Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 271 (16.3.1933)
- Date
- 1933-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 271 — 18. Min t«M DR STIMM! Seife W „SfMtaM" Uteev IDIen Seit einiger Zeit läuft in den Wiener Tonfilmtheatern der Film «Ekstase», von dem es heißt, daß er ganz Wien in Ekstase tu versetzen imstande ist Allein das jüdische Wien wird bald in eine andere Ekstase versetzt werden, wenn einmal das Pessachfest mit seinen köstlichen Genüssen ge* feiert werden wird. Zum größten Teil werden die Erzeugnisse der seit vier Jahrzehnten bestehenden bestrenommierten and äußerst modernen Mazzoth-Fabrik Schmidt, die unter der Leitung des aiuch auf philanthropischem Gebiete sehr wirkenden Herrn Nathan Brodetsky steht, dazu beitragen. Verläßlichste Kaschruth, peinliche Sauberkeit, vollstes Ausnützen der modernsten Errungenschaften auf maschinellem Oebiete finden in Güte und Qualität der hier erzeugten Mazzoth ihren Ausdruck. Nichts wird mit der Hand, alles maschinell gemacht. Alles blitzblank. Mehrere Maschgichim überwachen abwechselnd den ganzen Prozeß, den jede einzelne Mazzah durchzumachen hat — von dem Gesiebtwerden des Mehles bis zur Verpackung des Fertigfabrikates. Eine besondere Neuerung stellen die eleganten neuen Badeanlagen dar, die für eine durchgehende Reinigung der Fabriksräume Gewähr bieten. All diese Vorrichtungen modernster Art haben dazu beigetragen, ein Produkt zu schaffen, das den höchsten Anforderungen des Geschmacks und der Qualität und des Kaschruth entspricht ■Ina S«ntaHon für Pwadi MM alnd in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! sctiiicmazzoik werden unter streng orthodoxer Aufsicht des ran Qvn onm iton nov mn hergestellt Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt 1 Seit vielen Jahren genießen die «Schmidl- Mazzoth» das beste Renommee und werden von allen bevorzugt Auf die Extraqualität meiner Fabrikate «Marke Schmidl N. B.» auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht zeM: n. hodeizrv 2., Leopoldsgasse 43 und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich Telephon-Nummern A-46-1-90, A-60-2-63 und A-41-9-52 Schekelaufvuf dev Exekutive: Zionisten! Di« Exekutive der Zionistischen Organisation wendet sich an die zionistische Gesamtheit mit dem Aufruf, unverzüglich mit aller Energie an die Schekelaktion, die der Sammlung und Zahlung unserer Kräfte gilt, heranzutreten. Die Bedeutung der Zionistischen Organisation innerhalb der Judenheit und di« Kraft, di« sie durch die Jewish Agency der Sicherung unserer Rechte hinsichtlich der jüdischen nationalen Heimstätte verleiht, hängt davon ab, in welchem Ausmaße jüdische Männer und Frauen in aller Welt durch di« Zahlung des Schekels ihre Verbundenheit mit der zionistischen Bewegung bekennen. Für unser über die ganze Welt verstreutes Volk, das durch kein einheitliches Staatsbürgertum zusammengefaßt ist, bedeutet die Zahlung des Schekels das deutlichst sichtbare Einheitsband. Der Schekel ist überdies das Symbol unserer nationalen Solidarität und des Glaubens an den Erfolg unseres nationalen Strebens in Palästina. Die Lage des jüdischen Volkes hat sich in den letzten Jahren in den meisten Ländern der Galuth leider »um Schlechten gewandelt. Unsere politische Stellung ist in manchen Ländern bedroht, unsere wirtschaftliche Lage in fast allen Ländern der Welt aufs schwerste gefährdet. Die jüdische Jugend steht vor der Gefahr völliger Ausschaltung aus dem Wirtschaftsorganismus, in dem sie lebt. Noch wichtiger aber ist, daß die Zerstörung der politischen und wirtschaftlichen Grundlagen unseres Lebens in vielen Ländern psychologische Probleme gezeitigt hat, die nur durch die Zusammenfassung aller unserer körperlichen und geistigen Kräfte zur Sicherung unserer national-historischen Einheit gelöst werden können. Auf der anderen Seite hat Erez Israel, gleichsam als Antwort auf die bittere Not des jüdischen Volkes, in den letzten Jahren ein« wachsende Zahl von Söhnen und Töchtern unseres Volkes mit offenen Armen aufgenommen. Tausende von Juden haben in den letzten Jahren in Palästina durch ihrer Hände Arbeit, in Handel, Gewerbe und freien Berufen ihren Lebensunterhalt gefunden, Tausende sind durch die Ansiedlung auf dem Boden Palästinas ans Ziel ihrer langen Wanderung