Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 268 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 268 — 23. Februar 1633 DIE STIMME Seite Aufschwung der Wirtschaft in Palästina Von Emanuel Ncmnann (Jerasalcm) Leiter des Wirtschaftsdepartements der Jewish Agency Das Jahr 1932 bedeutete für Palästina eine Periode fortschreitenden wirtschaftlichen Wachstums. Die Krise der Jahre 1926 bis 1927 war Mitte des Jahres 1928 faktisc.i beendet, eine wirkliche Wendung zum Besseren war aber erst Anfang 1929 zu verzeichnen; die traurigen Ereignisse im Herbst 1929 brachten aber diese Bewegung zunr Stillstand. Die Lage verschlimmerte sich weiter infolge politischer Ereignisse: Passfield-Weißbuch, Einwanderungs- Verordnung vom Mai 1931, Einschränkung des Bodenverkaufes an Juden u. a. m. Hiezu kam die schlechte Wirtschaftslage in allen Ländern der Welt. Aber alle Befürchtungen, daß eine neue scharfe Krisis Über Palästina hereinbrechen werde, erwiesen sich als grundlos. Mitte 1931 war die Stimmung in Palästina eine recht gute, Ende 1932 waren ausgesprochene Zeichen einer wirtschaftlichen Besserung festzustellen. Die Einwanderung stieg, die Regierung erhöhte die Arbeiterschedule von 480 im Jahre 1931 auf 5800 im Jahre 1932. Während 193! 3136 Touristen die Erlaubnis zu Landeskenitee dauurndem Aufenthalt gegeben wurde, stieg die Zahl solcher Erlaubniserteilungen im Jahre 1932 auf 5500. Während in den ersten Monaten 1932 etwa 150 bis 300 Personen hn Monat einwanderten, zählte man in den letzten Monaten des Jahres rund 1000 Einwanderer pro Monat. Parallel mit der Erhöhung der Einwanderung ging eine Erhöhung des Kapitalzuflusses aus dem Ausland und der Kaufkraft auf den lokalen Märkten vor sich. Für die Erhöhung der Einwanderung war die günstige Haltung der Regierung zum jüdischen Aufbauwerk, aber auch der wirtschaftliche Druck unter den jüdischen Massen in der Welt maßgebend. Angesichts der beschränkten Möglichkeiten für Kapitalsinvestierungen in anderen Ländern sowie ferner dem Ansteigen der antisemitischen Woge war Palästina mit seiner verhältnismäßigen wirtschaftlichen Stabilität ein Lichtpunkt, der viele Juden in der Diaspora anzog. Aus alten Ländern, insbesondere aber aus Polen, Deutschland und den Vereinigten Staaten, kamen Juden nach Palästina, angelockt von den außerordentlichen Gelegenheiten, die ein im Aufbauprozeß sich befindendes Land bietet. Hierzu halfen u. a. die Makabiade und die Levante-Messe vom Frühjahr 1932, die von tausenden Juden aus dem Auslande besucht wurde. Diese Besucher empfingen starke Eindrücke von den wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas. Im Verlaufe von 1932, siedelten sich etwa 600 bis 700 jüdische Familien mit privaten Mitteln (von 1000 Pfund aufwärts) in Palästina an, während inr Jahre 1931 die Zahl solcher angesiedelten Familien nur 235 betrug. Die meisten Einwanderer dieser Kategorie stammen aus Amerika. Die neuen Investierungen jüdischen Kapitals in Palästina im Jahre 1932 werden auf eine Gesamtsumme von 3,500.000 Dfund geschätzt. Die Deposita in den Banken betrugen ungefähr 5,000.000 Pfund, von denen 3,500.000 Pfund m jüdischen Banken, besonders in der Angto-Palestine- Bank, und der Rest in nichtjüdischen Banken, wie Barclays Bank und Ottoman Bank, liegen. Der Zinssatz auf die Deposita wurde reduziert, die Kreditinstitutionen erwägen nun auch eine Reduzierung des Zinssatzes für Darlehensnehmer. Die wirtschaftliche Belebung ist zum Teil auch dem Umstand zu verdanken, daß im Jahre 1632 ausgedehnte Citrus-Haine zunr erstenmal Frucht trugen als Ergebnis der Investierungen in der Hausse-Periode der Jahre 1923 bis 1925. Der Export erreichte im Jahre 1632 bereits die Hälfte des Importes, während in früheren Jahren der Importwert nur ein Drittel und im Jahre 1931 40 Prozent des Exportwertes betrug. Die passive Handelsbilanz, die viele Jahre hindurch 75 Prozent und mehr betrug, ist jetzt auf 50 Prozent gesunken und wird, wenn die in den letzten Jahren gepflanzten Citrus- Haine Früchte tragen werden, noch weiter sinken. Auch ln der Industrie sind die Verhältnisse durchaus befriedigend. