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Die Stimme · 1933-02-23 · Heft 268 (23.2.1933) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 268 (23.2.1933)
Date
1933-02-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Mit« 01C STIMME Nr. ZCT — 23. Febnitf IM» flmtoovtoSg« 0r. Jogef Löwenher» in Budapest Au» Budapest wird uns berichtet: Wir hatten das Vergnügen, den Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef Löwen* herz, drei Tage In unserer Mitte als Gast zu haben and ln Ihm einen Führer der zionistischen Gemeindearbeit kennen zu lernen, der durch Tatkraft, vollständige Sachkenntnis und gewinnende Persönlichkeit der Gedankenwelt der jüdischen Volksgemeinde auch bei uns viele oeue Freunde warb. Herr Dr. Löwen herz wohnte am 10. Februar über Einladung des Präsidenten der Pester Israelitischen Kultusgemeinde, Hofrat Samuel Stern, dem Freltagabendgotteadienste In der Synagoge in der Tabakgasse bei und besichtigte auch während seines Aufenthaltes unter Führung des Gemeindesekretärs E p p 1 e r und des Rechtskonsulenten der Gemeinde Dr. Ernst M u n k äcsy sämtliche wichtigeren Institutionen und Einrichtungen der Kultusgemelnde, wie das vor kurzem eröffnte Ungarisch-Jüdische Museum, das Mädchen- und Knaben-Gymnasium, das Spital, die vom gewesenen Präsidenten der Pester Kultusgemeinde Aladar Kaszab gestiftete Poliklinik, das Sigmund- und Adele Brody- Kinderspital etc. Im gastfreundlichen Hause des Vizepräsidenten des Pro Palästina-Verbandes der ungarischen Juden, Oberregierungsrat Dr. Ignaz Friedmann und später auch im Hause des Kultuspräsidenten Hofrat Stern konnte Herr Dr. Löwenherz vor prominenten Persönlichkeiten des ungarischen Judentums, wie Baron Berthoid v. H a t v a n y, Chefredakteur des Pester Lloyd, Oberbausmitglied Josef V 6 s z i, gewesenen Präsidenten der Kultusgemeinde und Ehrenpräsident des Pro Palästinaverbandes Hofrat Franz S z i k e I y, des Vizepräsidenten der Israelitischen Landeskanzlei und der Ofner Israelitischen Kultusgemeinde, Direktor Eugen S z ä n t d etc., Wege und Ziel« der zionistischen Gemeindepolitik darlegen und durch ln zwangloser Wechselrede erteilte Informationen dem Verständnisse der Erschienenen näherbringen. Von assimilatorischer Seite wurden seit den letzten Kultuswahlen in Wien in allem Ernste Klagelieder über den «Verfall» des Wiener Judentums angestimmt, die von Herrn Dr. Löwenherz geleistete praktische Aufklärungsarbeit ist daher von besonderer Wichtigkeit, da von berufenster Stelle an Hand eines authentischen Tatsachenmaterials der wahre Sachverhalt klargelegt werden konnte. ---"Am ll. Februar veranstaltete der Budapester H e r z 1 - K l u b, auf dessen Einladung Herr Dr. Löwenherz sich nach Budapest begab» ihm zu Ehren einen Empfang. Nach der Begrüßungsrede des R. A. Dr. Nison K a b a n, in der er die jahrzehntelange zionistische Tätigkeit, die mühsame Kleinarbeit im Interesse der jüdischen Volkspolltik unseres Gastes würdigte, hielt Herr Dr. Löwenherz eine eindrucksvolle Ansprache. Den Gipfelpunkt seines Budapester Aufenthaltes bildete aber zweifellos das großzügige Referat «Der Weg von der Kultusgemeinde zur Volksgemeinde», da« er ln der von der Ungarischen Zionistischen Landesorganisation im Herz!