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Die Stimme · 1933-03-16 · Heft 271 (16.3.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 271 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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gtffe 4 DIB STIMME Nr. 27f — 16. März T03S Die gegenwärtige Lage in Palästina Von Adolf Böhm In seinem in der Eröffnungssitzung des Delegjertentage.' gehaltenen Referate führte Herr Adolf Böhm folgendes aus: (Wir sind infolge Raummangels gezwungen, das ausgezeichnete und ausfOhrlicht Referat nur in einigen Zügen wiederzugeben. Die Red.) ich möchte zunächst bemerken, daß das Thema, welches <dl gewählt habe, «Die gegenwärtige Lage in Palästina» betitelt wurde, ich will aber nur einige Bemerkungen machen, denn wollte ich die gegenwärtige Lage Palästinas auch nur il kurzen Umrissen Ihnen vor Augen führen, müßte ich Stunden sprechen. Soviel geht heute dort vor. Ich will daher nur einige Punkte herausheben, die mir als wichtig erscheinen. Sie sind ja durch die Zeitschriften über die Lage im großen und ganzen fortlaufend informiert. Ich will das Politische wenig berühren. Es wird viel zu wenig beachtet, daß wir in bezug auf Politik und die Araberfrage vor einer ganz neuen Situation stehen. Die langjährige -Kampagne, deren Thema es war, daß die Juden die Araber vom Boden verdrängen, führte dieses Argument hauptsächlich gegen die jüdische Heimstätte und die Balfour-Deklaration ins Treffen. Diese These ist nun vollkommen in sich zusammengebrochen. Diese wichtige Tatsache kann nicht genug in den Vordergrund gestellt werden. Daß auch die Pläne von French nach Verbot der Einschränkung von Bodenübertragungen erledigt sind, geht daraus hervor, daß, als die Arabische Exekutive kürzlich beim High-Kommissioner war und das Verbot des Bodenverkaufes an Juden, die Sperrung der jüdischen Einwanderung verlangt hat, er ihnen erwidert hat, eich habe nicht die Macht hiezu — und was die Einwanderung betrifft, kann man sie nicht sperren, solange Nachfrage «ach Arbeitshänden ist». IN UND AUSLÄNDISCHE EN GROS EN DETAIL OEGR. 1888 TKL, i S1UM fllOOEREUHEIIEII Seide Wolle Samte FRANZ nEUmflll. LGOIICORDIArL s Der Aufschwung Im Lande . Palästina befindet sich heute in einer Wirtschaftsblüte, jüdisches Kapital ist von allen Ländern nach Palästina geitrömt. Es liegen heute in den palästinensischen Banken ungefähr fünf Millionen Pfund. Viele andere Millionen sind bereits investiert worden, 1932 schätzungsweise 3% bis 4 Millionen Pfund. Diese Investitionen verteilen sich auf Orangenpflanzungen, Industrien und städtischen Hausbau. Aber diese heute bestehende gute Konjunktur droht in Spekulationen auszuarten, die viele von uns als außerordentlich schädlich und gefahrvoll ansehen. Orangeapflanzungen Es erfolgte eine ganz ungeheure Ausdehnung dieses Zweiges der palästinensischen Landwirtschaft. Die jüdischen Gärten, deren Fläche vor zwei Jahren 40.000 Dunam betrug, bedecken heute bereits 100.000 Dunam 1 in diesem Frühjahr sollen wieder 13.000 bis 23.000 Dunam bepflanzt werden. Man rechnet mit einem Erntezuwachs von ca. 1,000.000 Kisten im Jahr. Es ist möglich, daß hier ein Rückschlag eintreten könnte, da auch in anderen Produktionsländern die Orangenkultur stark ausgedehnt wird. Die zweite Gefahr besteht