Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 271 (16.3.1933)
- Date
- 1933-03-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054026--3417-3058931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SeVfe 2 DIE STIMME Nr. 27T — 10. Mir* 1933 Für die Feiertage billig« Palästina - Produkte Karmelweihe Rechoboth . . Emek, rot . . Karmel, rot. . Perle Saron . Muskat Karmel S 2.40 S 2.70 8 3.10 S 3.30 8 4.— Jaffa-Orangen 1 Kiste . , . 1 kg . . . . Chtderah-Honig 1 Qlas (i/2 kg) S 16.- S 1.- 1 Becher («4 kg) S SHemen-OHvenft! \ Pose . . . S 3.50 % Dose . . . S 1.80 Paläs ttna-Mazzoth 1 Karton (t/2 kg) S 1.25 Shemw-Toiletteseife 5 Sorten, p. St. v. 55 Or. 2,20 JaffH^Grape fruit 1.10 pro Stück v. 40 Gr. aufw. aufwärts. Alle sonstigen Sorten Mazzoth und-Mazzoth-Orleß sowie sämtliche Spezereiwaren und Sliwowitz liefert zu billigen Preisen direkt ins Haus Samusl Haluem, Wien« II« F8ftterq«eig 0, Tel. 1 M-ft ll lei Ketfsdmerzw, rheumatischen und gichtischen Beschwerden wirken Togal-Tabletten rasch und sicher. Wenn Tausende von Aerzten dieses Mitte! verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen. In alffn Apotheken des ln- und Auslandes. Preis S 2.40. schlägt wohl dem Faß den Boden aus. Pa heißt es wortwörtlich: «Unerklärlich aber bleibt die Maßlosigkeit der Sprache gewisser nationalsozialistischer Zeitungen gerade jef*t gegen Juden und Judentum. Es ist daher nicht verwunderlich, daß dann auch Ausschreitungen gegen die Juden nicht ausblieben.» Man denke nur, der C. V. ist peinlich überrascht. Offenbar haben die Nationalsozialisten bisher nur Friede und Freundschaft den Juden gegenüber gepredigt. Und plötilich entpuppen sich die Nationalsozialisten als Wölfe im Schafspelz. Nein, so etwas! Da ist es schwer, keine Satire zu schreiben. Niemand wird uns verdächtigen, daß wir nicht stärkstes Mitgefühl mit unseren jüdischen Brüdern in Deutschland haben. Wir sind eine Minorität, auch in Deutschland. Niederlagen ergeben' sieh daher zwangsläufig. Sie müssen aber mit Würde ertragen werden. Die Achtung vor der Würde, die von Juden im Unglück zur Schau getragen wurde, hat gar manchmal bei den Gegnern tiefen Eindruck hervorgerufen und größeres Unheil verhütet. Der C. V. behauptet, seine Mahnung «die Würde nicht su vertieren, sei überall auf fruchtbaren Boden gefallen». Hier irrt der C. V. Wir vermissen jede Würde in den oben urtedergegebenen Auslassungen des C. V. Schweigen wir« beredter und würdiger gewesen. Das sind die Folgen einer leitfremden Apologetik, die außerdem nicht von nationalem Stolz getragen ist, das sind die Folgen einer Anbiederung um jeden Preis, Ganz im Fahrwasser des C. V. plätschert der «Reichsbund jüdischer Frontsoldaten», fit seinem Organ «p e r S c h i i d» (Nr, 5 vom 9. März) ist «in Artikel von Dr. L u d w i g Freund unter dem bezeichnenden Titel «Würde bewahren!» enthalten. Da lesen wir zum Beispiel: «Es ist ja immer das Unglück deutscher Menschen und auch somit der deutschen Juden gewesen, daß sie Scheingefechte gegen Windmühlen ausführten und Qegen- Sätze auftürmten, wp keine da waren.» Dann wird der Nationalsozialismus als Instrument «dir Idee des Zusammenschlusses aller Glieder der Nation unter Ueberwindung von Standes*- und Klassen- Mhranken» gepriesen, Der Nationalsozialismus habe lw«r «uns Juden bisher nur die haßerfüllte Fratze zugswendet». Aber Pr. Freund tröstet uns: «Qft genug haben wir es als Inoffizielles Bekenntnis vieler Nationalsozialisten vernommen: daß die Judenhetze nur ein Mittel der Propaganda sei. Wir deutschen Juden, die wir die seelisch und materiell leidenden Opfer di«ser Zweck propaganda waren, erwarten nunmehr den Einzug von Recht und Gerechtigkeit.» Dann wird auf die großen Blutopfer der Juden Im Krieg« hingewiesen und gesagt: «Das deutsche Volk kann solchen Mangel an Treue und solchen seelischen Verrat nicht wollen. Das wäre eine Belastung seiner Ehre. Und, um mit Hitler zu sprechen: „Die Ehre Ist das höchste Out im Leben eines Volkes.M» Und Dr. Freund erwartet das goldene Zeitalter: «Stärker als alle physische Macht ist der Geist des Rechts und der Geist geschichtsloglschen Zwanges, der den physischen