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Die Stimme · 1933-03-23 · Heft 272 (23.3.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 272 (23.3.1933)
Date
1933-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DTR STIMME Seife $ ttr. 272 — 29. Mlrt 102» Palästina-Brief Von mserem Romsnomlcntcn In zwei Jahren nur 33.000 Dunam Das Problem des Bodens wurde kürzlich in einer Pressekonferenz des Keren Kajemeth beleuchtet. Der an Zahlen und Tatsachen reiche Bericht des Leiters der Boden-Abteilung des Keren Kajemeth J. Wa:tz enthielt eine Ziffer, die Bände spricht: Die gesamte in den letzten zwei Jahren vom Keren Kajemeth und privaten Unternehmern erworbene Bodenfläche beträgt nämlich im ganzen 33.300 Dunam, alsonichtmehralsdieFläche eineseinzigen ansehnlichen Rittergutes in Europa; von diesen 33.300 Dunam hat der Keren Kajemeth 61,4 Prozent erworben, die verschiedenen privaten Unternehmer zusammen aber nur 38,6 Prozent 1 Zu viel Lärm Diese Ziffer legte auch Ussischkin seinen Ausführungen zugrunde. Er legte klar, daß der ungeheure Lärm über die Erfolge der palästinensischen Privatunternehmer, daß die Errichtung von Wolkenkratzern und die andauernde Karnevalstimmung ln Tel-Awiw dem jüdischen Volk in seiner Gesamtheit nicht viel nützt, wenn inzwischen nur so wenig für die wirkliche Erlösung des Bodens geschieht. Woht ist es gelungen, in zwanzig Jahren 50- bis 60.000 Juden nach Tel-Awiw zu ziehen, aber in 50 Jahren harter Arbeit ist es nicht möglich gewesen, die gleiche Zahl von Menschen in dem für die dauernde Existenz der Städte unentbehrlichen Hinterlande anzusiedeln ln der Beschränkung auf einen engen Ansiedhmgsgürtel, dessen Grenzen der Jarkon ist, Legt die ungeheure Gefahr, daß inzwischen die Möglichkeit einer Erwerbung viel weiterer Gebiete im Lande verloren geht; das aber konnte bewirken, daß sich ln dem engen Ansiedlungsgürtel nicht die Wiedergeburt, sondern der Untergang des jüdischen Volkes vorbereitet. BodenspekuTatlon Im Zusammenhang mit der Hochkonjunktur hat wiederum eine starke Bodenspekulation eingesetzt, deren Umfang an das wüste Hinauftreiben der Bodenpreise des Jahres 1926 erinnert, und deren Gefahren*gar nicht zu ermessen sind. An dieser Spekulation beteiligen sich nicht nur kleine Leute, die sich mühelos und schnell auf Kosten des Gemeinwohls bereichern wollen, sondern auch angesehene Leute aus den ersten Gesellschaftskreisen. In den palästinensischen Zeitungen erschien hi der letzten Woche täglich eine Warnung an das jüdische Publikum im In- und Auslände, mit dem Advokaten Philipp Joseph in Tel-Aw? •' über den Ankauf eines von ihm erworbenen Bodens zu verhandeln, ohne daß die Interessenten sich zuvor mit dem Keren Kajemeth verständigen. Diese Warnung hat folgende Vorgeschichte: Zur Abrundung eines Areals, das der Keren Kajemeth nach langen Schwierigkeiten endlich erworben hatte und dessen Erschließung für kleine Bauernwirtschaften außerordentlich vielversprechende Fortschritte macht, braucht der Keren Kajemeth noch die angrenzenden 10- bis 12.000 Dunam. Wegen dieses Bodens steht er seit Jahren in Kaufverhandlungen, die sich sehr schwierig gestattet haben, da der Boden einer Reihe von verschiedenen arabischen Besitzern gehört, deren Besitzansprüche nicht ganz feststehen. Nachdem nun die schwierigen vorbereitenden Schritte durch den Keren .Kajemeth bereits erfolgt waren, ist dieser Tage der genannte Advokat dem Keren Kajemeth plötzlich mit geheimgehaltenen Schritten vorausgekommen und hat einen Kaufvertrag Uber das betreffende Gebiet zum doppelten Preise abgeschlossen. Für einen Rücktritt von diesem Kauf verlangt er vom Keren Kajemeth zur Zahlung einer im Kaufkontrakt erwähnten Konventionalstrafe und für seinen Verlust an Kosten und Zeit LP 7000. Dieses Vorgehen eines privaten Kapitalsten gegen den Fonds der jüdischen Nation hat im palästinensischen Publikum begreifliche Erregung ausgelöst. Der Fall des Advokaten Joseph hat der palästinensischen Oeffentüchkeit gezeigt — zwar nicht, wie einige Uebereifrige behaupten, daß die Privatinitiative unbedingt die Volksinitiative ersticken muß — daß aber die ideologische, die zionistische Grundlage des Aufbauwerkes nur gewahrt werden kann, wenn sie sich ein höheres, von nationalen Gesichtspunkten geleitetes Aufbausystem zum Ziel setzt. Nur Privatinitiative? Das kurzsichtige Herausstreichen der Privatinitiative auf Kosten der nationalen