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Die Stimme · 1933-03-16 · Heft 271 (16.3.1933) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 271 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. m ~ te. mn im MB STIMME tfclte 3 S. H. säubert... Vorgehen gegen Juden und Personen lüdischer Abkunft auf füllt«» reliem Gebiete «Vossische Zeitung» meldet aus Dresden: Im Aufträge der NSDAP.-Leitung hat der Dresdner Schauspieler Posse die Geschäfte der sächsischen Staatstheater an sich genom» men. Sofort beurlaubt wurden der Dramaturg Dr. Karl Wolff, ein Mann von internationalem Ruf, offenbar wegen seiner jüdischen Abkunft, und der Studienmeister an der Oper Engel. In Düsseldorf konnte kürzlich — wie der «Börsen- Courier» meldet, der begabte Kapellmeister Horenstein die Aufführung von Richard Strauß* «Rosenkavalier» nicht dirigieren, weil gegen ihn protestiert wurde. ln der Kölner Oper kam es zu Lärmszenen während einer «FidelioWVufftihrung. Plötzlich erscholl im zweiten Akt während der Kerkerszene — es war gerade 22.15 Uhr *— zweimal aus dem hinteren Zuschauerraum der laute Ruf: «Hinaus mit dem Juden Schmid-Scherfl» Dieser spielte den Don Pizarro. Der Ruf war das Signal zu andauernden Zwischenrufen, wie «Juden hinaus!», so daß die Aufführung abgebrochen werden mußte. «Börsen-Courier» berichtet über folgende Vorgänge im Berliner Bühnennachweis: Nachdem gestern im Paritätischen Stellennachweis S. A.-Leute erschienen waren, sollen heute bereits die bisher dort beschäftigten jüdischen Disponenten zwangsweise beurlaubt worden sein. Aus Breslau wird gemeldet: Die Breslauer vereinigten Theater, deren Intendant Paul Barnay ist, sind am Freitag von der Untergauleitung Mittelschlesien der NSDAP, übernommen worden. Man hat Barnay ersucht, von seinem Posten zurückzutreten. Paul Barnay wurden von fünf Leuten in S. A.-Uniform festgenommen und in einem Kraftwagen entführt Bamay wurden Mantel und Anzug ausgezogen und mehrere Männer schlugen mit Gummiknüppeln und einer Hundepeitsche auf ihn ein, während andere mit gezogenem Revolver der Mißhandlung zusahen. Barnay wurde von der alarmierten Polizei in die Stadt zurückgebracht. Er hat einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Die Gauleitung Mittelschlesiens der NSDAP, rückt von diesem Vorfall ganz entschieden ab und erklärt öffentlich, daß sie derartiges schärfstens verurteile. Sturm gegen jüdische Anwälte In Kassel wurden Donnerstag zahlreiche jüdische Geschäfte geschlossen, aber am Freitag wieder geöffnet, nachdem die Gauleitung der NSDAP. Anweisung gegeben hat, daß die aktive Propaganda gegen die jüdischen Geschäfte unterbunden werden soll. In Chemnitz wurde eine Aktion gegen das Kaufhaus Schocken von der Polizei unterbunden, die erklärt, daß es sich bei den Personen mit S. A.-Abzeichen um Kommunisten handelte, die sich zur Irreführung des Publikums NSDAP.- Abzeichen angelegt hatten. In Magdeburg wurden auf dem Breiten Weg und in anderen Stadtteilen jüdische Geschäfte von Leuten in Uniform besetzt. Der Polizeipräsident gab bekannt, daß die Geschäfte nunmehr polizeilich geschützt würden. Oie Vorgänge in Köln Das «Kölner Jüdische Wochenblatt» meldet: Am Mittwoch voriger Woche wurde von bisher unbekannten Tätern gegen die Synagoge in der Roonstraße ein Steinbombardement verübt. Das sofort alarmierte UeberfallsVommando konnte über die Täter keine Feststellungen treffen. An etwa 10 Stellen sitjd die zum Teil kunstvollen Fensterscheiben zerstört worden. Das Geschäft eines jüdischen Juweliers in der Kämmergasse wurde von außen her mit etwa 10 Schüssen, die durch die Scheibensicherungen hindurch abgegeben wurden, schwer beschädigt. Ueber die Täter konnte bisher nichts ermittelt werden. Sowohl in der vergangenen wie in dieser Woche wurde verschiedentlich gegen das Haus der Rheinlandloge in der Cäcilienstraße Steine geworfen, durch die mehrfach Fensterscheiben zertrümmert wurden. Ebenso wurde das am Eingang angebrachte Emblem schon wiederholt zertrümmert. Die Täter 6ind jedesmal unbekannt entkommen. Oie deutschen vereinsamt.. WEINEINKAUF ist