kolonie in der wasserarmen Gegend von Madian nicht ihr Fortkommen finden könne18)». Ganz anders beurteilte Friedmanns Unternehmen die jüdische Presse. Abgesehen davon, daß der Großteil schon aus prinzipieller Gegnerschaft den Kolonisationsplan bekämpfte, erhob sie gegen Fried mann, dem sie Paschaallüren vorwarf, unter dem Eindrücke der «herzzerreißenden» Schilderungen der zurückgekebrten Teilnehmer schwere Anklagen wegen Mißhandlung der Flüchtlinge, die von ihm ausgehungert und zu geradezu unmenschlich schweren Arbeiten verwendet wurden. Die sogenannte Judenpresse warf ihm Abenteuerlichkeit vor, wobei sie sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen konnte, den Gedanken eines Judenstaates zu ironisieren. Gegen diese Art der Behandlung des Problems eines Judenstaates trat in scharfer Weise das Organ der bereits nationaldenkenden Juden, die Wiener «Selbstemanzipation» auf, die von Dr. Nathan Birnbaum redigiert wurde. In einem «Friedmanniade» Überschriebenen Arj tikel80) ging er auf den Kern des Problems ein und versuchte, der Abenteuerlichkeit der midianitischen Expedition die «von klaren politischen Grundsätzen | ausgehende und der Mittel jeder politischen Bewegung j sich bedienende zionistische Lehre entgegenzu- | stellen». | Nach Birnbaum zog Friedmanu «mit einem Häuflein Juden verschiedener Länder, geführt von volksfremden Offizieren aus, um die Grundlage zu einem neuen Judäa zu bilden». Er wollte mit den «preußischen Exerzierregeln» das wettmachen, was 1800 Jahre Golus an der körperlichen und seelischen Stärke der Juden gesündigt haben. Obwohl er in der nächsten Nähe von Aegypten war, fielen ihm die vierzig Wüstenjahre nicht ein, welche die Juden mitmachen mußten, bevor sie von da ins gelobte Land kamen, wiewohl der Weg nur einige Tagereisen lang ist. Der Fehler der «Friedmanniade» bestand vor allem darin, daß er mit «zwei Dutzend durch den Korporalstock eingeschüchterten Golusjuden stante pede einen Militärstaat bilden (wollte)». *•) Sein Bericht vom 21. Min 1892, Nr. 9 C (W. St A.). *°> Jg. 1892. Nr. 5 vom 4. März, S. 520. erschienenen Artikel einen konservativen Revolutionär genannt. Aber gerade, weil es heute, so wenig Menschen gibt, die das Gute wollen, den Nebenmenschen achten und die Gewalt verabscheuen, sollen wir juden uns unseres großen Stammesgenossen erinnern. Dr. G. W. Jakob Wassermann 69 Jahre alt Am 10. März 1933 vollendete Jakob Wassermann, einer der größten lebenden deutschen Schriftsteller, sein 60. Lebensjahr. Er wurde in Fürth in Bayern als erstes Kind des Kaufmannes Adolf Wassermann und seiner Ehefrau Henriette geboren und machte in der Jugend eine entbehrungsreiche Zt't durch. Als er 9 Jahre alt war. starb die Mutter, der Vater rieb sich im harten Wirtschaftskampf auf. Wirtschaftliche Bedrängnis und Enge lasteten schwer auf der Familie und umdüsterten Jakob Wassermanns Jugend. 1897 veröffentlichte er sein erstes Buch, den Roman «Die Juden von Zirndorf», in dem sich bereits in Stil und Aufbau der spätere Meister deutscher Erzählungskunst ankündigt; das «Vorspiel» zu diesem Buche gibt ein packendes Bild von dem Auszug fränkischer Dorfjuden unter dem Einfluß der sabbatiamschen Bewegung des 17. Jahrhunderts. Auch die Heldin des zweiten Romans Wassermanns «Die Geschichte der jungen Renate Fuchs» ist eine Jüdin. Es folgten die großen Romane «Der Moloch» und «Alexander in Babylon». Nachhaltige Wirkung übten weiterhin die Roman« «Das Gänsemännchen» (1915) und «Christian Wahnschaffe» (1919) mit der Figur einer jungen, edlen Jüdin als eine der Mittelpunktgestalten. Nach den drei Bänden des «Wendekreises», den Novellen «Der Geist des Pilgers», den Nachkriegsromanen «Faber oder die verlorenen Jahre» und «Laudin und die Seinen» erklimmt Wassermann mit dem Justizroman «Der Fall Maurizius», in dem ebenfalls ein Jude des assimilierten Typus eine entscheidende Rolle spielt, einen neuen Schaffensgipfel. Es folgen die Erzählung «Der Aufruhr um den Junker Ernst», die Biographie «Columbus» und «Etzel Andergast», eine Fortsetzung des «Fall Mauriaus der Schrift «Der Literat» und seiner Selbstbiographi« «Mein Weg als Deutscher und Jude» neuerdings aus einem Vortrag, aufgenommen in das Essay-Buch «Lebensdienst», hervor, in dem er extreme Assimilation und Zionismus gleich entschieden ablehnt. In der Schrift «Mein Weg als Deutscher und Jude» kommt er zu dem Schluß: «Ich bin Deutscher und ich bin juue, eines so sehr und so völlig wie das andere, keines ist vom anderen zu lösen.» Statt «ein jüdisches Gemeinwesen auf jüdischem! Boden» zu schaffen, ging Friedinann den typischen Weg der jüdischen Philanthropie, die «die Geschichte des jüdischen Volkes nach eigenem Gutdünken den Volksidecn entgegen lenken will». Fern von dem gegen ihn geführten Kampfe in der Presse befand sich Friedmann mit seinem engsten Stabe und 25 Sudanesen noch immer in seinem Zeltlager, Scherm-el-moje. Erst als auch die ägyptische Regierung auf Abbruch dieses Lagers zu drängen begann, entschloß er sich, völlig enttäuscht und gebrochen, anfangs 1863 zur plötzlichen Liquidierung des Lagers. Nach Europa zurückgekehrt, begann er den Kampf gegen die Beschuldigungen der Presse. Verleumdungsklagen gegen die «Vossische Zeitung», den Berliner «Börsen-Courier», Hirsch Hildesheimers «Jüdische Presse», den Mainzer «Israelit» und andere Blätter sowie eine Schadenersatzklage auf 25.000 Pfund gegen die ägyptische Regierung wegen der Ausweisung aus Midjan bildeten den Schlußstein dieser ganz merkwürdigen Judenstaatsgründung. Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Keschermilch in allen ihren Filia en zum Verkaui. Die Peiiach-Kcicher» milch wird in ihren Meiereien in Niederösterrunter streng ritueller Uulf.chtcfer von Sr. Ett rw, Herrn Rabbiner Dr, W. Botemann bestehlen religiös veriSUK* Chen Organen o'tnWS e* zeugt, lede Kanne u. jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck nos 'ro *w?3 Von 10, April bis 18 April in allen Verkaufstellen erhältlich WIENER MOLKEREI

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