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Die Stimme · 1933-03-02 · Heft 269 (2.3.1933) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 269 (2.3.1933)
Date
1933-03-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 269 — T Marx 1933 DTE STIMME Seifet Der Friihlinft naht. Es ist Februar und ein neuer Winter ist hereirtgebrochen. Wer denkt da mitten in der weißen Jahreszeit schon ans Frühjahr und an sein schönstes Fest? Das Pessachfest. Und doch trennen uns nur noch kaum sechs Wochen von Pessach. Aber wenn auch das große Publikum das Fest der nationalen Befreiung noch weit wähnt, draußen in einem der Süßeren Bezirke der Großstadt wird schon fieberhaft an den großen Vorbereitungen gearbeitet. In der altrenommierten, äußerst modernen Mazzothfnbrik Schmidt, die unter der Leitung des bestbekannfen Herrn Nathan Brodetzky steht, ist die Arbeit schon in vollem Gange. Verläßlichste Kaschruth, peinlichste Sauberkeit, vollstes AusnUtzen der modernsten Errungenschaften auf maschinellem Gebiete finden in Güte und Qualität der hier erzeugten Mazzoth ih^en Ausdruck. Nichts wird mit der Hand, alles maschinell gemacht. Alles blitzblank. Mehrere Maschgithim Überwachen abwechselnd den ganzen Prozeß, den jede einzelne Mazzah durchzurrachen hat — von dem Gesiebtwerden des Mehles bis zur Verpackung des Fertigfabrikates. Eine besondere Neuerung stellen die eleganten neuen Badcanlagen dar, die für eine durchgehende Reinigung der Fahriksräume Gewähr bieten. All diese Vorrichtungen modernster Art haben dazu beigetragen, ein Produkt zu schaffen, das den höchsten Anforderungen des Geschmacks und der Qualität und des Kaschrufh entspricht. Der Frühling naht... und mit ihm die Freude auf einen seltenen Genuß. Warum verlangen alle weil in Geschmack und Qualität Unübertroffen sind! ScMM werden unter streng orthodoxer Aufsicht des jean DEO ormn n&oa nov ann hergestellt Die Mazzoth werden ins feinstem Mehl erzeugt t Seit vielen Jahren genießen die tSchmldl- Mazzoth» das beste Renommee und werden von alten bevorzugt Aul die Extraqualität meiner Fabrikate «Marke Schmidt N. B.» auf Mazzoth, Grieß und Farve! wird besonders aufmerksam gemacht ZUM: I. BRODEIZKV 2., Leopoldsgasse 43 und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich Telephon-Nummern A-46-1-90, A-60-2-63 und A-41-9-52 Paläjftna-Rundschau IhtMiMrn neuester Plant 10 Millionen Pfund indische Sliftunasnelder sollen für Bodenerwevb In Palästina mobil oemacbf werden Jerusalem. Der Präsident des Jüdischen Nztionalfonds (Keren Kajemeth l’Jisrael), M. M. Ussischkln, entwickelte in einer von Ihm In Jerusalem geleiteten Pressekonferenz eklen neuen großangelegten Plan für Jüdischen Bodenerwerb in Palästina. Danach sollen 20 Millionen Pfund für jüdischen Bodenerwerb auf folgende Weise mobil gemacht werden: In den Banken verschiedener Länder überall in der Wett sind jüdische Stiftungsfonds in einer Gesamthöhe von mindestens 20 Millionen Pfund deponiert. Der Keren Kajemeth erklärt sich bereit, den Institutionen, die über diese Stiftungsgelder verfügen, den gleichen Zinssatz wie die Banken zu zahlen, wenn diese Institutionen sich entschließen sollten, die Stiftungsgelder beim Keren Kajemeth zu deponieren, der Me zum Ankauf von Boden für jüdische Siedlung in Palästina verwenden wird. Der Keren Kajemeth mit seinem reichen Bödenbesitz, sagte Ussischkln, bietet Geldeinlegern heute ürät mehr Sicherheit als sie irgendeine Bank bieten könne. London. Lord Melchett, der eben von einem Palästinabesuch nach London zurückkehrte, äußerte sich In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter sehr enthusiastisch über sein jüngstes Palästinaerlebnis. Die Palästina-Administration, sagte Melchett, nimmt heute eine auffällig günstigere Haltung zum Ideal des Jüdischen Nationalheims ein als früher; der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope ist ein gerechter Sachwalter des Mandats und entschlossen, auf die Durchführung