Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 270 (9.3.1933)
- Date
- 1933-03-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Pitt heutige Miwwucf fs( 12 Seifen stark V. b. b. BEZUGS* BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S I SO, viertelhrl. S 4*20, gsn* -rl. . . . S I6*— 'utechlcL viertel nrl.. , , RM V— i «checboelowakel viertel]. . Kc 24'— Jugoslawien viertel jlhrl. . Din. 40 - t'olen vierteIjlhr Ucb . . Zloty 6 SO Ungarn vierteljtbr lieh . . Pengö 4 20 Rumlnien viertelilhrl.. . Ui 120 - Uebriges Ausland vierteljlhrl. Scbw. Franken 4‘S0 crtum& Jüdische Xeitun£ Preis 35g Eridheint jaden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, L, Kirntner strafte 28 Tel. R-27-4-85 Postsparkassenkonti: Oesterr. D 113 546 Polen . . 191.199 lachecho* Slowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 6» Jahrgang Wien, Donnerstag, 9. März 1933 (11. Adar 5693) Nummer 270 Eine bedeutsame Rede Prof. Weixmanns Ruf dem Banken des Patästinafeeunde im englischen Parlament London. Dr. Chaim Weizmann hat auf dem zu Ehren der Palästinafreunde im englischen Unter- und Oberhaus gegebenen Dinner vor mehr als hundert Parlamentariern und etwa fünfhundert prominenten Mitgliedern der englischen Gesellschaft eine Ansprache gehalten, die, besonders in ihrem auf die Lage der deutschen Juden bezughabenden Teil, in der ganzen Welt Aufsehen erregt hat. Wenn ich, begann Weizmann, heute abend vor Freunden des Jüdischen Nationalheims und des jüdischenVolkes spreche, kann ich nicht umhin, auf einen Aspekt der jüdischen Situation anzuspielen, der heute ^äbend in unseren Gemütern den ersteh Platz einnimmt: die schreckliche Lage, in der sich die Juden in Deutschland, nicht durch eigene Schuld, heute befinden. Ich freue mich, sagen zu können, daß der Präsident des Jewish Board of Deputies, Neville Laski, und der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard G. Montefiore, sich uns in unserer Sympathie für die Juden in Deutschland in der Stunde ihrer Prüfung anschließen. Wir Juden haben in der Vergangenheit Verfolgung genug erlitten, wir werden sie auch in der Zukunft erleben müssen, sie aber — vorausgesetzt, daß wir den Traditionen unserer Väter treu bleiben — überstehen. Deutsche Juden haben viel zu der wirtschaftlichen, kulturellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Entwicklung ihres Landes beigetragen. Im Kriege brachten sie — wie die Juden in allen Ländern — Opfer für das Land, in dem sie leben und dem Der Jude Lehman Bankendiktator New York, 8. März. Die gesetzgebenden Behörden des Staates New York haben drei Gesetze verabschiedet, durch welche der Gouverneur Lehman zunr Bankendiktator des Staates New York ernannt wird. HakenkrenzSalme auf der Bochumer Synagoge Essen. Nationalsozialisten brachten auf der Synagoge der jüdischen Gemeinde in Bochum eine Hakenkreuzfahne an. Sie wurde nachmittags wieder entfernt. Brandbombenabwurf in die Königs* berger Synagoge Königsberg. Durch ein Fenster der alten Synagoge in Königsberg warf ein unbekannter Täter eine Brandbombe in die Gebetshalie. Sie explodierte mit lautem Knall vor dem Altar und setzte den Vorhang in Brand. Mehreren Personen, tfe sich in der Nebenhalle befanden, gelang es, den Brand zu löschen. Der Täter konnte im Schutz der Dunkelheit entkommen. sie seit Generationen treu anhängen; Opfer, die denen ihrer nichtjüdischen Nachbarn in keiner Weise nachstehen. Man hätte annehmen müssen, daß den Juden in Deutschland das Recht auf vollwertige Bürgerschaft im Staate, zu dessen Wohl sie so viel beigetragen haben, nicht mehr streitig gemacht werden wird. Wir Zionisten, die wir nach nationaler Freiheit streben und aufrichtig für das Recht jedes Volkes auf Selbstbestimmung eintreten, sind die letzten, die sich in die inneren Angelegenheiten anderer Völker einzumischen wünschten. Es braucht-nicht erst besonders betont zu werden,, daß das deutsche Volk vollkommen frei darin ist, wie es dies für angemessen hält. Aber als Juden können wir nicht gleichgültig bleiben — und wir glauben, daß kein unvoreingenommener Beobachter, der Gerechtigkeit und fair play achtet, gleichgültig bleiben kann — wenn heute in einem großen Lande wie Deutschland, das mit Recht stolz sein kann auf seines Volkes hohen Kulturstandard, die wirtschaftliche und politische Existenz aller jüdischen Bürger gefährdet ist durch