Vertrauenssache Verlangen Sic ausdrücklich: ■k Zusendung von Preislisten P' über Wunsch durch den autor. Vertreter: PflLOSTINQ-UU EINE «US : PßoPR ■ffaRON R OTH SCH HD GUSTAV WILDER Wien, IV., Rainergasse 31, Telephon U 42-4-84 Wie sie arbeiten Gefälschte Briefe Berlin. Der «Völkische Beobachter» veröffentlichte heute das Faksimile eines angeblichen Briefes der Firma Hermann Tietz an das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei, in dem davon die Rede ist, daß die Firma «einen namhaften Betrag für den Wahlfonds» der KPD. zur Verfügung gestellt hat. Die Firma Hermann Tietz veröffentlicht eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß der Brief und der Stempel der Firma gefälscht wurden. Es ist festgestellt worden, daß kein Brief an das Zentralkomitee der KPD. herausgegangen ist. Für den Wahlfonds der KPD. sind von der Firma Hermann Tietz niemals Gelder zur Verfügung gestellt worden. Juden nicht Das Echo ihrer Situation in der iüdischen Weit Die Haltung der Anglo-Jewish Asso ciation Ein Flugblatt des nationalsozialistischen Jurhten-Btmdes In den Berliner Gerichten wird zurzeit ein Flugblatt des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen verteilt, in dem gegen die Berliner Amvaltskammer und gegen einen Teil der Berliner Anwaltschaft Sturm gelaufen wird. Der vom Berliner Anwaltsverein und der Berliner Anwaltskammer angestrebte allgemeine Numerus clausus wird entschieden abgelehnt, statt dessen wird eine «Reinigung» des Richterfams, der Anwaltschaft und des Notariats verlangt. Jüdische Künstler und Angestellte werden am Betreten des Hauses des süddeutschen Rundfunks verhindert Stuttgart Wie der «Nationalsozialistische Kurier» erfährt, wurde im süddeutschen Rundfunk am Mittwoch früh den jüdischen Angestellten der Eintritt verwehrt und der Ausweis abgenommen. Der jüdische Programmleiter Doktor Maier sei auf Anraten nicht erschienen. — Im Landtag sei anläßlich der Flaggenhissung das Personal, soweit es den Anordnungen widersprochen habe, des Amtes enthoben und beurlaubt worden. Der Leiter der Berliner FUmborse hinausgeworfen Berlin. Unter der Ueberschrift «Nationale Künstler verjagen den jüdischen Leiter der Filmbörse» teilt der «Völkische Beobachter» mit: «Der jüdische Leiter der Filmbörse in der Besselstraße 8 wurde gestern abends von nationalen Künstlern hinausgeworfen, da er stets nur den kommunistischen und sozialdemokratischen Künstlern Stellungen vermititelte. Dieser Jude hatte schon seit Jahren den Unwillen der nationalen Bühnenkünstler erregt. Er verstand es, nur für seine jüdischen Trabanten Stellungen za vermitteln. Wie in allen anderen Berufen waren jahrelang auch die nationalen Künstler weiter nichts als Staatsbürger zweiter Ordnung. Obwohl jetzt die Zeiten der S. P. D. und ihrer Schützlinge endgültig vorbei sind, wollte der jüdische Leiter mit echt galizischen Methoden deutsche Künstler weiter benachteiligen. Gestern steigerte sich die Erregung der nationalen Künstler derart, daß sie den «König» der Filmbörse und seine Angestellten einfach aus den Räumen der Börse hinauswarfenj» Wütendes Hakenkreuz im ganzen Reich In Hannover wurden zahlreiche Kaufhäuser geschlossen. Nur die Inhaber der Firma Elsbach und Frank schlossen ihr Haus nicht. Sie erklärten den S. A.-Männern, daß sie als Frontoffiziere die Schließung mit ihrer Ehre nicht vereinbaren könnten. In Königsberg wurde in das Geschäft eines jüdischen Bäckermeisters hineingeschossen, danach je eine Brandbombe in den Laden und in den Keller geworfen, die sämt- 8dw Warenvorräte und Baumaschinen Kistörtefc Ein Brief Neville Laskis und Leonard G. Montefiores an die «Times» «Times» veröffentlichen ein Schreiben des Präsidenten des Jewish Board of Deputies Neville Laski und des Präsidenten der Angio-Jewish Association Leonard G. Montefiore — beide sind gleichzeitig Präsidenten des Joint Foreign Committee — in dem es etwa heißt: Die von Dr. Weizmann in seiner Ansprache an die «Freunde Palästinas im Parlament» gesprochenen inhaltsschweren Worte mit Bezug auf die gegenwärtige Situation in Deutschland und die den Juden