Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 270 (9.3.1933)
- Date
- 1933-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054025--3404-3058917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
«effi * DR STIMME Nr. 270 — 0. Mir» 1933 Centralverein geführt hat. Gewiß, sie befänden sich in der gleichen politischen Lage, wenn sie stöbe, nationalbewußte Juden gewesen wären, denn der Nationalsozialismus macht zwischen Juden und Juden keinen Unterschied. Aber das Centralverein-Judentum ist heute innerlich haltlos und zermürbt, seine politischen Atrapp€fl sind zusammengestürzt, für die Antisemiten bildet et das Prototyp der «jüdischen Würdelosigkeit». Ratlot blickt es in eine unerbittliche Wirklichkeit. Jene Juden Deutschlands aber, die sich von den liberalen Phrasen freigemacht und das Judentum soziologisch richtig als Nation erfaßt haben, die stehen heute seelisch unerschüttert da, fühlen sich als Glieder unseres uralten Volkes und sind erfüllt von Lebenswillen trotz aller Wirtschaftsnot. Sie werden sich nicht In dem Maße seelisch gepeinigt fühlen, wie die C. V, Juden. Die nationalbewußten Juden Deutschlands sind also dazu prädestiniert, die zusammengebrochenen C. V. Juden seelisch zu stützen und ihre Führer zu werden. So traurig es sein mag, daß Menschen von der vielgerühmten jüdischen Geistigkeit erst durch die brutale Gewalt der Hakenkreuzier zu richtigen politischen Ansichten gelangen; so traurig es ist, daß unsere jüdischen Brüder in Deutschland so schwer leiden und vor der Gefahr der wirtschaftlichen Vernichtung stehen, wir müssen ln diesem Augenblicke sagen: Wir, die so oft verhöhnte Minorität im Judentum, wir Zionisten haben Recht behalten. Unsere Auffassung über Antisemitismus hat sich bewährt, unser zionistisches Programm steht unerschüttert in einer Welt des allgemeinen Zusammenbruches da. Wir behalten Recht, auch wenn die Schärfe des Nationalismus nachlassen sollte. Kaum haben wir Zeit, über das Schicksal des Judentums in Deutschland Betrachtungen anzustellen, da verdüstert eine neue, schwarze Wolke das Firmament. Amerika, God’s own country, wie man es gerne nannte, das Land der Sehnsucht für Millionen Juden in Osteuropa, wird vom Fieber geschüttelt Hunderte von Banken krachen zusammen, Tausende von jüdischen Existenzen stehen vor dem Nichts. Seit Jahren schon wird der jüdische Mittelstand in Amerika zerrieben. Die Trusts mit ihrem chain-stores (Kettenläden) vernichten die kleinen jüdischen Kaufleute, die nicht mehr konkurrenzfähig sind. Ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung hat schon vor Jahren den größten Teil seines Vermögens durch den Krach an der Börse verloren. Usslschkin hat vor zirka 2 Jahren den Juden in New York gesagt: «Hättet Ihr 10 Prozent von dem Gelde, das Ihr an der Börse verspielt habt, in Palästina für Bodenkauf verwendet, Palästina wäre heute zu 100 Prozent jüdisch.» Leider ist das nur allzu wahr. Man kann nur hoffen, daß über Amerika nicht das Unglück hereinbrechen wird, das wir in Oesterreich auf Grund unserer eigenen traurigen Erfahrungen ahnen. Amerika gehört heute zu den größten Judenzentren. Leben doch in New York allein zirka 2,400.000 Juden. Amerikas und Deutschlands Juden haben es mit den Juden in der ganzen Weit gemeinsam, daß unsere sagenhaften Vermögen nur in der Phantasie der Antisemiten existieren. Vanderbilt, Morgan, Ford, Thyssen und wie sie alle heißen, sind keine Juden. Weder die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika mit ihren mehr als 4,000.000 Juden noch Deutschland mit seinen nur 600.000 Juden weisen auch nur einen jüdischen Milliardär oder bedeutenden Wirtschaftsführer auf. Die Zeit der Schtadlanim ist vorbei. Wir sind auf uns selbst gestellt in einer Zeit, da die Welt aus den Fugen geraten scheint, da wir zerrieben wurden wie das Sandkorn zwischen den Mühlsteinen. Aber es gibt einen ruhenden Pol in der Flucht der Erscheinungen, eine Sonne, die wie zu Zeiten Josuas am Himmel für uns stehen geblieben ist: Erez Israel! Nicht etwa deswegen, weil seine Wirtschaft gerade gedeiht und profithungrige Krämer sich dorthin ergießen. Wir zittern, wenn es uns «gut» geht. Aber wir freuen uns, weil unser Programm, geboren aus Judennot und der nie erloschenen Sehnsucht nach dem Lande unserer Väter, genährt durch die richtige Erkenntnis unserer Lage in der Galuth, getragen vom Willen, unsere jüdischen