Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 268 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seit« 9 DIE STIMME Nr. 268 — 23. Februar 1933 Dr. Chajim Taviahowev - 80 Jahve ati Von Adolf Böhm, Wien Auf den verschiedensten Wegen sind die Pioniere der jüdischen Renaissancebewegung zum Zionismus ge* kommen. Westjuden, ohne nähere Kenntnis des Judentums hatten sich mit Ostjuden, die vom westeuropäischen Sein kaum berührt worden waren, verbündet, daiwischen gab es eine Menge von Uebergangsstufen. Der Entwicklungsweg, den Dr. Chajim Tartakower genommen hat, ist besonders dazu geeignet gewesen, ihn zu einem Vorkämpfer für den Zionismus in dessen ganzen Tiefe und Weite, zu prädestinieren. Im Osten geboren, Brody, dem Grenzstädtchen mit dem Ausblick nach Rußland, in dem sich 1882 die ersten Palästina* tuswanderer gestaut hatten, wo also die früheste zionistische Tradition besonders stark war, Schüler des Cheder und später der Mittelschule, hat er im Westen in Wien seine Hochschulstudien absolviert. Schon in seiner Schulzeit in Brody lernte er die neuhebräische Spraclibcwegung und den modernen, freiheitlichen Zionismus kennen, die in seiner Familie frühzeitig die Herzen ergriffen hatten, wurde ein Neohebräist, der aber aus dem Cheder die Tiefe und umfassende Kenntnis des Judentums geschöpft hat, und ein Vorkämpfer des politischen Zionismus. Wer in den alten Berichten über unsere Bewegung blättert, der findet als zionistische Stadthauptleute von Brody schon sehr frühzeitig die Brüder Tartakower verzeichnet: Dr. Chajim, und seinen leider schon verstorbenen älteren Bruder Nathan (den Vater des bekannten Publizisten Dr. Arje Tartakower, Lodz). In Galizien gab es damals eine stürmische Kampfzeit des Zionismus mit politischen Wahlen, in denen Männer wie Stand, Braude, Reich, Ringel, Zipper u. a. eine vehemente Kampagne gegen die «Moschko’s*- führten. In Brody war 1907 Stand bei den österreichischen Reichstagswahlen in die Stichwahl gekommen, in Tarnopol fiel ihm das Mandat zu. Dort, in der Statthalterschaft Tartakower, war eine Hauptschlacht für die national-jüdische Bewegung geschlagen worden 1 In der Schule jener Männer wuchs in Galizien eine aufrechte Jugend heran, entstand die hebräische Lehrerbewegung, und Dr. Chajim Tartakower war unter den jugendlichen Führern einer der eifrigsten und tätigsten. Der Krieg verschlug ihn nach Wien. Er schloß sich nach dessen Beendigung der «Hapoel Hazair»-Bewegung an, die von Gordon ihren Ausgang genommen hatte, und war von der Prager Konferenz, 1920, an in der damaligen «Hitachduth* (Hapoel Hazair-Zeire Zion) ein führendes Mitglied. 1920 wurde er eingeladen, das Sekretariat des Keren Kajemeth in Wien zu übernehmen. Seine Tätigkeit in diesem Amt und In der zionistischen Organisation seither ist uns allen bekannt: Sein Opfermut, seine Unermüdlichkeit, sein Gerechtigkeitsgefühl, sein tiefwurzelndes demokratisches Empfinden, sein Stetes Eintreten für die unbedingte Einheit und Einigkeit der zionistischen Organisation, seine strenge Sachlichkeit — all diese Eigenschaften haben ihn zu einem Vertrauensmann aller gemacht. Insbesondere ist es ihm gelungen, einen großen Einfluß auf die jüdische Jugend zu erringen, und ihm ist es zu verdanken, daß der KKL ln Wien sich der eifrigsten Mithilfe aller Jugendvereine erfreut. Seine Tätigkeit im KKL liegt vor aller