Initiative übersieht einige wichtige Tatsachen: So ist es z. B. nur dem Keren Kajemeth möglich gewesen, Gebiete, die anfangs als unfruchtbar und als unrentable Kapitalsanlage galten, so zu entwickeln, daß sich nun auch das Privatkapital für die angrenzenden Gebiete interessieren kann. Selbst für die Entwicklung der Hochburg des Privatkapitals: Tel-Awiw, ist es von größter Bedeutung gewesen, daß er Keren Kajemeth Gebiete am Weichbild der Stadt erworben und zusammen mit dem Keren Hajessod als Arbeiterviertel ausgestaltet hat. Die vierte Konferenz der Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas in Tel-Awiw In Tel-Awiw tagte kürzlich die 4. Konferenz der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth Haovditn), die seit 1927 zum erstenmal wieder zusammengetreten ist. Die Konferenz wurde mit einem Bericht über die Entwicklung der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas seit 1927 eingeleitet, dem wir die folgenden für sich selbst sprechenden Zahlen entnehmen: Im Jahre 1927 waren allein m den Städten 7200 Jüdische Arbeitslose, und nur ein Drittel der 22.000 Mitglieder der Arbeiterorganisation war ständig beschäftigt; 1928 und 1929 waren unheilvolle Jahre der furchtbaren Zerstörung und Entbehrung. Heute sind von den nunmehr 35.000 Mitgliedern der «Histadruth» mehr als 84 Prozent dauernd beschäftigt. Die Zahl der Arbeiter in den Städten hat sich verdoppelt, die in den Siedlungen sich verdreifacht. Die Siedlungspläne der Anbeiter werden durchgeführt und auch dem flüchtigsten Touristen kann die ins Auge springende Erweiterung und Entwicklung auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens nicht entgehen. Eine Warnung vor der Möglichkeit des Umschlagens der jetzt so günstigen Konjunktur wurde laut. Die heutige Lage sollte benutzt werden, um Reserven zu schaffen für die Zeit der Not, die jederzeit wieder anbrechen kann. Darum soll ein Arbeitslosenfonds gegründet werden, für den die Sammlungen bereits begonnen wurden. Die Organisation der Arbeiter ist bemüht, Verhältnissen vorzubeugen, wie sie uns aus den Jahren der schweren Krise noch in Erinnerung geblieben sind. Dem Beobachter der palästinensischen Verhältnisse drängt sich die Tatsache auf, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter geradezu von einer Sparwut erfaßt sind und mit allen Mitteln danach streben, das Ziel ihrer Wünsche -- die Errichtung einer kleinen Eigenwirtschaft — zu erreichen. Die Arbeiterorganisation hat einen neuen Plan ausgearbeitet, der geeignet ist, dieses gewiß begrüßenswerte Streben ihrer Mitglieder zu ermutigen. Der Keren Kajemeth ist bemüht, diese wertvollen Elemente durch Bereitstellung von Boden so weit als möglich zu fördern. Die Aufregung um Transjordanien Seit einiger Zeit steht das arabische Palästina im Zeichen einer außergewöhnlichen Aufregung, die im Zusammenhang mit Gerüchten über eine eventuelle jüdische Siedlungstätigkeit im Transjordanland verursacht wurde. Wie immer diese Angelegenheit sich auch weiter entwickeln mag, interessant ist es, den Gründen nachzugehen, die dieses ganze Problem aufgerollt haben. Während das Palästina diesseits des Jordans im Zeichen des wirtschaftlichen Aufblühens sfeht, das der jüdischen Immigration und Siedlungstätigke! zu verdanken ist, befindet sich Transjordanien in einer ver zweifelten wirtschaftlichen Lage. Dieses zirka 40.000 Quadratkilometer umfassende Gebiet (das Palästina diesseits des Jordans hat nur 23.000 Quadratkilometer) besitzt eine Bevölkerung von 300.000 Seelen (während Cisjordanien über eine Million zählt), befindet sich noch inmitten rückständigster Feudalwirtschaft. Der größte Teil der Ländereien liegt brach, ohne Kultivierung; die Bevölkerung besteht zumeist aus Nomaden; die wenigen Städte sind absolut tot. Die Beduinen sind dem Verhungern, die Scheikhs dem Bankrott nahe; sie haben keine Möglichkeit, sich wirtschaftlich zu halten. Wie wäre unter diesen Umständen der verzweifelten Lage abzuhelfen? Die Engländer kümmern sich nicht um die Entwicklung Transjordaniens; die Araber haben weder die | Mittel noch die Fähigkeiten dazu. Während die arabischen Politiker Westpalästinas alles tun, um durch schreiende Hetzartikel, Proteste und demagogische Maßnahmen ihre Brüder in Transjordanien zu beeinflussen, daß sie sich gegen die jüdische Immigration wehren, sind sie nicht imstande, auch nur das kleinste Opfer zu bringen, um der