darin, daß die Bodenpreise sehr stark in die Höhe getrieben wurden und auch für fertige Pardessim Liebhaberpreise gezahlt werden. Städtische Bautätigkeit Durch die große Bautätigkeit sind auch die Bodenpreise kl den Städten außerordentlich gestiegen, was die bekannten Gefahren in sich schließt. Aber die Gesamtlage ist gesund. Hoffen wir, daß die bestehende Prosperität auch weiter andauert. Es sind Jedoch Warnungszeichen vorhanden, die herrschende Situation mit Vorsicht anzusehen. Die Wirtschaftsblüte Palästinas hat einen Zustand geschaffen, der uns Zionisten ganz merkwürdig berührt. Jeder Jude, der hier kein Fortkommen findet, will nach Palästina, das ein Eldorado für beschäftigungslose Juden geworden ist. Auch im Zionismus ist heute die Privatwirtschaft Trumpf. Zionismus Ist aber kein Palästina-Wirtschaftsproblem, die Wirtschaft lat nur Mittel für höhere politische und soziale Ziele. Wir sehen aber die Erscheinung, die in allen Staaten zu bemerken war, als die Notperiode herrschte: Die Wirtschaft blüht, der Staat verdorrt. So geht es jetzt pvit unseren Fonds. Redner erinnert an die Krise im Jahre 1925. Da verdorrte di« Wirtschaft und man schrie nach den Fonds. Der Fonds muBte die Haifa-Bay retten, Arbeitslosenunterstützung aus¬ Zweite Geswischaitsreise Czernouiißer AUDemBiRen Zeltuoa nach der Bukowina <&cb Kleinpolen ohne KelsupaW und Visa (zu Ostern) vom «. bis 20. April 1933 Der Tellnehmerprets umfaßt die Reise von Wien bis Wien im Sonderachnelizusr XI. und XII. Klasse, ferner alle Gebühren für Sammelpaß und Sichtvermerk«, Ermäßigungen in unseren komfortablen Vertragahotels, Festlichkeiten, bewährte Ftelseführung, und beträgt: III. Klasse Wien—Czernowitz—Wien.8 109.— III. Klasse Wien—Stanislau, Kolomea—Wien . . 8 100.— III, Klasse Wien—Lemberg—Wien.8 »L— (Bel Fahrt ln II. Klasse ermäßigter Aufschlag) Anmeldungen, Prospekte und Auskünfte: Reiseleftung .,C ernowitzer Allgemeine Zeitunq", Wien, I., SonuleretraBe 1—3. Tel. R 21-6-78 (St^dtbureau ..Der Tag“) zahlen, innerhalb dieses aufstrebenden Palästinas unsere zionistischen Gesichtspunkte zur Durchsetzung zu bringen. Redner bespricht die Funktionen der nationalen Fonds und der Frage, wer nach Palästina gehen soll. Es ist eine furchtbare Ueberfüliung in den freien Berufen vorhanden. Das wichtigste politische Ereignis in der letzten Zeit ist Transjordanien Die Jewish Agency hat bis heute noch nichts darüber verlautbart, daher kann man nur davon sprechen, was in den Zeitungsartikeln steht Wie Sie wissen, hat der Emir Abdallah von Transjordanien im Jordantal eine Fläche von ca. 70.000 Dunam von seinem Parlament geschenkt bekommen, dazu 3000 Pfund, damit er dieses Land entwickle. Abdallah konnte aber mit seinem Lande nichts anfangen. Er wollte es an eine jüdische Gesellschaft verpachten, die eine Option auf sechs Monate haben soll. Transjordanien ist ein ziemlich menschenleeres Land und doppelt so groß als Palästina. Es ist zur Hälfte von Beduinen und Halbnomaden, zur Hälfte von Fellachen bewohnt. Das Land ist sehr verarmt. Heuschrecken, Dürre und andere Plagen haben die Bewohner in einen ganz elenden Zustand versetzt. Die Scheichs verlangen ausdrücklich, daß die Juden ins Land kommen, um es ebenso zur Blüte zu bringen wie Palästina. Aber die palästinensischen Araber haben