Augen offen, sie braucht nicht erst näher charakterisiert zu werden. Der Vergessenheit muß nur entzogen werden, daß er es war, der durch Abschluß des ersten Vertrages die seither so weit ausgedehnte und fruchtbare Arbeit der KKL-Versicherungsabteilungen eingeleitet hat. Dr. Tartakower hat neben den Geschäften des KKL und seiner aufreibenden Außentätigkeit sehr oft in opferwilligster Weise auch das Sekretariat der Landesorganisation und des Palästinaamtes ehrenamtlich geführt, und damit freiwillig eine Arbeitsfülle übernommen, die fast übermenschlich zu nennen ist. Tartakower war nicht nur stets ein Verfechter der Einheit der Organisation, über alle Parteidifferenzen hinweg, sondern auch im Sinne seines und unseres großen Lehrers Achad Haam, ein Künder der Wahrheit, daß große politisch» Gefechte nicht allein zum Ziele führen Können, sondern, daß es darauf ankommt, die mühseligste Kleinarbeit unverdrossen zu leisten, Stein auf Stein zu setzen, — so wie es die Pioniere in Erez Israel getan haben — und gegenüber der dem Juden eigenen Phantasie und ihrem Plakatstil in der öffentlichen Tätigkeit, den Wert der realen Arbeit zu betonen. So schrieb er auch immer dagegen, daß die Landespolitik zur reinen Wahlpolitik entarte, er lehrte, daß man vielmehr mühsame Erziehungs- und Organisations¬ Wlr gratulieren herzllchst Herrn Samuel Kretschmer und Frau zur ihrer Söhne Awl und Eli Samuel Halparn und Frau il«, Förstergasse 6 arbeit leisten muß, wenn man politische Erfolge haben will. Seiner vielfältigen, publizistischen Tätigkeit nebst seiner rednerischen, die er zu allen Zeiten seiner zionistischen Laufbahn entfaltet hat, ist besonders zu gedenken. Er hat durch seine tiefen Kenntnisse der Geschichte des Zionismus, der Fragen des Palästinawerkes, der hebräischen Literatur aufs vielseitigste durch seine Artikel gewirkt. An diesem Tage, an dem wir seinen 50. Geburtstag feiern, möge dies am besten durch eine Reminiscenz an einen seiner Artikel illustriert werden, der am deutlichsten die tiefe Auffassung Tartakowers vom Wesen unserer Bewegung aufzeigt, ln diesem, der 1919 in der Buber’schcn Zeitschrift «Der Judo (Heft 8) erschienen war, hatte er über Bewegung und Organisation unter anderem auch folgende Sätze geschrieben: «Die größte Gefahr, die einer Idee seitens Ihrer Organisation droht, besteht darin, daß die Organisation mit der Zeit vergißt, daß sie als Trägerin der Idee ihre Kraft bloß aus der tiefen absoluten Wahrheit der Empfindung schöpft*. Und: «Eine Organisation, die ihrem ureigensten Zwecke treu bleiben will, muß danach streben, den Brunnen ihres Lebens, der jedesmal frisch verschüttet wird, zu reinigen — muß jedesmal zu ihrem Ursprung zurückkehren.» Ein Mahner in diesem Geist war und ist Dr. Chajim Tartakower. Daher stammt seine Wirkung auf die Jugend und auf die ganze Bewegung. So wird es auch in Jerusalem. Der Konflikt zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und den arabischen Nationalisten, die ihn daran hindern wollen, transjordanischen Boden an Juden zu verkaufen oder zu verpachten, entwickelt sich zu einem offenen Krieg. Aua zuverlässiger Quelle wird miteteilt, daß der Emir den Oroßmufti und die arabische Exeutive Palästinas hat wissen lassen, daß er nicht geneigt sei, sich seine Politik von palästinensischen Arabern vorschreiben zu lassen. Dahei hat der Emir einen zornigen