Ewigkeitswerte u zu beleben, ln diesen Tagen Gemeingut wird vc.. tausenden und tausenden Juden, die tu uns, zum lebendigen, schaffenden Judentum zurückkehren. Was Theodor HerzI prophetischen Auges erschaute, die Bildung einer ungeheuren jüdischen Front, der Aufbruch der Massen, wird zumindest ln geistiger Beziehung ln diesen Tagen zur Wirklichkeit. Wir haben die Zukunft für uns, denn an unserer Seite steht eine herrliche, opferfreudige Jugend. Man hat dem Zionismus oft gesagt: «Verzweifle, stirb!» Aber trotz allem leben wir, sind hoffnungsfreudig am Werk. In einer Zeit, in der alles verzweifelt, bauen wir die Zukunft unseres Volkes, trotz Not und Bedrängnis in Politik und Wirtschaft. Ueberall ist es Nacht, bei uns Zionisten leuchtet die Sonne. Wir sind seelisch frei, denn wir tragen die blauweiße Fahne. Wir dürfen sagen: «Es ist eine Lust, zu leben!» Eine bedeutsame Rede Prof. Wdzmanfl» (Fortsetzung von Seite 1.) Land in der Welt, in dem ein Jude die freie Entwicklung seiner Kultur und seiner Lebensideale mit dem Erwerb seines Lebensunterhaltes vereinigen kann. In Palästina brauchen wir uns vor niemand wegen unseres Andersseins zu entschuldigen. Und so ist Palästina nicht nur ein kleines Land, das einer Immer wachsenden Zahl Juden Heimat ist und Lebensunterhalt bietet, sondern es ist viel mehr, es hat auch mehr Bedeutung als lediglich die des Jüdischen Nationalheims: Palästina entwickelt sich allmählich zu einem Zentrum, das Kraft, Vertrauen und Tröstung an die geschlagenen jüdischen Gemeinschaften überall in der Welt ausstrahlt; in seinem Wachsen und Gedeihen liegt die Sicherheit, daß jüdischer Geist und jüdische Tradition nicht dem Untergang geweiht sind, sondern zu Datier bestimmt sind. Ich bin glücklich, heute abend ein weit günstigeres Bild der Lage in Palästina zeichnen zu können, als ich dies in den letzten Jahren konnte. Nach Berichten der jüdischen und der nichtjüdischen Presse ist Palästina heute ein Eldorado; in der Tat ist es nicht zu verwundern, wenn die Menschen in einer Zeit der Weltdepression, die so viele mächtige und reiche Länder bis in ihre Fundamente erschüttert, mit einem gewissen Staunen auf ein Land wie Palästina blicken, das der natürlichen Hilfsquellen bar ist, zudem unter beträchtlichen politischen Komplikationen zu leiden hat, nichtsdestoweniger aber der Außenwelt das Schauspiel einer glücklichen Insel bietet, die weder Arbeitslosigkeit noch Einkommensteuer, noch Budgetdefizite kennt. Allein diejenigen unter uns, die mit der Lage in Palästina wohl vertraut sind und die Entwicklung des Landes seit Beginn des Mandatsregimes verfolgt haben, sind wahrscheinlich nicht geneigt, die Bedeutung der gegenwärtigen günstigen Lage zu übertreiben, wenn sie natürlicherweise auch hoffen, daß diese Lage unbeschränkt fortdauern wird. Wir wissen, daß beim Aufbau jedes neuen Landes Perioden der Depression mit solchen der Prosperität abwechseln, und daß es nicht richtig wäre, zeitweilige Rückschläge allzu ernst zu nehmen, ebenso wie es unerwünscht ist, einer «Hausse»-Periode wie der gegenwärtigen, übertriebene Bedeutung beizumessen. Jahre des Reichtums und Jahre des Entbehrens sind natürliche Phänomene in der Entwicklung eines jungen Landes. Eines aber kann meiner Meinung nach heute mit Zuversicht gesagt werden, das früher nicht gesagt werden konnte. Wir haben zwei Dinge bewiesen, die vor aller Welt zu beeisen wir uns Vornahmen, als die Mandatspolitik .eingeleitet wurde: erstens, Palästina kann aufgebaut werden; zweitens, Palästina kann durchjuden aufgebaut werden. Weizmann kam dann auch auf Transjordanien zu sprechen, er führte u. a. aus: Politisch ist Transjordanien, obwohl unter britischem Mandat, von Westpalästina getrennt; es ist ausdrücklich von denjenigen Bestimmungen des Mandats ausgenommen, die die Begründung des jüdischen Nationalheims vorsehen. Transjordanien, weit spärlicher bevölkert, dabei viel größer und fruchtbarer als Palästina, aber ohne jüdische Einwanderung, ist immer noch in die Fesseln der Armut geschlagen, ist vernachlässigt und bedarf bedeutender finanzieller Beihilfe seitens der britischen Regierung, um die Kosten seiner Verwaltung bestreiten zu können. Viele transjordanische Stämme sind dem Verhungern nahe. Die Juden wollen sich in den politischen Status Transjordaniens durchaus nicht einmischen, allein der natürliche Gang der Entwicklung geht dahin, daß sich ihre