Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 270 (9.3.1933)
- Date
- 1933-03-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 6 DIB STTMMB Nf. 270 — 9. Mär* 1933 offen. Sie ermöglichen durch Förderung der Chataztatfe, d»ß die jüdische Arbeit auch in den Privatwirtschaft« Sehen Siedlungen und ln der Stadt in steigendem Mflfis Eingang findet Der Deteglertentag erinnert daran, daß ohne hundertprozentige Jüdische Arbeit beim Jüdischen Aufbauwerke des Landes eine Realisierung des Zionismus undenkbar Ist Der Delegiertentag verpflichtet alle Zionisten zur bl* tensivsten Arbeit für die nationalen Fonds*. Der Delegiertentag fordert alle Zionisten auf, sich für die Schaffung des Friedmann«Löwenherz«Haines und für die rasche Ergänzung des Chajes-Waides einzusetzen. 9. (Betrifft Finanzkomitee.) 10. Der Delegiertentag ersucht die zionistischen Koftusmandatare um eine umfassende Arbeit auf dem Oe« Mete der Erziehung und der hebräischen Kultur in Wien unter Heranziehung der «Histadruth Iwrith». Er erinnert die österreichischen Zionisten an ihre Pflicht hn Sinne des Beschlusses des letzten Kongresses, alljährlich den «Sela» der «Brith Iwrith Olamlth» zu ent« richten und Mitglieder der Landesorganisation der Hista« druth zu werden. Der Delegiertentag begrüßt den Beschluß der Moa« zah (des Rates) der «Brith Olamlth», noch im Jahre 5693 den ersten hebräischen Kongreß in Erez Israel einzu« berufen. Der Deteglertentag empfiehlt dem Landeskomitee, für die Verbreitung der hebräischen Sprache und Kultur innerhalb der Judenheit Oesterreichs zu wirken und zu «fiesem Zweck ein Kulturreferat einzurichten, das unter Mithilfe des Obmannes der Unterrichtskommission der Knltusgemcinde und unter Hinzuziehung der «Histadruth Iwrith» zu arbeiten hat. 11. Der Delegiertentag spricht seinen Mandataren In der Kultnsgemeinde das vollste Vertrauen ans und wünscht ihrer schweren Arbeit die besten Erfolge. Nun werden die STREIFLICHTER VOM DELEGIERTENTAG Der Steg der Idee •, Die Sensation des Eröffnungsabends: die Wahl des Prlsidenten der Wiener Kuitusgemeinde zum Präsidenten des zionistischen Delegiertentages. Diese Wahl in Anbetracht der Persönlichkeit Dr. Friedmanns eine Selbstverständlichkeit zwar, wird doch von allen Rednern des Abends immer wieder hervorgehoben. Und mit Recht. Denn sie hat symbolhafte Bedeutung. Zeigt sie doch am sinnfälligsten und deutlichsten den Fortschritt, ja den siegreichen Durchbruch des zionistischen Gedankens in Wien, der Geburtsstätte des Zionismus. ... und das Programm der Tat Es war ein ordentlicher Delegiertentag im besten und reinsten Sinne des Wortes. Alle kamen auf ihre Rechnung. Es gab gediegene und hochinteressante Referate, die sich an die Ideologen und Theoretiker wandten, und solche, die mit nüchterner Betrachtung und kühler Erwägung von zionistischer Tagesarbeit zu berichten wußten. Und was die Debatteredner trotz beachtenswertem allgemeinen Niveaus der Debatte und einiger fraglos guter und vernünftiger Vorschläge schuldig blieben, ergänzte Präsident Dr. Grünbaum in blendender Prägnanz in seiner streng sachlichen Replik aufs trefflichste. Sie war keine Antwort, noch weniger eine Rechtfertigung gegenüber einer etwas Hum. Verein HORODENKA ln Wien gratuliert seinem Vorstandsmitglied, Herrn Schriftsteller Benno Neumann zur Vermählung seiner Schwester, Frl. Bella Neu« mann, mit Herrn Mag. Abraham Bergmann. zaghaften Opposition. Sie war insbesondere in bezug aul die Anwürfe eines herzerquickend jugendlichen Oppositionellen ein Programm, ein Programm der Tat, wie die Geldscheine, die unmittelbar darauf von allen Kreisen des Delegiertentages zum Pult hin als spontane Spenden zu flattern begannen. Und zum Schluß, damit auch das Heitere zu seinem Rechte komme: Generaldebatte — Redezeit Ein Delegierter machte den Vorschlag, dJe Redezeit ia der Generaldebatte auf 10 Minuten zu reduzieren. Der Vorschlag war klug und begrüßenswert und hatte nur eine« kleinen Schönheitsfehler: Er kam nämlich knapp 10 Minuten vor Schluß der Generaldebatte. «Wieder hineingelegt» Wie sehr die Weigerung Dr. GrUnbaums, die Last und Verantwortung der Präsidentschaft