Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 269 (2.3.1933)
- Date
- 1933-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nf. 269 — 2. März 1933 DTE STIMME Seife 9 stellen zu lassen, die das Produkt eines übersteigerten Geltungstriebes oder der Rechthaberei sind. Wir Allgemeinen Zionisten haben eine Kunst erlernt: Zu warten, auszuharren. Wir können auch weiter warten, warten in unserem Sinne — emsig und ruhig Weiterarbeiten, die Organisation ausbauen und mit zionistischem Inhalt erfüllen, ohne nach links und rechts zu schielen. Wollen wir aber wirklich die Weltorganisation stärken, dann muß die Forderung: «A n- Schluß der Flügelgruppen an den bestehenden Landesverband» durchgesetzt werden. Es sind nicht die schlechtesten Forderungen, die sich schwer durchsetzen lassen. Unsere Forderung nach Vereinfachung und Vereinheitlichung der Landesorganisation wird umso eher verwirklicht werden, je stärker wir sind. Wir müssen daher den Minderwertigkeitskomplex überwinden, der noch in den Köpfen mancher Allgemeiner Zionisten spukt. Deshalb muß unser D e 1 e g i e r te n t a g eine machtvolle Manifestation unserer Steilung im zionistischen Leben Oesterreichs sein und sich auf ein einziges Problem konzentriere ns «Stärkung der Landesorganisation und damit der Weltorganisation!» Dr. Oskar Grünbaum. Allgemeiner Zionismus und Mittelstand Von Dr. Benzion Mossinsohn (Tel-Awfw) i. Wer ist der Träger des Allgemeinen Zionismus — der Träger in zweifachem Sinne dieses Wortes — mit Bezug auf Subjekt und Objekt? Bis vor wenigen Jahren war noch fast kein Platz für eine solche Frage. Es war klar, daß Allgemeiner Zionist jeder W U « A Jude sein kann, gleichgültig welcher Volksschichte er auch angehört, der die Wiederaufrichtung des ganzen Volkes erstrebt, der die Intereessen der Allgemeinheit über die Interessen eines Standes, einer Partei oder einer Gruppe stellt, der er zufällig angehört. Erst vor etwa sechs oder sieben Jahren drang ein neues Wort in den zionistischen Wortschatz — der Mittels t a n d — und dieses Wort verunsachte eine Verwirrung im zionistischen Lager. Die Feinde und Gegner des Allgemeinen Zionismus nahmen dies zum Anlaß, um den Allgemeinen Zionismus einer Inkonsequenz, wenn nicht einer Heuchelei zu bezichtigen: Sie, die gegen die Klassenunterschiede sind, sind selbst Verfechter ihres Standes und haben den «Mittelstand» erfunden, um ihn gegen die Arbeiter auszuspielen. Beide, sowohl die Anhänger als auch die Gegner des Mittelstandes, befinden sich in einem Irrtum. Der Begriff «Mittelstand» ist an und für sich unklar. Die Schichten, die gewöhnlich als Mittelstand bezeichnet werden, bilden nicht eine fest umgrenzte und abgesonderte Klasse, und es kann mit Bezug auf' dieselben nicht von einem Klassen kam pf gesprochen werden. Insbesondere beschränkt der Allgemeine Zionismus seinen Wirkungskreis nicht auf diesen Mittelstand und will sich auch nicht auf ihn allein stützen, er bleibt «allgemein» wie zuvor. Die Unterstreichung der besonderen Interessen des Mittelstandes kam hauptsächlich aus dem Bestreben, die Notwendigkeit der Aenderung der Arbeitsrichtung der zionistischen Organisation hervorzuheben. Es ist Tatsache, daß die zionistische Maschine auf eine einseitige Funktion eingestellt ist, auf eine nationale Ansiedlung, und auch die mit einer Einschränkung — die Ansiedlung eines Typus von OHm-des Chaluz, und auch hier nur desjen:gen Chaluz, der eine Hachschara sowohl in der Galuth als auch in Erez durchgemacht hat. Der Allgemeine Zionismus stellt jedoch die Interessen des Mittelstandes nicht denen des Chaluz gegenüber oder gar im Gegensatz zu denselben, sondern die Interessen des einen an die Seite der Interessen des andern und oft in einer Weise, daß der eine durch den andern gefördert werden soll. Der Allgemeine Zionismus bleibt sich und seinen Prinzipien treu und wird dadurch, daß er das ganze Arbeitssystem der zionistischen Organisation einer Kritik unterzieht und verlangt, daß zur Arbeit alle diejenigen Kreise herangezogen werden, die bisnun außerhalb der Sphäre der Nutzarbeit der zionistischen