Tätigkeit mit der Zeit von der Westseite des Jordan auf die Ostseite ausdehnt, auf ein Land, das schließlich doch ein Teil Palästinas ist. Mit anderen Worten: Wenn auch die Balfour- Deklaration den Jordan nicht überquert, die Juden können es trotzdem tun. Ich möchte hinzufügen: nicht in dem gleichen Geiste wie seinerzeit Joschua. Denn wir gehen nicht mit dem Schwert, sondern mit Pflug und Spaten. Hier bietet sich eine große Gelegenheit -Purim in Baden 11. März, halb 9 Uhr abends Hotel Stadt Wien für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Rassen, eine Zusammenarbeit, von der die Zukunft dieser Länder abhängt. In den letzten Monaten wurden einige Versuche in der Richtung dieses wünschenswerten Zieles gemacht. Wir wissen, daß jede jüdische Tätigkeit in Transjordariien herzliche Beziehungen zwischen uns und den Arabern zur Voraussetzung hat. Ich kann nur sagen, daß kein in diese Richtung führender Weg unerkundet gelassen werden wird. Ungeachtet der politischen Agitation, die in diesem Zusammenhang gegen uns geführt wird, habe ich das Gefühl, daß die unerbittliche Logik der Tatsachen und der wirtschaftliche Druck auf beiden Seiten des Jordans schließlich zu einer Gemeinsamkeit des Strebens der Juden und der Araber führen wird. Ich brauche kaum zu betonen, daß eine solche Arbeit, besonders in ihrem Anfangsstadium, große Umsicht und Takt erfordert, aber ich bin sicher, daß es darän nicht fehlen wird. Wir sind, schloß Weizmann, jetzt am Ende eines Versuchsstadiums. Viele Jahre haben wir natürliche Hindernisse überwunden; in einem vernachlässigten Lande, dessen Wälder ausgerodet waren, dessen Wasser ungenutzt floß. Viel Geld war notwendig, um diese Hindernisse zu überwinden, wir haben seit Beginn unserer Tätigkeit nach dem Kriege 40 Millionen Pfund in Palästina investiert. Es müßte nicht mit natürlichen Dingen zugehen, wenn die Investierung einer so hohen Summe in einem unter britischem Mandat stehenden Lande nicht sichtbare Erfolge zeitigen würde, wenn dazu noch die mühevolle Arbeit unserer Pioniere kommt. Heute können wir sagen,, daß die Früchte unserer Mühen sichtbar zu werden beginnen, dies trotz der dauernden Expertenkommissionen, die die Pflanze mit der Wurzel herausreißen wollten, um sie zu vernichten. Das Nationalheim ist heute fest verwurzelt, so daß in Zukunft den untersuchenden Geistern die Lust zu ähnlichen Experimenten vergehen wird. Auf den glänzenden Verlauf dieses Banketts kommen wir noch ausführlich zurück. Die Red. Sprechstunden des Präsidenten des Landeskomitees Der Präsident des Landeskomitees ist in zionistischen Angelegenheiten ausschließlich im Büro des Zionistischen Lahdeskomitees, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-86, täglich (ausgenommen Samstag und Sonntag) von 12—1 Uhr mittags zu sprechen« Die Redaktion der «Stimme» feilt mit: Ankündigungen und Berichte, auf deren Veröffentlichung in der laufenden Nummer Wert gelegt wird, müssen unbedingt bis Montag 6 Uhr abends in der Redaktion vorliegen. Später einlangende Notizen, Berichte und Ankündigungen können daher unter keinen Umständen mehr Aufnahme in der laufenden Nummer finden. Wir bitten die p. t Vereine und Sektionen, hievon freundlichst Kenntnis zu nehmen. .— ■ .— Die Firma S. Rabinowitsch, Wien, II., Zirkusgasse 10, Tel. R-47-0-50, ist Generalrepräsentaht und Alleinverkäufer aller Produkte der Palestine Oil Industry Shemen Ltd. Haifa, Die Shemen Works, Haifa, unterhalten in Oesterreich ständig ein reichhaltiges Lager aller Produkte, die allmonatlich frisch anlangen und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Die Pessachwiare wird mit speziellen Hcchscher. Zetteln versehen. Für die Feiertage billige Palästina * Produkte Karmelweiie Rechoboth . . Emek, rot . . Karmel, rot. . Perle Saron . Muskat Karmel S S S S S 2.40 2.70 3.10 3.30 4.— Jaffa-Orangen I Kiste . . . . S 16.— 1 kg.S —.90 Chederah-Honig 1 Glas (i/2 kg) . S 2.20 1 Becher (% kg) S 1.10 Shemen-OlivenÖl 1 Dose . . . S 3.50 y2 Dose . , . S 1,80 Jaffa-Grape fruit pro Stück v. 40 Gr. aufw. Palästlna-Mazzoth 1 Karton (ft kg) S 1.25 Shemen-Toüetteselfe 5 Sorten, p. St v. 55 Or. aufwärts. Alle sonstigen Sorten Mazzoth und Mazzoth-Grieß sowie sämtliche Spezerelwaren und Sliwowitz liefert zu billigen Preisen direkt ins Haus Samuel Halpcrn, Wien. II., Ftfrsfergasse 6. Tel. A WftlZ Ehret Eure Führer durch lln Stiftung von Bäumen im III Z