gelangt. Sie alle fanden in Palästina ihre Heimat und trugen zur Festigung unserer Stellung im Lande bei. Palästina ist heute inmitten einer Welt wirtschaftlichen und seelischen Druckes, einer Welt, die erfüllt ist von Unsicherheit, eines der wenigen Länder, in denen man das Glück erleben kann, freudig an einem Werke des Aufbaues und der nationalen Befreiung mitzuarbeiten. Die zionistische Bewegung ist eine der wenigen positiven Kräfte geblieben, die am Wiederaufbau der Welt und an der Steigerung des allgemeinen Vertrauens mitwirken. Diese Tatsache legt uns erhöhte Verantwortung auf. Unsere erste Pflicht ist es naturgemäß, so viele Juden wie möglich nach Palästina zu bringen und im Lande zu verwurzeln, aber es gibt noch viele andere Probleme, an deren Lösung die Zionistische Organisation und die Jewish Agency zu arbeiten haben. Die politischen Angelegenheiten entwickeln sich heute glücklicherweise aussichtsvoller als noch vor wenigen Jahren. Aber manche wichtige ja geradezu grundlegende Probleme befinden sich noch im Stadium der Diskussion und die Kraft derjenigen, denen die ehrenhafte, aber auch schwierige Aufgabe zufällt, die zionistischen Ideale und Forderungen zu vertreten, hängt davon ab, in welchem Maße sie den Nachweis erbringen können, daß sie im Namen des Volkes sprechen. Dieser Nachweis wird durch die Zahl der Schekel erbracht, die von Jüdischen Männern und Frauen alljährlich entrichtet »erden. Unsere Bewegung ist keine bloß politische Bewegung, sie arbeitet keineswegs ausschließlich mit wirtschaftlichen Kräften; sie ist vielmehr in gleichem Maße auch eine geistige Bewegung, eine Bewegung, die dahin zielt, das Jüdische Volk in der ganzen Welt wieder zu beleben durch die Betonung seiner geistigen Einheit, die sich in gemeinsamer Kultur und Sprache in einem viertausend Jahre alten Geistesleben manifestiert. Wir rufen alle Juden auf, sich durch Entrichtung des Schekels unserer nationalen Bewegung anzuschließen. London. Am Donnerstag, den 2. März, abends, fand im Hotel Savoy zu London eine von der Jewisih Agency for Palestine zu Ehren der Freunde Palästinas hn englischen Parlament (Ober- und Unterhaus) gegebenes Dinner statt, dem außer einer großen Zahl führender jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten des englischen öffentlichen Lebens mehr als 100 Parlamentsmitglieder beiwohnten. Im ganzen waren über 500 Personen anwesend. Den Vorsitz führte Doktor W e i z m a n n, früher Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency. Nach der Rede Dr. Welzmanns, die wir in der letzten Nummer der «Stimme» als erstes Blatt im Wortaut veröffentlichten, folgte eine Ansprache von Lord M e 1 c h e 11, der ungefähr ausführte: Die Freunde Palästinas verteilen sich auf politische Parteien. Mögen sie auch in anderen Fragen verschiedener Meinung sein, ln einem sind sie sich einig: in der Förderung des Aufbaus des Jüdischen Natlonalheims. Die Bewegung für das Jüdische Nationalhelm Hi Palästina steht heute hn Brennpunkt des Interesses des jüdischen Volkes; in der ganzen Welt schließt sich das Judentum zum Wiederaufbau des Heuigen Landes zusammen. Diese jung und alt erfassende Bewegung Ist überwältigend und begeisternd. Der auf dem jüdischen Volke lastende Druck führt nicht zu Degeneration oder Assimilation, sondern zu Regeneration. Palästina zeigt das Bild eines faszinierenden und glücklich fortschreitenden Landes; ein modernes Land, das seine Fundamente tief in uralte Kultur gegraben hat Die im Juni ln London stattfindende Anglo-Palestine-Ausstellung wird den Fortschritt Palästinas vor aller Welt dartun. Die Verwirklichung des Traumes eines wiedererstehenden Palästina ist von weittragender Bedeutung in der heutigen Welt, vielleicht weittragender als irgend ein anderes politisches Geschehen der letzten Epoche. Sir Herbert Samuel führte aus, er sei tief beeindruckt von dem wirtschaftlichen Erwachen und den neuen Fortschritten des Aufbaus Palästinas; dieser Fortschritt werde den Frieden in Palästina begründen. Es sei zu hoffen, daß auch Transjordanien jüdischer Arbeit sich öffnen wird, und jüdische Arbeit werde allmählich die Beziehungen zwischen Juden und Arabern diesseits und jenseits des Jordan festigen. Den Worten Sir Herbert Samuels schloß sich auch Major John B u