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Die Stimme · 1933-03-16 · Heft 271 (16.3.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 271 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V.b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S I SO, vierteljlhrl. S 4 20, gan* ilhrl. . . . S 16- Deuiechld. viertel j»hrl.. . . RM V— Tschec ho Slowakei viertel} . Ke 24 — Jugoslawien viertel «hrl. . Din 40 - Po en Vierteljahr lieh . . Zloty 6 SO Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengö 4 20 RuniBnien viertel jlhrl.. . Lei 120 — Uebriges Aualand vierteljlhrl. Schw. Franken 4 50 Jttdisdkt Zeltuni Preis 3$, tridubt jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, 1-, Kärntner atrafte 28 Tel R-27 4-85 Postsparkassen konti: Oeaterr. D 113.546 Polen . . 19M99 lachecho- Slowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 6« Jahrgang Wien, Donnerstag, 16. März 1933 <18. Adar 5693) Nummer 271 Der britische Kolonienminisier Uber die Prosperität Palästinas Die Politik des Jüdischen Nationalheims wird nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten verwirklicht London. Der Anglo-Palestine Club veranstaltete am 8. März abends in London eine Kundgebung, in der Baron James de Rothschild den Vorsitz führte und der englische Kolonien minister Sir Philip Cunliffe-Lister als Hauptredner auftrat. «Als Ich», sagte Sir Philip Cunliffe-Lister, «in das Kolonialamt kam, war ich mir des Grundsatzes voll bewußt, daß, wenn England eine Verpflichtung übernommen hat, es diese als Treuhänder in fairer Art und in stetiger Weise erfüllen müsse. Wir werden diesem Grundsatz gemäß unsere Verpflichtungen zum Wohle von Tuden und Arabern nach besten Kräften erfüllen. Ich i kein Freund von Weißbüchern, ich lese sie selten i...d schreibe sie nie; ich glaube auch nicht, daß wir poch mehr ihrer Art brauchen. Weißbücher sind eine Literaturform, die in unnötiger Weise gelehrten Kommentatoren jeden Glaubens Anlaß zu mühevollen und peinlich genauen Untersuchungen bietet, Untersuchungen, die dennoch nicht notwendigerweise das wahre Wesen des Wortes enthüllen. Das einzige Pfand, das ich von einem Menschen, dem ich vertraue, haben möchte, ist das Gelöbnis, daß er sein Bastes zu tun entschlossen ist; vertraue ich ihm aber, dann brauche ich auch dieses Gelöbnis nicht. Ich bin glücklich, als meinen Kollegen in der Verwaltung Palästinas einen Mann wie Sir Arthur Wauchope zu haben, der das volle Vertrauen der Regierung und ebenso das Vertrauen von Juden und Arabern in ganz Palästina hat. Er ist an seine Aufgabe herangetretoi mit einem Instinkt, den Erfahrung zur Ueberzeugung gestaltet hat: daß die Zukunft Palästinas auf der Zusammenarbeit seiner Bevölkerungstefle zum Besten der Wirtschaft des Landes begründet ist, einer Zusammenarbeit, bei der die Interessen der beiden Bevölkerungsteile fundamental und wesentlich die gleichen sind. Jeder, dem Palästina am Herzen liegt, sei er Araber oder Jude, muß von sich aus das Aeußerste tun, um einen etwa bestehenden Argwotii zu zerstreuen und Schwierigkeiten überwinden zu helfen. Als leb — schloß Sir Philip Cunliffe-Lister — in das Kolonialamt kam, war ich, gerade was Palästina betrifft, unbeschwert von Kenntnissen und Erfahrung, obwohl ich im ganzen genommen dem Zionismus nicht fremd gegenüberstand. Der verstorbene Lord Balfour selbst war es, der mich in die Bewegung eingefühlt hat Wenige Schöpfer eines großen Werkes, das auf seiner wirtschaftlichen Seite Landwirtschaft, Industrie, Seßhaftmachung von Menschen und Entwicklung des Handels einschließt, können mit der gleichen Genugtuung auf die Gegenwart und mit dem gleichet! Vertrauen in die Zukunft blicken wie die Schöpfer des Palästina- Werkes. Wäre jedes Land in der Welt in der Lage Palästinas, die wirtschaftlichen Probleme würden einfach zu lösen sein und wir könnten einer Wertwirtschaftskonferenz entraten. Palästina prosperiert nicht nur in relativem Betracht, sondern auch absolut Es hat ein ausbalanciertes Budget, ein blühendes Baugewerbe und beneidenswert wenig Arbeitslosigkeit Die Hauptproduktion, die Landwirtschaft, behauptet sich durchaus. Wir sehen eine ausbalancierte Oekonomie von Landwirtschaft und Industrie, ln Tel» Awiw sehen wir Seite an Seite Handel, Industrie und Wohnungskultur. Die Kaliwerke werden Juden und Arabern in gleicher Weise zugute kommen. Die Häfen entwickeln sich, well der Handel sich entwickelt, und die Stadt Haifa kommt empor, ohne daß Jaffa darunter zu leiden hat Der Kapitalist geht nach Palästina, weil sich ihm dort gesunde Investierungsmöglichkeiten bieten. Wir sehen ln Palä- . stina eine glückliche Kombination von Kopf, Herz . und Mitteln. Die Regierung wird ifle Ihr in der Verwaltung dieses alten Lahdes gestellte große Aufgabe stetig erfüllen, aber Fortschritt und Prosperität Palästinas hängt in einem nicht geringen Maße von der