verzweifelten Lage Transjordaniens abzuhelfen. Eine der arabischen Zeitungen berichtet selbst, daß, als die Vorsteher der arabischen Exekutive in dieser Angelegenheit beim Emir vorstellig wurden, dieser ihnen vorgeschlagen habe, im Laufe einer gewissen Zeit unter den Arabern die nötigen Geldmittel aufzubringen, um das Land in Pacht zu nehmen. Fast belustigend wirkt die Tatsache, daß die Demagogie dieser Effendis dahin zielt, die transjordanischen Araber davon zu überzeugen, daß das arabische Palästina durch die jüdische Immigration und Kolonisationstätigkeit überhaupt keinen Nutzen gezogen habe. Tatsächlich bleibt als einziger Faktor, Transjordanien zu entwickeln, die jüdische Kolonisationstätigkeit, die auch für die Entwicklung Westpalästinas entscheidend ist. Die zionistische Prognose, die festgestellt hat, daß die jüdische Kolonisation Palästinas eine sozial-wirtschaftliche (Notwendigkeit ist, nicht nur für die Juden, sondern für das ganze Land, bewährt sich täglich in offensichtlicher Weise. Streng rituell... wird Kunerol erzeugt, in modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%iges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt KUNEROL' 100% REINES KOKOSNUSSFETT Drohende Sperre der hebräischen Universität Ernste finanzielle Lage - Ein Universität J. L. Magnes Jerusalem. In einem Interview mit dem Jerusalemer Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agenlur, Boris Smolar, äußerte sich der Kanzler der Hebräischen Universität zu Jerusalem Dr. Judali Leon Magnes über Lage und Zukunft der Universität und erklärte, die Hebräische Universität habe heute finanziell sehr schwer zu kämpfen, ihre Kassen seien erschöpft. Wenn nicht die Weltjudenheit in einem höheren Maße als bisher zu dem Budget der Universität beiträgt, so werde man sich sehr bald vor die Notwendigkeit gestellt sehen, eine Anzahl Abteilungen der Universität, wenn nicht gar die ganze Universität zu schließen. Obwohl die Universität, fuhr Dr. Magnes fort, eine Studentenschaft von recht mehr als 200 jungen Männern und Frauen und einen akademischen und Forscherstab von nicht mehr als 60 Mitgliedern zählt, hat sie bereits äußerst nützliche und erfolgreiche Forschungsarbeit, insbesondere in den Gesundheits- und naturwissenschaftlichen Disziplinen des Landes Palästina, geleistet. Die Universität wird ihre Tätigkeit wie bisher fortführen, sofern nicht die Zuschüsse zu dem Budget unter das Minimum der Erhaltungskosten sinken. Die Universität verfügt über sehr wenige Stiftungen und ist fast ganz auf jährliche Zuschüsse von Körperschaften und Persönlichkeiten angewiesen. Zu Ende des akademischen Jahres 1928/29 betrug das Universitätsbudget etw'as mehr als 50 000 Pfund. Auf der Tagung des Kuratoriums der Universität in Zürich im August 1929 wurde ein Budget von 70.000 Pfund festgesetzt, wobei interview mit dem Kanzler der gleichzeitig ein regelrechter Ausbauplan für Forschung und Unterricht ausgearbeitet wurde. Der damalige Vorsitzende der Amerikanischen Freunde der Hebräischen Universität Felix M. Warburg wohnte der Tagung des Kuratoriums bei und billigte die gefaßten Beschlüsse. Ich sollte nach Amerika gehen, um die notwendigen Gelder aufzubringen. Als aber dann, im Herbst 1929, die Unruhen in Palästina ausbrachen, verzichtete ich auf die Amerika-Reise und kehrte nach Jerusalem zurück. Seit jener Zeit mußte das Budget der Universität fast von Monat zu Monat herabgesetzt werden. Gehälter und andere Ausgaben wurden reduziert, gewisse Ausgaben ganz gestrichen, das technische Personal wurde vermindert, die Arbeitsbudgets der verschiedenen Forschungsabteilungen wurden auf ein Minimum gesetzt, neue Bücher wurden nicht angeschafft, Zeitschriften wurden nicht abonniert, der Bibliotheksdienst wurde eingeschränkt, auch sonst wurden alle möglichen Mittel zur Erzielung von Ersparnissen angewandt. Das Budget der Universität für das laufende Jahr bewegt sich zwischen 37.000 und 39.000 Pfund, und es bestehen Zweifel, ob dieser Betrag wird aufgebracht werden können. Bei allen diesen Budget- und Ausgabenkürzungen ging eine ständige Erweiterung der Unterrichtstätigkeit vor sich. Die Fakultät für klassische Sprachen und Literaturen wurde errichtet, die systematischen Biologiekurse sind jetzt schon rm zweiten Jahrgang, auch die interne Organisation der Universität wurde vielfach ausgebaut und

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