Ton angeschlagen und erklärt, er werde einer weiteren Agitation gegen seine Person nicht untätig zusehen. Weiter wird aus Transtördanlen gemeldet, daß der Emir Abdullah eine neue politische Partei gegründet hat als die Trägerin seiner Politik: Oeffnung der Tore Trans« Jordaniens für Juden sei die elnzge Lösung der jetzigen kritischen Wirtschaftslage ln Transjordanien. Die palästinensisch-arabische Presse antwortet dem niniiKM siichvarenpriisi riiuzien Die streng orth. seiciiuiareniaDriR Fetyan & Go. Wien. kn. hat sämtliche Sorten ihrer als vorzüglich bekannten Erzeugnisse im Preise herabgesetzt. Sie verkauft in ihren Filialen, Wien, II., Praterstraße 38, Wien, XX„ Wallenstelnstraße 45, und Gausplatz 6, sowie in allen durch Schild gekennzeichneten Verkaufsstellen zu den angeführten Klelnverkaufspreisen pro 10 dkg: Raaber 40 g, Dürre 40 g. Wiener 70 g, Debreziner oder Frankfurter 60 g, Wiener Würstel 50 g, Pariser II 50 g, Rlndskamn: oder Brust S 1.10. Zervelat 40 g. Die oben angeführten Filialen verabreichen auch zeitgemäße Mittags« und Abendmeniis in bester Qualität und reichhaltig schon von S 1.— aufwärts und bieten 6Q die Möglichkeit, auch allen, die auf Koscheressen reflektieren, sich für wenig Geld gut zu verköstigen. den weiteren Jahrzehnten seiner zionistischen Tätigkeit bleiben! * Garten auf den Namen Dr. Chalm Tartakower Anläßlich des 50. Geburtstages des Herrn Doktor Chalm Tartakower hat das Präsidium des Keren Kajemeth und Freunde des genannten Gg. beschlossen, einen Garten auf dessen Namen im «Adolf Böhm-Hain* des «Chajes-Waldes» zu stiften. Der erste Betrag wurde bereits beim Keren Kajemeth erlegt. Emir nicht minder scharf und schreibt, seine Ende Jänner erlassene offizielle Erklärung, daß er nicht die Absicht habe, Boden an Juden zu verpachten, bedeute eine direkte Irreführung der öffentlichen Meinung; denn während er diese offizielle Ableugnung erließ, habe er das Optionsabkommen bere:ts unterzeichnet gehabt. Wenn, schreibt «Falasbn*, der Emir in dem «Dementi* mitgeteilt hat: «Dieses Land ist nicht mehr zu verpachten», so bedeutet dies nur: Dieses Land ist bereits verpachtet. Auch die Gegner des Emir in Amman erklären, der Emir habe das Optionsabkommen betreffend seinen Boden bereits definitiv unterzeichnet und könne aus dem Vertrag nicht mehr heraus, In gut ‘unterrichteten Kreisen verlaufet, daß die englischen Behörden daran interessiert sind, daß Juden Boden in Transjordanien erwerben, da ein besser besiedeltes Transjordanien dem Einfluß der Wüsten-Araber weniger ausgesetzt sein würde. Ahduttah sieht sich zu einem zweiten Dementi verantaßt - Die Botte des engtischen Regierungsvertreters in Amman Jerusalem. Emir Abdullah von Transjordanien hat die Verbreitung der in Palästina erscheinenden Zeitungen «Falastin» und «AI Islamia» wegen der in denselben enthaltenen Angriffe auf den Emir für das ganze Gebiet von Transjordanien verboten. Es ist dies der erste Fall, daß palästinensisch-arabische Zeitungen in Transjordanien verboten werden. Die palästinensisch-arabische Presse appelliert an die Gesetzgebende Versammlung von Transjordanien, dem Emir Abdullah den ihm durch ein früheres Gesetz zu persönlichem Eigentum überantworteten Staatsboden wieder fortzunehmen, damit er diesen Boden nicht an Juden verkaufe. Das transjordansche Parlament hatte vor einer Reihe von Jahren beschlossen, dem