wieder auf seine «schwachen» Schultern zu nehmen, berechtigt war, illustiiert dieser Ausspruch, wie er sich der Brust eines Delegierte« nach der Wiederwahl D*. Grünbaums entrang . . . —thal. Ein Kivchenfüesi über die Weitmission des Judentums Ein Vortrag des Bischofs BaHasar im Ungarischen Pro-Palästina* Bund Wahlen vorgenotnmen. Vorerst erfolgt die Wahl des Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees. Unter langanhaltendem Beifall der Delegierten und Gäste, die den Saal bis aufs letzte Plätzchen füllten, wird Dr. Oskar Grünbaum zum Präsidenten des Zionistischen Landeskomkees wiedergewählt. Das Wahlergebnis lautet: Präsident des Zionistischen Landeskomitees: Dr. Oskar Grünbanm. Vizepräsidenten: Dr. Atichael Steinberg, Frau Sabine Paßweg. Mitglieder des Landeskomitees: Dr. Paul Berger, Dir. WHhelm Epstein, Dr. S. finke 1 stein, Dr. Des. Friedmann, Apotheker J. Groß, Dr. Josef Grünberger, D,r. Simon Horo- Witz, Isidor Lebensohn, Dr. Josef Löwenherz, Dr. Alfred Lö wy, Dr. Leo Men czer, Emanuel Neubrunn, Dr. Tulo Nüssen blatt, Dr. Meier Pais, Dr. Alois Rothenberg, Dora Schwarz, Josef Schur, Alois Süß, Ing. Leo Steiner, Mendel Teig. Obmann des Parteigerichtes: Dr. Dagobert Rybaczewsk: Parteianwalt: Dr. Arthur Immergtück. (Nach der Wahl ergreift Dr. Grünbaum das Wort zu liner kurzen Ansprache. Er danke für das Vertrauen, das film mit der Wahl entgegengebracht wurde. Er habe sich nicht leicht entschlossen, dieses Amt neuerlich anzunehmen. Er erinnert daran, daß im Jahre 1930 ein Zionistischer Landesverband nur auf dem Papier existiert habe. Freilich hätte er aU diese Erfolge nicht erreichen können ohne die Unterstützung seiner Mitarbeiter. Dr. Grünbaum schließt mit dem Appell, all die in den letzten schweren Arbeitsjahren ausgestreuten Samen zur Reife bringen zu lassen, ihn in seiner Arbeit zu unterstützen und aus dem Zionistischen Landesverband eine mächtige Organisation zum Wohle und Gedeih der gesamten zionistischen Bewegung zu machen. Präsident Dr. Grünbaum schließt mit den Worten: Nach dem schönen Liede der Hoffnung, das wir nun singen werden, laßt uns schreiten an die Arbeit! Nach einem Schlußworte des Präsidenten Dr. Priedmann, der in mustergültiger Weise die Beratungen des Defegiertentages führte, wird der Dclegiertentag mit dem Ab- 8ii gen der Hatikwah geschlossen. Das passendste Geschenk sind die berühmten Produkte am Palästina, die im heurigen Jahre dank des größeren Absatzes bedeutend billiger erhältlich sind Die ausführlichen Preise ersehen Sie im Inserat der Firma S. Halpem, Wien, fl., Förstergasse 6, Tel. A 46-4-12. Im Rahmen einer Kundgebung des ungarischen Pro-Palästrna-Bundes sprach der weit über die Grenzen Ungarn« hinaus in hohem Ansehen stehende protestantische Kirchenfürst Dr. DesJder B a 11 a z a r über das Thema: «Die Weltmission des Judentums mit und ohne Land.» Dem Vortrag wohnten neben führenden jüdischen Persönlichkeiten Notabilrtätcn des religiösen Leben« in großer Zah! bei. Hunderte Gäste standen auf der Straße und konnten keinen Einlaß in den überfüllten Saal .mehr erhalten. Bischof Baltazar wurde beim Betreten des Saales von begeisterten Ovationen des Publikums und Klängen des Hymnus «Hatikwa» empfangen. Professor Dr. Ignatz Pfeiffer hielt die Eröffnungsrede, woraufhin Chefredakteur Dr. Josef Patai Dr. Baltazar als Priester der Gerechtigkeit und als Freund der Zions-Idee begrüßte. Bischof Dr. Desider Baltazar führte aus: Sehr viele äußern ihre Meinung zur Judenfrage, die meisten unwissend und unberufen. Die politische Unwissenheit kennt in der Judenfrage zweierlei Richtungen. Auf der einen Seite unwissender Lobgesang für das Judentum, um daraus persönlichen Nutzen zu ziehen, auf der anderen Seite ein unwissendes Schmähen und Kränken des Judentums aus demselben Grunde. Dies letztere Verhalten erwies sich als ein vorzügliches Sprungbrett in der Arena des politischen Emporkommens, wo die Uneingeweihten im glücklichen Springer einen Htklen, die Eingeweihten aber nur einen geschickten Spieler sehen. Die Judenfrage ist eine Jener weltgeschichtlichen Fragen, deren Verständnis eine hochragende Höhe des