eine Politik, die den Antisemitismus in seiner primitiven — man könnte fast sagen mittelalterlichen — Form als wesentlichen Teil in ihr Programm aufgenommen hat. Es bedeutet einen schweren Schock für zivilisierte Menschen — mögen es Juden sein oder nicht — zu sehen, daß ein großes Volk wie das deutsche in seiner Haltung gegenüber einer kleinen, den Gesetzen des Staates treuen Minderheit der Staatsbürger in Barbarei zurückzufallen droht. Unseren Brüdern in Deutschland rufen wir zu: Habet Mut und Ausdauer. Unsere tiefe Sympathie ist mit euch, eine Sympathie, die von allen unseren Freunden in England und von allen Freunden des Fortschrittes und der Humanität überall in der Welt geteilt wird. In der Stunde ihrer Prüfung sollen unsere jüdischen Brüder in Deutschland und die Juden in allen anderen Ländern, in denen sie trüben Vorurteilen ausgesetzt sind, und skrupellos den kurzsichtigen Zielen einer Parteipolitik geopfert werden, wissen, daß sie nicht allein stehen, sondern daß hinter ihnen die aufgeklärte öffentliche Meinung, die nichtjüdische nicht weniger als die jüdische, in allen zivilisierten Ländern und besonders in England — dem England Balfours, Joseph Chamberiains, Disraelis — voll und ganz steht. Lassen Sie mich zum Schluß ein erfreulicheres Thema anschlagen. Palästina ist heute das einzige (Fortsetzung auf Seite 2, Spalte 2.) Wankende WeH Deutschland und Amerika In atemberaubender Hast jagen einander die Ereignisse. Wir leben in einer Zeit der stärksten Gärung. Niemand weiß heute, wie sich morgen sein Schicksal gestalten wird. Das gilt für das Individuum wie für die Nationen. Es gibt aber ein Volk, das, mit einer Ausnahme, auf allen Schlachtfeldern der Wirtschaft und der Politik geschlagen wird: Das jüdische Volk. Zwei seiner Zentren sind aufs äußerste bedroht: Deutschland und Amerika. In Deutschland herrscht Hitler. Er begann seine Herrschaft mit der Entlassung der wenigen jüdischen Staatsbeamten und seine Versammlungsredner kündigten gesetzliche Maßnahmen an, deren Wirkung die Juden wohl in erster Reihe verspüren werden. Im «Centralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens» in Berlin wurde eine Hausdurchsuchung vorgenommen und am nächsten Tag erzählte der «Völkische Beobachter» Schauermärchen. Er behauptete, die Hausdurchschung habe den Nachweis geliefert, daß der Centralverein eine getarnte kommunistische Agitationszentrale sei. In Thüringen wurde daraufhin der Centralverein verboten. In Berlin existiert er weiter «mit Bewilligung der Behörden». Es wird einige Zeit vergehen, bis man« klar sehen wird. Eines kann schon heute gesagt werden.. Mit Kommunismus hat der Centralverein sicher nichts zu tun. Es ist schwer zu glauben, daß der Centralverein dem Nationalsozialismus als eine staatsgefährliche Organisation erschien. Es dürfte sich eher um einen Einschüchterungsversuch der Regierung gehandelt haben. Was ist denn dieser Centralverein eigentlich? Ein Verein zur Abwehr des Antisemitismus, der mit den alten, abgestumpften Waffen des Liberalismus kämpfte, ängstlich im alten Assimilantenfahrwasser segelte und sich nicht genug daran tun konnte, sein Deutschtum zu betonen. Man kann den Centralverein nicht besser charakterisieren, als wenn man sagt, daß seine Wiener Schwesterorganisation, die «Union», im Vergleich mit ihm beinahe als jüdischnational bezeichnet werden könnte. Noch vor wenigen Monaten hat ein Redner des Centralvereines im Rundfunk erklärt, das deutsche Volk bestehe aus verschiedenen Stämmen, den Sachsen, Schwaben, Friesen usw. Ein weiterer Stamm sei aber — der jüdische Stamm. So sieht heute das Judentum in Deutschland aus. Es hat verschlafen, was politisch seit Mendelsohn geschehen ist. Not lehrt beten, auch in der Politik. Wir wollen hoffen, daß das deutsche Juden«» tum sich auf sich selbst besinnen und neue Wege gehen wird, die es in unser Lager führen. Den Juden Deutschlands muß es zum Bewußtsein kommen, wohin sie der* Heute: Neue Schachvubvik Seite 9 Zionistisches Landeskomliee für Oesterreich - WIZO Samstag» den 48. Mürs 4983» 8 Uhr abend«, Konxevthaus (IIL Lothringerstraße 20) GESELLSCHAFTSABEND Mitwirkend: Irene u Zilahy, Irene SetdneT, & StucUari» Dario Medina, S. Adler* berg, die Komponisten Richard Fall und Waldemar GlbisCh Tanzmusik: lsy Geiger Karten erhältlich: Landeskomitee, L Kärntnerstraße 28, und Konserthaus