c h a n, der Vorsitzende des Parlamentarischen Palästina-Komitees, an, Der Landwirtschaftsminister Major Walter E11 i o t rührte aus: Das britische Parlament hat den Wunsch, das jüdische Problem verständnisvoll zu erfassen und es einer Lösung zuzuführen.!a dem Augenblick, da Mitglieder des britischen Parlaments begonnen haben, an dem Plan der Zurückführung der Juden nach Palästina aktiv mitzuarbeiten, ist der Zionismus in den Bereich praktischer Arbeit gelangt. Alle Parteien vereinigen sich in dem Willen, das Ideal des Jüdischen Natlonalheims zu fördern. Friede herrscht heute Hi Palästina. Friede ln seinen Tälern und auf seinen Hügeln. Zur Wahrung dieses Friedens tut eine ständige Zusammenarbeit von Engländern, Juden und Arabern not. Der Friede brachte Prosperität mH sich. Die Landwirtschaft schreitet vor. Verliert ein Volk den Kontakt mit dem Boden, so hat es alles verloren. Landwirtschaft ist keine Industrie, sie ist eine Lebensform. Juden! ZionistenI Wir stehen vor dem 18. Ziomistenkongreß, dessen Beschlüsse und Entscheidungen für die Zukunft der Nationalen Heimstätte und für die weitere Entwicklung unserer Bewegung von größter Bedeutung sein werden. Strenget eure Kräfte bis zum äußersten an, damit dieser Kongreß zur Vertretung breitester jüdischen Massen wird. Erwerbet und verbreitet den Schekel! Exekutive der Zionistischen Organisation. London-Jerusalem, 5663. * Schekelhefte können täglich, ausgenommen Samstag und Sonntag, im Büro des Zion. Landeskomitees, L, Kärntnerstraße 28, behoben werden. Major Elliot schloß mit der folgenden Mahnung an die Juden: Klammert euch an den Boden! Magere Jahre mögen den fetten Jahren folgen, aber auch dann, wenn vorübergehend Dunkelheit eintritt, seien Sie sicher, daß die Sonne wieder scheinen wird. Balfour und Disraeli zeigen uns den Weg, und so lange es Männer gibt, die in die Fußstapfen dieser Großen treten, kann unsere Sache nicht fehlschlagen. Major Artless, stellvertretender Führer der parlamentarischen Opposition, führte ans: Nach Jahrhunderten der Verfolgung haben die Juden ihr Natlonalhdm gefunden. Noch ist Ihr Unglück nicht vorbei, böse Gewalten erheben wieder gegen sie ihr Haupt Aber das Gewissen der Welt ist wach geworden, es duldet nicht mehr Rassenverfolgung und religiöse Intoleranz. Wir wollten eintreien für die Rechte aller Völker, für die Sicherheit aller Rassen. Unsere Gemüter wenden sich heute jenen zu, die in Gefahr sind. hn Verlauf des Abends werden 3000 Pfund für den Keren Hajessod gesammelt. Im Jänner 1933 wurden In Palästina 3249 Juden seßhaft Jerusalem. Im Jänner 1933 haben laut den soeben ver* öffentlichten offiziellen Ziffern 2249 Juden die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt in Palästina bekommen. Unter ihnen sind neben den auf Grund der Arbeiterschedule Eingewanderten 747 jüdische Personen, die als Touristen in das Land gekommen waren und im Jänner die Erlaubnis erhielten, sich in Palästina ansässig zu piachen. Jänner 1932 konnten nur 136 Juden in Palästina seßhaft gemacht werden. Reiset mit uns nach Palästina I 4 Reisegesellschaften haben wir in den letzten 5 Monaten nach Palästina geführt; die Purim-Reisegruppe verließ am 21. Februar Wien: Wieder waren alle uns zur Verfügung gestandenen Plätze besetzt, wieder mußten viele Interessenten, welche sich zu spät angemeldet hatten, abgewiesen werden. — Unsere nächste, die Pessach-Pa lästinareise geht am 28. März d. J. von Wien ab Auf dem 12.500-t-Ueberseedampfer «Martha Washington» wurde uns eine beschränkte Anzahl von 2 bis 6 Bettkabinen reserviert, von denen fast alle bereits vergeben sind Diese Reise wird wieder von der «PAG» r. ö. m. b. H. organisiert, dies bedeutet für Sie: Durchführung aller notwendigen Vorarbeiten, beste Unterbringung auf Bahn, Schiff und in Palästina, aber auch Anbahnung wirtschaftlicher Verbindungen In Palästina, Studium geschäftlicher ( Möglichkeiten usw. Melden Sie sich noch heute bei der Verwaltung der «Stimme» als Reiseteilnehmer an. Große Paläsiinateundgebung englischer Parlamentarier Dinner zu Ehren der Freunde Palästinas im englischen Parlament — Sir Herbert Samueh Lord Metchett, Brodetsky, Landwirtschaftsminister Elliot und andere führende Parlamentarier über die Fortschritte des Jüdischen National heims in Palästina