dagegen Sturm gelaufen. Das eine können wir sagen: Ist schon durch den Abgang Frenchs das Märchen von der Verdrängung der Araber durch die Juden widerlegt worden, so setzt diese Tatsache noch das Siegel darunter: Wir Juden sind diejenigen, die Palästina in Blüte gebracht haben — das Verlangen Transjordaniens nach den Juden bringt den Beweis von arabischer Seite dafür. Dies ist vom politischen Standpunkt aus sehr wichtig. Welche jüdische Gesellschaft kann in Transjordanien eindringen? Wer wird dort den Boden besiedeln? Das können wieder nur die nationalen Fonds. Der Boden muß von Chaluzim in Arbeit genommen werden. Die Wichtigkeit der nationalen Fonds Unsere Fonds sind und bleiben die Sachwalter der zionistischen Idee in jeder Beziehung. In den Fonds verkörpert LovdMeleheiieHoßnung auf Me jüdische Jugend ZOO führende französische Juden im Hause der Baroness Edouard de Rothschild Zu Ehren des in Paris eingetroffenen Lord Melchett, Ehrenpräsident des Welt-Makkabl, gab Baroneß Edouard de Rothschild lo ihrem Hause einen Empfang, dem etwa 200 führende Juden Frankreichs beiwohnten. Im Verlauf des Abends hielt Lord Melchett eine Ansprache, In der er etwa ausführte: ln diesen für das Judentum umdüsterten Tagen brauchen wir eine beherzt ihren Weg gehende jüdische Jugend. Ich finde Trost darin, an die wundervollen Leistungen der jüdischen Sportjugend während der Makkabla in Tel-Awiw zu denken. Bisher haben die Juden alles für Ihre Alten und Kranken getan, nun Ist es Zelt, anch an die Jungen zu denken. Senator Justin Godart, Präsident des France Palestine Comlte, gab Lord Melchett die Versicherung, daß die französische Judenhelt auf der nächsten Makkablade angemessen vertreten sein wird. Den Gästen wurde eine Verfilmung der Makkablade in Palästina vorgeführt, die viel Begeisterung weckte. Lord Melchett sprach in Paris auch ln einer großen öffentlichen Kundgebung, der mehrere tausend Personen beiwohnten, und ln der der Makkabiafllm ebenfalls gezeigt wurde. Das passendste Qeschenk sind die berühmten Produkte aus Palästina, die im heurigen Jahre dank des größeren Absatzes bedeutend billiger erbältlich sind. Die ausführHehen Prelle ersehen Sie im Inserat der Firma S. Halpern, Wien, II., Pörstergasse 6, Tel. A 46-4-12. sich der Gedanke, daß der Palästinaaufbau die Sache des Weltjudentums ist. Die Meinung, daß angesichts dieser Wirtschaftsblüte des Landes die Leistungen der Fonds gcr.ng sind, ist abzuweisen. Sie haben vor allem in Palästina den jüdischen Bauern geschaffen. Die letzte Statistik sagt, daß die Fonds 1700 Familien mit 8000 Seelen ansiedelten. Wären nicht diese Bauern, dann wäre der alte Zustand, daß Juden ihre Geflügel-, Gemüse- und Milchbezüge von den Arabern kaufen müßten. Der Keren Hajessod hat auf diesem Gebiete Ungeheures geleistet. Keinen Großstaat gibt es, der so viel geleistet hat an Kolonisation mit so geringen Verlusten, denn die Prüfung ergab, daß 65 Prozent des Geldes in Werten vorhanden sind. Der Keren Hajessod hat sehr gufgewirtschaftet. Die Kolonien bekommen nicht einen Heller für ihr Budget und sie sind so weit, daß die Einnahmen die Ausgaben decken. Für Elementarereignisse, wie Dürre, sind die kolonisierenden Instanzen nicht verantwortlich zu machen. Auf Nationalfondsboden sind Hunderten von Arbeiterfamilien