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Die Stimme · 1933-03-23 · Heft 272 (23.3.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 272 (23.3.1933)
Date
1933-03-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 272 — 23. M8r* 1933 DIB STIMME Seife 7 ■In« SMMtloi» für PtiMtfi3691 sind weil Sdmie-niazziih in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! SCMMZZilt werden unter streng orthodoxer Aufsicht des jran opn onvn noa wr> mn hergestelit Oh* Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt! Seit vielen fahren genießen die «Schmidl- Mazzoth» das beste Renommee und werden von allen bevorzugt Auf die Cxtraqualität meiner Fabrikate «Marke Schmidt N. B.» auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht zwiraie: ( biideizhv 2., Leopoldsgasse 43 und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich Telephon-Nummern A-46-1-90, A-60-2-63 und A-41-9-52 WEINEINKAUF ist Vertrauenssache Verlangen Sie ausdrücklich: PflLRSTINQ-UJEINf X Zusendung von Preislisten über Wunsch durch den aulor. Vertreter: GUSTAV WILDER Wien, IV., Rainergasse 31, Telephon U 42-4-^4 Sir Oswald Mosley verbietet in seiner Organisation antiiiidische Propaganda London. S?r Oswald Mosley, der Führer der englischen faschistischen Partei, erklärte gegenüber dem Londoner Korrespondenten des «Daily Dispatch» in Manchester, a n t ijüdische Propaganda sei absolut nicht Sache einer faschistischen Organisation. Eine oder zwei unbedeuten Je Vereinigungen Englands hätten antijüdische Propaganda betrieben, aber was seine, Mosleys, Organisation betrifft, so sei in ihren Reihen jede antijüdische Propaganda strengstens verboten. «Daily Dispatch» ist von den Erklärungen Mosleys nicht ganz befriedigt und schreibt, gewisse Schwarzhemden treiben immer noch eine Judenhetze, dicjedem Engländer verächtlich scheinen müsse. Wenn es Sir Oswald Mosley wirklich um die besten Interessen Englands geht, so müßte er einen öffentlichen Befehl an seine Anhänger ergehen lassen, sich dem Antisemitismus, dieser «feigen und durchaus u n e n g I i s c h e n ' F o r ifi ein e s n 1 c h t a us g e g liehe new Nation al i s m ü s»,~ fernzuhalten. ' Die französische Regierung hilft Jüd. Studenten In Nancy Paris. Der Präsident der französischen Republik, Lc- . jrun, Erziehungsminister de Monzie und Senator Godard wellten kürzlich in Nancy, anläßlich einer Universitätsfeier,. und besuchten bei dieser Gelegenheit auch den Verein jüdischer Studenten tn dieser Stadt, der sich hauptsächlich aus polnischen Studenten zusammensetzt. Der Vertreter der jüdischen Studenten schilderte in seiner Begrüßungsansprache die schwere Notlage seiner Kommilitonen, die unter Mangel an Mitteln leiden; besonders 14 jüdische Studenten litten schwer an Hunger; sie seien bereit, jede Arbeit anzunehmen, um sich durchzubringen, wenn ihnen dies gesetzlich erlaubt würde. Diese Rede machte auf die hohen Gäste einen starken Eindruck; nach einigen Tagen traf eine von Präsident Lebrun genehmigte spezielle Verordnung des Bildungsministers de Monzie beim Jüdischen Studentcnverba-nd Nancy ein, nach weicher diesen 14 hungerleidenden Studenten die Annahme von Arbeit zu Erwerbszwecken erlaubt wird. — (Und in Oesterreich? Anm. d. Red.) Ein judenfreimdHcftes Land Belgrad. Kürzlich wurde hier amtlich ein Erlaß publiziert, wonach sämtliche jüdische Kinder in allen Schulen am Samstag und an Feiertagen von 10 bis 12 Uhr vom Schulgang befreit sind, damit sie die Synagoge besuchen können. Ferner ..wurde von der Regierung angeordnet, daß solche jüdische Kaufleute und Industrielle, die am Samstag und Feiertagen nicht arbeiten, bei sämtlichen Bahnen keine Lagergebühr für diese Tage zu bezahlen haben. Diese beiden Erlässe bestätigen erneut das Verständnis und die Sympathie, mit welcher die Juden in Jugoslawien behandelt werden und entsprechen ganz dem Geiste, den König Alexander I. und sein Ministerpräsident Dr. Milan Srskic schon wiederholt bestätigt haben. Jn