-Saal veranstalteten Großversammlung hielt. Er wandte sich zuerst gegen die von skrupellosen Gegnern des Zionismus ln verleumderischer Absicht lancierten Gerüchte, als ob die Zionisten durch Ihre Forderungen bezüglich Geltendmachung der Rechte der Minderheiten auf eine Verminderung der Rechte der Juden hinarbeiten würden. Nachdem die Judenemanzipation und Rezeption die Gleichberechtigung nur auf dem Papier verbürgten, die Rechte der Juden aber trotz der Emanzipation und Rezeption auch seither in den meisten Ländern tatsächlich geschmälert wurden, muß der Kampf um die vollständige und tatsächliche Gleichberechtigung weitergeführt werden und dazu bieten uns die in den verschiedenen Friedensverträgen festgesetzten Minderheitsrechte eine ganz neue Handhabe, der wir uns unbedingt bedienen müssen. Nachher erörterte er die Zielsetzungen und das Programm der zionistischen Gemeindepolitik auf dem Gebiete des Kultus, der Erziehung, der Jugend- und der sozialen Fürsorge, Ausdehnung des Wahlrechtes etc. und erzielte mit seinen lichtvollen Ausführungen einen durchschlagenden Erfolg, der sich ln unausgesetzten stürmischen Beifallskundgebungen kundtat. Wir gratulieren berzlicb&t Herrn Rabbfnatsabsolventen JOSEF DABAD anläßlich seiner Promotion zum Doktor der Philosophie. Aus demselben Anlaß beglück wünschen wir euch dessen Eitern. Samuel Holpern uns Trau II» I Dr. N. M. Oelber ln Budapest Ztirei interessante Vorträge Lieber Einladung der Zionistischen Undesorganisation für Ungarn, hat der bekannt jüdische Historiker Dr. N. M. Gelber auf seiner Durchreise nach Transsylvanien fnBtfd a p e s t am 4. d. M. einen öffentlichen Vortrag über «V e rpaßte Gelegenheiten in der jüdischen Geschichte» gehalten. Die Versammlung, die überaus gut besucht war, wurde vom Präsidenten der Landesorganlsatlon Dr. E.! z s k k eröffnet, der darauf hinwies, daß der Referent durch seine in ungarischer Sprache vor kurzem erschienene Schrift über «Die Christlichen Vorläufer des Judenstaatsgedankens» auch dem ungarisch sprechenden jüdischen Publikum nähergetreten ist ln einem großangelegten Referat stellte Dr. Gelber alle jene Episoden in der jüdischen Geschichte dar, die dem jüdischen Volke die reale Möglichkeit gegeben hatte, eine eigene Heimstätte in Erez Israel zu begründen. Besonders scharf strich der Redner die Versuche in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts hervor. Auf Grund eines reichgelegten historischen Materiats schilderte der Referent, wie unvorbereitet die damalige Judcnheit ln vielen Fällen auch leichtsinnig die wohlgemeinten Projekte zu einer propalästinensi* sehen Lösung der Judenfrage unbeachtet gelassen hat. Die wertvollen und beachtenswerten Ausführungen des Vortragenden interessierten das Publikum in packender Weise und haben der zionistischen Sache in Ungarn propagandistisch einen großen Dienst erwiesen. Das hiesige jüdische Publikum hatte zum ersten Mal« Gelegenheit eine so tiefdurchdachte historische Darstellung der Zionistischen Gedankenwelt zu hören. Am nächstin Tag sprach Dr. N. M. Gelber ln der Wizo über «D i e j U d i s c h e n S a 1 o n s». Der Vortragsabend, der auch von zahlreichen führenden Damen der hiesigen Nichtzionistischen Kreise stark besucht war, wurde von der Präsidentin der ungarländischen Wizo, Frau Oberregierungsrat Dr. Ignaz Friedmann eröffnet Die sachlichen und eigenartig beleuchtenden Ausführungen des Referenten über die Entwicklung der jüdischen Salons, hinterließen auf die Versammelter einen nachhaltigen, tiefen Eindruck. Am Schlüsse seiner Rede bereitete das Publikum Herrn Dr, Gelber minutenlang stürmischen Beifall. In propagandistischer Hinsicht haben die beiden Vorträge des Herrn Dr. N. M. Gelbe die zionistische Bewegung in Budapest um einen großen Schritt vorwärts gebracht. Um alten Gerüchten entgegen* u treten teile ich höflichst