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung einerseits und die Erhöhung des Lebensstandards jedes einzelnen in Verbindung mit der I Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage anderseits bringen I eine Belebung des lokalen Marktes mit sich. Die jüdischen | Konsumenten im Auslande beginnen, den Wert palästinensischer Produkte immer mehr zu schätzen, die Tozereth- Haarez-Bewegung in den Ländern der Diaspora findet einen immer stärkeren Anklang unter den jüdischen Massen Europas, Amerikas und Südafrikas. Die Juden in Ländern, in denen der Gold-Standard noch erhalten ist, wie z. B. in Amerika, Deutschland, Polen, Frankreich usw., sind bestrebt, ihr Kapital in Palästina zu investieren, wobei sie bis zu etwa 50 Prozent am Kapital profitieren. Es kommt hinzu, daß der Sterling-Kurs die Konkurrenzfähigkeit der Palästina- Produkte auf den ausländischen Märkten erhöht hat. Der Citrus-Anbau hat im Jahre 1932 einen neuen Rtikord erreicht. In den jüdischen Kolonien wurden 1932 30 000 Dunam Boden neu bepflanzt (das gesamte jetzt mit Citrus-Bäumen bepflanzte jüdische Gebiet beläuft sich auf rund 100.000 Dunam). Der Citrus-Anbau unter den Arabern schreitet langsamer fort, aber auch die Araber entwickeln hierin eine erhöhte Tätigkeit in den Gegenden von Tulkarem, Ramleh usw. Der Citrus- Export belief sich ln der letzten Saison auf 3,630.000 Kisten, von denen 43 Prozent aus jüdischen Plantagen stammten. In der jetzigen Saison wird der Export vermutlich mehr als 4,000.000 Kisten betragen, davon die Hälfte aus jüdischen Hainen. Im Jahre 1932 wurden 21 neue Fabriken errichtet, darunter zwei für Wirkwaren, zwei für Drahtgitter, zwei für Citrus-Saft, eine Kerzenfabrik, eine Nägelfabrik und eine Konservembüchsenfabrik. In diese Liste ist eine Reihe von Fabriken nicht aufgenommen, die erst Ende des Jahres etabliert worden sind. Mehrere in früheren Jahren stillge¬ „Die einzige Lösung** legte Fabriken haben nach langer Pause ihren Betrieb wieder aufgenommen, so Delfiners Seidenwarenfabrik, Keters Schuhfabrik usw. Mehrere Fabriken sind jetzt im Bau. Bestehende Industrien bauen sich aus und bieten ebenfalls gute Gelegenheit für Kapitalinvestierungen. So zum Beispiel produziert jetzt die Sheman-Fabrik außer Oel und Seife auch Oelfarben, die Strickwarenfabrik in Tel-Awiw stellt außer Baumwollauch Wollwaren her, die Eisenindustrie nimmt an Umfang zu infolge der Steigerung des Bedarfes in der Bau- und Citrus-Industrie (Pumpanlagen usw.) und der Erhöhung der Aufträge seitens der Palestine Electric Corporation im Zusammenhang mit dem Bau von Elektrizitätsanlagen in verschiedenen Zentren. Demnächst wird man an den Bau einer großen Zuckerfabrik, einer Ternolitfabrik und einer Brennerei schreiten. Rapide Fortschritte macht die Mkieraliengewinnung. Die Palestine Potash Company hat eine zweite Betriebsanlage zur Gewinnung von Bromiden hergestellt. Die Kaiigewinnung ist beträchtlich gestiegen, die Zahl der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter hat sich von 300 auf 400 erhöht, viele Arbeiter müssen Ueberstunden machen. Eine Gruppe arabischer Kapitalisten erhielt eine Konzession zur Oel-Bohrung auf einem Gebiet von 100 Quadratkilometer südöstlich von Beer-Sheva. Anfang 1932 wurde die Hydro-Eiektrische Station des Jordan vollendet. Nach ihrer Inbetriebnahme konnten die Stromgebühren in ganz Palästina (mit Ausnahme von Jerusalem und Umgebung, die dem Betrieb nicht angeschlossen sind) um 40 Prozent reduziert werden. Die Kilowattstunde wurde von 50 mil auf 30 mil ermäßigt, für Bewässerungsanlagen wird die Kilowattstunde mit 15 mil berechnet. Die Senkung der Kosten für elektrische Kraft wirkte sich als ein weiterer Antrieb für die Entwicklung der Industrien aus. Besonders zu erwähnen sind noch der Bau des Haifa-Hafens und die Arbeiten der Irak-Petroleum-Gesellschaft. Diese Gesellschaft erwarb ein Gebiet von 2250 Dunam Küstenland bei Haifa, auf demr sie ungeheure Reservoirs für Oel sowie für Raffinerien errichtet. Tausende Tonnen Röhren, Loren, Maschinen usw. sind zu diesem Zwecke nach Haifa gebracht worden. Der Hafenbau steht unmittelbar