Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 272 (23.3.1933)
- Date
- 1933-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nf. 272 — 23. Mir* 1933 befestigt. Aber heute sind wir bei einem Punkt angelangt, wo die Auflösung einsetzen müsse, wenn nicht das so stark «ingeschränkte Budget auf eine solide Basis gebracht wird. Bisher, sagte Dr. Magnes weiter, flössen 90 Prozent der Gelder für das Budget aus den Vereinigten Staaten. Das eben war der Fehler, daß man sich allzu ausschließlich auf die Mitte! aus Amerika eingestellt hatte. Die Freunde der Universität in Amerika hören nicht auf in ihren Bemühungen, den Bestand der Universität zu sichern, aber es scheint ihnen nicht gelingen zu wollen, die Fonds, die sie versprochen hatten, wirklich aufzubringen. Wir sehen uns heute darum genötigt, an die Judenheit in allen übrigen Ländern der Welt und besonders an die palästinensischen Juden zu appellieren. Bisher haben die Juden Palästinas faktisch so gut wie nichts zu dem Budget beigetragen. Heute aber, wo die wirtschaftliche Lage des Jischuw sich gefestigt hat und in Paläst'na eine verhältnismäßige Prosperität herrscht, ist es Pflicht der palästinensischen Judenheit, der Universität zu Hilfe zu kommen. Dazu kommt, daß ein enger Kontakt zwischen Universität und Jischuw sich als absolut notwendig erwiesen hat. Eben dies sind die beiden Faktoren, mit denen sich die Pro- Universitätstagungen in Jerusalem und Tel-Awiw zu befassen haben. Die Universität in Jerusalem, erklärte Dr. Magnes, könnte jüdischen Studenten aus Deutschland und aus anderen Ländern der Welt ein Unterkommen bieten. Es ist dies aber eine Frage der Mittel. Vor drei Jahren etwa hätte ich dies noch nicht sagen können. Aber heute, wo die Universität sowohl auf dem Gebiete der Forschung als auch auf dem des studentischen Unterrichtes ereits eine gewisse Tradition begründet hat, könnte sie viele hunderte jüdischer Studenten aus verschiedenen Teilen der Welt in ihre Mauern aufnehmen. Warum sollen nicht Juden in der ganzen Welt die notwendigen Gelder zur Sicherung von Lehrkräften und Errichtung der notwendigen Gebäude für einen so großen Zweck hergeben? Heute ist die Zeit reif für eine solche Aktion der Weltjudenheit; die Hebräische Unhrers'tät müsse in die Lage gebracht werden, die Bedürfnisse der jüdischen Studierenden aus Ländern, in denen Juden daran gehindert werden, sich eine höhere Bildung anzueignen, befriedigen zn können. Ich bin überzeugt, daß auch d e heute verarmte Weltjudenheit noch in der Lage ist, die notwendigen Gelder aufzubringen, damit in naher Zukunft etwa 1000 bis 2C00 junge Juden an unserer Universität ihren Studien obliegen können. Dr. Magnes schloß im Tone e'ner ernsten Mahnung: Wenn aber die Hebräische Universität die zu ihrer Erhaltung notwendigen Beträge von der Weltjudenheit nicht erhält, so bleibt ihr nichts anderes übrig, als eine Reihe von Departements schon bald aufz u 1 ö s e n, treue Lehrer und Forscher zu entlassen und am Ende vielleicht ganz Ihre Tore zu schließen. Nie vorher habe ich solche Worte gebraucht, denn bis zu diesem Jahre konnte sich die Universität von den Zuschüssen ihrer Freunde in Amerika erhalten und Gehälter und andere Pflichtausgaben regelmäßig leisten. Ich wurde aber eine Pflicht verletzen, wollte ich nicht heute die wirkliche Lage der Universität in aller Nüchternheit enthüllen. Und ich hoffe, daß meine Erklärungen, die im Verhältnis zur wirklichen Lage nur gemäßigt sind, itcht als eine Uebertreibung des Ernstes der Krise, in der die Universität jetzt steht, gedeutet werden. * Ungarische Gastvorträge an der Universität von Jerusalem Budapest Die Professoren Dr. Karl Goldziehcr and Dr. Josef P a t a i erhielten durch den Kanzler der Jerusalemer Universität eine Einladung des dortigen Universitätssenats zur Abhaltung von Gastvorträgen. Professor Goldzieher wird am dortigen Einstein-Institut über