theoretischen, praktischen, geschichtlichen und religiös-ethischen Wissens erfordert. Es war eine Zeit, wo ich selbst das Bestehen einer Judenfrage verneinte. Aber es gibt eine Judenfrage und es wird sie immer geben. Judentum ist eine Weltanschauung. Eine universale, umfassende, theoretische und praktische Weltanschauung. Diese Weltanschauung ist nicht nur auf dem religiösen Gebiete ein Wegweiser, sondern hält für jede Einzelheit des menschlichen Lebens die Antwort bereit. Die Entwicklung der jüdischen Weltanschauung zur Theokratie geschah keinesfalls auf Grund der Rasse, sondern Ist Ergebnis des Klärungsprozesses des allgemein Menschlichen. Die edle seelische Wesenheit des Menschen würde ein sehr beklagenswertes Bild zeigen, wenn das Werkzeug seiner Wertmessung dasselbe wäre wie bei den Tieren. Das universal-menschlich Oeistige im Inhalt der jüdischen Weitsicht findet seine Sanktion im Ausspruch Gottes an Abraham: «In deinem Samen werden gesegnet alte Nationen der Erde.» Das Judentum ging ohne Land an die Erfüllung seiner Weltmission. Es grenzt an Wunder, was für unantastbare, furchterregende Macht die riesige Ueberlegenheit der Weltanschauung des Judentums unter den übrigen oriental sehen Völkern aus sich herausstrahlte. In den Propheten, den Männerwie den Frauen-Propheten, ist nicht der in die Zukunft schauende Feuergeist das Imponierendste, sondern der Mut, womit sie die ihnen von Gott anvertraute Wahrheit gegen eine ganze. feindliche Welt verteidigen. Sie wollen eher den Tod als die Treulosigkeit. Die Gesetze Moses’ bilden einen riesigen Goldschatz, den alle Völker der Erde in Jahrtausenden nicht auseinanderzutragen vermochten. In Beziehung zu Moses unternahm selbst Jesus nur die Rolle des Erfüllenden. So wurde alles dazu vorbereitet, daß der Staat sowohl in philosopHischem Sinne als auch in staatswissenschaftlichem Sinne ein Staat werde. Das durch Weltanschauung einheitliche Volk bekam sein Land Kanaan nach den strengen Gesetzen der Staatseinheit. So wurde es dem jüdischen Volke ermöglicht, seine Mission auch mit Land zu erfüllen. Zions nationale und religiöse Bedeutung konnte den Gefangenen an den Wassern Babels, den Unterdrückten in den Ghettos der Zerstreuung die Quelle des erhebenden Trostes bieten. Durch die internationale Regelung der Palästina-Frage wurde die geschichtliche Forderung Zions in theoretischem und praktischem Sinne auf die richtige Fährte gelenkt. Die Weltmission des Judentums mit Land war, daß es die Weltanschauung der allgemein göttlichen und menschlichen Wahrheit im Rahmen des Staates rationalisiert hat, ohne daß es von ihrer Gemelngflltigkeit und Universalität etwa« weggenommen hätte. Eben darin findet die Größe seiner Weltmission ohne Land ihre Erklärung. Die Weltmission des Judentums ohne Land war, all die Wahrheiten, Werte, Schönheiten und Ideale, aus denen der Reichtum seiner Auserwähltheit strömt und in denen es den anderen Völkern zuvorkommt, zum Wohle des Vaterlandes zu verwerten. Eine Judenfrage gab es, gibt e* und wird es ewig geben, denn die jüdische Religion ist die Religion der Hoffnung. Diese Hoffnung, die über Jesus von Nazareth hinwegsah, kann nur durch eine von Wundern glänzende Zukunft, durch eine Welt der Vollkommenheit befriedigt werden. So pflüge denn Israel ln dieser Hoffnung. An der Fährte des Pfluges sprießt auch für das Christentum ein vorbereitender Segen. Möge es vollbringen seine Weltmlssion ohne Land, bis die Treue der nicht verdorrenden Hände Jerusalem wiedererbaut Die Worte des Bischofs Dr. Baltazar wurden von den anwesend''« '"rW tinrl Nichtjud"« ,,,!f Fnthusiasmus aufgenommen. WcandwerlclsBlclunifeBn Kamin«». Olim. Hcnrtf« Bod#ni»ila«tc rmmflg«>n Badcilmmer und all» in da« Faolt elnschlAgigen Arbelteu und Reparaturen fromHaliteh Hoinermcls er Wien, II!., Landstraße Hauptstraße 117 Telephon V W-O-tt GeneralivertrunR der FUrat Eaterhaayaohen Stöber - TonwartUfebfüt Die zion. Frauengruppe und Sektion Mariahilf-Neubau veranstaltet am Sonntag, den 12. März 1933, um 2 Uhr nachmittags, im Heime der jüdischen Frontsoldaten, Wien, VI., Nelkengasse 6, einen großen Klndcr-PurlmKostümftall