vor seiner' Vollendung. Auf dem dem Meere abgerungenem Gebiete werden Lagerhäuser, Bureaus usw. errichtet. Weitere Investierungsmöglichkeiten sind geschaffen durch Herausgabe von Aktien und Obligationen seitens verschiedener Gesellschaften, wie Tibttias Hot Springs Ltd. (Gesellschaft zur Ausnutzung der heißen Quellen von Tiberias), Kalia Company (zur Entwicklung des Toten-Meer-Gebietes Die wirklich billige Schuhquelte linden Sie bei »DA-HO« (Inh. David Hmowitz) WfenlLT aborifraß^Nj^lh Ecke Gr edler st ruße 31 QuaUiäisware %u äußerst billigen Preisen. Bei Berufung auf die »Stimme« S Prosen! Rabat! als Kurort), Palestine Potash Company, Gesellschaft zur Entwicklung von Tel-Awiw (unter der Leitung vor Bürgermeister Dizengoff), General Mortgage Bank und mehrere andere Banken, South African Binyan Company. Die Lage des Landwirtes außerhalb der Plantagezone ist besser als in früheren Jahren. Die Erhöhung der Zölle für Getreide und Mehl in der Zeit von Juni bis Dezember (während die lokalen Produkte zu Markte gebracht werden), gepaart mit Beschränkungen der Einfuhr von Getreide tind Mehl haben immerhin eine Erhöhung der Preise bewirkt. Wenn auch diese wiederum etwas gesenkt werden mußten, konnte doch ein inr allgemeinen hohes Niveau gehalten werden. Die Regierung kam in diesem Jahre den Kleinbauern zu Hilfe, indem sie ihnen 70 Prozent der Zehtmt-Steuer erließ und Darlehen in der Gesamthöhe von 71.000 Pfund zur Anschaffung von Saatgut, lebendem Inventar, Futter usw. gewährt hat. Der Fortschritt in der Citrus-Industrie hat ebenfalls zur Verbesserung der Lage des Landwirtes beigetragen, da die Plantagen immer mehr Arbeiter einstellen. In vielen Dörfern, in denen bisher extensive Landwirtschaft getrieben wurde, wurden intensive Methoden eingeführt. In der Htigelregion entwickelte sich der Obstanbau zu einem wichtigen Zweig. In dem Maße, in dem sich die Lage der * arabischen Dörfer Palästinas verbessert, verschlimmert sie sich in Transjordanien, Große Teile der Bevölkerung jenseits des Jordans sind infolge rückständiger Methoden und Kapitalmangels so heruntergekommen, daß ihnen der Hungertod droht. Viele maßgebende Wirtschaftssachverständige sagen, da0 Palästina in das Jahr 1933 mit einer guten Aussicht auf fortdauernde Prosperität; getreten ist. Jedoch sollten gewisse Faktoren nicht aus dem Auge gelassen werden. Vor allem wichtig ist die Frage der Organisierung unseres Exportes, der Konsolidierung unserer 7. März Bairischer Hof Position in den bereits eroberten Märkten und die Gewinnung neuer Märkte. Nach dieser Richtung hin stößt Palästina auf beträchtliche Hindernisse, wie die ägyptische Zollmäuer, die Schutzzölle Großbritanniens und die Einfuhrbeschränkungen in mehreren Ländern Europas. Aber ungeachtet dieser Schwierigkeiten entwickelt sich der Palästina-Export nach vielen Richtungen hin, gewinnt allmählich Syrien, den Irak und die jüdischen Konsumenten in verschiedenen Ländern Europas. Außerdem besteht die Aussicht, daß Palästina schließlich doch mit Bezug auf die Empire-Zölle den englischen Dominions und Protektoratsländern gleichgestellt werden wird. Ein Problem, das ernste Aufmerksamkeit erfordert, ist die Spekulationswut, die in Zeiten erhöhter Einwanderung und wirtschaftlichen Fortschrittes sich bemerkbar macht. Dieses Uebel kann ernste Folgen mit sich bringen, wenn es den öffentlichen Institutionen nicht bald gelingt, ihm energisch zu Leibe zu rücken. Aber die jetzige Spekulaticnstätigkeit ist weniger beunruhigend als die Spekulationswelle im Jahre 1925, da jetzt die Arbeit auf einer viel gesünderen Basis ruht als damals. Nichtsdestoweniger darf unkontrollierten Faktoren nicht freier Spielraum gewährt werden. Verantwortliche Körperschaften sehen die Gefahr und treten ihr entgegen. Sokolows Besuch bei König Fuad hat keinerlei Zusammenhang mit dem Bodenvertrag In Transfordanlen Jerusalem. Die arabische Presse bringt den Besuch des Präsidenten der Jewish Agency, Nahum Sokolow, beim König von Aegypten, Fuad, mit dem transjordanischen Bodenvertrag in Zusammenhang. Wie die JTA erfährt, besteht ein solcher Zusammenhang in keiner Weise.