einer Unterredung mit dem Präsidenten des Verbandes der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens, Hermann Deutsch, erklärte der Ministerpräsident, es sei auch im Interesse des Landes, daß eine religiöse Generation erzogen wird und daß er die religiösen Interessen der jugoslawischen judenheit stets in jeder Beziehung fördern werde. Was es alles gibt! «Deutscher Vortrupp» (Gefolgschaft deutscher Juden) Kassel. Am 25. und 26. Februar erfolgte in Kassel die Gründung des «Deutschen Vortrupp» (Gefolgschaft deutscher Juden). Aus Kreisen der Gründer wird mitgeteilt: «Der .Deutsche Vortrupp’ besteht aus nationaldeutsch gesinnten Juden. Die politische Richtung entspricht der des Nauitjan-n’schen Verbandes nationaldeutscher Juden, mit dem der »Deutsche Vortrupp* viele Berührungspunkte hat. Er unterscheidet sich von dem Verband aber durch seine hündische Einstellung. Der »Deutsche Vortrupp' wird versuchen, gemeinschaftlich .mit anderen, deutschen, rechtsgerichteten, hündischen Kreisen an der Wiedererstarkung des Vaterlandes mitzuarbeiten.» Armes deutsches Judentum! Was für groteske Erscheinungen die Geschichte doch an den Tag bringt! Der bulgarische Justizmlnister gegen antisemitische Propaganda Sofia, Minister Katschakoff begab sich mit einer Delegation des Zentraikonsisioriums der jüdischen Gemeinden Bulgariens zum Oberstaatsanwalt Zarwulkoff, dem antisemitisches Propagandamaterial unterbreitet wurde. Der Minister und der Oberstaatsanwalt versprachen, gegen die Verbreiter beunruhigender Propaganda im Justizwege schärfstens vorzugehen. Das Zentralkonsistorium reichte gegen i Autor und Verleger des Pamphlets «Was haben die Juden I für Bulgarien geleistet» sowie gegen die Zeitung «Attaka» I Klage ein. Das Zentralkonsistorium setzte ferner eine Kom- | Es gibt wohl kein zweites Land, in dem so viele Fest- und Fasttage begangen werden wie in Palästina. Auf diesem Fleckchen Erde befinden sich Plätze, die den Angehörigen der verschiedenen Religionen heilig sind: die Klagemauer, die Gräber der Erzväter, der Oelberg, die Begräbniskirche usw. Manche dieser Orte sind verschiedenen Religionen heilig, manche sollen aus politischen Gründen zu religiösen Heiligtümern erklärt werden. Es ist ja bekannt, daß die Mohammedaner nach den Augustunruhen des Jahres 1929 plötzlich die Klagemauer als moslemitisches Heiligtum erklärten, weil Mohammed an ihr, als er vom Himmel stieg, sein Pferd angebunden hatte. Viele religiöse Feste der verschiedenen Glaubensbekenntnisse fallen zeitlich zusammen und die Polizei hat dann die Hände voll zu tun, um Zusammenstöße zu verhindern. Aber auch abgesehen davon kommt es manchmal zu Reibereien in der Begräbniskirche, wo die christlichen Bekenntnisse eifersüchtig darauf achten, daß ihnen ja nicht ein Zentimeter breit des Fußbodens der Begräbniskirche von den Angehörigen einer anderen christlichen Kirche okkupiert werde. . Die Schwierigkeiten werden noch durch politische Feste vermehrt. Kein Wunder daher, daß das Kommando der palästinensischen Polizei sich veranlaßt sah, zum L>ienstgebrauch ein Heft herauszugeben. Es führt den Titel «Calender of Events 1933» (Kalender über Ereignisse des Jahres 1933). Dieses Heft soll die einzelnen Polizeistationen in die Lage versetzen, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Wir werden sofort sehen, daß dieser «Kalender» eine unbedingte Notwendigkeit darstellt. Nehmen wir z. B. nur die politischen Feste, die in Palästina begangen werden. Da finden wir vermerkt: 4. Juli: Amerikanischer Freiheitstag, 14. Juli: Französischer Nationaltag, 14. Juli: «Todestag Dr. Theodor Herzls, des Begründers der zionistischen Bewegung. Zionistische Versammlungen im ganzen Lande mit großen Zuhörermengen. Ausflüge nach Beth Schemen, Kirjath Anawim und in andere jüdische Kolonien». Dann finden wir: I. August: «Anti- Imperialistentag», 7. November: «Jahrestag der Sowjetrepublik», 10. November: «Gründungstag der Roten Armee in Sowjetrußland». Sogar