Maschinerie gestanden sind, nicht zu einer Klassenpartei. Eine Gegenüberstellung der Interessen des Mittelstandes und der Interessen des Chaluz ist ein gefährlicher Irrtum, wie etwa die Gegenüberstellung des Privatvermögens und des Nationalvermögens als zweier Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Beide lrrtümer sind auf ein und dieselbe Ursache ziurückzuführen, auf die Rechthaberei der Parteien, die sie blind macht gegen die wirklichen Interessen der Nation. Es gab eine Zeit, bald nach dem Kriege, da gewisse rion:stische Kreise — und nicht nur im Lager der Linke« — fest geglaubt haben, daß Erez Israel nur durch das Nationalvermögen aufgebaut werden wird. Der Keren Hajessod werde im Laufe von fünf Jahren 25 Millionen engl. Pfund hereinbekommen und damit werde Palästina aufgebaut werden. Auf der Londoner Jahreskonferenz der zionistischen Onganisation vom Jahre 1920, auf welcher der Keren Hajessod fbeschaffen wurde, wurde über diese Forderung de»' Nationaisierung der Aufbauarbeit in Erez Israel namentlich abgestimmt und sie wäre beinahe mit Stimmenmehrheit angenommen worden. Dann kam die bittere Enttäuschung. Jetzt dürfte es keinen ernsten Zionisten mehr geben, der glaubt, daß es möglich wäre, das Land ohne Beteiligung der Privatinitiative, ohne Privatvermögen und private Energie aufzid'auen. Uis Privatvermögen wird jedoch nicht Sümpfe trocken fegen, wenn ihm nicht ein sofortiger Nutzen daraus erwächst, es wird nicht Straßen bauen, sich nicht mit der Assanierung des Landes, mit der Erziehungs- und Kulturarbeit befassen, es wird sich auch nicht für die Masseneinwauderung, d. i. für die Ansiedlung von teuren Arbeitern interessieren, zu einer Zeit, da ohnehin billige Arbeiter an Ort und Stelle vorhanden sind. Das Nationalvermögen bereitet die Möglichkeiten für das Privatvermögen vor. damit es in das Land kommt und hier Wurzel faßt, das Privatvermögen bedient sich der Bedingungen, die das Nationalvermögen geschaffen hatte und baut. Der besfe Beweis für die Bedeutung der gegenseitigen Beeinflussung dieser zwei Fakturen des Aufbaues — ist Tel- Aw»w. Die« ist ein klassisches Beispiel für die Stellung des Privatvermögens. Den ersten Impuls zum Aufbau von Tel- Awiw gab das Darlehen des Keren Kajemeth, die meisten öffentlichen Arbeiten in Tel-Awiw wurden durch die Kredite des Keren Hajessod ermöglicht, an den Ausgaben für Hygiene und Erziehung haben sich die nationalen Fonds in großem Maße beteiligt, und innerhalb dieses Rahmens hat die Privatinitiative Wunder gewirkt, und es ist möglich, daß sie in naher Zukunft die nationalen Fonds ablösen wird, damit diese sich an anderen Stellen betätigen können. Ebenso verhält es sich mit den alten Siedlungen, auch sie haben auf direktem oder indirektem Wege von dem Nationalvermögen profitiert — durch die Herstellung von Straßen und Assanierung der Umgebung, durch Erziehung und Hygiene, durch die Steigerung des Wertes ihres Bodens und seiner Produkte. Auch das Entstehen dieser Kolonien wurde nur dank der durch das Nationalvermögen geleisteten Vorarbeit „Die einzige Lösung“ möglich, denn in einem gewissen Sinne haben auch die Investitionen des Baron Rothschild den Charakter eines Nationalvermögens. Auch unsere Groß- und Kleinindustrie profitiert von den Bedingungen, welche durch das Nationalvermögen — durch AUSLÄNDISCHE fflODEKEUHEITEH EN DETAIL Seide Wolle Samte FRMIZ HEUMAII, I.C0HC0RDIAPL. S unsere nationalen Fonds — geschaffen worden sind. Aehnlich verhält es sich auch mit dem Verhältnis zwischen dem Mittelstand und dem Chaluz, dem Repräsentanten des Privatvermögens und dem Repräsentanten des Nationalvermögens. Die ganze Maschinerie der zionistischen Organisation war bisnun nur auf eine Arbeitsleistung eingestellt — die Arbeit auf der Grundlage des nationalen Vermögens, und als die Einnahmen des Keren Hajessod sich verminderten, lief die Maschine leer. Ueber den Mittelstand, über die Privatinitiative wird viel gesprochen, doch wurde fast noch nichts unternommen, um sie in die Einflußsphäre der OrganisationsimaschÄne einzubeziehen, und deshalb besteht