Mitarbeit seiner Bevölkerung ab, deren Interessen die britische Regierung dienen will.» Das Mitglied des Unterhauses Josiah Wedgwood sprach den Toast auf das Jüdische Nationalheim. James de Rothschild appellierte an die englischen Staatsmänner, den Gedanken der Ausdehnung des jüdischen Kolonisationswerkes auf Transjordanien zu fordern. Der Präsident der Jewish Agency, Nahum S o k o 1 o w, der politische Leiter der Jewish Agency, Prof. S. Brodetsky, und Lord M e 1 c h e 11 schlossen sich diesem Appell an. Jüdische Autonomieeinheiten in den Verwaltungen national gemischter Städte Forderung der Jewish Agency Jerusalem. Die Jewish Agency hat der Regierung Palästinas soeben ein 108 Selten starkes Memorandum unterbreitet, ln welchem ihre Ansichten zu der geplanten neuen Munizipal-Verordnung enthalten sind. Wie verlautet, soll diese Munizipal-Verordnung als Basis für den ln Aussicht genommenen Palestine Legislative Council (Gesetzgebender Rat Palästinas) dienen. In ihrem Memorandum fordert die Jewish Agency die Bildung autonomer jüdischer Verwaltungseinheiten innerhalb der allgemeinen Stadtverwaltungen in Städten, die, wie Jerusalem und Haifa, eine gemischtnationale Bevölkerung aufweisen. Ferner werden im Memorandum Wahlrecht für Frauen, Erweiterung der Befugnisse und des Arbeitsbereiches der Stadtverwaltungen und schließlich Durchdringung der Verwaltungen mit modernem Geiste gefordert Hehr Würde! Bin franiact Kapitel deutsch-indischer Politik Seit dem 5. März widerhallt der Blätterwald von den Ereignissen in Deutschland. Die maßlose Verhetzung der Massen durch die Nationalsozialisten hat traurige Früchte getragen. Durch Jahr und Tag prasselte das Blendfeuerwerk der antisemitischen Phraseologie in die Massen. «Die Nacht der langen Messer» für die «hebräischen Volksverderber» und für die «Novemberverbrecher» wurde der Wunschtraum breiter Kreise. Und nun hören wir von «Individualaktionen», die nach der offiziellen Lesart natürlich das Werk «marxistischer Provokateure» waren. Und während Hitler sordiniert sprach, verhetzten Göring und Göbbels weiter die Massen. Wir wissen, daß die Presse Deutschlands geknebelt ist und daß nicht alle Nachrichten für bare Münze zu nehmen sind. Was aber nach verbürgten Nachrichten tatsächlich geschehen ist, bildet kein Ruhmesblatt der deutschen Geschichte, und wir hoffen, daß die Ereignisse der letzten Woche keine Wiederholung erleben werden. Am 12. März hat der Reichskanzler «anbefohlen», daß von nun ab keine «Individualaktionen» stattfinden dürfen und auch Göring hat umgesteckt Wir fürchten aber, daß der Vernichtungskampf gegen jüdische Existenzen von der Straße auf das Gebiet der Gesetzgebung und Verwaltüngspraxis verlegt werden soll. Wie verhielt sich nun das deutsche Judentum in der letzten Woche? Wir wollen es vorwegnehmen: Wenn die uns zugegangenen Zeitungsnachrichten das wahre Bild des deutschen Judentums geben, dann muß uns tiefste Besorgnis erfüllen, dann ist der Ghettogeist wieder lebendig geworden. Unser letzter Leitartikel, «Wankende Welt», hat sich mit dem «Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens» beschäftigt. Wenn wir heute wieder auf den C. V. zu sprechen kommen, so geschieht dies, weil unsere ärgsten Befürchtungen noch übertroffen wurden. Wohlgemerkt! Uebertroffen vom C. V., nicht von den Hakenkreuzlern. Man höre und staune! Die «C. V.-Zeitung» vom 9. März schreibt: «Mit Genugtuung können wir feststellen, daß in diesen entscheidenden Tagen die staatlichen Gewalten in jedem Augenblick das Heft in der Hand gehabt haben. Das Versprechen, das Leben nnd Eigentum jedes friedliebenden Bürgers, auch des jüdischen, unbedingt zu schützen, ist gehalten worden. Unsere wiederholten und eindringlichen Mahnungen an die deutschen Juden, Ruhe zu bewahren, die Nerven zu behalten, die Würde nicht zu verlieren, haben sich als berechtigt erwiesen und sind überall auf fruchtbaren Boden gefallen.» Da muß man sich wohl an den Kopf greifen! Niemandem ist also in Deutschland ein Haar gekrümmt worden, kein Unschuldiger hat gelitten, jeder friedliebende Bürger, «auch» der jüdische, ist geschützt worden? Es wird zwar gleich im nächsten Satz zugegeben, daß doch einiges passiert ist. Aber der C. V. erklärt, diese «Ereignisse» und «Maßnahmen» seien nur «aus der Erregtheit der Menschen in diesen unruhigen Zeiten zu erklären». Was aber nachher kommt, das =—... .. ....-; .--.. -.—.... 1 .'■ Zionistisches Landeskomiiee für Oesierreich «1DIZO Samsiog» den 48- Mflr* 4933» 8 Uhr abends^ Konzevthaus (1IL Lothringerstraße 20) GESELLSCHAFTSABEND Mitwirkend: Irene v. ZUahy9 Irene Seidner. Dr. O. Teller» S. SiucUavt9 Dario Medina» & Adlersberg» die Komponisten Richard Fall u. Waldemar Gibiscfl lanzmusik: lsy Geige» Karten erhältlich: Landeshomitee, L Karntnerstraße 28, und Konzerthaus i

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