Mathematik und Dr Josef Patai über die Geschichte der hebräischen Dichtung im ungarischen Mittelalter an der philosophischen Fakultät der Universität sprechen. Andauernder Arbeftermangel in Palästina Die Schulen mobilisiert Um dem Mangel an Arbeitern ln den Jüdischen Kolonien ibzuhelfen, hat der Waad Lcuml die Rektoren aller hebräischen Schulen in Palästina ersucht, bis nach den Pessachtogen sämtliche Schüler von lü Jahren aufwärts vom Schulbesuch zu beurlauben, damit sie sich den jüdischen Kolonisten als Arbeiter zur Verfügung stellen können. Auch die Lehrerseminare wurden geschlossen, die Studierenden begaben sich als Arbeiter in die Kolonie. Ebenso haben viele Jeschlwoth Hunderte ihrer Zöglinge beurlaubt, damit sie sich in den Kolonien Lctätigen können. Rapides Anwachsen der Bevölkerung von Tel-Awiw Jerusalem. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung von Tel-Awiw ist allein in den letzten sechs Monaten von 46.000 Seeeien ouf rund 56.030 Seelen gestiegen: sie hat also ln einem halben Jahre um 10.000 Seelen (über 20 Prozent) zugenommen. Die Hauptmasse der neuen Einwohner Tel-Awiws rekrutiert sich aus Angehörigen des bemittelten jüdischen Mittelstandes, die aus Amerika, Polen und anderen Ländern erwanderten und sieh an verschiedenen Unternehmungen beteiligen. Wauchopes Rede an die Araber Ueber den Empfang der arabischen Abordnung beim High Commissioner am 24. Februar haben wir bereits seinerzeit in der «Stimme* berichtet. Die jetzt hier eingetroffenen Zeitungen enthalten den vollen Text des offiziellen Regierungs-Commum- §ues, das über diesen Empfang ausgegeben wurde. jiner großen Bedeutung wegen sei dieses Dokument auszugsweise wiedergegeben. (Anm. d. Red.) Der High Commissioner empfing am Vormittag des 24. Februar eine Abordnung der arabischen Exekutive, bestehend aus Musa Kazim Pascha ei Husseini, Auni Bey Abdul Hadi, Moghanan Eff. Moghanan, Omar Eff. Bitar, Raschid Eff. Haj Ibrahim, Fahmi Eff. Abouschi, Isa Eff. Bandack, Hamdi Eff. Nabulsi. Auni Bey Abdul Hadi sprach über die Fragen des Verkaufs arabischen Bodens an Juden und der Einwanderung von Juden, ln seiner Erwiderung erklärte der High Commissioner: Ich hoffe, die letzten zwölf Monate haben gezeigt, daß ich zu jenen gehöre, die eine freie und offene Sprache lieben. Man kann über die Methoden in der Behandlung dieser oder jener Frage verschiedener Meinung sein, Sie werden aber, denke ich, anerkennen, daß das Ziel, auf das ich hinarbeite, das Wohl des gesamten Palästina ist. Indem ich aber für dieses allgemeine Wohl arbeiten will, ist es meine Pflicht, die Bestimmungen des Mandates durchzuführen. Diesen Grundsätzen gemäß fühle Ich mich nicht berechtigt, den Verkauf von Boden allgemein zu verbieten. Jeder Bodenbesitzer würde es als nicht fair empfinden, wenn die Regierung sich einmischen und ihm sagen würde, er begehe eine Ungesetzlichkeit, wenn er sein eigenes Besitztum veräußert Andererseits hege ich — wie Sie wohl wissen werden — große Sympathie für die FeUachenpächter, die ihre Besitzer nicht darin hindern können, die Pachtböden zu verkaufen. Ich bin mir klar darüber, daß manchmal durch solche Verkäufe die Pächter die Mittel zu ihrem Lebensunterhalt verlieren. Die Lage dieser Pächter und die Auswirkung der geltenden Protection of Cuitivators Ordlnance verdienen ernste Erwägung seitens der Regierung. Nun zur Frage der Einwanderung: Für die Regierung g.tt nach dieser Richtung als leitendes Prinzip die Aufnahmefähigkeit des Landes. Ich halte dies für ein faires Prinzip. In Zeiten, in denen eine starke Nachfrage nach Arbeiterhänden besteht können mehr Einwanderer in das Land gelassen werden. Wird die Nachfrage geringer, so müßten weniger, Arbeiter einwandern. Ich bedaure, daß viele Einwanderer ohne Erlaubnis der Regierung nach Paläst'na gekommen sind. Ich kann Sie versichern, daß ich in der Zukunft bestrebt sein werde, diese illegale Einwanderung