fast kein Zusammenhang zwischen diesen zwei Faktoren des Aufbaues. Der Allgemeine Zionismus verlangt hierin eine Aenderung: die Einbeziehung neuer Kreise unter den Begriff «Chaluziut» (nicht nur Jugendliche gehören hierher und nicht nur Vertreter einer bestimmten Richtung), eine zentrale Tätigkeit, die Bedacht n:mmt auf die Interessen des Privat- WEINEINKAUF ist Vertrauenssache Verlangen Sie ausdrücklich: P fi L O ST IN fi * tU E l N E r-jP RO PR. iS fl R O Ni ROTH SCH 1ID* in allen einschlägigen Geschäften erhältlich Autor. Vertreter: OUSTAV WIEDER Wien, IV., Rainergasse 31, Te’.ephen U 42-4-84 Vermögens, die Sorge um den Oleh, die Erleichterung seiner Arbeit und seiner Leitung. Wenn daher der Allgemeine Zionismus in diesem Sinne die Berücksichtigung der Interessen des Mittelstandes im Rabmen der zionistischen Organisation verlangt, wird er da- 7. Hirz Bayrischer Hof durch nicht zur Klassenpartei und weicht nicht von der von ihm eingenommenen Stellung eines Vertreters des Zionismus als Volksbewegung, als Bewegung des ganzen Volkes ab. Die Organisierung des Allgemeinen Zionismus und Ihm Form H. Viele Allgemeine Zionisten, und gerade die besten unter ihnen, die sogenannten Leuchten der zionistischen Bewegung, haben eine gewisse Angst vo dem Zusammenschluß. Bisnun waren die Allgemeinen Zionisten eben «die Zionisten», alle anderen Parteien waren eben nur Parteien, Flügel, Abzweigungen des Stammes des Allgemeinen Zionismus; die Zentralisierung des Allgemeinen Zionismus hieße, ihn zu einer Gruppe wie alle anderen Gruppen zu machen— dies bedeute eine Herabminderung. Viele wollen darin auch eine gewisse Gefahr für den Zionismus erblicken. Bisnun waren die Allgemeinen Zionisten eine Art Bürgschaft für Unparteilichkeit, sozusagen das Gewissen der zionistischen Bewegung, sie waren die neutrale Kraift in der zionistischen Bewegung und Organisation. Sich jetzt als eine Einheit zu organisieren, hieße eine neue Partei innerhalb des Zionismus schaffen, und in jeder Partei entwickeln sich eigene Interessen — dies sei der Ausgangspunkt zu neuen Zusammenstößen; sie schreckten daher vor diesem Gedanken' zurück, Es muß zugegeben werden, daß die Schwierigkeiten, die dem Zusammenschluß der Allgemeinen Zionisten im Wege stehen, sich mit einer Handbewegung nicht beseitigen lassen. Die Befürchtungen, die von verschiedener Seite und von verschiedenen Gesichtspunkten geäußert werden, sind nicht unbegründet, und man kann hierüber nicht leichtfertig zur Tagesordnung übergehen. Jedoch man muß die Tatsachen so sehen, wie sie sind; es ist schwer, von dem Allgemeinen Zionismus als von einer maßgebenden zwischenparteilichen Kraft, als von einem überparteilichen Faktor zu sprechen, zu einer Zeit, da sein Einfluß auf den Kongressen immer schwächer wird. Der ganze Bau der Organisation basiert derzeit auf den Grundlagen der Parteizugehörigkeit. Die Gewichtigkeit ist nur eine Frage der Zahlen. Der Allgemeine Zionismus wird sich entweder als einheitliche und geschlossene Körperschaft organisieren, dann wird er eine besondere Stellung in unserer Renaissancebewegung einnehmen und zur Gesundung der gesamten zionistischen Organisation beitragen, oder aber er bleibt zersplittert und gespalten, dann wird er immer mehr hinsiechen, b» er von der Tribüne ganz verschwinden wird. Zwao* rühmen sich die Revisionisten schon lange, die Erben des Zionismus zu sein, aber diejenigen, die mit einem Fuß in der Organisation und mit dem zweiten außerhalb derselben stehen, werden sie nicht gesund machen und kräftigen. Breite Massen der Zionisten finden oft im Getöse der Revisionisten und in ihren Protesten den Ausdruck für ihr Gefühl der Verbitterung, für ihren Schmerz und ihre Enttäuschungen und stimmen oft für sie, «den anderen zum Trotz»; aber die Massen werden mit ihnen in den Fragen des Aufbaues nicht zusammen gehen, können auch nicht Du wirklich billige Schuhquelle linden Ste bei »DU-HO« (Inh. David Horowitz) WienlL 7 aborstraß^NrUb Ecke Gredler&truße 31 QualMOfsioare ni äußere« billigen Preisen« Bei Berufung auf dis »Binme« 8 Prosen« Rabatt L 2931^536