mit, daß die seit 30 Jahren von der Wiener Kundschaft infolge ihrer vorzüglichen Qualität bevorzugten Gödinger Mazzes auch heuer ln den einschlägigen Geschäften zu haben sein werden. Ich stelle die ergebene Bitte, schon jetzt Ihren Bedarf an Gödinger Mazzes Ihrem Kaufmann bekanntzugeben, um mir die rechtzeitige Ablieferung zu ermöglichen. Die Erzeugung der Gödinger Mazzes erfolgt unter strengster ritueller Aufsicht. $?e sind nur dann echt, wenn jede« Paket mit meiner Photographie versehen ist Erste Gödinger OsterbvofMcfcevcf I Bernhard G loser, Gödlng (JK0fvr«yi) Viktor Baumlnger Anläßlich seiner UÜbersiedlung nach ralästina In den nächsten Tagen scheidet eine markante jüdische Persönlichkeit aus dem Wiener öffentlichen Leben. Nach einer vieljährlgen erfolgreichen zionistischen Tätigkeit, geht Viktor Baumlnger ins Land seiner Jugendträume und erfüllt selbst das Programm, für welches er in der Galuth seit seiner Jugend als Kämpfer und Stürmer mit Mut und Temperament elngetreten Ist. Im Jahre 1889 geboren, genoß er Im Hause seines Vaters, der ein prominenter Führer der religiösen Judenheit in Galizien war und als Präsident der Krakauer Judengemeinde sowie als Senator der polnischen Republik die Interessen der Orthodoxie wahrnahm, eine streng religiöse Erziehung und eine gründliche Ausbildung ln der judaistlschen und profanen Literatur. Mit diesem geistigen Rüstzeug trat er schon ln jungen Jahren mit seinem ganzen Elan In die mlsrachistlsche Bewegung in Galizien ein und nahm schon in der Vorkriegszeit regen Anteil an allen zionistischen Aktionen. Mit Ausbruch des Weltkrieges nach Wien über- Sledelt, betätigte sich Baumlnger führend In der österreichischen Misrachi-Organisation, die Ihn zum Vizepräsidenten bestellte und als ihren Vertreter ln die Wiener Kultusgemeinde entsendete. Seit dem Jahre 1924 gehörte er bis zur letzten Periode dieser Körperschaft an, wo er insbesondere als Obmann der Kommission für Kultus und rituelle Angelegenheiten eine rege und ersprießliche Tätigkeit entfaltete. Baumiager hat in der Wiener Gemeinde eine bedeutende Rolle eingenommen und hat viel beigetragen, die zionistische Position in derselben zu stärken. Gerüstet mit einem großen talmudischen Wissen, konnte er bei wichtigen Entscheidungen den Gegnern des Zionismus, den frömmelnden Assimilanten und Trennungsjuden sachlich und maßgebend entgegen treten. Baumlngers Kampf galt der Assimilation und dem Wiener Am- Haarazluth, die er In Wort und Schrift geißelte. In der Kehilla widmete er sich der Belebung des religiösen Lebens und trat mit seinem ganzen Temperament gegen die separatistischen Tendenzen der Aguda für die abso¬ Beatrixbed Rus sisches Steinschwitzbad mit Besenbehandlung, neu errichtet. Dampf-» Wannen-, Schwimm- und Heilbäder. Die Leser der «Stimme» erhalten an der UadekasM gegen Ueberreichung dieses Kupons (ausschneiden!) um nur eInen SchII11ng ein russisches Schwitzbad mit Wäsche. — Gültig bis Ende März 1933. lute Einheit der Gemeinde ein. Seine Reden und Auf* Sätze lenkten die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich, denn Baumlnger ist ein ebenso begabter Volksredner wü ein ausgezeichneter Publizist. Bauminger gilt auch aM genauer Kenner der modernen hebräischen Literatur, welche ihm manche schöne Arbeit verdankt. Als Vor* kärapfer der hebräischen Sprache, hat er das histo* rische Verdienst, als erster ln der Geschichte der Wiener Judengemeindc eine hebräische Rede im Plenum dieser Körperschaft gehalten zu haben. Diese Rede gab Anlaß zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen der damaligen zionistischen Minorität und der Mehrheit dar Assimilanten, well der damalige Präsident das Recht der hebräischen Sprache nicht anerkennen wollte und Bauminger das Wort entzog. Für dieses Aufsehen erregende Ereignis interessierte sich auch die damalige Wiener Tagespresse und Oberrabbiner Chajes nahm Im «Neuen Wiener Journal» positive Stellung zu Baumln* gers hebräischer Rede. Als Publizist hat Bauminger außer zu Fragen der Wiener Gemeinde vorwiegend zur mlsrachistischen Weltanschauung und theoretischen Begründung der Mitrachi-ldeologie Stellung genommen. Diese seine Aufsätze bilden einen Markstein in der misrachistischen Literatur, weil sie zum ersten Mal den Versuch unternehmen, den zlonistisch-mlsrachistlscheri Gedanken ideologisch zu untersuchen und zu definieren. Mit Bauminger verläßt Wien eine der populärsten und beliebtesten Persönlichkeiten. Seine Verdienste um die Tempelvereine und die jüdischen Kulturinstitutionen, denen er sich stets mit Eifer und Sachkenntnis widmetet bleiben unvergänglich. Seine zionistische ufld misra* chistische Arbeit war stets vorbildlich. War er doch immer von einem heiligen Ideal Inspiriert, welchem et treu und ernst diente. Aber auch als Mensch und Charakter erfreute sich Bauminger allgemeiner Beliebtheit und war trotz oder gerade wegen seinen offenen und mutigen Bekenntnisses von allen zionistischen und nichtzionistischen Parteien immer geschätzt. Nun geht Bauminger in körperlicher und geistiger Frische nach Erez Israel, wo er als führendes Mitglied des Aktionskomitees der Misrachi-Weltorganisatlo» hoffentlich seine vorbildliche Tätigkeit zum Wohle unseres Volkes und Landes fortsetzen und seine großen Fähigkeiten in den Dienst von Zion stellen wird. Der Traum seiner Jugend geht ln Erfüllung und die dankerfüllten Wünsche weiter Kreise des Wiener Judentums begleiten ihn auf den Weg nach Er**- «Baruch ata bezeitecha, baruch ata bewoachaV Dr. M. D. Der Misrachl-Landesverband gibt anläßlich der Uebeffr Siedlung Viktor Baumingers nach Palästina eine Broeehüre mit den gesammelten Reden und Aufsätzen des MisrachJ- Führers heraus. Außerdem findet ein Abschiedsbankett statt, zu dem persönliche Einladungen noch ergehen werden. Durchreise polnischer Chatmim durch Wien nach Eres Israel Das Palästinaamt Wien teilt mit: Laut einer Meldung des Palästinaamtes Wat schau werden von nun an durch mehrere Wochen an jegem Dienstag Sonderzüge mit Palästlnaauswanderem gut Polen via Wien zum Einschiffungshafen Triest fahren. Bis auf weiteres werden die Züge am Nordbahnhof ein* treffen (*£8 Uhr früh) und von hier nach einem Aufent» halte von etwa 15 Minuten weiterfahren. Die nächsten Ankünfte in Wien erfolgen am: 28. Februar, 7. März, 14. März, 21. März, 28. Min; 4. April und 19. April 1933. Rekord'ZIKer Im Budget der Pal8stlna*Re^ieruug Jerusalem. Wie der JTA-Vertreter erfährt, schätzen dkl Regierungssachverständigen die Einkünfte der Palästina- Regierung im nächsten Fiskaljahr auf 3 Millionen Pfund ein* dies würde eine Rekord-Ziffer gegenüber allen bisherigen Jahresbudgets bedeuten. Die Juden, die heute 20 Prozent der Qesamtbevötkerung Palästinas repräsentieren, tragen zu dieser Budgetsumme 45 Prozent bei. Verein der Buczaczer in Wien Einladung zu der Sonntag, den 26. Februar 1033, in den Festslien des Hotel Continental stattfindenden AKADEMIE MIT TANZ Hervorragende Kunstkräfte / Jazzkapelle Prof. WolfsthaJ / Karten bei allen Vorstandsmitgliedern erhältlich.

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