der. Mandatsbestimmungen zu achten. Er hat es verstanden, diesen Richtlinien seiner Politik in der gesamten Verwaltung Eingang zu verschaffen. Palästina, fuhr Lord Melchett fort, schreitet gegenwärtig kräftig vorwärts. Dies ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern alle Anzeichen sprechen für eine stetige Entwicklung, möge auch vorübergehend ein Rückfall eintreten. Die jetzige Blüteperiode ist durch das vermehrte Hereinströmen von Juden in das Land zurückzuführen; diese Neueinwanderer bringen nicht nur Kapitalien, sondern auch Ideen und fachmännische Fähigkeiten mit und entwickeln neue, ausdehnungsfähige Industrie. Die Situation der Juden in Palästina, führte Lord Melchett aus, bildet einen leuchtenden Kontrast zu der Lage der Die Einleger würden fürs erste einmal ihrer Gelder immer sicher sein können; anderseits geben sie dem Keren Kajemeth die Möglichkeit, mit Hilfe der Geldeinlagen ungeheure Landgebiete für das jüdische Siedlungswerk zu erwerben. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Ussischkln, das Hinausschreiten einer sogenannten Prosperität in Palästina könne sich für das Aufbauwerk nur schädlich auswirken, denn es führt die Weltjudenheit irre und wiegt sie In Sicherheit. Man vergißt leicht, daß die Bodenerwerbungen des Keren Kajemeth, wegen Mangels an Mitteln, nicht mehr progressiv fortschreiten. Von den 323 000 Dunam Boden, die der Keren Kajemeth im ganzen besitzt, habe er in den letzten drei Jahren nur 40.000 erworben; das bedeuet gegenüber den Erwerbungen in früheren Jahren einen Rückschritt. Wohl wurden auch von privater Hand Orangenhaine in jüdischen Besitz gebracht; veräußerlicher Privalbodenbesitz bedeutet aber noch nicht nationale Prosperiät. Juden in Ost- und Mitteleuropa, wo die allgemeine Krise noch verschärft wird durch spezifisch-jüdische Probleme. Man müsse einen scharfen Trennungsstrich ziehen zwischen dem Kulturantisemitismus in Polen. Während der Antisemitismus in Deutschland ein rein künstliches Produkt ist, da die Juden hier nur 1 Prozent der Oesamtbevölkerung bilden, wächst sich die Bedrückung der Juden in Polen, wo sie 10 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden, zu einem Staatsproblem aus, an dessen Lösung die Regierung mit den Juden schon im staatlichen Interesse Zusammenarbeiten muß. Keine Regierung kann letzten Endes eine Politik führen, die sich für einen großen und wertvollen Teil der Bevölkerung Ihres Landes als schädigend auswirkL Gegen den Rowdyantisemitismus, setzte Melchett hinzu, würde ein gutes körperliches Training der Juden genügen. Die Rowdyantisemiten zeichnen sich nicht gerade durch persönlichen Mut aus und sie greifen nur dort an, wo das Risiko für sie nicht groß ist. Nicht zuletzt darum bin ich Freund und Förderer des Makkabi. Palästina, schloß Lord Melchett, hat heute nur eine beschränkte Aufnahmefähigkeit für Juden, aber es ist die Hoffnung des jüdischen Volkes und wird schließ!ich die Judenfrage lösen. Warmutg vor Illegaler Einwanderung über Syrien Die Redaktion der «Stimme» erhielt von wohlinformierter Seite folgenden Bericht: «In der letzten Zeit sind von unverantwortlichen Einzelpersonen und privaten Institutionen Versuche gemacht worden, «Touristen» über Syrien nach Palästina einzuschmuggeln. In Syrien befinden sich augenblicklich etwa 60 Personen der verschiedensten Gruppierungen aus Polen, die am Ueberschreiten der Grenze nach Palästina gehindert wurden! Die Lage dieser Personen wird natürlich von Tag zu Tag unangenehmer und gefährlicher. Man hat von diesen Leuten 37 bis 50 Pfund für die Reise nach Palästina genommen, je nachdem, ob es sich um Reisende der dritten oder def zweiten Klasse handelte. Eine Gruppe z. B. wurde nachts 7 Stunden zu Fuß durch die Berge geführt. Mehreren«! mußten sich die Leute, unter ihnen auchTrattenund'..Kirnder, auf den Boden werfen, damit man sie nicht sieht. 