der Jahrestag der Pariser Kommune, der 18. März, erscheint im Kalender. Insgesamt erscheinen 208 verschiedene Anlässe verzeichnet. Nimmt man hinzu nur die 52 Samstage und 52 Sonntage, so kommen wir schon zur Zahl 312. Dabei erhebt die Zahl 208 keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es fehlen noch die acht Tage Chanukkah und die 12 Tage Chol Hamoed, Pessach und Sukkoth. mission ein, die die Aufgabe haben wird, der aniisemit.schen Propaganda durch Aufklärung und auf dem Rechtswege entgegenzutreten. Die Thorarolle des Zaren auf der Versteigerung New York, In der Hammer-Collection ist gegenwärtig eine Thorarolie, die dem früheren Zaren Nikolaus II, gehörte, zum Verkauf angeboten. Die Thorarolle wurde für die Krönung des Zaren im Jahre 1895 hergestellt, seither soll sie der Zar sorgfältig als Talisman aufbewahrt haben. Prof. Alexander Marx vom Jüdischen Theeologischen Seminar untersuchte die Thorarolle und erklärte, das sonderbarste daran sei das Kreuz, das sich auf dem Monogramm und auf der Zarenkrone auf der Decke eingestickt finde, auf der I anderen Seite bef.ndet sich der Name Gottes auf dem Schilde Davids. Die Tatsache, daß sich ein Kreuz auf der Thorarolle befinde, bestätigte die Annahme, daß sie der Zar für sich speziell bestellte. Die Notwendigkeit des Kalenders wird noch klarer, wenn man an die vielen religiösen Festtage denkt; Die Liste zeigt uns drei Weihnachtsfeste, u. zw. für Katholiken und Protestanten, Orthodoxe und Armenier. Neujahrstage gibt es gar fünf. Im heurigen Jahre fallen die christlichen Ostern auf den 14. April. Dann gibt es noch die Pessachfeste der Juden und Samaritaner. Die erste Aprilwoche ist sehr kritisch. Der 4. April ist der Vortag des mohammedanschcn Opferfestes, Quarban Adha. Am nächsten Tag kommen die Bauern nach Jerusalem, insbesondere die fanatischen Araber aus Nablus. Tags darauf, am zweiten Tag des Festes, kommen weitere Piigerzüge und Prozessionen. Freitag, den 7. April, beginnen die Katholiken mit dem Feste zu Ehren der schmerzensreichen heiligen Maria, das durch Prozessionen auf dem Kalvarienberg begangen wird. Und während der ganzen Zeit wird das Quarban Adha-Fest von den Moslemin weiter begangen. Es beginnt die Pilgerfahrt zu Nebi Musa, dem Moses-Grab. Am 7. April feiern die Orthodoxen das Fest des Heiligen Lazarus auf dem Berge Gerisim und mit Gottesdiensten und Prozessionen auf den Oelberg. Tags darauf, am Samstag, geht es besonders bunt zu: Samaritanisches Fest in Nablus, vierter Tag Quarban Adha, Beginn der Pilgerfahrt von Hebron nach Jerusalem zu Nebi Musa, Vorabend des Palmsonntags mit Gottesdiensten der katholischen und armenischen Christen, orthodoxes Fest zu Ehren des heil. Lazarus am Oelberg und in der Grabeskirche und schließlich Sabbat der Juden. Sonntag, den 9. April, Gottesdienste in allen christlichen Kirchen anläßlich des Palmsonntags. An diesem Tage begibt sich auch der Pilgerzug aus Hebron zum Moses-Grab. Am nächsten Tag pilgern die Christen zur fünften Leidensstation und von überallher ziehen die Nebi-Musä-Prozessionen. Gleichzeitig finden an diesem Abend aus Anlaß des Pessachfestes große Ansammlungen bei der Klagemauer statt. Der II. April, der letzte Tag deser überwältigenden Festwoche, bringt den ersten Pessachtag, christliche Prozessionen zur Station der Geißelung und noch immer Nebi- Musa-Prozessionen. Wenn alle diese religiösen und politischen Feste auch Feiertage in den Aemtern wären, dann wäre es um die Verwaltung schlecht bestellt. Die Aemter sind nur an den größten Feiertagen, an Sonntagen und am Geburtstage des Königs ganz geschlossen. Auch die Beamten dürfen nicht an allen religiösen Festen zu Hause bleiben, das wäre ja an 208 Tagen im Jahr. Der Kalender statuiert nur 16 Fe ertage für die jüdischen und ebenso viele für die mohammew dänischen Beamten. Das Land der Feiertage? Von unserem palästinensischen Sonderkorrespondenten v

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