in der Pflanzungszone Hilfswirtschaften errichtet worden. Der Keren Kajemeth hat den Plan, auch weiterhin in dieser Richtung weiterzuarbeiten. Tausend Familien sollen in der Pflanzungszone Hilfswirtschaften bekommen. Das Tempo scheitert nur an den geringen Mitteln des Kerer Kajemeth. Auf Wadi Chawerith-Boden sind in der letzten Zeit nicht weniger als 425 Familien, d. s. 2000 Köpfe, am 20.000 Dunam, für Arbeiterkolonien und Mittelstandsleute angesetzt worden. Von den Fonds wurde daher eine gewaltige Kolonisationsarbeit geleistet. Von ihren anderen Leistungen brauche ich hier nicht zu sprechen. Dieser kann nur begegnet werden, wenn einmal ausgeführt werden wird, was in London 1910 beschlossen worden ist, wenn eine große Bodenkaufsgesellschaft geschaffen wird, die allen angebotenen Boden kaufen kann, und zwar mit Mithilfe des Keren Kajemeth. Unsere Fonds sind bedeutende und wichtige Instrumente. Es Ist möglich, sie heute gewaltig auszubauen, das muß In den Vordergrund des nächsten Kongresses gestellt werden. Ansprache des High Commissioner ltn Menorah-Klub zu Jerusalem Jerusalem. Der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope hielt bei der Eröffnung des Menorah-Klubs in Jerusalem, der von früheren jüdischen Soldaten der englischen Armee zum Andenken an die gefallenen Mitglieder der Jüdischen Legion gegründet wurde, eine Ansprache, in dar er u. a. ausführte: Ich hege tiefes Interesse für das Schicksal der früheren Soldaten der jüdischen Bataillone, die sich glücklich und mit der Aussicht auf Erfolg auf dem Boden Palästinas angesiedelt haben. Ich wünsche dem Menorah-Klub Blühen und Gedeihen zum Besten des Landes. Zu HDD benutzt man in jedem jüdischen Haus „sHEimnr feinstes Palästina-Olivenöl noB b» -uw it nn zum Kochen, Braten, Backen und Salat sehr ausgiebig, leicht verdaulich, in 25, 5, 2'/,, 1, Kilogramm-Dosen „ADIN* Luxus Olivenseife, ..HADAR-HACARMSl”, Carmel-Flowers, Gallil, Babyseife, „ORA- Olivenöl- Seifenflocken Generalrepräsentanz und Alleinvertretung für Oesterreich mir S. RABINOWITSCH Wien, II., Z.rkusgasse 10 Telephon Nr. R 47-0-50 Auf Wunsch Preislisten ACHTUNGl Frisches Olivenöl ist mit speziellen Hechscherzetteln und einem besonderen Hecnscher des Palästina-Rabbinates versehen und nur an meine Firma geliefert worden DieLegende von iandiosenHvabevn in Palästina „zevptaizt“ Memorandum der Jewish Agency an den High Commissioner - Antwort auf den Erench-Bericht Jerusalem, 13. März. Die Jewish Agency for Palestine hat der Regierung Palästinas auf deren Ersuchen hin eine Erklärung übergeben, in der der Bericht des früheren Palästinaentwicklungsdirektors Lewis French über die Grundlagen und Bedingungen der Landwirtschaft in Palästina in allen seinen Teilen einer eingehenden Analyse und Kritik unterzogen und seine Konklusionen widerlegt werden. Das Dokument besteht aus einem Mantelschreiben hn Umfange von 30 Seiten und einem Memorandum im Umfange von 66 Seiten. Am Schlüsse des Memorandums wird erklärt: Die Vorschläge des Herrn Lewis French, im Wege der Gesetzgebung den Kauf von Boden durch Juden einzuschränken, sind null und nichtig, da die Basis, auf der diese Vorschläge ruhen, nämlich die These vom «landlosen Araber», sich als nichtig erwiesen hat.

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