Emir Abdullah ein Gebiet von 67.000 Dunam Boden zu überantworten. Laut dem Bericht der englischen Regierung über die Verwaltung Transjordaniens im Jahre 1931 handelt es sich bei diesem Boden um 62.000 Dunam unbesiedetten und unentwickelten Gebietes im Jordantale, der Rest liege auf dem Hochlande in der Nähe von Amman und ist vom Emir an einige türkische Familien verpachtet worden. Dem Emir wurden 3000 Pfund zur Entwicklung dieses Gebietes zur Verfügung gestellt Die arabische Presse Palästinas behauptet, die Pa'ästlna« regierung beabsichtige, das transjordanische Grenzver« teldlgungskorps so zu reorganisieren, daß es sich zur Hälfte aus Juden zusammensetzt, damit dieses Korps, wenn Transjordanien jüdischer Siedlung erschlossen wird, den Schutz der jüdischen Siedler übernehmen könne. Mehrere führende transjordanische Scheichs sandten Telegramme an den Großmufti in Jerusalem und an die arabische Exekutive Palästinas, in denen sie ihrer Entrüstung über die gegen den Emir Abdullah geführte Agitation Ausdruck geben und erklären, eine Fortführung dieser Agitation könne einen Bruch zwischen den Arabern beider Länder zur Folge haben. Die ununterbrochene Propaganda der palästinensischen Araber gegen den Emir Abdullah hat diesen veranlaßt, ein Communiqui herauszugeben, in dem er, nun zum zweitenmal, erklärt, er beabsichtige nicht, irgendeinen Teil seines Bodens in Transjordanien an Juden abzugeben. Emir Abdullah bedauert, daß die palästinensischen Araber in seine erste Erklärung Zweifel gesetzt hatten, und schließt mit | dsr Mitteilung, er hsbe das in Frage stehende Land als eins Gabe des Volkes mit Dank empfangen und wenn er auch nicht in der Lage sein sollte, dieses Land mit Hilfe eigenen Kapitals zu entwickeln, so werde er es — als Erinnerung an das Wohlwollen des Volkes für Ihn — in dem Zustande lassen, in dem es sich befindet. Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden In einem Orangenhain Jerusalem. In dem Matalon-Levin-Orangenhain kam es zwischen jüdischen Arbeitern aus Ramat Hasharon in der Nähe von Herzliah und von der Hain-Leitung aus fremden Distrikten neu eingestellten arabischen Arbeitern zu einem Zusammenstoß, bei dem drei jüdische Arbeiter verletzt wurden. Einer derselben, Alexander Zamir, wurde in bedenklichem Zustand in das Krankenhaus in Tel-Awiw eingeliefert, ein zweiter, Isaak Parvari, 50 Jahre alt, erhielt eine so schwere Verletzung am Kopfe, daß der Arzt der Kolonie nicht die Verantwortung auf sich laden wollte, ihn nach Tel-Awiw überführen zu lassen, ein dritter, Mordechai Landberg, erlitt nur leichte Verletzungen. An dem Ort des Zusammenstoßes eingetroffene Polizei stellte alle Beteiligten namentlich fest und vertügte, daß die gesamte Arbeit im Hain vorläufig ruhen soll. •— Die arabischen Arbeiter, die den jüdischen an Zahl doppelt überlegen waren, waren mit Stöcken und schweren Knüppeln bewaffnet. Das Palästinaamt Wien irratuliert herz ichst Herrn DrCholmTariaho wer zu seinem 60. Geburtstage Die „THEOLOGIA“ gratuliert ihrem verdienstvollen früheren Präses, KahbinatsabHolvejiten JOSEFDABAO anläßlich seiner Promoton sum Doktor der Philosophie Verschärfung des Konfliktes zwischen Emir Abdullah und den arabischen Naiionaiisien Abduitah will sich die Gesetze seines Handelns nicht vorschreiben lassen und ist geneigt, die Tore Translordantens den Juden zu öffnen