und politischen Mächten seine Gesetze aufzwingt. Die Männer, die heute über Deutschlands Geschielte entscheiden, sind, tiefer gesehen, Werkzeuge geschichtlicher Notwendigkeit. Sie haben die Aufgabe, aus dem politischen Gestrüpp parteipolitischen Kampfes die echte deutsehe Einheit zu gestalten.» Wir wqllen nicht Dr. Freund folgen und Hitler gftieren, der ja bekanntlich auch so manches andere Ober die Juden sagte. . Wir wollen nur konstatieren, daß wir mit Doktor Freund — aber anders als er es meint — verlangen: «Mehr Würde» und darüber hinaus noch etwas: ein konstruktives — bewußt jüdisches Programm. IM. firiiifui „IHM" Hl uifiir. iiiitumlut Dienstag. 4. April 1933. 20* Uhr BALL MiliUrkasino, L Sdiwanenbergpl. 1 Karten (nur gegen Einladung) und Auskünfte t Akad. VertrtftduAf „KAOiMAN**, l., ItberetraOe 86, Souterrain. 18 bis 80 Uhr. Aller schlechten Dinge sind drei. So wollen wir nun den Oründer des «Verbandes nationaldeutscher Juden», Dr. M«x Naumann, zu Worte kommen lassen. Er schreibt in der «Deutschen Allgemeinen Zeitung» u. a.: «Es gilt zunächst, den Schutt der unglücklichen vierzehn Jahre des Verfalls wegzuräumen. Daß es bei dieser Aufräutnungiarbeit nicht ohne Härten für den einzelnen abgehen kann, versteht sich von selbst. Manche dieser Härten werden auch die jüdischen Deutschen treffen. Aber gerade wir, die wir gewöhnt sind, das Deutschtum über unsere wahren oder vermeintlichen jüdischen Sondorintereisen zu stellen, müssen uns ehrlich Rechenschaft darüber geben, daß der Wunsch, den Jüdischen Einfluß“ einzudämmen, auch bei den gerechtdenkenden und verständigungsbereiten deutschen Volksgenossen nichtjüdischen Stammes besteht. Und wir müssen auch darüber Im klaren sein, daß dieser „jüdisch« Einfluß“ in der Tat noeh bis vor kurzem bestanden hat. Entscheidend ist überall im Üben das Gesamtergebnis und der Gesamteindruck, und die gehen, was die deutschen Juden betrifft, unzweifelhaft dahin, daß diejenige Periode der Judenemanzipation, die mit dem Umsturz von 19t 9 eingesetzt hat, in zu stürmischem Tempo verlaufen ist, und daß durch die sogenannte Freiheitswelle nicht wenige Elemente zur Höhe gespült worden sind, deren Aufstieg sieh besser in einem längeren Zeitraum Schritt für Schritt vollzogen hätte. Wenn heute eine verständliche und nicht unberechtigte RUekwirkung einsetzt, werden durch sie unzweifelhaft aueh manehc Juden betroffen werden, die es persönlich nicht verdient haben und deren Mitarbeit auch dem neuen Deutschland zugute kommen würde, Aber solche Rückschlägesittf unvermeidlich, wenn man den Versuch gemacht hat, das Rad der Entwicklung zu schnell vorwärtazudrehen. Wir müssen dort wieder anfangen, wo 1918 die Entwicklung überstürzt und damit praktisch unterbrochen worden ist.» Hier erübrigt sich wohl jeder Kommentar. C. V., Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, Verband nationaldeutscher Juden I Wenn dieses Trifolium maßgebend ist für die Geistesrichtung der Juden in Deutschland, dann müssen wir von schwerer Sorge erfüllt sein. Dann lisgt die Gefahr für das deutsche Judentum nicht beim Nationalsozialismus, sondern in den deutschen Juden selbst. Erschüttert sehen wir den neuesten Typ der Assimilation heranreifen: Den Hakenkreuzjuden. Wir wollen aber nicht verzweifeln, in schweren Zeiten kommt der jüdische Lebenswille elementar zum Durchbruch. Und es wird nicht darauf ankommen, was die Assimiianten von sich halten, in welcher Purimmaske sie sich anbiedern wollen, sondern, was sie wirklich sind. Wie heißt es doch? «Setz* Dir Perücken auf von Millionen Locken, Setz* Deinen Fuß auf ellenhohe Socken, Du bleibt doch immer, was Du bist,» Erst wenn Deutschlands Juden sieh an diese Worte halten und als aufrechte Juden um ihr Recht kämpfen werden, wenn sie den alten Judenstnlz wiederfinden werden, kann für sie ein neuer Aufstieg beginnen. Und wir glauben, diese Zellen nicht besser schließen zu können, als durch die Worte, die ein aufrechter Jude, unser Präsident Sokolow, vor einigen Tagen ln Liverpool Uber die deutsehen Juden spracht «Ich befürchte nicht, daß Pogrome stattfinden könnten. Ich befürchte die Deklassierung der Juden in