'i$?e Palästinaregierung hat Kenntnis von diesen Versuchen der Grenzüberschreitung erhalten und läßt die Grenze setfarf bewachen und das Resultat ist, daß die Leute, die diesen Versuch machen, in Syrien ohne jede Mittel steckenbleiben und von der palästinensischen Grenze zurückzugehen gezwungen werden, da sie keine Mittel besitzen. In einem Falle kamen die «Touristen» nachts in ein GfenZdorf, sahen em erleuchtetes Haus, kamen herein — Und dieses Haus war die Polizeistation. Leider scheinen sich mit diesen Versuchen wiederum zionistische Gruppierungen zu beschäftigen und ich fordere hiemit affe Palästinaämter auf das dringendste auf, alle Personen, die auf diese Weise von Einzelpersonen oder Gruppen verführt und zum Teil betrogen werden, za warnen.» Es kann daher von derartigen Versuchen nicht eindringlich genug gewarnt werden. Von der vierten Histadruth-' Konferenz 35.500 Mitglieder der jüdischen Gewerkschaft Palästinas Tel-Awlw. Am Sonntag, den 12. Februar, wurde in Tel-Awiw die vierte Konferenz der Allgemeinen Jüdischen Arbeiter-Föderation Palästinas (Histadruth) eröffnet. Die Verhandlungen der aus allen Teilen Palästinas sehr zahlreich beschickten Konferenz werden über eine Woche in Anspruch nehmen. Den Hauptbericht erstattete der Vorsitzende der Histadruth, Ben Gurion. Er gab einen Uebcrblick über die von der Histadruth in den letzten sechs Jahren, seit der dritten Konferenz im Jahre 1927, geleistete Arbeit und teilte mit, daß die H:stadrüth heute 35.500 Mitglieder umfaßt, die ganze 17 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Palästinas repräsentieren, während rm Jahre 1927 die Histadruth-Mitglieder nur 6 Prozent der jüdischen Bevölkerung nusmachten. Reiset mit uns nach Palästina i 4 Reisegesellschaften haben wir in den letzten 5 Monaten nach Palästina geführt; die Purim-Reisegruppe verließ am 21. Februar Wien: Wieder waren alle uns zur Verfügung gestandenen Plätze besetzt, wieder mußten viele Interessenten, welche sich zu spät angemeldet hatten, abgewiesen werden. — Unsere nächste, die Pessadi-Palistinareise geht am 28. März d. J. von Wien ab Auf dem 12.500-t-Ueberseedampfer «Martha Washington? wurde uns eine beschränkte Anzahl von 2 bis 6 Bettkabinen reserviert, von denen fast alle bereits vergeben sind. Diese Reise wird wieder von der «PAG» r. G. m. b. H. organisiert, dies bedeutet für Sie: Durchführung aller notwendigen Vorarbeiten, beste Unterbringung auf Bahn, Schiff und in Palästina, aber auch Anbahnung wirtschaftlicher Verbindungen ln Palästina, Studium geschäftlicher Möglichkeiten usw. Melden Sie sich noch heute bei der Verwaltung der «Stimme» als Reisetoilnehrrer an. Emir Abdullah «rill ein „zweiter Balfour“ sein Jerusalem, 26. Februar. In einem Gespräch mit palästinensischen Persönlichkeiten, die ihn vor kurzem in Amman besuchten, soll Emir Abdullah von Transjordamen folgendes geäußert haben: «Die Juden dürfen ln mir einen zweiten Balfour sehen. Noch mehr: Balfour hat den Juden ein Land versprochen, das er nicht besah, während ich den Juden ein Land öffne, das ganz mir gehört.» Diese Aeußerung des Emirs wird als Symptom dafür angegeben, daß er immer noch an seinem Plane festhält, einen Tefl Transjordaniens durch jüdische Siedlung und jüdische Arbeit entwickeln zu lassen. Die erwähnten aus Amman nach Jerusalem zurückgekehrten Persönlichkeiten berichten weiter, daß der Plan jüdischer Siedlung noch immer das Tagesgespräch in Transjondanien bildet. Der Etnir ist einem ständigen Druck seitens seiner Anhänger ausgesetzt, die Verhandlungen mit den Juden wegen Bodenkaufes und jüdischer Siedlung zu einem positiven Abschluß zu bringen und das Intrigennetz der palästinensischen Araber zu zerstören. Die herrschende Stimmung unter den Arabern Tnansjordaniens könne in die Worte zusammengefaßt werden: «Wir sind durchaus in der Lage, unsere Angelegenheiten selbst zu erledigen; mögen die pafläst nensischen Araber sich nur um ihre Angelegenheiten kümmern.» Lord Metcheiis jüngstes Palästina-Erlebnis « }

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