hintanzuhaiten. Palästina hat lange Grenzen und es ist klar, daß es für die Regierung nicht leicht ist, illegale Immigration vollständig zu verhindern. Nichtsdestoweniger haben die Maßregeln, die von der Regierung jetzt ergriffen werden, die Zahl der ohne Erlaubnis ins Land kommenden Personen bereits sehr vermindert und ich werde alles daran setzen, daß von Monat zu Monat diese Zahl noch weiter zurückgeht. Der High Commissioner schloß mit der Versicherung, daß alle vorgebrachten Anschauungen mit aller Sorgfalt berücksichtigt werden sollen. j Professor David Koigen j Berlin. In seiner Berliner Wohnung verstarb plötzlich an Herzschlag am Dienstag, den 7. März, abends, der bekannte Philosoph Professor Dr. David Koigen im 54. Lebensjahre. Professor Koigen stand unmittelbar vor einer Palästina-Reise; er hatte bereits die Rsise-Billets und Schiffskarten für sich und seine Frau besorgt, als ihn der Tod ereilte. Prof. Dr. David Koigen, der am 27. Oktober 1S79 in einem ukrainischen ürt geboren wurde und an den Universitäten Berlin, Bern, Zürich, München und Paris studierte, lebte bis 1913 als Privatgelehrter und Schriftsteller ln Berlin, wurde dann als Professor an die Universität und die Handelshochschule in Kiew berufen und lebt seit 1921 wieder in Berlin. Er veröffentlichte eine lange Reihe von Arbeiten soziologischen, geschichts- und kulturphilosophischen Inhalts, von denen genannt seien: Zur Geschichte der Philosophie und Soziaipliilosophie des Junghegelianismus; Die Kulturanscliauung des Soz alismus; Ideen zur Philosophie der Kultur; Die Kultur der Demokratie; Der moralische Gott; Apokalyptische Reiter (Aufzeichnungen a-us der jüngsten Geschichte); Entwurf zu einer Soziologie der russischen Revolution; Der soziologische Feldbegriff u. v. a. Er war Begründer der Zeitschrift für *>ozio!ogie und Kulturphilosof-hic «Ethos». Als Soziologe sucht Koigen eine Lehre von der rein soziologischen Struktur des Lehens — im Unterschied von Kultur, Wirtschaft und Geschichte — herauszuarbeiten. Seine Kulturphilosophie stellt den Versuch dar, den Begriff des «Kulturaktes» im Unterschiede von den Naturerscheinungen einerseits und von dem historischen Geschehen andererseits seinem Wesen nach zu bestimmen Die Entwicklung der Religion führt im Fortschritt der Kultur von der naturhaften Religiosität über den Moralglauben zum ideal einer Intimitätsreligion. Die Realisierung dieser Evolution ist nach Koigen mit die Aufgabe des Judentums. Uü VirHifni. ‘ lll »mir. Sfiftiigiretl Dienstag, 4. April 1933. 20” Uhr B ALIi Militarkasino,I.Schwanenbergpl.1 Karten (nur gegen Ein’nduno) und Auskünfte: Akad. Varalndung „KAOiMAH", I., Bi oir strafte 26, Souterrain. 18 bis 20 Uhr. Für unsere Pessach- Palästina-Reise All kehe Uze mehr um Die Reiseführung hat Herr Dr. Alfred Löwy, Obmann des Aufsichtsrates der »Pag«, inne. Weitere Palästinareisen werden rechtzeitig in der »Stimme« angekündigt. Zu nZO benützt ff man in jedem jüdischen Haus feinstes Palästina-Olivenöl rrs w to nt nn rau zum Kochen, Braten, Backen und Salat sehr ausgiebig, leicht verdaulich, in 25-, 5-, 27„ 1-, V,-kg-Dosen •vADIN"-Luxus-OIivenölseife „HADAR-HACARMBL“, Carmel Flowers, Gallil, Babyseife. vlO R AM- Olivenöl-Seifenflocken 0«iuhraIr«präsenfans und Alleinvertretung für Oesterreich nur S. RABINOWITSCH Wei. IL. Zlrkusgssse 10, Telephon R-47-C-30 K.TUKG1 Frisches Olivenöl HOD ÄTO ist mit speziellen Hechscher-Zetteln und einem besonderen Hechscher des Paläst na-Kabb in ates versehen und nuran meine Firma geliefert worden JIM. schautglelarweriM h Ulen I. Purimfest Samstag, 25. Mär* 1933,8 Uhr abends Fastsäle Hotel Continental Akademie unter Mitwirkung prominenter jüdischer und deutscher Schauspieler, erstklass ge Jazzkapelle. Der Reinertrag dient zur Errichtung eines eigenen Heimes zwecks Förderung des lüdischen Theaters in Wien. 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