Deutschland, daß sie in ein nicht mehr existierendes Qhetto zurückgestoßen werden. Und ich bin betrübt Uber die Kurzsichtigkeit von Juden, welche die Notwendigkeit der Wiede r a u f r i c h t u n g unserer nationalen Heimstätte in Palästina nicht einsahen. Die Juden Deutschlands büßen nicht für ihre Sünden, sondern nur, weil sie Juden sind. Sie haben für ihr Vaterland gearbeitet, haben Ihr Leben für Deutschland (m Kriege gelassen und haben für die deutsche Kultur vielleicht mehr getan als ein anderer Teil der Bevölkerung, Sie sind ein klassisches Beispiel für die Unterdrückung der Juden. Der Antisemitismus hat sie so heruntergebracht, daß sie um ihr Leben bangen müssen. Ihr Unglück möge eineLehre für diejenigen Juden sein, welche es unterlassenhaben, die zionlstlache Bewegung entsprechend zu fördern. Wir bringen den deutschen Juden unsere aufrichtigste Sympathie entgegen und fühlen uns mit ihnensolldarisc h.> Vom Tage Wien, J5. MäfZ 1933. Di« Notverordnungen Die Vorgänge in Oesterreich erregen im höchsten Maße des Interesse des In- und Auslandes. Der sozialdemokratische Präsident des Nationalrates hat kn Verlaufe de« Streites Uber eine Abstimmung demissioniert. Das Gleiche taten der Christlicbsoziale und cjeutschnationale Präsident, und der Nationalrat ging auseinander, Die Verhandlungen zur Flottmachung de« Nationalrates scheiterten lind die Regierung hilft sich nun damit, daß sie auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetze« eine Reihe vom Nationalrat unerledigte Gesetzesvorlagen «1$ Notverordnungen im Bundesgesetzblatte erscheinen läßt. Durch eihfe dieser Verordnungen wurde die Pressefrei* heit wesentlich eingeschränkt und ein Versammlungsverbot erlassen. Wir haben nicht die Absicht, uns Hier mit der Frage zu befassen, ob die Notverordnungen legal sind öder nieht; Wif beschränken uns heute auf dt« Feststellung, daß wir Juden ‘ebenso wie die übrige friedliebende Bevölkerung Oesterreichs ein Interesse daran haben, daß In der Frage der Notverordnungen Klarheit geschaffen wird und daß Ruhe und Ordnung nicht gestört wird. Wir müssen es auch beklagen, daß durch eine Notverordnung die zionistische Versammlungstätigkeit unterbunden ist, die mit dem Streit der politischen Parteien nichts zu tun hat und daß nach einer weiteren Notverordnung sogar Vereinsveraammluflgen anmeldepflichtig pnd. Nun sind zwei weitere Notverordnungen erschienen, dl« in das Wirtschaftsleben schwer eingreifen und zwar die Ge* werbetiovellc und die Sperrverordnung. Beide Verorth* nungen bedeuten eine Erschwerung der Freizügigkeit des Gewerbes, verschärfen den Konzeszionszwang und die Vorschriften über den Befähigungsnachweis. Durch dle.SperrveTprdnung wird dem Handelsminlsttf das Recht erteilt, die Neueröffnung von Geschäften zu verbieten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Notverordnungen einen Rückfall in die Verzunftung des Wirtschaftslebens bedeuten und nach der Berufsschichtung der jüdischen Bevölkerung sich in erster Linie bei jüdischen Gewerbetreibenden schädlich aus wirken werden, Insbesondere muß dies von dem erwarteten Erlaß des Handeisministers über die Sperrverordnung befürchtet werden. Wir werden daher dahin arbeiten müssen, daß zumindest der frühere durch Konzeseionezwang und Befähigungsnachweis ohnehin schwer beschränkt« Aktionsradius der Geschäftswelt bald wieder hergestellt wird. Was nun die politische Seite der Notverordnungen anbelangt, so ist die Stellungnahme der jüdischen Bevölkerung von vomeherein klar. Wir wollen uns bi den politischen Streit der Partei«« nicht rinmengen, sonst werden wir von allen Parteien geschlagen werden. Wir haben vollauf zu tun, wenn wir uns um di« Wlrtsehaftsnot in unseren Reihen kümmern und darüber wachen, daß unsere staatsbürgerlichen Rechte nicht angetastet werden. Eine zielbewußte jüdische Politik Ist das Qebot der Stunde, Noch sind wir Juden in Wien ein Faktor, über den niemand zur Tagesordnung hinweggeben kann. Di« Lage ist ernst und da« Schicksal der Juden in Deutschland muß uns xur Warnung dienen. 7* | Ehret Euere Führer iurch Stiftung von Baumen hu falOniStBn! „Dr. Dulder Fiiedmann-Dr. loset Mwenhets-Haln“l