Deutschlands drohenden Gefahren übertreiben in keiner Weise die wirkliche Situation. Von allen jenen Bevölkerungsteilen, denen die Feindschaft der jetzigen Regierung gilt, sind die Juden zahlenmäßig beiweitem der schwächste. Besonderen Gefahren hinsichtlich der persönlichen Sicherheit sind die Juden in den Kleinstädten und in den Dörfern ausgesetzt. Seit Jahren sind die deutschen Juden Opfer eines Haßfeldzuges mittels Flugblätter, Zeitschriften, Tageszeitungen sowie Reden in Versammlungen, deren Heftigkeit nicht ihresgleichen hat. Heute sind die Urheber dieses Haßfeldzuges verantwortlich für die Gesetze und die Ordnung in großen Gebieten Deutschlands, besonders tn Preußen. Unter solchen Umständen ist die in jüdischen Kreisen außerhalb Deutschlands gehegte Besorgnis mit Bezug auf das Schicksal ihrer Glaubensbrüder in Deutschland ohne weiteres verständlich. In dieser Stunde bitterer Prüfung für ihre Glaubensbrttder in Deutschland glauben und vertrauen die Juden in der ganzen Welt, daß die öffentliche Meinung in allen Ländern, über die wahren Tatsachen aufgeklärt, den Gefährdeten die Unterstützung nicht versagen wird. London. E. Doran, konservativer Abgeordneter für den Bezirk Tottenham, richtete im Unterhaus an den Minister des Innern Sir John Gilmour die Frage, ob er im Hinblick auf die gegenwärtige Lage in Deutschland Maßnahmen ergreifen wolle, um die Einwanderung ausländischer Juden aus Deutschland nach England zu verhindern. Innenminister Sir John Gilmour erwiderte: Es ist in den engtischen Gesetzen nicht vorgesehen, daß in der Behandlung von Ausländern Unterscheidungen nach Religion und Rassezugehörigkeit gemacht werden. Das Fremdengesetz gibt uns die Befugnis, unser Land vor unerwünschtem Zufluß von Fremden zu schützen. In der Anwendung dieses Gesetzes lassen wir «ms einzig und allein von der Rücksicht ln der in London stattgefundenen Sitzung der Anglo- Jewish Association hielt der Präsident der Association Leonard G. Montefiore eine Ansprache, in der er sagte: Ich habe das Gefühl, daß ich mit dem Ausdruck meiner tiefsten Besorgnis hinsichtlich der Lage der Juden in Deutschland nicht zurückhalten darf, einer Besorgnis, die von all jenen geteilt wird, die die letzten Aeußerungen des Nationalsozialismus vernommen haben. Wie, ist kein Platz für die Juden im heutigen Deutschland? Kein Platz für diejenigen, die für ihr Land kämpften, litten und starben? Kein Platz für diese halbe Million treuer Bürger des deutschen Reiches? Es ist wahr, daß der Reichskanzler Adolf Hitler in seiner Königsberger Rede keinen speziellen Hinweis auf die Juden machte, desto deutlicher aber sprach sein Freund, Herr Josef Goebbels, der sich in seiner, die Rede des Reichskanzlers einleitenden Ansprache dahin ausgelassen hat, daß die deutsche Bauernschaft unter dem Druck der jüdischen Geldverleiher stöhnt; eine Behauptung, die in Anbetracht des Umstandes, daß den Bauern ein Moratorium gewährt wurde, daß die meisten Geldverleihinstitute halb ruiniert sind und daß das Geldverleihgeschäft in Deutschland heute weniger denn je eine jüdische Domäne ist, durch nichts begründet ist. Dr, Samuel Daiches erklärte, er glaube der Stimmung des Rates der Association Ausdruck zu verleihen, wenn er der Veröffentlichung des Briefes in den «Times» durch die Herren Leonard G. Montefiore und Neville Laski die Billigung ausspreche. auf die Landesinteressen leiten. Doran fragte weiter: Weiß der Innenminister, daß hunderttausende Juden jetzt Deutschland verlassen und, da andere Länder ihnen verschlossen sind, sich England z/ttwenden? Buchanan (Arbeiterparteiler) ersuchte den Minister, definitiv zu erklären, daß bei Einwanderungsbewilligungen keine Sonderbeschränkungen für Juden gemacht werden würden. Während der Innenminister die zweite Frage Dorans unbeantwortet Heß, gab er auf Buchanans Frage die Erklärung ab, es sei in keiner Weise beabsichtigt, eine Sonderbeschränkung gegen einwanderungswillige Juden Platz greifen zu lassen. England ein Msyl für deutsche Juden? Eine Anfrage im englischen Parlament

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